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Gießen, Sonnabend, den 14. März
1896.
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Redaktion:
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Erscheint täglich mit Ausnahme der Tage nach Sonn- und Feiertagen.
Preis der Anzeigen: 10 Pfg. für die Sspaltige Petitzeile.
— Expedition: 2. Kreuzplatz Nr. 4.
Aus dem Verwaltungsbericht der Großh. Bürgermeisterei. * Gießen, den 13. März 1896. Städtische Unterrichtsanstalten. 115
Die Gehaltsverhältnisse der akademisch ge⸗ bildeten Lehrer und der Lehramtsassessoren er⸗
fahren— mit Rückwirkung vom 1. April 1894
ab— eine Neuordnung, welche dieselben in llebereinstimmung hielt mit den seit gedachtem Datum verbesserten Gehalten ihrer Kollegen an höheren Lehranstalten des Staates.
Der im vorigen Bericht erwähnte neue Physik— 0 saal, welcher auch als Kombinationssaal gute
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0 Dienste leistet, konnte mit Beginn des Schuljahres
in Gebrauch genommen werden; der nach Anlage und Ausnutzung gleich mustergültige Schulgarten erfuhr eine Vergrößerung nach Nordwesten.
Der Zuschuß aus der Stadtkasse zu den Kosten der hier vereinigten Schulen beträgt im abgelaufenen Jahr 30860. 18, sonach 58. 45„ für eine Schülerin(ohne die Ver— zinsung und Tilgung der Baukapitalien). Die Höhe dieses Zuschusses verglichen mit demjenigen für die Volksschulen und für Realgymnasium
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und Realschule einerseits und anderseits der Ver— gleich der Schulgeldsätze der hiesigen Anstalt mit denjenigen der gleichen Lehranstalten des Landes haben Aulaß gegeben zu einer Erhöhung der ersteren mit Wirkung vom Schuljahr 1895/96 ab,
und zwar dahin, daß das Schulgeld der höheren Maädchenschule zwischen 60 und 108, das—
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und die 8. in 2 Abteilungen unterrichtet wurden:
zwischen 36 und 60 4 beträgt.
Die Stadtknabenschule besuchten in
8 Klassen, von welchen 6 in je 2 Hälften geteilt und die 8. in 2 Abteilungen unterrichtet wurden:
im Sommer 1894 772 Knaben gegen 770 im Vorjahr,
im Winter 1894/95 771 Knaben gegen 765 im
Vorjahr. Die Stadtmädchenschule besuchten in 3 Klassen, von welchen 7 in je 2 Hälften geteilt
im Sommer 1894 950 Mädchen gegen 720 im 5 Vorjahr, ö im 19 5 189495 942 Mädchen gegen 909 im orjahr. An geistig zurückgebliebenen, bezw. schwach⸗ 9 15 15 Kindern wurden 4 Knaben und eben— soviel Mädchen besonders unterrichtet. Der im Vorjahr wieder aufgenommene und damit wohl zu einer dauernten Einrichtung ge— wordene besondere Sprachunterricht für Stotterer
und Stammler wurde durch den Lehrer Backes
det Malen abgehalten und zwar einerseits im Sommer 1894
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ein Wiederholungskurs mit wöchentlich 2 Stunden
für die in 1893/94 erstmals unterrichteten Stotterer und anderseits ein Hauptkurs während der Sommer—
ferien mit täglich 1 Stunde für Stotterer und 1
für Stammler mit wöchentlich je 1 Wiederholungs- stunde bis zum Schluß des Schuljahrs. Es wurden insgesamt 22 Stotterer(20 Knaben und
2 Mädchen) mit dem Erfolg unterrichtet, daß nach 91 Unterrichtsstunden 16 derselben als geheilt, 6 als wesentlich gebessert zu betrachten sind; von den 12 Stammlern(Knaben) sind 9 geheilt und 3 gebessert.
Durch Großherzogliche Kreisschulkommission wurden in der Stadtknabenschule 7 Schulprüfungen vorgenommen uad dabei die nachstehenden Ge— samtnoten erteilt: 3 mal„sehr gut“, 1 mal„sehr gut bis gut“, 2 mal„gut bis sehr gut“ und
mal„im Ganzen gut“. 2
Im Lehrerpersonal der Volksschule sind im Berichtsjahr folgende Aenderungen eingetreten:
an der Stadtknabenschule trat an die Stelle des als Oberlehrer nach Bad-Nauheim versetzten Lehrers Feuerbach der Schulverwalter Goppelt und nach dessen Abberufung wegen Erkrankung
der Schulverwalter Zieprecht; an die Stelle des
an die hiesige höhere Mädchenschule versetzten Schulverwalters Corvinus trat Schulverwalter Schuchmann; Lehrer Trautmann wurde von der Stadtknabenschule an die Stadtmädchenschule ver⸗ setzt und der zum Betrieb akademischer Studien aus dem Schuldienst ausgeschiedene Schulver— walter Männchen wurde an der Stadtknaben⸗ schule ersetzt durch den Schulverwalter Horn.— Schulverwalter Backes erhielt seine definitive lnstellung. 5 Der Lehrer⸗Witwen⸗ und Waisenkasse Gießen, welche die Gewährung von Zuschüssen zu den Leistungen der staatlichen Witwen⸗ und Waisen⸗ kasse bezweckt, wurde ein widerruflicher Jahres-
beitrag von 100 K bewilligt.
Der Zuschuß aus der Stadtkasse zu den Kosten der Volksschule(ohne Knabenhort, Handfertigkeits— unterricht und Fortbildungsschule) beträgt im Berichtsjahr 7902 4 91„, sonach für ein Schulkind 46. 2„(ohne Verzinsung und Tilgung der Baukapitalien).
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Lokales und Provinzielles.
* Gießen, 13. März. Ein bei der Zweiten Kammer eingegangener Antrag des Abg. Köhler geht dahin, a. jedem Mitglied der zweiten Kammer der Stände während der Dauer des Mandats folgende Drucksachen kostenfrei zugehen zu lassen: 1) die Darmstädter Zeitung; 2) die⸗ jenigen amtlichen Kreisblätter, welche in dem Bezirk erscheineu, wo der Abgeordnete gewählt ist; 3) die Veröffentlichungen der Oberen Land— wirtschaftlichen Behörde, des Landes-Ausschusses der landwirtschaftlichen Vereine, der Zentralstelle für die Gewerbe und der öffentlichen Schulen (Hochschulen und höheren Schulen) des Landes; 4) die Berichte sämtlicher Handelskammern des Großherzogtums; 5) die Regierungsblätter. b. Zu diesem Zwecke einen entsprechenden Ausgabe— posten in den Hauptvoranschlag der nächsten Budgetperiode einzustellen.— Der Antrag Köhler findet warmen Beifall. Die Abgeordneten müssen orientiert sein über die Verhältnisse unseres Landes. Man kann ihnen aber nicht zumuten, die zur Information nötigen Drucksachen aus eigener Tasche zu zahlen.
* Gießen, 12. März. Derselbe jubelnde Beifall, welchen die Schlierseer in unserer Stadt ernteten, wird ihnen auch bei ihren Vor— 1 0 in Mainz, wo sie gegenwärtig spielen, u Teil. 55 Gießen, 12. März. Stadtverordne⸗ ten⸗Versammlung. Um halb 4 Uhr Nach⸗ mittags eröffnet Oberbürgermeister Gnauth die Sitzung. Ein Gesuch von Julius Wellhöfer um pachtweise Ueberlassung eines Holzlagerplatzes am Stadtbach, in der Nähe der Marktlauben wird abgelehnt.— Die Versammlung beanstandet das Gesuch des Georg Brömer um Genehmigung zur Errichtung einer Backsteinbrennerei am Rie—⸗ gelpfad. Die Ortsfeuerlöschordnung wird dahin abgeändert, daß statt der bisherigen 300 der Grundbestand der Pflichtfeuerwehrleute auf 200 herabgesetzt wird, von denen nur 120 bei Ausbruch eines Brandes herangezogen werden sollen.— Es folgt die Berathung des Voran⸗ schlags der Stadt Gießen für 1896/97. Herr Oberbürgermeister Gnauth referirt über diejenigen Posten, welche wesentliche Veränderungen des Voranschlags des Vorjahres ergeben. Wir er— wähnen davon die Armenpflege, die mit . 1000 mehr in Ausgabe gestellt ist. Für Zwecke des Kreises und der Provinz ist ein Plus von. 1500 erforderlich. Oberbürgermeister Gnauth bemerkt hierzu, daß die Stadt Gießen bisher 44 pCt. der Kreisumlagen zu zahlen hätte, daß dieser Prozentsatz aber steigen werde im Verhältniß wie die Steuerkraft der Stadt zunehme, was durch die Selbstdeklaration in den Städten prozentual stärker sei, als auf dem Lande. Die Schuldentilgung erfordert ein Mehr von +ι 5000. Günstiger gestalten würden sich die Positionen:„Rest aus vorderen Jahren“ und„Gebäude“. Letztere Position wird sich um , 10 000 günstiger gestalten, wenn das Ba⸗ rackenkasernement zur rechten Zeit benutzbar werde. Ferner stellen sih günstiger die Posi⸗ tionen:„Grundstücke“,„Waldungen“,„Gaswerk“, „Wasserwerk“,„Waaganstalten“,„Realgymna— sium“,„Realschule“„Kanäle“ und„Oktroi“. Die Kommunalsteuern werden voraussichtlich eine Mehreinnahme von 12 800 ergeben. Die Finanz⸗Deputation beantragt für dielleberwach— ung des Freibades in der Lahn in Ausgabebei Posi— tion Bäche Mk. 240, für Zwecke des Kreises und der Provinz Mk. 4000 hinzuzusetzen. Das Betriebs⸗ kapital in Ausgabe vorgesehen mit Mk. 10,470,925 soll in Mk. 11,452,335 in Ausgabe erhöht werden, während die Kommunalsteuern in Einnahmen (Mk. 434 160) um Mk. 6334,53 vermehrt werden soll. Weiter beantragt die Finanz-Deputation, im Voranschlag 1896/97 zur Vermögensrechnung unter Erbauung von Straßen und Wegen in Ausgabe zu stellen Mk. 3700 für Umbau der Frankfurterstraße. Mk. 4100 zur Herstellung erhöhter Trottoirs in der Marktstraße, Mk. 4600 zur Verbreiterung und Asphaltirung des Gäß—⸗ chens auf der Bach. Dagegen sollen unter Ka⸗ pitalaufnahmen in Einnahme Mk. 42 000 hinzu⸗ gesetzt werden. Die Betriebsrechnung des Vor⸗ anschlags schließt ab zugänglich der in Einnahme
und Ansgabe gestellten Zusätze der Finanz—
Deputation vorgeschlagenen Summen mit Mark 1,764,455,65. Die Hauptsumme pro 1896/97 unseres städtischen Budgets beläuft sich sonach nach dem Voranschlag auf Mk. 2,871,888,25. An der Hand einer gedruckt vorliegenden Tabelle stellt der Oberbürgermeister fest, daß Gießen unter den fünf größten hessischen Städten mit Steuern am wenigsten belastet sei. Gießen sei zwar die kleinste der Städte, versuche aber auch in der Entwickelung erst seit 10 Jahren nachzuholen, was die anderen voraus hatten. Es wird mun in die Spezialberatung eingetreten. Bei der Po⸗ sition Waldungen wünscht Stadverordneter Helf— rich, daß in näher bestimmten Hochwalds— distrikten Abfuhrwege für Holz angelegt werden. Stadtverordneter Heyligenstädt regt an, in solchen Distrikten einen Versuch mit transpor⸗ tablen Feldbahnen zu machen. Der Ober— bürgermeister bemerkt, daß der Heyligenstädt'sche Vorschlag früher schon erwogen sei, bei unserm abschüssigen Terrain aber nicht für praktisch be⸗ funden wurde. Auf Anregung des Kollegen Helfrich werde er der Oberförsterei das Bezügliche mitteilen. Bei Position Schlachthaus frägt Stadtverord— neter Haubach an, woraus die Verringerung der Schlachtungen pro 1896/97 gefolgert werde. Oberbürgermeister erklärt, er dabe aus den Schlachtungen pro 1893/94 deren Zahl sehr hoch war und denen aus 1894/95 die sehr gering ge— wesen, den Mittelweg eingeschlagen, welcher wohl das richtige annähernd treffen dürfte. Bei Position Kirchen bemerkt der Oberbürgermeister daß man vergeblich versucht hat, die Kirchen— behörde zu veranlassen, daß auf dem Steuerzettel ersichtlich gemacht werde, wie hoch die Kirche versteuert ist. Auch das Kreisamt habe erklärt, es gehöre nicht zur Kompetenz der Stadtver— waltung, die Kirchengemeinde durch Zwang zur Zustimmung zu dieser Maßnahme zu veranlassen. Man will nun abwarten, was die Stadt Gießen als Vorort des Hessischen Städtetages mit einer an das Ministerium gerichteten diesbezüglichen Eingabe erreicht. Es genüge an dieser Stelle darauf hinzuweisen, daß die evangelische Kirchen— gemeinde 15 ½ pCt. und die katholische Kirchen— gemeinde 8,4 pCt. Steuern für ihre Zwecke er— hebe. Bei Position Polizei frägt Stadtverordneter Haubach an, woran es liegt, daß das neue Adreßbuch bislang nicht geliefert sei? Es sei doch den Bestellern dessen Lieferung vor dem 1. Januar versprochen worden. Der Oberbürger— meister bemerkt hierzu, daß die Schuld der Ver— zögerung den Verleger des Buches treffe. Es werde die Verzögerung jedoch nicht viel aus— machen, da jedenfalls vor dem Sommer 1897 doch kein ferneres Buch zur Ausgabe gelange. Unter diesen Umständen, würden die Reflektanten doch wohl das zu erwartende Adreßbuch sämtlich abnehmen. Bei der Position Militärzwecke be— merkt Stadtverordneter Loeber, daß es wünschenswert wäre, die Einquartierungskom⸗ mission einzuberufen, um sich über die jetzt gül⸗ tigen Verpflegungssätze gegenseitig ein Mal aus⸗ zusprechen. Oberbügermeister erklärt, daß diese Aussprache in aller nächster Zeit erfolgen könne, wo er mit der Einquartierungskommission doch zu verhandeln haben würde. Bei Position Kommunalsteuern bemerkt Stadtverordneter Dr. Gutfleisch: Im Verzirks-Verein Süd-West habe man jüngst die Besteuerung des Fernie— schen Werkes besprochen und diese Be⸗— sprechung habe Raum gefunden in der Presse. Nun bestreite er zwar nicht den Bezirks⸗ vereinen das Recht, öffentliche Angelegenheiten zu verhandeln. Die Frage liege aber wesentlich anders, als sie der Referent in jener Versamm⸗ lung dargestellt habe. Wenn dort vom Referenten erklärt sei, die Frage sei strittig und müsse des— halb ausgefochten werden, so wolle er hier er— klären, daß die Stadt als solche gar keinen Streit anfangen könne, weil es an einem Instanzenzug fehle. Was in dieser Frage zu machen war, ist geschehen. Die juristische Kommission hat sich mit der Sache befaßt und es liegt kein Anlaß vor, der Stadtverwaltung einen Vorwurf zu er⸗ heben. Nur der von der Steuer Betroffene, also Fernie selbst oder sein Vertreter, Direktor Pascoe, kann den Justanzweg in dieser Frage beschreiten. Der Referent des Süd-West⸗Vereins sei zwar Mitglied der juristischen Kommissiou, hat aber in der entscheidenden Sitzung gefehlt. Die Erörte— rung der Angelegenheit hätte der betr. Süd-West⸗ Vereins⸗-Referent vor das Plenum der Stadt—⸗ verordneten-Versammlung bringen müssen, nicht aber in einem Bezirksverein. Es sei be⸗ fremdend, daß man diese Angelegenheit in einer öffentlichen Versammlung erörtert habe. Es sei auch unzulässig, Gutachten der juristischen
Kommission öffentlich zu behandeln. Solche Ver— öffentlichungen könnten gegebenen Falles der Stadt großen Schaden bringen. Wortgetreu sei ein Gutachten der juristischen Kommission in der Presse veröffentlicht worden, und zwar gegen alles Herkommen. Es sei ja die Behauptung des Referenten im Süd-West⸗Verein, daß da, wo der Sitz des Gewerbebetriebes sich befindet, das—⸗ selbe auch zur Kommunaleinkommensteuer heran⸗ zuziehen sei, im vorliegenden Fall ungeheuer be⸗ stechlich“ In zahlreichen Fällen könne diese Aus⸗ legung ebenso schädlich sein, wie sie im Fernieschen Falle vorteilhaft wäre. Die juristische Kommission sei stets bestrebt gewesen, das Beste für die Stadt Gießen zu thun. Glaube man aber, die Kom⸗ mission habe geirrt, so möge man hier in der Versammlung die Sache erörtern. Stadtverordneter Petrie II bemerkt, in jener Versammlung anwesend gewesen zu sein. Ob— wohl Herr Grünewald wohl angenommen habe, ihn dort abgeführt zu haben, teile er noch heute die Anschauung des Dr. Gutfleisch. Um auch nach Außen hin zu zeigen, daß sich die Stadt⸗ verordnetenversammlung in dieser Frage völlig einig sei, erklärt sich die Versam mlung auf Vor⸗ schlag des Oberbürgermeisters ausdrücklich ein⸗ verstanden mit den Ausführungen des Dr. Gut⸗ fleisch. Stadtverordneter Dr. Schiefer frägt an, wie es mit der Renovierung des alten Schlosses stehe, resp. ob und wie weit die Pläne hierzu bereits angefangen. Der Oberbürger⸗ meister bemerkt darauf: Die Sache habe er nicht für so eilig gehalten, es seien auch auf dem Ge⸗ biete des Hochbaues dringendere! Arbeiten vor⸗ handen gewesen, so daß man sich mit der Sache nicht habe beschäftigen können. Hoffentlich ge⸗ lange man in diesem Jahre noch dazu, das Ge⸗ bäude von den Holzfachwerksbauten zu befreien und den Heidenturm gründlich kzu repariren. Damit ist der öffentliche Teil der Sitzung erledigt. Es folgt eine geheime Sitzung.
Gießen, 13. März. Am Dienstag, den 17. ds. Mts. findet im Cafe Leib die von uns bereits angekündigte Versammlung des frei⸗ sinnigen Vereins statt, in welcher Rechtsanwalt Meißner Frankfurt sprechen wird.
Gießen, 13. März. Totfeindschaft dem Oktroi! Bei demnächstiger Beratung des städti⸗ schen Haushaltungsvoranschlags für das neue Rechnungsjahr wird wieder, wie vor drei Jahren, beantragt werden, von Erhebung einer Ok- troigebühr abzusehen und den Ausfall durch Erhöhung der Kommunalumlagen zu decken.— So wörtlich zu lesen im katholischen„Mainzer Journal“. In unserer Stadtverordneten-Ver⸗ sammlung hat sich gestern bei der Beratung des Voranschlags Niemand gefunden, der diese höchst zeitgemäße Forderung aufgestellt hätte. Und doch sind in unserer Stadtverordneten-Ver⸗ sammlung die verschiedensten Parteien vertreten, so die Nationalliberalen, Freisinnigen und Sozial⸗ demokraten. Gab es wirklich nichts zu kritisteren bei den 72 Einzelpositionen des Voranschlags?
b. Leihgestern, 12. März. Der Dorfbach ist ausgetreten und überschwemmt zur Zeit die Straße von Groß-Linden nach Leihgestern. Auf beiden Seiten der Straße von dem Orte liegen schon seit ungefähr Jahresfrist eine Masse Bau⸗ steine zu dem geplanten Brückenübergange. Die zum Schutze der Passanten Abends angebrachte, sehr spärlich brennende Laterne wird schon zu einer Zeit ausgelöscht, wo noch eine Menge Ar⸗ beiter von der Bahn und von Gießen nach Hause gehn, bei der Dunkelheit nur dann ohne Lebens⸗ gefahr passiren können, wenn sich Jeder eine Laterne mitbringt, da Niemand im Stande ist, die für die Passanten durch das Wasser gelegten Steine zu sehen oder zu finden. Im Dorfe brennen die Laternen bis zum frühen Morgen, wo es gar nicht so notwendig wäre— und an der genannten Stelle, wo eine Beleuchtung un⸗ entbehrlich ist zur Bewahrung seiner heilen Glieder, wird das ohnehin recht kümmerliche Lichtchen schon gegen halb 10 Uhr Abends ge⸗ löscht. Das ist die Sparsamkeit am unrichtigen Orte und es wäre dem Gemeinde-Vorstand dringend ans Herz zu legen, hier sofort Abhülfe zu schaffe n.
Grünberg, 12. März. Dem Vernehmen nach werden gegenwärtig zwischen der Postbe⸗ hörde und dem Bauunternehmer Herrn Schmidt zu Atzenhain Unterhandlungen über den Bau eines neuen Postgebäudes gepflogen. Es soll voraussichtlich in die Nähe des Bahnhofs gebaut werden und der Besitzer soll sich des dort liegenden Geländes zur Abtretung eines Bau⸗ platzes bereit erklärt haben.
Offenbach, 12. März.
Gestern Mittag


