Ausgabe 
23.6.1896
 
Einzelbild herunterladen

8

Ge per f

0 Mf 7 eh. 70, . Kartfln 1er 070 h. d. 20 5 1 1 ., Verantw. 0 Pitnann, Wal

G füswürtien pres

1 1 0

1 mein photg, nem früheren teller

nachm. 5 Uhr u allet dotograph.

ht

jeh

fee un

affeln.

iger Aulentbal Neu!

haukel! len un ug Schubwach ll,

1. 0

aratur elne r* 2 4 4 Tascheuußt , eine Taschh 0 A

0,40 4% 18 0,50 4 Ubr em Jaht l

* Hoch.

iet, aue 5. 0e Beha

Auflage en 1 Nel. ab

iber das

1 N 2

9 fle. 1

1 M. 10

ful

len. 1 4 Brauns 1

e

1 face Jun 1 11 0 ple

Nr. 145

Gießen, Dienstag, den 23. Juni

1896.

andeszeitung.

Ausgabe

Gießen.

Redaktion:, Erscheint täglich mit Ausnahme der Tage nach Sonn- und Feiertagen.. Expedition: Kreuzplatz Nr. 4. 8 Preis der Anzeigen: 10 Pfg. für die Zspaltige Petitzeile. 206 Kreuzplatz Nr. 4.

Lokales und Provinzielles.

* Gießen, 21. Juni. Dem sogenannten Krampf im Wasser fallen alljährlich viele Per sonen, darunter vorzügliche Schwimmerr, zum Opfer. Der bis zum letzten Augenblicke sich noch munter im Wasser umhertummelnde Schwimmer macht urplötzlich ungewöhnliche Bewegungen mit den Armen, sinkt dann stumm in die Tiefe und verschwindet zum Schrecken der Badenden.Der Krampf hat ihn befallen, heißt es von allen Seiten,rasch ihm zur Hilfe! Das schnelle Nachlassen der Muskelkraft wird dadurch erzeugt, daß Schaum oder Wasserstaub in den Schlund kopf mit der Einatmung gelangt und in die Luftwege eindringt oder, wie es im Volksmunde heißt, in die falsche Kehle gerät, wodurch eine fast augenblickliche Stockung sämmtlicher Atmungs⸗ organe stattfindet. Kommt das Wasser beim Beginn einer Einatmung in die Luftröhre, wenn die Lungen ganz luftleer sind, so sinkt der Körper sofort. Wenn daher die Mitbadenden bemerken, daß jemand beim Baden ungewöhnliche Bewegungen macht, so müssen sie sofort Hilfe leisten, weil der betreffende unter den beschrie benen Umständen keinen Hilferuf äußern kann. Ein amerikanischer Arzt hat über diesen Krampf der Schwimmer in neuester Zeit interessante Untersuchungen aden Nach denselben ist bei solchen Unglücksfällen niemals Krampf im ge wöhnlichen Sinne im Spiel, wie auch die von ihm untersuchten Leichen plötzlich untergesunkener Schwimmer keinerlei Merkmale des Krampfes anfweisen.

* Gießen, 21. Juni. Unser jugendlicher Fahrer, Herr Duill, erwarb gestern in Darm⸗ stadt beim Eröffnungsrennen den 1. Preis.

* Gießen, 22. Juni. In letzter Zeit wur⸗ den aus einem Garten in der Westanlage mehr⸗ mals Rosen entwendet und zwar wählte sich der Dieb jedesmal die edelsten heraus. Nachdem in der Freitagsnacht wieder eine größere Partie

estohlen worden war, machte der Gartenbe⸗ ster der Polizei die Anzeige und gelang es, den Dieb in der Person eines hiesigen jungen Bur⸗ schen, der sich mit Verkauf von Blumensträußchen in den Wirtschaften befaßt, zu ermitteln. Er wurde verhaftet; auch gegen seine Mutter wurde Anzeige wegen Hehlerei erhoben. 5

Gießen, 22. Juni. Während der Arbeit in einem Hause am Ludwigsplatz stürzte am borigen Samstag ein Tapezier von einer Leiter und verletzte sich derart am Rücken, daß er in die Klinik aufgenommen werden mußte.

* Gießen, 22. Juni. Ein vor 4 Wochen hier in Condition getretener Bierbrauer aus Freiburg, welcher sich gestern Abend in einer Wirtschaft der Wallthorstraße in Gegenwart meh rerer Soldaten einer Majestätsbeleidigung schuldig machte, wurde verhaftet. Wie wir hören, soll der Verhaftete stark angetrunken gewesen sein.

* Gießen, 21. Juni. Aberglaube und Aber witz sorgen dafür, daß selbst in den Hunds

tageu, in der Zeit der politischen Dürre, den Blättern der Stoff zu erbaulicher Betrachtung nicht fehlt. In Sievershausen im Solling, in der Nähe von Dassel, ist wieder einmal ein neuer Wunderknabe aufgetaucht und macht viel von sich reden. Er zählt zwölf Jahre, erblickte in einer ehrsamen Tischlerfamilie das Licht der Welt und leidet an Krämpfen, die seinem körperlichen Wohlbefinden zwar nicht zuträglich sind, ihn aber in die angenehme Lage ver setzen, gläubigen Seelen die Vergangenheit und Zukunft zu prophezeien. Glücklicherweise hat er seinehellen Augenblicke nicht im Stadium der Krankheit, sondern in den Pausen zwischen den einzelnen Krampfanfällen, so daß man, ohne sich ange widert zu fühlen, von seiner übernatürlichen Seherkraft Gebrauch machen kann. Er weis⸗ sagt auch nicht, wie unsere Wahrsagerinnen, aus dem Kaffeesatz oder mit Hilfe der Kartenblätter, sondern er läßt die Fremden, die seines Rates begehren, ein Geldstück in der Hand erwärmen und liest dann vermittelst eines Röhrchens von diesem Geldstück die Schicksale der Menschen ab. Wie man sieht, eine ganz eigenartige Methode, die lebhaften Anklang zu finden scheint: denn unaufhörlich strömen in Schaaren die Leute herbei, um den Wunderknaben von Sievers hausen zu sehen und seiner tieferen Einsicht sich willig zu beugen. Natürlich zieht keiner heim, ohne dem weisen Tischlersöhnchen in irgend einer Art, meist durch eine Geldspende, sich erkenntlich gezeigt zu haben, welcher Umstand selbstredend für den kleinen Mann sehr profitabel ist und den schlauen Eltern nicht minder zu statten kommt. Wer weiß: vielleicht fährt eines Tages die Tischler familie, wenn sie sich der günstigen Situation nur einigermaßen gewachsen zeigt, noch auf Gummi! Die Dummen werden eben nicht alle, und das Geld liegt noch immer für Jeden, der's aufzu heben versteht, haufeuweis auf der Straße. Wir könnten noch mancherlei schöne Lehren an den interessanten Fäll knüpfen, könnten ein Langes und Breites über Fortschritt und Bildung, über neunzehntes Jahrhundert und ähnliche Dinge reden aber Thatsachen sprechen meist deut licher als Worte, und der Wunderknabe von Sievershausen ist einer Thatsache, die keiner weit⸗ schweifigen Erklärung bedarf. Kommentare würden die drastische Wirkung dieser Thatsache, die wie ein Stück Mittelalter in unsere gesegnete Periode derAufklärung hineinragt, sicher nur abschwächen!

* Lollar, 22. Juni. Gestern befanden sich die Bewohner der Gemeinde Lollar in freudiger Erregung. Es galt, die Männer zu ehren, welcheGott zur Ehr, dem Nächsten zur Wehr sich vor 20 Jahren zu⸗ sammen gefunden hatten, um eine Freiwillige Feuer⸗ wehr zu bilden; Lollar hatte Flaggenschmuck angelegt; sämtliche Vereine nahmen Teil an dem Ereignis. Um Uhr nachmittags durchzog der Festzug die Straßen der Stadt. Voran ein Musikkorps, der Radfahrerverein Lollar, seine mit Blumen begrenzten Räder mit sich führend. Darauf folgte das Freiwillige Feuerwehrkorps, etwa 150 Mann stark, welchem sich anschloß der Krieger⸗

verein, der seine alte Fahne(aus dem Jahre 1742) ent⸗ rollt hatte. Dann kam der Turnverein, dem sich an⸗ schlossen die Liedertafel, der Männergesan g⸗Verein und der Turn⸗ und Gesang⸗Verein. Der Zug endete vor dem Restaurant zum Schwan, dessen Aeußeres, sowie dessen geräumiger Wirtschaftshof mit Fahnen, Wappen, Sprüchen, Tannengrün und Laubgewinden prächtig geschmückt war. Um 4 Uhr betrat der Gründer des Korps, Feuerwehr⸗ hauptmann Feller die Musikbühne. In ausführlicher Weise entrollte er ein Bild der seitherigen Entwickelung des Corps. Er gedachte der Gründer, der Verstorbenen und der Verzogenen. Weiter zeigte er, wie das ganze Feuerlöschwesen innerhalb 20 Jahren vollständig umge⸗ staltet worden set. Mit Stolz könne er hervorheben, daß Lollar die beste organisierte Feuerwehr in Oberhessen habe. Ein Brand hat in Lollar während des 20jährigen Be⸗ stehens der Feuerwehr nicht stattgefunden. Die Jugend der Gemeinde möge sich ein Beispiel nehmen an den Männern, die heute durch ein Diplom geehrt werden sollen. Es giebt keinen Verein, der uneigennütziger ist als die Feuerwehr. Sie betrachtet es als ihre heilige Pflicht, den Mitmenschen zu helfen und beizuspringen in der Stunde der Not und Gefahr. Werte Anwesende und ge⸗ treue Kameraden! so schloß der Redner, lassen Sie uns des Schutzes eingedenk sein, dessen die Freiwillige Feuer⸗ wehr jetzt durch ihren hohen Protektor genießt und ein Hoch ausbringen auf denselben unsern Großherzog Ernst Lud⸗ wig. Er lebe hoch. Drei Mal tönte der Ruf viel hundert stim⸗ mig über den Festraum. Hierauf wurdenlfolgende Mannschaften zur Empfangnahme der Diplome ausgerufen. Johannes Kutscher, Johannes Schupp, Heinrich Arnold, Heinrich Fuchs, Friedrich Bierau, Chr. Ullmann, Ludwig Schön III, Ludwig Wagner, Gerhardt Schwalb, Gerhardt Schwalm. Friedrich Heibertshausen Balthasar Pitz Friedrich Seipp Balthasar Schön Chr. Rein Karl Moos Heinrich Pempfer Friedrich Simon Ludwig Seipp Friedrich Riem II Philipp Geiß⸗ ler Philipp Moos Heinrich Keßler Kaspar Carber Andres Häuser Ludwig Geißler II Ludwig Geißler III Bürgermeister Karl Geißler Friedrich Geißler III Friedrich Klinkel Konrad Erb Magnus Bierau Franz Mankel Louis Klinkel Heinrich Frank III Johannes Klinkel Ludwig Seipp Chr. Deibel Heinrich Rothbart IV Heinrich Bierau II. Der 41. Veteran ist der Feuer⸗ wehr⸗Hauptmann Feller selbst, welcher die Jubilare er⸗ mahnte, nicht etwa das Diplom als Abkehrschein zu be⸗ trachten. Aus der Mitte des Corps heraus wurde dem Hauptmann ein kräftiges dreimaliges Hoch ausgebracht. Bürgermeister Geißler, einer der Jubilare, dankte hierauf Namens derselben für die ihnen zu Theil gewor⸗ dene Ehrung. Er schloß mit einem Hoch auf die Freiwillige Feuerwehr, die Gemeindebewohner und die Weiterent⸗ wickelung der Gemeinde Lollar. Namens der beiden Gießener Korps sprach der Hauptmann der Freiwilligen Feuerwehr. Er dankte für die Einladung, die ihnen zu Theil geworden zu der seltenen Feier und ließ die Jubi⸗ lare hoch leben. Damit war der offizielle Theil des Festes beendet. Fleißig sorgte die Kapelle durch den Vortrag von Musikstücken für Unterhaltung, während die Gesangvereine zwischendurch ihre Gesänge ertönen ließen. Wir mußten leider zu früh die Stätte des Frohsinns und der guten Laune verlassen. Es waren fröhliche Stunden, die wir in Lollar verlebten. Auch wir wünschen dem Lollarer Korps ferneres Gedeihen.

Grünberg, 20. Juni. Am Freitag wurde hier der sog. Johannimarkt abgehalten. Der⸗ selbe gilt in der Regel als einer der belebtesten

unsrer Jahrmärkte. Wegen der in zwei benach⸗ barten Gemarkungen herrschenden aul⸗ und Klauenseuche war jedoch diesmal der Auftrieb von Rindvieh und Schweinen verboten. Auf dem Krämermarkt, welcher auf Anord⸗ nung der Großh. Bürgermeisterei auf dem Marktplatz in der Stadt stattfand, hatten nur wenige Kurz⸗ und Zuckerwaarenhändler ihre Verkaufsstände aufgeschlagen. Außerdem hatten sich eine Anzahl Schuhmacher von Alsfeld, welche unsren Johannimarkt regelmäßig zu be⸗ ziehen pflegen, eingefunden. Bad Nauheim, 20. Juni. In der letzten Woche sind 930 Fremde angemeldet worden gegen 746 Personen in der Parallelwoche des Vorjahres. Gesamtfrequenz bis 18. Juni einschließlich 5869 Personen. Noch anwesend 3749 Personen. Zahl der bis 18. Juni abgegebenen

Bäder 54058 gegen 47863 Bäder gegen den

entsprecheuden Zeitpunkt des Vorjahres. Büdingen, 22. Juni. Die Vorbereil⸗

tungen zu dem am 27. 29. d. Mts. in unsrer

Stadt zu feiernden 23. Gauturnfest des Gaues Hessen sind in vollstem Gange. Vor⸗

sitzender des geschäftsführenden Ausschusses sind

Kaufmann Atbert und Forstmeister Müller.

Das Programm besagt: Samstag, 27. Juni, Festkommers mit Militärmusik(ganze Ka⸗ pelle des Jägerbataillons Nr. 11 zu Marburg).

Sontag, 28. Juni, vormitttags, Einzel⸗Wett⸗

turnen und Frühkonzert; nachmittags, Festzug,

Freiübungen, Musterriegen⸗Turnen; Preisver⸗

teilung, Konzert und Tanz. Montag, 29. Juni, vormittags Ausflug in die Umgebung von Büdingen mit der Kapelle; nachmittags

Schauturnen u. s. w.; abends, großes Brillant⸗

feuerwerk. Es ist elektrische Beleuchtung vor⸗

gesehen.

Vom südlichen Odenwald, 20. Juni. Die Heidelbeerernte ist vor der Thüre und mit ihr kommen die Tage, welche der ärmeren Bevölkerung unserer Gegend Gelegen⸗ heit bieten, etwas zu verdienen. Da die Sträucher recht gut überwintert haben, verspricht die Ernte eine reichliche zu werden. Mehr und mehr wird der hygieinische Wert dieser Frucht schätzen ge⸗ lernt, und gar viele Private bereiten sich jetzt alljährlich ihren Heidelbeerwein, der erprobter maßen insbesondere bei Verdauungsstörung ausgezeichnete Dienste leistet. Vor Jahren ver⸗ kam diese Frucht massenhaft in unsern Wäldern, der Verkehr hat auch ihr Verwendung und Ab⸗ satz gebracht. 5

* Worms, 19. Juni. Die Beisitzer a Gewerbegericht haben sich gestern Abend mit der Errichtung eines städtischen Arbeits⸗ amts und mit dem dafür aufgestellten Statut einverstanden erklärt. Letzteres sieht vor, daß gewerbliche Arbeiter, Dienstboten und Lehrlinge beiderlei Geschlechts die Arbeit vermittelt werdej soll. Auch hat das Amt bei wichtigen gewerh⸗ lichen Streitigkeiten auf eine Einigung hinzu⸗ wirken und schließlich die Erwerbsverhältnisse der

Der geheimnisvolle Neffe. 7

H Erlin. (Nachdruck verboten Reisen dies Jahr...? J wo! Wird nichts d'raus. Punktum!

Aber Männe...

Punktum sag' ich! Brauchen nicht alle Jahre auf Sommerweide. Bin kein Rotschild!

Mächtige Dampfwollen vor sich hinpaffend, ging Herr Rechnungsrat Pfeifer mit wuchtigen Schritten im Zimmer auf und ab, während seine Frau einen wehmutsvollen Seufzer hören ließ, der vor allem der unumstößlichen Thatsache galt, mit der Rot⸗ schildschen Familie in absolut keinem verwandt schaftlichen Verhältnis zu stehen.

Es braucht ja nicht viel zu kosten, Männe; aber siehst Du, man hat doch zum Beispiel Pflichten gegen... das Kind, gegen Tekelchen.

Na, da hört aber Manches auf! Mit einem plötzlichen Ruck blieb Herr Pfeifer stehen, legte die Hände kreuzweis über seineWohlbeleibtheit und heftete seine kugelrunden Aeuglein fragend auf seine bessere Hälfte.Wieso ich meine Pflichten als Vater vernachlässige, wenn ich meinem Fräulein Tochter mal die Sommerreise verweigere, das sehe ich denn doch nicht ein.

Aber ich, fiel ihm Frau Eleonore mit Nach druck in's Wort,ich sehe es ein! Du freilich kannst es dulden, daß das Kind hier in den Jammerneste versauert. Tekelchen wird bald zwei undzwanzig Jahre, und immer noch keine anständige Versorgung in Sicht. Was hatten wir mit dem Kind für Pläne und nun? Hier blüht ihr höchstens,

in unser Haus zu kommen. Na, und neulich fiel mir sogar auf, wie er zu unsern Fenstern empor⸗ schielte. Tekelchen aber doch ich will nichts ge sagt haben.

Das fehlte gerade! Ein StirnrunzelnMän nes und ein gewisser nachdenklicher Ausdruck in seinen Mienen, begleitet von mäßiger Gangart, legten Zeugnis davon ab, welche Wirkung die Er⸗ wähnung Schnittchens auf sein Gemüt ausübte. Nun ja er konnte des Menschen einmal nicht leiden. Genug schon, daß er mit dem jungen städtischen Sekretair täglich zusammen arbeiten mußte; aber als Schwiegersohn hätte er sich ihn ganz abgesehen davon, daß er mit seinem Tekelchen ganz andere Zukunftspläne hatte nie und nim⸗ mer gewünscht. So ein junger Mensch, der sich einbildet, weil er mal seine Nase nach Berlin hin eingesteckt hat, alles besser zu wissen und über die guten, alten Sitten der Kleinstadt spötteln zu kön nen, der wäre gerade sein Geschmack!

Wenn sich wirklich zwischen Schnittchen und Thekla etwas anbandeln sollte, daun lieber....

Und im Stillen begann Herr Pfeifer, einen flüchtigen Kostenüberschlag der Sommerreise zu machen, während Frau Eleonore beredt die ihr bekannten Fälle ins Treffen führte, wo junge Mädchen durch Badebekanntschaftenihr Glück ge macht hatten. Als sie jedoch Grafen und Barone zu nennen anfing, warf ihr Männe einen viel sagenden Seitenblick zu, worauf sie verstummte.

Da wurde plötzlich die Thür aufgerissen, und herein stürmte ein junges Mädchen mit dem

Herrn Sekretair Schnittchens's Frau zu werden.

lachenden Rufe:

Du sagst ja selbst, daß er auf alle Weise versucht,

Denk' Dir nur, Mama, so Schnittchen vorüber und grüßte zu uns herauf, ob⸗ wohl er mich garnicht kennt! 8

So! Und hast Du denn gedankt? lautete die Gegenautwort. 5

Na, aber selbstverständlich! beeilte sich Tekelchen in völlig falscher Auffassung der mütter lichen Frage zu versichern. 8

Herr Rechnungsrat hingegen hatte dies kleine Intermezzo schweigend mit angehört, und jetzt griff er mit der Miene eines Mannes, der entschlossen ist, unter allen Umständen seine Pflicht zu thun, nach dem deutschen Eisenbahnkursbuche.

Acht Tage später und sengende Hitze.

Auf der Ahlbecker Strandpromenade wankte ein Bild des Jammers Herr Rechnungsrat Pfeifer mit Frau und Tochter einher; seit vier Stunden bereits befand er sich auf der Wohnungs- suche, ohne etwas Passendes zu finden. Nachgerade hatte er die Sache gründlich satt. Aber was half's? Nun war man einmal da in dem sandigen, flunder⸗ duftenden Neste, und wohnen mußte man doch irgendwo.

Da wieder ein Vermietungszettel, Männe! Das Haus sieht hübsch aus so villenartig. Komm, laß uns mal hineingehen.

Mit müden Blicken folgte Männe der bezeich nenden Handbewegung seiner Frau. Ihm war alles egal mochte man dort auch nochmal nach fragen. Tekelchen aber meinte prophetisch:Die Wohnung ist doch viel zu teuer, das sieht man

bereits von außen!

eben ging Sekretair

Dessen ungeachtet schritt ihr Papa gravitätisch voran und zog die Hausklingel.

Alsbald wurde die Thür geöffnet, und Familie Pfeifer betrat einen halbdunklen, geräumigen Flur. Der dienstbare Geist, der den Eingang erschlossen hatte, schien nicht hochdeutsch zu sprechen, denn er entfernte sich, ohne weiter Rede und Antwort zu stehen.

Kopfschüttelnd pochte der Herr Rechnungsrat energisch an eine der Thüren, die sich im Flur be⸗ fanden.

In demselben Augenblick wurde dieselbe mit Vehemenz aufgerissen, eine menschliche Gestalt von unförmlichen Dimensionen stürzte mit ausgebreiteten Armen heraus und flog Herrn Pfeifer mit den Worten:Da bist Du ja, mein lieber, alter Junge! an den Hals.

Aber erlauben Sie mal war alles, was der also Bewillkommete zu seiner Befreiung her⸗ vorzubringen vermochte.

Da ließen ihn die unbekannten Arme plötzlich los, deren Besitzer aber starrte geradezu mitleid⸗ erregend verblüfft auf Herrn Pfeifer, ehe er die aufklärenden Worte fand:

Sie sind's ja gar nicht! Verzeihung! Ich er⸗ warte nämlich meinen Neffen, und da in dem dunk⸗ len Flur bei meiner Kurzsichtigkeit

Hielten Sie mich für den Neffen, lachte Herr Pfeifer nunmehr ganz besäuftigt und rückte seinen Hemdkragen zurecht.Kleines Mißverständnis!

(Fortsetzung folgt.)