Ausgabe 
14.1.1896
 
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Nr. 11

Gießen, Dienstag, den 14. Jannar

1896.

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Ausgabe

Gießen.

andeszeikung.

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Redaktion: Kreuzplatz Nr. 4.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Tage nach Sonn- und Feiertagen.

Expedition: 24 Kreuzplatz Nr. 4.

Preis der Anzeigen: 10 Pfg. für die Sspaltige Petitzeile.

28 umnementsbeste langen auf die

Hessische Landeszeitung

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Kein anderes hiesiges oder auswärti ges Blatt bietet annähernd die Vor teile derHessischen Landeszeitung, die der Einwohnerschaft von Gießen und Nachbarorten in

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einschließlich Trägerlohn.

Lokales und Provinzielles.

Gießen, 13. Januar. In den Straßen unserer Stadt herrschte am gestrigen Sonntag Das herrliche Winterwetter hatte die Spaziergänger zu Hunderten hinausgelockt. Den Hauptanziehungspunkt hat wohl die prächtige Eisbahn des Eisvereins gebildet. Die dahin führenden Straßen waren zeitweilig kaum zu passieren. Auf der Eisfläche selbst tummelte sich Alt und Jung, dem schönen Eislaufsport huldigend.

Gießen, 13. Januar. Zu einem hiesigen Dienstmädchen kam gestern eine angebliche Lands⸗ männin, um sie anzupumpen. Das Dienstmädchen

verpflegte in ihrer Unerfahrenheit hülfsbereit die

Landmännin, gestattete ihr auch, die Nacht bei ihr zuzubringen, gab ihr am andern Morgen Kaffee und auch 2,50 Mark zur Bestreitung der Reisekosten in die Heimat. Undank ist bekanntlich der Welt Lohn, und so mußte denn auch das arme Dienstmädchen die bittere Erfahrung machen, daß die Fremde sie um diverse Kleidungsstücke bei dieser Gelegenheit bestohlen hatte. Giesien, 12. Januar. Das Großherzogl. Kreisamt macht bekannt, daß das 2. Bataillon

des Infanterie⸗Regiments Kaiser Wilhelm Nr. 116 Mittwoch, den 15. l. Mts., vormittags von bis 12 Uhr mittags, Donnerstag, den 16. und Freitag, den 17. l. Mts., von 10 bis

1 Uhr mittags, ein Schießen mit scharfen Patronen in dem Gelände nordöstlich Groß Rechtenbach in dem sogenannten Soorbachthal abhalten wird. Die Schußrichtung läuft von der Straße Groß-RechteubachLützellinden am Soorbach entlang in der Richtung des Waldes südlich Münchholzhausen, weshalb das Gelände MünchholzhausenLützellindenGroßrechtenbach Büblingshäuser HofMünchholzhausen während der oben angegebenen Zeit für jeglichen Verkehr

ach ist dem Verkehr freigegeben.

dn. Bad Nauheim, 11. Jan. Die Zahl der ⸗Miethäuser hat sich seit vorigem Jahre um Dutzende vermehrt. In der nächsten Saison sind gewiß 300400 Fremdenzimmer mehr vor handen. Logierzimmer stehen also in reicher Aus⸗ wahl zur Verfügung der Gäste. Auch werdeu dem Vernehmen nach Barren ungen getroffen, um bis zur wohl in Aussicht stehenden Erbauung eines neuen, des sechsten, Badehauses die Ba de gelegenheit nach Thunlichkeit zu vermehren. e Darmstadt, 13. Jan. Eine am Samstag bon Interessenten diesseits u. jenseits des Rheines besuchte Versammlung beschloß eine Resolution, velche der Regierung, demLandtage und der Verwal⸗ tung Darmstadts mit der Bitte übergeben werden soll, kräftig und mit allen Mitteln für die baldige Erstellung einer direkten Bahnverbindung über Seeheim nach Oppenheim einzutreten, und sowohl der Landeshauptstadt als allen Ge⸗ Gemeinden, links und rechts des Rheins, die langentbehrte Förderung allgemeiner und ge⸗ schäftlicher Entwicklung zu Teil werden zu lassen. . Darmstadt, 10. Jan. Das Preisgericht für den Wettbewerb zur Erbauung einer Straßen- brücke bei Worms tritt im Laufe dieser Woche dahier zur Thätigkeit zusammen. Der Mittel- cheinische Architekten⸗ und Ingenieur⸗Verein ver⸗

f ace ist. Die Chaussee Wetzlar-Groß-Rechten⸗

9 Enstaltet zu Ehren der Jury, dem von auswär⸗

igen Technikern das Ehrenmitglied des Vereins,

Geh. Baurat Wallot, ferner der Chef des württembergischen Bauwesens, Präsident v. Leib⸗ brand, und der Erbauer des Nordostseekanals, Wirkl. Geheimrat Exz. Bänsch angehören, am nächsten Donnerstag eine gesellige Vereinigung. Den Landständen ist der Personal-Etat fuͤr die vor dem 1. April 1897 zu eröffnenden sechs Nebenbahnen zugegangen. Es werden Mk. 129 962 gefordert.

ch. Offenbach, 13. Jan. Ein Großfeuer in der Lederfabrik von W. H. Philippi setzte am Sonnabend früh die Stadt in Bewegung. Gegen halb 5 Uhr wurde das Feuer durch den Heizer bemerkt, der sofort das Feuersignal gab. Da in der Nähe der Fabrik nur ein Hydrant ist, herrschte anfangs Wassermangel. Ueber die Entstehungsursache des Brandes ist man noch im Unklaren. In dem abgebrannten Fabrikteil waren nahezu 90 Arbeiter beschäftigt. Der Be trieb kann fortgeführt werden, da noch genügend Arbeitsräume vorhanden sind; nur ca. 50 Leute müssen vorerst die Arbeit einstellen.

Seligenstadt, 10. Januar. Ein Sträf⸗ ling des hiesigen Amtsgerichtsgefängnisses, der mit behördlicher Genehmigung in den Garten⸗ anlagen der ehemaligen Benediktinerabtei be schäftigt war, überkletterte in der Nähe des Schulplatzes die hohe Klostermauer und ergriff die Flucht. Der Ausreißer war nur zu einer mehrwöchigen Freiheitsstrafe verurteilt, von welcher er schon den größeren Teil verbüßt hatte. Der verheiratete Bahnarbeiter Adam Giel geriet bei hiesiger Station aus Unvorsichtigkeit unter einen Rollwagen und erlitt schwere Quetschungen des rechten Oberbeines. Der Verletzte mußte mittelst eines Fuhrwerkes nach Hause gebracht und in ärztliche Behandlung ge nommen werden.

Mainz, 10. Jan. Vor dem Schöffen gericht begann gestern Vormittag der Be⸗ leidigungsprozeß des Oberlehrers Johann Winkler gegen den Redalteur des ultramontanenMainzer Journals, Felix Stromowski. In mehreren Artikeln des genannten Blattes war Winkler als Kruzifixstürmer bezeichnet worden, weil er im Jahre 1877 aus der Kommunalschule im Karmeliterkloster die Kruzifixe habe entfernen lassen. Fünfzehn Zeugen sind geladen, vor wiegend Lehrer. Der Kläger bestritt, die Weg⸗ nahme der Kruzifixe damals verfügt zu haben, es sei vielmehr durch den verstorbenen Ober lehrer Baufinger geschehen. Er bestritt auch die ihm gemachte Unterstellung, als sei er der Ur⸗ heber der Handlung. Das Schöffengericht ver urteilte Stromowski wegen Beleidigung des Oberlehrers Winkler zu 150 Mk. Geldbuße und Publikation des Urteils in zwei hiesigen Blättern.

1. Mainz, 13. Jan. Am Samstag brach in der Flaschenhülsen-Fabrik von Gebhardt Feuer aus, das einen großen Teil des An⸗ wesens zerstörte. Das Gebäude selbst ist Eigen⸗ tum des Herrn Ackermann in Bockenheim. In hervorragenden landwirtschaftlichen Kreisen be steht die Absicht, in der Provinz eine Zucker⸗ fabrik auf genossenschaftlicher Grund- lage zu errichten. Besprechungen darüber sind bereits erfolgt.

i. Mainz, 10. Januar. Unglücksfall. Zwischen Biebrich und der Ingelheimer Aue wollten gestern Nachmittag zwei Sandfärcher ihren Nachen einem zu Berg fahrenden Schiff anhängen. Kaum hatten sie das Seil einem der Schiffe zugeworfen, als beide von dem Schlepp tau umgerissen und in den Rhein geworfen wurden. Der Eine konnte noch schwer verletzt aus dem Strome gerettet werden, während der Andere nicht mehr gesehen wurde und leider ertrank.

i. Mainz, 12. Jan. Der 21jährige einzige Sohn eines hiesigen Schlossers hatte seine Eltern während der Feiertage, von Wiesbaden aus, wo er als Kommis in Stellung war, besucht und verließ sie am 1. Jan. Abends in bester Stimmung. Nach etwa vier Tagen erhielten die Eltern eine Anfrage von dem Geschäfte in Wiesbaden, in welchem ihr Sohn beschäftigt war, ob ihr Sohn erkrankt sei. Der Vater begab sich infolge dieser rätsel haften Zuschrift sofort dorthin und erfuhr nun zu seinem nicht geringen Erstaunen, daß der junge Mann bis zur Stunde noch nicht aus dem ihm für die Feiertage bewilligten Urlaub zurück⸗ gekehrt war. Die Unruhe der Eltern über das Schicksal des Sohnes war groß, bis sie einen Brief aus Marseille erhielten, worin ihnen derselbe mitteilte, daß er im Begriffe stehe, sich für die Fremdenlegion in Algier an⸗ werben zu lassenda ihm das thatenlose Leben hinter dem Ladentische nicht mehr gefalle.

i. Mainz, 11. Jan. Die Feier der 25. Wiederkehr der Errichtung des Deutschen Reiches soll aus einem in der Stadthalle zu veran staltenden Kommerse bestehen. Außer patrio⸗ tischen Ansprachen an die Versammlung soll der gesangliche Teil der Festfeier teils von der Sän⸗ gervereinigung, teils von dem Mainzer Lieder kranze übernommen werden.

*Kastel, 10. Januar. In unserer und der Gemarkung der benachbarten Gemeinde Kost⸗ heim haben die Sicherheitsorgane Jahr aus Jahr ein mit denHasenschnausern und Wilddieben zu thun. So wurde wieder gegen eine Anzahl junger Leute Anzeige erhoben, da sie verdächtig sind, in den Feldern und Gärten Hasenschlingen gelegt zu haben; einige Leute wurden von der Gensdarmerie sogar in dem Augenblick ertappt, als sie sich mit dem Schlingen⸗ legen beschäftigten.

Alzey, 10. Januar. Gelegentlich des Bran des zu Planig im November v. J. ward der Feuerwehrmann Kistner daselbst in Ausübung seiner Pflicht durch das plötzliche Einstürzen eines Stalles derart mit brennendem Material verschüttet, daß er sicher dabei sein Leben würde eingebüßt haben, wenn ihn nicht im selben Mo⸗ ment sein Kamerad, Feuerwehrmann Jakob Schnorrenberger, mit Mut und Entschlossen⸗ heit und unter Einsetzung seines eigenen Lebens vom Tode des Verbrennens errettet hätte. In Anerkennung dieses mutvollen und auf⸗ opfernden Verhaltens wurde Shnurrenberger die Rettungsmedaille verliehen.

Vermischtes.

Ein Kapitel zu einem Liebesroman wird durch folgenden Gerichtsbericht aus Nürn⸗ berg gegeben. Der Ingenieur Sch. hatte ein zartes Verhältnis mit einer jugendlichen Maid. Da er bereits das Ehejoch trug, mußten die Be⸗ stellungen, Briefe c. auf ungewöhnlichem Wege gewechselt werden und wurde als Aufgabeort eine Mauernische iu St. Johannis-Friedhof ge⸗ wählt. Das Geheimnis wurde bald von Gärtner burschen entdeckt, und als am 11. August von Sch. ein goldenes Ringelein in die Nische gelegt wurde, wurde es von einem Gärtnerburschen stibitzt. Um die Elster zu erwischen, verbarg sich Sch. in der Nähe der Nische, und als er am 15. August den Gärtner P. bemerkte, wie sich dieser an der Stelle zu schaffen machte, glaubte er den Dieb erwischt zu haben und rächte sich an dem Zerstörer seines romantischen Traumes durch eine Tracht Prügel. Der Vater des Geprügelten verlangte zuerst Mark 100, dann Mark 50 Entschädigung und wäre in diesem Falle von Klagestellung abgesehen worden. Sch. glaubte sich noch im Rechte und provozierte ein richterliches Urteil, das ihn aber anders belehrte, denn es lautete auf Mark 100 Geldstrafe oder 10 Tage Gefängnis. Der Ring wurde inzwischen Sch. von dritter Hand wieder zugestellt, aber in der geheimnißvollen Nische nistet ein freches Sperlingspaar und freut sich seines Daseins.

Ein heiterer Fall ereignete sich kürz lich, demWestf. M. zufolge, auf der Polizei⸗ wache in der Hochstraße in Hagen(Westfalen). Ein Schutzmann hatte ein Frauenzimmer ver haftet und in die Wachtstube behufs Vernehmung gebracht. Er ließ die Person auf einige Augen⸗ blicke hinausgehen, die diese Gelegenheit benutzte, um den Schutzmann in die Wachtstube einzu schließen. Dem unfreiwillig Inhaftirten konnte erst nach längerer Zeit geöffnet werden, während dessen die Frauensperson entflohen war.

Ueber einen Selbstmord im Peters⸗ dom zu Rom wird demBerl. Tagebl. tele⸗ graphiert: Dienstag um 12 ũ Uhr mittags trat ein ärmlich gekleideter älterer Mann vor einen Altar im Dom, wo er niederkuiete und betete. Dann zog er hastig ein Messer aus der Tasche und schnitt sich die Halsader durch. Das Ereignis rief unter der Menge eine Panik her vor. Sofort wurden die Thore des Domes gesperrt und der Leichnam nach der Sakristei ge schafft. Der Petersdom wird nun mehrere Tage geschlossen bleiben, bis eine neue Weihe vorge nommen ist. Der Selbstmörder soll ein ent⸗ lassener Tramwaykutscher aus Neapel sein.

Ein Hexenprozeß hat sich am 27. De⸗ zember vorigen Jahres in einer Stadt des Gu berniums Jaraslaw abgespielt. Ende November 1893 bekam eine Bäuerin Namens Olga Brje⸗ chanowa heftige Angst-Anfälle, verbunden mit hysterischen Lach- und Weinkrämpfen. Da man diese Krankheit bei der sonst gesunden Frau sich nicht erklären konnte, nahm man seine Zuflucht

zuweisen Männern und Frauen. Diese er⸗ klärten, die Kranke sei behert und da die Be⸗ ziehungen derselben zu ihrer Schwiegermutter nicht gerade die besten waren, so fiel der Ver⸗ dacht auf Letztere. Um Gewißheit zu erhalten, nahm der Ehemann der Kranken, Peter Brje⸗ chanowa, dem Ratweiser Männer folgend, Wasser, begoß damit am ersten Ostertage die Kirchenglocke, sammelte die herabfallenden Tropfen in einem Gläschen und gab von diesem Wasser noch an demselben Tage seinem Weibe zu trinken. Auf die strenge Frage des Ehemannes:Wer hat Dich behext? antwortete die Kranke sofort: Deine Mutter! Dieselbe Szene wiederholte sich in Gegenwart der herbeigeholten Nachbarn und zum dritten Male in Gegenwart der un⸗ glücklichen Schwiegermutter. In einem Anfall von Raserei warf sich die Kranke auf die Greisin; man schleppte die Aermste unter Mißhandlungen in den Keller, wo sie den Zauber lösen und die vergrabenen 100 Rubel, an denen der Zauber hafte, wieder ausgraben sollte. Da Alles nichts half, war man gerade im Begriff, Eisen glühend zu machen, als der Tod das arme Weib erlöste und den eigenen Sohn an dem Verbrechen hin⸗ derte, seiner Mutter mit glühenden Eisen die Fußsohlen zu verbrennen. Bei der gerichtlichen Verhandlung trat die ganze Unwissenheit und der blinde Wahn der Angeklagten in entsetzlicher Weise zu Tage. Sogar der Hauptschuldige er⸗ schien als einbraver, friedlicher Mensch, ein guter Sohn(), der nicht seine Mutter, sondern eine böse Hexe zu verfolgen gewähnt. Die Schuldigen wurden mit schweren Strafen belegt, der Hauptschuldige mit sechs Jahren Zwangs⸗ arbeit.

Das sonderbare Tier. Ein italienischer Humorist behauptet, wie dieRomanwelt mit⸗ teilt, in einem Buche eines chinesischen Manda⸗ rinen über die Sitten und Gebräuche der Eu⸗ ropäer folgende Stelle gefunden zu haben:Die Völker des Westens pflegen ein seltsames Tier bei sich zu haben. Es hat vier Füße, manchmal auch nur drei, und wenn man will, kann man es zum Singen bringen. Die Männer und häu⸗ figer noch die Frauen, manchmal sogar die Kinder setzen sich davor; dann schlagen sie ihm auf die Zähne und treten ihm ab und zu auch auf den Schwanz. Dann fängt es sofort'zu singen an. Sein Gesang ist sehr geräuschvoll, viel lärmender als der der Vögel, aber nicht so harmonisch. Trotz seiner furchtbaren Zähne beißt dieses brave Tier nie mals; man braucht es nicht einmal anzubinden, da es nie den Versuch macht, zu entweichen. Das sonderbaxe Tier, das der italienische Scherz⸗ bold also definirt, indem er sich in die Seele eines Chinesen hineinversetzt, ist natürlich nichts Anderes, als das Klavier.

*Mißglückte Flucht. Der Gefangene Räubert, dessen Strafzeit erst im Jahre 1908 beendet ist, war in der Schuhmacherwerkstatt der Moabiter Anstalt beschäftigt. Es glückte ihm aus Pechdraht ein starkes Seil unbemerkt her⸗ zustellen, an welchem er sich aus seiner im dritten Stock befindlichen Zelle in den Hof hinab⸗ lassen wollte, um über die Gefängnismauer zu entfliehen. Da die sämtlichen Bekleidungsstücke der Sträflinge während der Nacht von ihnen vor die Zellenthür hingelegt werden müssen, so hatte sich Räubert aus der einen seiner beiden wollenen Schlafdecken ein Paar Schuhe und ein Paar Handschuhe, aus der anderen Decke einen anzugähnlichen Umhang angefertigt. Auch einen Schnurrbart hatte er nicht vergessen, den er sich aus Haaren seiner Roßhaarmatratze zu⸗ sammengedreht hatte. Bei einem Rundgang vernahm nun der nachtdiensthabende Gefangenen⸗ aufseher in der Zelle des Räubert ein verdäch⸗ tiges Geräusch, er schloß sie auf und erblickte den eigenartig kostümierten Gefangenen, der sich eben anschickte, die durchfeilten Traillen des Zellenfensters auseinander zu biegen und das Weite zu suchen. Wie Räubert in den Besitz der Feile gelangt ist, konnte noch nicht ermittelt werden. Nach der am 1. April 1894 erfolgten Einziehung der Militärwache ist dies bereits der zehnte Ausbruch eines Gefangenen, die indessen sämtlich vereitelt wurden.

Nach einem vielbewegten Leben starb am 2. d. M. in Posen Frau v. Mirska, geb. Zwierzchleska. In Russisch⸗Polen geboren, folgte Frau v. Mirska im Jahre 1846 ihrem Manne nach Sibirien, als dieser wegen poli⸗ tischer Vergehen zur Verschickung nach Sibirien und zu lebenslänglicher Zwangsarbeit verurteilt worden war. In Sibrien schwebte Frau v. M.

wiederholt in Todesgefahr. Ein Mal scheiterte ein Transportschiff, auf dem sie sich befand, ein