Ausgabe 
12.7.1896
 
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Gießen, Sonntag, den 12. Juli

1896.

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Ausgabe

andegzei

Gießen.

Redaktion: N Kreuzplatz Nr. 4..

Erscheint täglich mit Ausnahme der Tage nach Sonn- und Feiertagen.

Preis der Anzeigen: 10 Pfg. für die zspaltige Petitzeile.

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Expedition: Kreuzplatz Nr. 4.

In der Berliner Ge

men werbeausstellung.

In seinerHilfe veröffentlicht Pfarrer Na u⸗ wain⸗ Frankfurt a. M. eine Reihe von Artikeln 1% die Berliner Gewerbe zusstellung, die sich borteilhaft von den meisten herkömmlichen Mastellungsberichten, die gegenwärtig zahllose sol, Jeungen unsicher machen, unterscheiden.

bn eilen faumann ist ein feiner Beobachter und ver funde Donfaaalt shes, das Gesehene seinen Lesern lebenswahr richte große Baepstellen. hören wir nun, wie Naumann z. B. die maschine, dieses Schreckgespenst aller

5 ftsetzer, schildert:

1 5 Ein Meisterstück moderner Technik ist die Tuinitgtig. Aaschine der Buch⸗ und Zeitungsdrucker.

611 e ist eine wirkliche Neu gkeit, denn sie arbeitet

e Zeit in noch kaum fünf Exemplaren in 705 Du. Gel saäschland. Daß sie den Sieg gewinnen wird, munamn zul bum zweifelhaft, nur wird sie die bisherige bien a, Aealdes Setens bei allem ungleichmäßigen Sas ( nnoncen, Rechnungen, Formulare) neben sich er bestehen lassen müssen. Wer eine Schreib⸗ sahine kennt, kann sich die neue Setzmaschine iter vorstellen; wer aber keine Schreibmaschine und hel. Abend. eln Konstruktion kennt, dem helfen die Be⸗ all. Anmeldungen febungen nichts. Der Setzer drückt auf die ide eben. Fllbigtur, die Lettern fallen zur Zeile zusammen, i Deroscg 7 Zeile wird von einem kleinen metallenen Oinmapn, beben( Araum umgeben, der nun als Gießform it, ein Kessel mit geschmolzenem Buchdrucker ll neigt sich über die Gußform, spritzt Arden Fluß hinein, der im Augenblick er⸗ Alt, und die fertig gegossene Druckzeile rutscht 0 Eeffnung der Gußform glänzend abwärts, t sich neben ihre Vorgängerinnen und bildet zu machen, daß ihnen die Tafel fertigen tadellosen Satzes. 85 sinnreiche Einrichtung ermöglicht die Ein⸗ Abung fremder Buchstabenformen(fett, autiqua) den laufenden Satz. Diese-Maschine stellt die interessantesten Fragen, beit über das Buchdruckergewerbe hinaus⸗ gen. Sie bedeutet einen technischen Fortschritt zn Grades, denn sie bedeutet J. Beseitigung der gesundheitsschäd⸗ hen Folgen des Setzerberufes(Bleistaub), 2. Vermeidung der meisten Druckfehler, es kein Abwerfen und damit keine falsch ge benen Buchstaben giebt, ell. ee. auf bes bisherigen Maßes, oder anders aus⸗ 0 Betten shrochen, Ueberflüssigmachung von ½ air Arbeiter bei bisheriger Arbeitszeit. 1 Der letzte Punkt ist es, der die Qual leitet. Dieselbe Maschine, welche den Lebens Land der Buchdrucker bis in eine recht gute 1 he heben kann, wird zunächst dazu dienen, le Anzahl Buchdrucker aus der Ar⸗ N git zu werfen. Wenn die Einführung der

eh. pie Lutasgemeihe

weg 5. Juen Maschine schnell vor sich ginge, wäre Un⸗ 2 gur zahlreicher Familien unvermeidlich, aber 1 uch wenn sie, wie zu erwarten, langsam vor sich

1 395, so schwebt die Möglichkeit der Einführung * 110 über dem Personal gerade der größten eiriebe. Dieses Personal hat aber uaturgemäß en meisten Einfluß auf die Buchdruckerbewegung. nales at sind wir sehr gespaunt, wie sich im Lauf r nächsten Jahre die Buchdruckerorganisation ear Setzmaschine stellen wird. Aber mehr als das. Die Buchdruckerei war ger ein gelerntes Gewerbe, in das niemand lebig eintreten konnte. Nun wird es zu einem el ein ungelerntes Gewerbe. Zwar ein be⸗ kliger Mann von der Straße wird auch in Munft keinen Zeitungssatz schaffen können, aber

Eiung l. Ei sonst geschickter Mensch, der die Schreibe ug 0 chine kennt, wird in kürzester Frist Setzer ft in können. Damit aber ist die Möglichkeit eines 7% heikes sehr verkürzt. So können Fortschritte e in Technik die Gefahr des Rückschrittes der Amanisation sein. b 5 5

eine. Wenn ein Schriftsteller gewöhnt ist, mit der e 10. Ihreibmaschine zu arbeiten, so wird er versucht 6 0 ul i zur Abwechselung einmal sein eigener Setzer les Ju u sein. Beim heutigen Stand der Maschine

10 aum es auch nur Abwechselung sein, da die im He Akdenarbeiten bei der Bedienung der Maschine

5 ungroß sind für gleichzeitig geistige Arbeit, aber een alliegt gar nicht außer Bereich des Denkbaren, gell cz diese Nebenarbeiten sich verringern und daß

denn der Leitartikel sofort in Blei geschrieben ved. Gedanken gießen, ehe sie gesprochen werden: Zulte diese Möglichkeit eintreten, dann wäre eine At Aehnlichkeit mit früher Vergangenheit er⸗ echt: der Schriftsteller stellt sein Buch wieder scbst her, aber er stellt es jetzt her für Tausende.

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Lokales und Provinzielles. Gießen, 11. Juli. Der Lehrer an dem Realgymnasium und an der Realschule zu Gießen, Wilhelm Geiger, ist zum Direktor des Schullehrer-Seminars zu Bensheim mit Wirkung vom 1. Oktober d. J. ab ernannt worden. In den Ruhestand versetzt wurde am 7. Juli 1896 der Steueraufseher Wilhelm Friedrich Leopold zu Friedberg auf sein Nachsuchen mit Wirkung vom 15. Juli l. J. an. Gießen, 10. Juli. Die Mitglieder- versammlung des Hess. Fechtvereins Waisenschutz, welche gestern Abend im Schipka⸗ Paß stattgefunden, war überaus zahlreich besucht. Aus der Berichterstattung über die Landesver⸗ sammlung in Darmstadt, welche der Delegierte und Vorsitzende des Verbandes Gießen, Bauunter nehmer Winn erstattete, ist erwähnenswert, daß es auf dieser Versammlung seitens der Ober⸗ fechterei zum Ausdruck gebracht wurde, in welch hohem Maße Vertreter der Hess. Staatsregie rung und der größeren Städte im Hessenlande das vom Verein Erstrebte billigen und wie man deren Unterstützung gewiß sein könne. Aus der Mitte der Versammlung wurde angeregt, nun⸗ mehr mit der Gründung neuer weiterer Verbände in unseren Nachbarorten vorzugehen, welcher An⸗ regung von der Versammlung lebhaft zugestimmt wurde. Demnächst soll zu diesem Zwecke in Großen Linden eine Versammlung abgehalten werden, um dort für die humanen Bestrebungen des Vereins Freunde zu werben und womöglich einen Verband ins Leben zu rufen. Gießen, 10. Juli. Wir verweisen an dieser Stelle noch ein Mal auf das am Sonntag und Montag in Lich stattfindende 21. Sänger⸗ fest des Lahnthal-Sängerbundes. Das Programm weist außer zahlreichen Musikstücken der Kapelle unseres 116. Juf.-Regts. folgende Gesangs⸗Chöre auf: Vaterlandslied, von Dreger (Gesammtchor mit Orchesterbegleitung); Lenz, von Ayfßlinger(Orpheus Butzbach); Steh' fest du deutscher Eichenwald, von Isenmann(Lieder kranz Dillenburg); Lob des Gesanges, von Maurer(Gesammtchor); Der deutsche Männer⸗ gesang, von Authes(Liederkranz Weilburg); Waldlied, von Mangold(Bauerscher Gesangverein Gießen); Gott schirme dich mein Vaterland, von Zettler(Gesammtchor mit Orchester); Wald⸗ abendschein, von Schmölzer(Männergesangverein Wetzlar); Wie hab ich sie geliebt, von Möhring (Liederkranz Marburg); Der Lindenbaum, Volks⸗ lied von Schubert und Sturmbeschwörung, von Dürrner(Gesammtchöre); Wanderlied, von Dregert(Harmonie⸗Gießen); Wenn alle Brünn⸗ lein fließen, von Baldamus(Liedertafel-Marburg); Ausfahrt, von Feyhl(Cäcilia⸗Lich); Schöne Rothtraut, von Veit(Männerquartett⸗Lich); Die Lieder, von Häser(Concordia-Altenstadt); O Vöglein lieb, von Jäckel(Gesangverein Eber⸗ stadt); Der Schweizer in der Fremde, von Mendelssohn⸗Bartholdy(Gesangverein-Ettings⸗ hausen); Gruß an den Wald, von Volkmar (Liederkranz⸗Hungen); Siegesfeier, von Mozart (Eintracht-Langd); Jägerslust, von Astholz(Ein⸗ tracht⸗Laubach); Das Felsenkreuz, von Kreuze; (Sängerbund⸗Ruppertsburg). Dieser Theil des Festprogramms läßt gewiß erkennen, daß die Freunde des Männergesangs beim Besuch des Licher Festes nicht zu kurz kommen. Auch be⸗ merken wir, daß morgen, Sonntag, erst nach 10 Uhr der letzte Zug von Station Lich in der Richtung nach Gießen apgeht.

* Gießen, 10. Juli. Vor 3 Jahren wurde am Fastnachtstage einer jungen Dame, der Tochter eines hiesigen Kaufmanns, beim Erbsen⸗ werfen eine Erbse ins Ohr geworfen. Die Dame begab sich damals zum Arzt, welcher denn auch leicht die Erbse aus dem Ohr ent⸗ fernte. Vor einigen Wochen, gleich nach einem genommenen Bade verspürte die Dame abermals Schmerzen im Ohr, in Folge dessen sie sich wieder zum Arzt begab. Nach läugeren Unter⸗ suchungen stellte dieser fest, daß sich noch eine weitere Erbse im Ohr befand, welche, durch Feuchtigkeit gequollen, vorerst nicht entfernt werden konnte. Gestern ist es durch eine sehr schmerzhafte Operation geglückt, auch dieses un⸗ liebsame Andenken an den Faschingsscherz vor 3 Jahren aus dem Ohr zu entfernen.

* Gießen, 11. Juli. Heute früh verun⸗ glückte in der Kaplansgasse ein Bierwagen der Brauerei Bichler. Derselbe war so schwer beladen, daß ein Hinterrad brach und in Folge

dessen die dort sehr enge Passage stundeulang gesperrt wurde.

Gießen, 11. Juli. Der erste Wagen Frühkartoffeln wurde heute auf den Markt gebracht. Die Kartoffeln sind auf Gießener Ge markung, und zwar auf den Grundstücken des Herrn Oekonom Neebe, geerntet worden.

Gießen, 11. Juli. Die Firma Mann⸗ heim und Lewin, Hanau-Gießen, welche sich vor 14 Tagen dem Gießener Publikum alsdas größte Warenhaus vorstellte, ist in Konkurs geraten. Das Geschäftslokal Bahnhofstraße Nr. 1 ist seit gestern Nachmittag geschlossen. Es lohnte sich wirklich nicht, für eine so kurze Spanne Zeit dieseWeltfirma hier noch handelsgericht lich buchen zu lassen.

* Gießen, 10. Juli. Die Kleinbahn⸗ Bangesellschaft Berlin, welche die Schmal⸗ spurbahn Gießen-Bieberthal zur Aus⸗ führung bringt, bemüht sich, die Konzession einer ebensolchen Bahn für die Strecke Butzbach Lich zu erhalten.

* Gießen, 10. Juli. Nach den bis jetzt vorliegenden Manöverdispositionen rückt unser Regiment am 24. August in das Gries⸗ heimer Lager, um dann bon hier bei Ostheim über den Rhein zu gehen. Weiter ist bekannt, daß die 115er im süd⸗östlichen Teil von Rhein⸗ hessen manöveriren werden.

* Gießen, 11. Juli.(Haltestelle Rödgen.) Der erste Ausschuß der Ersten Kammer ist dem Beschluß der Zweiten Kammer, 14500. für Errichtung einer Haltestelle bei dem Dorfe Rödgen zu bewilligen, beigetreten. Am Montag oder Dienstag wird die Erste Kammer hoffentlich diesem Beschluß zustimmen.

* Gießen, 10. Juli. Reiseregeln zu geben, ist jetzt ein zeitgemäßes Beginnen. Also: 1. Wenn Du ein Reisehandbuch kaufst, so kaufe stets die neueste Auf⸗ lage, damit du genau unterrichtet bist, welche sehens⸗ werten Felspartien in gebirgiger Gegend neu angebant sind, und nicht Gefahr läufst, ein Hotel aufzusuchen, das bereits im vorigen Sommer verkracht ist. 2. Genieße die Natur, aber versündige Dich nicht an ihr, indem Du in sogenannten Tagebüchern allerhand dummes Zeug über sie schreibst. 3. Nimm beim stürmischen Betreten des Kupees kurz vor Abgang des Zuges die Hühneraugen Deiner Mitreisenden wohl in Acht. 4. Bedrohe ihr Ge⸗ sicht und sonstige kitzliche Körperteile nicht durch Stöcke und Schirme, und sorge dafür, daß Dein Gepäck ihnen nicht auf den Kopf fällt. 5. Parfümiere Dich nicht zu stark und ziehe Dir nicht in Gegenwart von Damen die Stiefeln aus. 6. Dränge Deine Dienste nicht Leuten auf, die ungeschooren sein wollen, und knüpfe, so Du nichts zu sagen hast, kein Gespräch an. 7. Halte Deine Kinder von den Kupeefenstern und von den Beinen und Schößen Deiner Nachbarn fern. 8. Wickel⸗ kinder laß zu Hause, da ihr Geschrei für musikalische Ohren die gräulichste Katzenmusik ist. 9. Schwatze nicht beim Verzehren Deiner Mundvorräte und belege Deine Semmeln nicht mit altem Käse, dessen zweifelhafter Duft selbst wohlwollende Nasen empfindlich beleidigen kann. 10. Lamentire uicht laut über Uebelkeit und gieße den rettenden Cognac hinter die Binde, doch nicht auf fremde Röcke und Beinkleider. 11. Der Schlaf Deiner Mitmenschen sei Dir heilig; lärme also nicht im Hotel bei später An⸗ kunft und früher Abfahrt, sondern gehe möglichst geräusch⸗ los Deiner Wege. 12. Bedenke, besonders wenn Du auf der Hochzeitsreise begriffen bist, daß Hotelwände keine Festungsmauern sind. 13. Begrüße an der Table d'hote, die Nächstsitzenden höflich, aber sstumm. 14. Schimpfe nicht über das Essen und verdirb nicht dadurch Deinen Tafelgenossen den Appetit. 15. Beschwere Dich über Dinge, die nicht Deinen Beifall finden, beim Oberkellner und nicht beim Hausknecht. 16. Zanke nicht mit dem Wirt über zu hohe Rechnung, sondern mache mit ihm die Preise vorher aus. 17. Stecke nicht Zucker, Licht⸗ stümpfe und Seife ein, denn das ist schäbig. 18. Wechsle Dein Geld bei Zeiten in kleine Münzen um, damit Du beim Abschied den Kellnern und Dienstboten gegenüber nicht in Verlegenheit kommst. 19. Gieb nicht zu reichliches Trinkgeld, weil der Empfänger Dich deswegen doch nicht für einen Grafen, wohl aber für einen Protz oder Einfaltspinsel hält. 20. Und so weiter, und so weiter mit Grazie in infinitum.

* Darmstadt, 10. Juli. Der Privatdozent au der Universität Bonn, Dr. Heinrich Scheuck ist zum ordentlichen Professor für das Lehrfach der Botanik au der Technischen Hochschule und zum Direktor des botanischen Gartens zu Darm⸗ stadt, mit Wirkung vom 1. Oktober 1896 ab ernannt worden.

* Darmstadt, 10. Juli. Auf der Tages⸗ ordnung der 20. Sitzung der Ersten Kam⸗ mer der Stände, die Montag, 13. Juli vor⸗ mittags halb 10 Uhr(und eventuell den fol⸗ genden Tagen) stattfindet, stehen: 1. Neue Ein⸗ läufe. 2. Berichterstattungen. 3. Beratung und Abstimmung über Rückäußerungen der Zweiten Kammer und Vorlagen der Regierung. Unter Anderem steht auch auf der Tagesordnung die dritte Lesung der Vorlage des Miuisteriums des

Innern und der Justiz, den Gesetzentwurf, den Besuch von Tanzbelustigungen und Wirtschaften von seiten jugend⸗ licher Personen, sowie den Antrag des Abg. Jöckel zu dem Gesetzentwurf betreffend, und die Vorstellung des evangel. Pfarrers Schuster zu Glauberg bezw. die Eingabe des evangel. Pfarrers Weber zu Londorf, den Wirtshausbesuch der fortbildungs⸗ pflichtigen Jugend betreffend. Weiter wird be raten die Rückäußerung der Zweiten Kammer bezüglich der Eingabe des Bundes deutscher Frauenvereine, die Anstellung weiblicher Fabrikinspektoren betreffend.

* Offenbach, 10. Juli. Die Diebes⸗ bande, welche einige Zeit die Orte Sprend⸗ lingen und Dreieichenhain unsicher machte ist eine weitverzweigte Spitzbubengesellschaft, die nun insgesamt in einer Stärke von 32 Per⸗ sonen in Darmstadt eingesponnen ist. Die Diebe trieben besonders im Taunus und in der Wetterau ihr Handwerk.

Mainz, 11. Juli. Zum Verbot des Detailreisens. Wie zubverlässig verlautet, hat die hess. Regierung bereits Schritte bei dem Bundesrat unternommen, um eine Aus⸗ nahme von dem Verbote des Detailreisens für den Weinhandel zu erwirken.

* Mainz, 10. Juli. Zu einem hiesigen Geistlichen kam ein unbekannter Mann und batflehentlichumeine Unterstützung. Er gab an, daß er in Frankfurt eine Stelle au⸗ zutreten hätte, er habe aber samt seiner Familie, die in einem hiesigen Logierhause untergebracht sei, nicht einmal das Reisegeld nach Frankfurt, und wenn er nicht nach dorten komme, werde er die Stelle überhaupt nicht erhalten. Der Pfarrer, der anfänglich den Bittsteller abwies, fand sich schließlich auf das flehentliche Bitten bereit, dem Mann das erbetene Fahrgeld zu verab⸗ folgen, doch wolle er sich auch persönlich von den Verhältnissen der armen Familie überzeugen, die in einem näher bezeichneten Logierhause wohne. Mit dem Bittsteller begab sich der Pfarrer nunmehr nach dem Logierhause zu, aber als beide kurz vor demselben angekommen waren drehte sich plötzlich der Unbekannte in gauz höhnischer Weise nach dem Pfarrer, zog seinen Hut und verschwand mit den Worten:Guten Morgen, Herr Pfarrer eiligst in eine Seiten⸗ straße. Erkundigungen ergaben, daß der Unbe⸗ kannte ein ganz gemeiner Betrüger ge⸗ wesen ist, dem es wahrscheinlich aber doch noch gelingen wird, seinen Betrug bei einer andern Gelegenheit zur Ausführung zu bringen. Möge mau ihn im Auge behalten.

Vermischtes.

W. Dollar(Kreis Wetzlar), 10. Juli. Heute zündete der Blitz an zwei Stellen uunseres Ortes, 4 Gebäude sind niedergebrannt, wobei auch Vieh zu Schaden gekommen; Sol⸗ des 116. Inf.⸗Reg., welche hier in der Nähe waren, halfen mit das Feuer zu löschen.

* Wetzlar, 10. Juli. Das Thierschau⸗ fest hat einen allgemein befriedigenden Verlauf genommen. Der Festzug, welcher die Feier einleitete, fand großen Beifall. Als schönste Gruppe im Zug wurde die der Turner be⸗ funden, denen auch der erste Preis zugesprochen wurde. Der zweite Preis wurde der Gruppe resp. dem Wagen des Gartenbauvereins zuerkannt. Im ganzen waren Preise für die fünf schönsten Gruppen ausgesetzt. Landrath Stackmann hielt nach Ankunft des Zuges an seinem Bestimmungsort die Festrede. Die Preisrichter hatten keine leichte Aufgabe, da zur Preisbewerbung eine große Anzahl Thiere angemeldet waren. Im Ganzen wurden 63 Preise ausgetheilt. Nach der Prämiirung fand Mittagskafel statt, an der mehr als 100 Personen, darunter auch der Provinzialdirektor v. Gagern, theilnahmen. Auf dem Fest⸗ platz herrschte ein obligater Spektakel. Alles in Allem können wir mit großer Befriedigung auf unser Thierschaufest zurückblicken.

Standesamtliche Nachrichten. Geburten. Am 30. Juni. Dem Schneider Clemens Narz eine Tochter, Karoline Frida. Am 1. Juli. Dem Vizefeldwebel August Roschlau

ein Sohn.

Am 2. Juli. Dem Vizefeldwebel Friedrich Nemitz ein Sohn.

Am 2. Juli. Dem Platzmeister Wilhelm Janz eine

Tochter, Anna Marie Katharine.