Gießen, Freitag,
den 14. Februar
1896.
Ausgabe
Gießen.
ische Landeszeitung.
Redaktion: 5
Kreuzplatz Nr. 4. 2
Erscheint täglich mit Ausnahme der Preis der Anzeigen: 10 Pfg.
Tage nach Sonn- und Feiertagen. für die 5spaltige Petitzeile.
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2.
Expedition: Kreuzplatz Nr. 4.
E Ibonpemestsbestelungen
auf die
b„Hessische Landeszeitung“
r far nehmen unsere sämmtlichen Träger
serdinand sowie die Expedition Kreuzplatz 4
0 n jeder Zeit entgegen.
h un dn Kein anderes hiesiges oder auswärti—
ges Blatt bletet annähernd die Vor—
b dn, teile der„Hessischen Landeszeitung“, die der Einwohnerschaft von Gießen und
Nachbarorten in
9 zjwfęei Ausgaben
ener an jedem Werktag ausgehändigt wird
„an Preis nur 60 Pig. monatlich
einschließlich Trägerlohn. Hessischer Landtag.
Zweite Kammer.
Darmstadt, 12. Februar. Die zweite Kammer beschloß zum Antrag Vogt betreffs Unterstützung erwerbsunfähiger und be— dürftiger Invaliden aus den letzten deutschen Kriegen, die einen rechtlichen Anspruch auf den Invalidenfond
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andlung nicht erheben können, die Regierung zu ersuchen, die Kreis⸗
ämter anzuweisen, die Zinsen der noch vorhandenen Fonds layer, zu Gunsten bedürftiger Invaliden alljährlich zu verwenden. dt J.(¹0h— Es folgte Berathung des Antrags Haas(Offenbach) 5 auf Aufhebung des Weinsteuergesetzes von 1876. f Junge 5 Haas(Offenbach), Pennrich und von Dael befürworten
den Antrag aus den verschiedensten Gesichtspunkten. Ministerialrath von Krug: Die Regierung wolle an Stelle des jetzigen Gesetzes ein anderes, die Leistungs—⸗
bäckerei ele Muth, Gießen. —
8 eiten fähigen besser treffendes Weinsteuergesetz vorlegen, da der 1 M. 250 1 Wein als geeignetes Steuerobjekt anerkannt sei. Der fa 1 150 Zeitpunkt sei ungeeignet, dem Staate eine Einnahmequelle brand ich zu entziehen. Das Gesetz wird in namentlicher Abstim⸗ ghuhnuchunft, mung mit 29 gegen 16 Stimmen aufgehoben. Die
für Eröffnung des dritten Zellenflügels der Butzbacher Zellenstrafanstalt geforderten Mittel werden bewilligt. Wasserburg und Schmidt fordern ausreichende Seelsorge für die in Zellengefängnissen internirten Katholiken. Die Vorlagen der Regierung betreffs der allgemeinen Steuer⸗ frage im Sinne der deutschen Wechselordnung in der —— Provinz Rheinhessen und auf Errichtung einer dritten eln C.ivilkammer in Mainz werden ohne Weiteres gutgeheißen.
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Müblgasse 8.
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Uindenplatz 4.
Zum Antrag des Abg. Köth auf Errichtung eines Amts⸗
gerichts in Heppenheim wurde die Regierung ersucht,
bei der zu erwartenden Neuorganisation der Gerichtsbe—
hörden zu erwägen, ob Heppenheim Sitz einer Gerichtsbe⸗
hörde werden solle. Die Berathung des Antrages Muth auf Uebernahme der Kosten der Fortbildungsschulen auf den Staat führte zur einstimmigen Annahme eines Er⸗ suchens an die Regierung, im nächsten Budget die Kosten für die Fortbildungsschulen einzustellen. Es handelt sich ö um ungefähr 145,000 Mark.
äcker Noll,
gerunds.“ 5 beer Lokales und Provinzielles.
. 1 8 1896, Mitaee]* Gießen, 13. Febr. Das Vorlesungs⸗
liegt für Interessenten in unserer Expedition, Kreuzplatz 4, zur gefälligen Einsicht offen. Die Vorlesungen beginnen am 27. April; die Immatrikulation ab 20. April.
* Gießen, 12. Febr. Zu Geschworenen für die am 2. März d. J. beginnende Sitzungs⸗ Periode des Schwurgerichts der Provinz Oberhessen sind folgende Personen als Ge— schworene ausgelost: Louis Lotz⸗Gießen, Karl Gerhard III- Steinbach, Wilhelm Struth II“ Lauterbach, Rudolf Kullmann-Lauterbach, Louis Veith⸗Reichelsheim i Wetterau, Jean Kirch-Gießen, Heinrich Sehrt-Bernsfeld, Heinrich Becker IV, Nieder⸗Offleiden, Karl Wagner⸗Uuẽtersorg, Her⸗ mann Schimpf IOstheim, Wilhelm Lamp⸗Vilbel⸗ Wilhelm Gerhard, Michel Fauerbach-Dortel⸗ weil, Peter Joseph Möbs⸗Gießen, Johann Kon⸗ rad Brückel⸗Langgöns, Karl Martin Thaler⸗ Stammheim, Johannes Ludwig Jäger Schlitz, Friedrich Allendörfer-Friedberg, Louis Krempel⸗ Eckartsborn, Andres Lepper IV- Zell, Heinrich Winter I-Glauberg, Georg Frank-Schlitz, Jacob Koch II Langenbergheim, Karl Carl I-Hegheim, Dr. Karl Oßwald⸗ Büdingen, Wilhelm Roth⸗ Aulendiebach, Konrad Schmidt II-Strebendorf, Karl Kramer, Hauptmann a. D.⸗Gießen, Albert Bechstein⸗-Friedberg, Joh. Peter Wagner Ehrings— hausen, Wilhelm Gilbert III-Grüningen.
* Gießen, 12. Febr. Alles muß ge⸗ stempelt sein! Die Ein nahmen aus Stempelmarken im Großherzogtum beliefen sich im Jahre 1894/95 auf Mark 1,261,847.15. Der Generaletat weist sogar Mk. 1,673, 590.68 nach. Die Differenz in der Höhe von Mk. 411,743.53 setzt sich zusammen aus Gerichtsgebühren in Zivilsachen, welche nicht durch Stempel gedeckt worden sind und Ersatz von Stempelprovisionen.
* Gießen, 12. Februar. Eine speziell für Hausbesitzer wichtige Frage wird am Samstag Vormittag den Kreisausschuß beschäftigen. Auf dem Geilfus'schen Grundstück in der West⸗ Anlage wurde mit polizeilicher Erlaubnis ein Schuppen errichtet. Die Stadtverordneten ver— sagten aber später ihre Genehmigung zu dieser Baulichkeit und ist nun dem Erbaner die zwangs— weise Entfernung auf seine Kosten von Seiten der Polizei angedroht, wenn er selbst den Abriß nicht vornimmt. Nachdem am Terminstage eine Besichtigung der Baulichkeit an Ort und Stelle vorgenommen, wird der Kreisausschuß diese Sache verhandeln.
* Gießen, 13. Februar. Ein interessanter Boykott ist in aller Stille über die alte Lotzkneipe hereingebrochen, deren Wirt einem der Korps das Singen von ihm nicht passend erscheinenden Zotenliedern in der Wirtschaft verboten hat. Die Angehörigen des Korps verließen hierauf das Lokal und stellten am audern Morgen der Brauerei, der die Wirtschaft gehört, das Ansinnen, den Wirt zu entlassen, im andern Falle würde der 8. C. das Lokal in Verruf thun. Der Brauereibesitzer erklärte aber, sein Zapfer sei im Recht und er habe keine Ver— anlassung, den Mann brotlos zu machen. 2 der Korps meiden seitdem das Lokal. Die Parteien verhandelten wegen eines Ausgleichs und milderte das sich verletzt fühlende Korps seine Forderung dahin, daß der Wirt Abbitte leisten solle. Auch hierzu verstand sich der Wirt
nicht. Man ist gespannt, wie der Ausgang des Streites sein wird. Sollte die Differenz durch Nachgeben der Korps nicht beigelegt werden, so wird die alte 8. C.⸗Kneipe der allgemeinen Studentenschaft geöffnet werden.
* Gießen, 12. Febr. Die vom Theater- verein projektierte Aufführung von Schillers Räuber hat sich wegen nicht genügender Beteili— gung zerschlagen.
D. Z. Aus Oberhessen, 12. Febr. Die Vermessungsarbeiten für die Nebenbahn⸗Teilstrecke Lauterbach- Grebenhain gehen ihrem Ab— schluß entgegen. Damit wird der Vogelsberg dem Verkehr mehr eröffnet und das Bahn⸗ projekt schon industriell verwertet. So beab— sichtigt ein spekulativer Landwirt von Ilbes⸗ hausen, dessen Gemarkung von der neuen Bahn durchschnitten wird, eine Dampf-Holzschneiderei, sowie eine Margarine-Fabrik zu errichten, welch letzteres Unternehmen allerdings in den Kreisen der Landwirte keinen besonderen Beifall findet.
ch. Offenbach, 12. Febr. Gestern Nach- mittag kam in der Schmiergelfabrik von Meier und Schmidt ein Arbeiter mit dem linken Arm in einen Treibriemen, sodaß derselbe zwei Mal brach und der Verunglückte ins Hospital ver⸗ bracht werden mußte.— In letzter Zeit wurden vielfach falsche Fünfzig-Pfennigstücke in Umlauf gesetzt. Dieselben tragen die Jahreszahl 1876 sowie das Münzzeichen A.
l. Mainz, 12. Februar. Dem Schaffner Weber, der vorgestern von der Dampfbahn herabftel und überfahren wurde, mußte die Hälfte des verletzten Fußes abgenommen werden.
D. Z. Vom hessischen Maine, 12. Febr. Von den Detaillisten-Vereinen wird gegenwärtig eine Eingabe an den Reichstag vorbereitet, die Stellung zu dem Gesetzent wurf, betreffend unlauteren Wettbewerb, nimmt. In be⸗ gründeter Darstellung wird in der Petition aus⸗ gesprochen, daß bei Abänderung des Entwurfes ein Gesetz geschaffen werde, das ohne überflüssige Härten seinen Zweck, die Bekämpfung einer Reihe von Unlauterkeiten in Handel und Gewerbe, zu erfüllen im Stande ist. Das Petitum wendet sich ferner gegen die strafrechtlichen Bestimmungen des Entwurfs und bittet bei Aufzählung der unerlaubten Handlungen die im Entwurf an⸗ geführte unrichtige Angabe der Vorratsmengen wieder herzustellen. Bezüglich des Gerichtsstandes wird der Wunsch ausgesprochen, daß nicht allein das Gericht, in dessen Bezirk die betreffende Handlung begangen ist, zuständig sei, sondern auch das Gericht am Wohnsitze des Uebertreters. Zum Schlusse wenden sich die Petenten gegen die Bestimmungen der§§ 9 und 10 des Ent⸗ wurfes, wonach die Mitteilung von Geschäfts⸗ geheimnissen noch nach Auflösüng des Arbeits-, bezw. Stellungsverhältnisses unter Strafe ge— stellt ist.
* Nierstein, 12. Februar. Ein Unglück kommt selten allein. Um einen kupfernen Kessel zu reinigen, hatte man hier in einer Schiffer— Familie etwas Schwefelsäure vom Material⸗ warenladen holen lassen. Den in einem Glas- gefäß stehen gebliebenen Rest erwischte der vier— jährige Bube, das kleinste Kind des Hauses, und — trank ihn aus. Augenblicklich traten alle Anzeichen der Vergiftung zu Tage und trotz
rasch und ausgiebig gefundener ärztlicher Hilfe verschied das Kind nach 20 stündigem schreck⸗ lichem Leiden durch die entstandene Verbrennung der inneren Körperteile. Erst nachdem durch gerichtliche und gerichtsärztliche Befundaufnahme der Vorgang genau untersucht war, wurde der schwerbetroffen und tiefbekümmerten Familie ge⸗ stattet, die Beerdigung des verunglückten Söhn⸗ chens vornehmen zu lassen.— Dabei ereignete sich ein neuer großer Schrecken. Von der Beerdigungsfeier zurückkehrend, schreitet das Trauergefolge— etwa 60 bis 80 Frauen und Kinder— durch das euge Saalpfort⸗Gäßchen, da rast vom Marktplatze plötzlich abbiegend ein scheugewordenes junges Pferd, an einen leeren Karren gespannt, mitten auf den Trauer⸗ zug zu, der in dem engen Gäßchen, zu beiden Seiten von Mauern eingeengt, nicht ausweichen, sich nicht auseinanderziehen kann. Das wilde Tier rennt die vordersten Kinder über den Haufen und stürzt sich wie wutentbrannt ins Gewühl der Leute. Viele werfen sich zu Boden, ein mächtiges, markdurchdringendes Geschrei erfüllt die Luft, wie erstarrt fallen die geängstigten Frauen über einander— und über die Daliegen⸗ den und aufeinandergedrängten setzt Pferd und Karren in wilden Sprüngen hinweg. Unter Jammergeschrei wurden zitternde, geschundene, verletzte, besinnungslose Frauen und Mädchen aufgehoben und weitergeführt. Noch läßt sich nicht übersehen, welchen Umfang die vorgekom⸗ menen Körperverletzungen und Beschädigungen haben, und ob die eingetretenen Nervenerschütte⸗ rungen ohne beklagenswerte Folgen vorübergehen. Das unglückbringende Pferd, sonst als gutgeartetes Tier bekannt, hatte gleich zu Anfang seinen Fuhr⸗ mann überrannt und wurde später auf einem freien Feldweg aufgefangen.
Vermischtes.
— Unmenschliche Verwandte. Das von Alten⸗ markt an der Triesting zirka vier Stunden entfernte öster⸗ reichische Gebirgsdorf St. Corona hat seine Lokalchronik um einen Fall bereichert, wie er auch anderwärts glück⸗ licherweise nur selten vorkommt. Ein 38jähriges Mädchen wurde von ihrer Ziehmutter und ihren beiden Stiefbrüdern seit vielen Jahren wie ein Tier im Stall in einem Bretterverschlag, kaum einen Meter breit, einen halben Meter hoch und lang, unter den größten Entbehrungen und gräßlichsten Mißhandlungen gefangengehalten. Nur einem glücklichen Zufall ist es zu danken, daß endlich die bei der Bevölkerung längst Vergessene wieder eine menschen⸗ würdige Behandlung erfährt. Ueber den Fall liegt aus Kaumbach folgender Bericht vor: Die im Schöpflgebiet, Gemeinde St. Corona, Nr. 13, wohnhafte 70jährige Wirtschaftsbesitzerin Therese Brauniers bewirtschaftet mit ihren Söhnen Anton und Josef das ziemlich bedeutende Anwesen. Die 388 jährige Antonie Brauniers, die Stief⸗ tochter der Therese Brauniers, verschwand vor sechs Jahren plötzlich, ohne daß Jemand erfahren konnte, wohin. Vor einigen Tagen kamen in das Wirtschaftsgebäude der Brauniers einige Viehhändler, welche, da Niemand im Hause anwesend war, sich in den Stall begaben. Als sie längere Zeit in dem Stalle weilten, vernahmen sie plötz⸗ lich aus einem finsteren Winkel unartikulirte Laute, wo⸗ rauf die Männer nähertraten, sie entdeckten einen Bretter⸗ verschlag, an welchem ein Kalb angebunden war. In der Meinung, daß derselbe für das Kalb gehöre, wollten sie sich entfernen, als ihnen aus dem Innern abermals ähn⸗ liche Laute entgegentönten. Nun warfen sie einen Blick
—
11 im Se Verzeichnis der Großherzoglichen Ludwigs⸗ J Univerfität für das Sommerhalbjahr 1896 ies . 93% Kathi. U. ftotwesle Humoreske von Theo Seelmann. eo en Schluß,
„Halten kann ich Dich nicht.“
0 In der Unterredung der beiden Männer trat eiue Pause ein. Verstimmt saßen sie sich gegenüber. Dioch gelang es Franz eher seinen Unmut zu be—
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schwichtigen. Er war zu begierig, über die Sinnes wandlung seines Vaters Näheres zu erfahren.
7„Aber wie ist denn das eigentlich gekommen?“ aan, 15 begann er endlich das Gespräch von Neuem. v doppellen 10„Sie ist mir geradezu um den Hals gefallen,“ fehl. sih! lließ sich auch der Fabrikant wieder hören.„Sie
19 ist kreuzbrav, unschuldig, liebreizend——“ * 50%„Nach Deiner Beschreibung könnte man fast 0 1 selbst zu schwärmen anfangen. Schade, daß man 1 sie nicht sehen kann,“ stichelte Franz. i- Ks das kannst Du haben,“ versetzte der Alte bungel) 10„ triumphierend und zog eine Photographie aus der f 22 big. 15 Tasche.„Hier,“ fuhr er stolz fort,„ist ihr Bild.“ g fl f.„Die ists!“ schrie Franz auf.„Das ist ja 200, 3 Kathi! Meine Kathi!“ 1 300 0„Deine Kathi?“ 10 8. 1300„Freilich, meine Kathi von München!“ 2600 me„Eh“, machte der Fabrikant und wischte sich lcp den Schweiß von der Stirn.„Das kann nicht sein. 10. 10 0 Du mußt Dich irren.“ 11(lesen„Nun und nimmer.“ ö
„Sollt's solche Weiberfalschheit geben?“ stöhnte Röhrig senior.„Vor'm Jahr schwört sie Dir ewige Treue und jetzt frißt sie mich fast vor Zärt— lichkeit auf. Bis an mein Lebensende wollte sie mich pflegen, hat sie mir wohl tausend Mal be— teuert.“ 8
„Ju dieses Dunkel können wir leicht Licht bringen.“
„Nun?“
„Wir reisen beide zusammen nach Frankfurt.“ „Da hast Du Recht,“ atmete der Fabrikant er— leichtert auf.„Gleich morgen früh mit dem Schuell— zug fahren wir ab.“
Am nächsten Tag trafen die beiden Röhrig, Vater und Sohn, in Frankfurt ein. Auf dem Fest— platz wimmelte es von Besuchern und in der großen Bierhalle des Münchener Bürgerbräus nicht minder. Man hatte sich verabredet, daß Franz zuerst die Bierhalle betreten und der Alte in gemessener Ent fernung nachfolgen sollte, um im geeigneten Moment sich zu zeigen.
Ju der Nähe des Buffets ließ sich Franz nieder. Er lugte allenthalben umher, ohne die Gesuchte ent; decken zu können. Au der Markenausgabe stand ein junger Mann, aber— jetzt that sich endlich die Thür hinter dem Buffet auf und herein schritt eine schwarzbraune Dirne in Tyrolertracht.
„Franzl! Mei Franzl!“
Noch jauchzte sie laut auf, als sie auch schon neben Franz stand und ihn umschlang.„Juchhe!“ lachte sie, während ihr die Thränen über die roten Wangen rollten.„Da ist's doch so kommen, wie ich's mir hab' ausgedacht. Saera, das hab' ich schlau augefangen, meinst nit auch Bua?“
„Also bist Du's wirklich, Kathi?“ vermochte Franz nur hervorzubringen.
„Aber was meinen Sie zu mir?“ ertönte plötzlich eine knarrende Stimme und der Tricotagen— fabrikaut stand prustend vor dem glücklichen Paar.
Ein herzhaftes Lachen war die Antwort Kathis. „Daß D' dem Franzl sein Vater bist,“ plauderte sie ausgelassen,„lieber Alter! Hab' i doch von den anderen Schützenbrüdern zufällig Deinen Namen nennen gehört, und da bist mir so bekannt vorge— kommen. Und da hab' i einen gefragt, ob D' aus Dingsda wärst, und da haben's mir erzählt, daß D''nen Bua hättst und Franzl hieß er und jetzt hab' i gewußt, wer D' bist. Auf der Stell' hab' i mir vorgenommen, Dir zu beweisen, daß i ein braves Dirudel bin und hast's ja nachher auch selbst gesagt: J wär ein Prachtmadl und macht ei' Ausnahm. Aber grad am andern Tag, wo i Dich hab' bitten wollen, daß Du mir's Franzl gäbst, bist weggewesen.“
„Aber ich kenne doch Jemand“, versetzte der Alte mühsam,„der mir versprach, mich zu hegen und zu pflegen bis an mein Lebensende!“
„Freili freili“, lachte Kathi,„hab' i das gesagt. — Wenn D' nämlich mei Schwiegervater wärst.“ „Kathi hoch! Das Brautpaar hoch! Der Schwiegerpapa hoch!“ erscholl es plötzlich in lautem Jubel von den Umstehenden, die sich in dichten Schaaren um die Gruppe gedräugt hatten.
„Vater“, wandte sich jetzt Franz heiter an den Ueberraschten,„Du wirst nun wohl doch Deine Einwilligung geben müssen. Und siehst Du, wenn Du Ja und Amen sagst, behalten wir Beide unser Recht. Denn Du bekommst sie in Dein Haus und ich brauch' nicht hinaus.“
Ueber des Fabrikanten Gesicht zuckte etwas wie wehmütige Trauer.„Na“, brummte er,„ich habe mich selbst geschlagen, wenn Du es nicht anders willst, meinen Segen hast Du!“
Tags darauf dampften alle drei nach dem Wohnsitz des Fabrikanten und vier Wochen später wurde die Hochzeit gefeiert. Der glücklichste aller Schwiegerväter ist Röhrig senior, der schon jetzt seiner Schwiegertochter das Gelübde geleistest hat, mit ihr und Franz alle kommenden Schützenfeste besuchen zu wollen. Dafür hat er sich aber ausbe— dungen, dabei stets ihr Reisegepäck tragen zu dürfen: Schirm, Jaquet, Reisetasche und selbst— ihr Jüngstes.


