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Gießen, Sonnabend, den 7. März
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Ausgabe
Gießen.
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Nedaktion: N Kreuzplatz Nr. 4.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Tage nach Sonn- und Feiertagen.
Preis der Anzeigen: 10 Pfg. für die Sspaltige Petitzeile.
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Expedition: Kreuzplatz Nr. 4.
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Lokales und Provinzielles. Gießen, 6. März. Auch das gestern Abend im Cafe Leib vom Schlierseer Ensemble zur Aufführung gebrachte Volksstück„Jäger- blut“ erntete verdientermaßen den ungeteiltesten, oft zu stürmischen Aeußerungen übergehenden Beifall des Publikums. Das war nicht mehr allein, die Kunst der Wiedergabe, welche unwill— kürlich die Kritik herausfordert; das war pul- sirendes Leben, wahre Wirklichkeit, welche un— widerstehlich hinriß und den Zuschauer miterleben ließ, sowohl in der komischen, als in den tief ergreifenden Szenen. Bei allen Darstellern kam ihr bestes Können zum vollen Ausdruck, wir unterlassen es darum, Einzelnes besonders her— borzuheben. Die eingelegten Tänze und Ge— sänge, das Zitherduett und Streichzithersolo fanden die lebhafteste e Der Saal und die Gallerie waren fast vollständig aus⸗ verkauft. 5 5
Friedberg, 4. März. Der hiesige Vor⸗ schuß⸗ und Kreditverein erzielte im abge— laufenen Jahre einen Reingewinn von 46,040,734.
Die Einnahmen und Ausgaben erreichten die
Höhe von je 12,239,627,66 J. Die Mitglieder⸗ zahl beträgt 1073.
* Friedberg, 5. März. Im geräumigen Steinhäußerschen Gartensaale veranstaltet der bor Jahresfrist gegründete„Wetterauer Ge— flügelszuchtverein“ in den Tagen vom 21. bis 23. März seine erste allgemeine Ge— flügel⸗ und Vogelausstellung. Den Mitgliedern und Freunden des Vereins soll da⸗ durch Gelegenheit gegeben werden, sich in den Besitz von gutem Rassengeflügel, hauptsächlich Nußgeflügel, zu setzen. Die Ausstellung wird Hühner, Fasanen, Pfauen, Gänse, Enten, Tauben, Ziertauben, Kanarien, sowie in- und ausländische Sing⸗ und Ziervögel umfassen, ferner Käfige und Gerätschaften zur Geflügelzucht, Futtermittel,
Litteratur u. s. w.
D. Z. Vom hessischen Maine, 4. März. In landwirtschaftlichen Kreisen geht man mit
d Kessel. dem Plane um, in unsrer Gegend, aus welcher
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engührung,
Handlungen.
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Gesellschaft, tlektrischen Bahn Kastel⸗Biebrich-Wies⸗
alljährlich Zehntausende von Doppelzentnern startoffeln bis nach Schleswig und Dänemark bersandt werden, Kartoffelverkaufsgenossenschaften ins Leben zu rufen. Das Gleiche erstrebt man behufs geregelten Absatzes des Obstes. Die betreffenden Genossenschaften bestehen in ver—
schiedenen andren Landesteilen seit Jahren und
haben zumeist recht segensreich gewirkt.
* Darmstadt, 4. März. Wie mitgeteilt bird, hat die Süddeutsche Eisenbahn— welche die Erbauung einer
baden anstrebt, die Erlaubnis zur Vornahme
cen heute nun von Vorarbeiten dazu erhalten.
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Furschen
* Mainz, 4. März. Die Frage der Was⸗ serversorgung der Stadt aus der Gegend bon Weisenau nimmt immer greifbarere Ge— stalt an. In der gestrigen Sitzung der Wasser⸗ bersorgungskommission wurden den Mitgliedern derselben über die Ergebnisse der derzeitig vor⸗ enommenen Bohrversuche auf dem Gebiete der
5 ersonal heinischen Brauerei Mitteilungen gemacht, die Ius Peirungs' zur Stunde schon mit Sicherheit darauf schließen
Asterweg
lassen, daß das sehr teuere Kelsterbacher Projekt noch in weite Ferne gerückt wird. Sowohl in Bezug auf Menge als Güte sind die Ergebnisse der Wassergewinnung in Weisenau ganz über— raschende. Stadtv. Dr. Frank machte in dieser Sitzung Mitteilung über die Wasserverhältnisse auf der Jungenfelder Aue.
* Mainz, 5. März. Für die am Samstag beginnende große Geflügel⸗ und Vogelaus⸗ stellung sind die Käfigreihen in der Stadt— halle jetzt aufgebaut und harren der gefiederten Gäste. Einige Stämme Hühner sind bereits ver— früht eingetroffen. Für das Wassergeflügel sind die Aufenthaltsräume auf der Terrasse der Stadt⸗ halle hergerichtet. Ueber 200 mächtige Tannen bekleiden die Wände der Ausstellungsräume mit frischem Grün und vier Mainzer Gärtner sorgen jetzt für die übrige gärtnerische Ausschmückuug des großen Saales, der Vorhalle und der Käfig⸗ reihen. In einem prächtig aufgebauten Gaben— tempel werden sich die Ehrenpreise für die Sieger im friedlichen Wettkampf präsentiren. Das Bassin um die Fontaine hat einen Durchmesser von 5,50 Meter erhalten. Für die Ausschmückung der Halle und die Aufstellung der Käfige hat der Bau- und Dekorationsausschuß einen Kredit von 2500 Mark bewilligt.
Mainz, 4. März. Der Prozeß gegen den Uhrmacher Adam Toussaint aus Mainz wegen betrügerischen Bankerotts und gegen dessen Ehefrau Bertha, geb. Moens aus Belgien, dessen Bruder den Uhrmacher Wilhelm Toussaint und den Tapezierer Josef Kratzschmer, beide aus Mainz, wegen Beihilfe zum betrügerischen Ban⸗ kerott, ging heute Abend um 10 Uhr zu Ende. Die Geschworenen erklärten die drei Angeklagten des ihnen zur Last gelegten Verbrechens für schuldig, gegen den Angeklagten Kratzschmer sprachen sie das Nichtschuldig aus, billigten aber dem für schuldig Erkannten mildernde Umstände zu. Die Staatsanwaltschaft beantragt gegen Adam Touis saint 1 Jahr 8 Monat Gefängnis, gegen die Ehefrau Bertha Toussaint 8 Monate und gegen den Wilhelm Toussaint 5 Monate Gefängnis, ferner Abrechnung der erlittenen Untersuchungs—⸗ haft in Höhe von 11 Monaten. Das Ehepaar Toussaint sitzt nämlich seit Ende März v. J. in Untersuchungshaft. Das Gericht verurteilte hie— rauf den Adam Toussaint unter Abrechnung der erlittenen Untertuchungshaft von 11 Monaten zu 15 Monaten, die Ehefrau Bertha Toussaint zu 8 Monaten und den Wilhelm Toussaint zu 6 Wochen Gefängnis. Kratzschmer wurde frei— gesprochen. Die Ehefrau Toussaint wurde sofort in Freiheit gesetzt.
Schwurgerichtssitzung. Gießen, 5. März.
Augustin Seipel von Ulmbach hat er⸗ klärt, am 3. Januar das in Rede stehende Pferd gekauft zu haben, und zwar unter Gewähr für alle gesetzlichen und ungesetzlichen Fehler. Nach⸗ dem er das Pferd 2 Tage im Stall gehabt, hat er es zuerst angespannt und gesehen, daß das Tier vorn lahmte. Beim Kauf hat das Pferd bei seinem vielen Hin- und Herführen nicht gelahmt,
obgleich es auch trab gelaufen. Der
Schimmel sei im Laufe des Prozesses für 57 Nl versteigert. Seipel erklärt, selbst für diesen Preis das Tier nicht gewollt zu haben, es habe beim Ackern sich hingelegt und alle Viere von sich ge⸗ streckt. Den Kaufpreis hat Zeuge nicht gezahlt. Die Kosten des Prozesses sind von des Zeugen Bruder, dem Bürgermeister Seipel bezahlt, der den Prozeß auch geführt hat. Zeuge habe das Pferd ungefähr ein halbes Jahr gehabt. Auf Befragen des Verteidigers erklärt Seipel, er habe beim Kauf des Pferdes seine beiden Brüder und andere Zeugen zugezogen. Er sei 57 Jahre alt und gehe seit seiner Jugend mit Gäulen um, habe aber am Huf des Schimmels nichts Auf— fallendes bemerkt. Der Vorsitzende konstatiert, daß der Bürgermeister Seipel auch den Sommer angezeigt hat, der als weiterer Zeuge vernommen wird. Der Zeuge bemerkt, für ihn sei die Hauptsache das aufgenommene Protokoll gewesen. Nach dem Geschäft wurde das Tier eingespannt, ging wie ein Geisbock und schnappte vorn ein wenig. Sommer er⸗ klärte diesen Umstand damit, das Pferd sei schlecht beschlagen. Die Kosten des Prozesses wegen des Schimmels— mehr wie 600 ¼.— zahlte der Bürgermeister für seinen Bruder Augustin, aber wegen eines eventuellen Rückzahlens dieser Geld— summe durch den Bruder ist zwischen ihnen nicht gesprochen. Meyer Stern, Handelsmann, der Veranlasser des Pferdehandels, war beim Kauf und der Vorführung des Tieres zugegen. Ihm ist besonderes an den Hufen nichts aufgefallen. Der Gaul machte auf ihn den Eindruck des arg Mitgenommenen. Ihm hat Sommer erklärt, als er denselben später auf das Lahmen hinwies, bei ihm habe das Pferd nicht gelahmt.— Markus Seipel-Ulmbach, Bruder des Augustin und des Bürgermeisters Seipel, schil⸗ dert den Abschluß des Pferdehaudels zwischen Sommer und seinem Bruder Augustin wie dieser. Der Zeuge Amand Hergenröder von Ulmbach hat den Gaul für ein altes steifes Tier, über 6 Jahre alt, gehalten. So oft er das Pferd gesehen, hatte es den lahmen Gang. Franz Huber-Ulmbach war ebenfalls Zeuge des Pferdehandels. Als das Pferd anging, hat es auf ihn einen lahmenden Eindruck gemacht. Die Hufe des Tieres hat der Zeuge nicht be⸗ trachtet. Wenn das Pferd auf weichem Acker— boden ging, machte sich dessen Gang besser, war der Boden aber hart, dann hüpfte das Tier wie ein Hase.— Titus Huber von Ulmbach hat 14 Tage nach dem Kaufe den Schimmel in Steinau lahmend gefunden, er konnte nicht von der Stelle; woher aber das Lahmen kam, weiß der Zeuge nicht. Der Schmied Jobst von Ulmbach hat dem Schimmel die Eisen abge— nommen und neu aufgelegt, weil er schnappte. Einige Tage nachher wurde er von Seipel in dessen Stall geholt. Das Pferd konnte nicht gehen, doch hat er sich überzeugt, daß es am Beschlag nicht lag. Das Pferd hatte, wie er sich überzeugte, Flachhuf und Zwangshuf.(Hier folgt die Mittagspause.)
Nachmittags 3 Uhr wird die Sitzung wieder eröffnet. Es werden vernommen die Zeugen Augustin Bräscher, Adam Jobst und Gebrüder Seipel. Kaufmann Höchster-Lauterbach depo⸗
niert, daß ihm Sommer im Jahre 1893 den Schimmel für 15. habe verkaufen wollen. Zeuge Keibel-Herbstein hat das Tier gezogen, in seinem Stall ist es 1887 geboren. Vom 4. Jahre ab habe man den fehlerhaften Gang des Tieres bemerkt. Er hat es damals vertauscht. Sein Wert war damals 300 4. Später kam das Pferd abermals in seinen Besitz, war aber sehr abgemagert. Er verhandelte dann das Pferd an Sommer gegen einen Braunen, er mußte noch 20, zulegen. Zeuge behauptet, er sei bei dieser Gelegenheit von Sommer gründlich hineingelegt. Die nächstvernommenen Zeugen sagen nichts be⸗ merkenswertes aus. Zeuge Schmied Klein⸗ Ilbshausen hat das Pferd beschlagen. Es hatte einen flachen Huf und lahmte. Es werden noch mehrere Zeugen vernommen, deren Aussagen mehr oder weniger für Sommer belastend sind. Zeuge Amtsrichter Beyke von Herbstein erklärt, den Angeklagten vor der Eidesleistung besonders ermahnt zu haben. Es war zu den Akten ein Schreiben und ein Gutachten des Tierarztes Nuß eingegangen. Der Amtsrichter machte Sommer darauf aufmerksam, daß, wenn er den Eid leiste, er wahrscheinlich ein Verfahren wegen Meineids gegen ihn einleiten werde. Sommer blieb aber dabei, er wolle den Eid leisten. Amtsrichter Beyke bekundete, daß der Angeklagte aus ver⸗ schiedenen Prozessen ihm als rechthaberischer Mensch bekannt sei.— Schluß der Sitzung abends 7 Uhr.
Gießen, 6. März.
Heute wird in der Verhandlung gegen Sommer fortgefahren. Die Zeugen Kaspar Dietrich II und III von Frauenstein sowie Heinrich Hergen⸗ röder von Lichenrod behaupten, daß der frag⸗ liche Schimmel gelahmt habe. Der Vater des Angeklagten, Feist Sommer, wird unvereidet vernommen. Er bestreitet, den Keibel gefragt zu haben, als er das Pferd das zweite Mal von ihm übernommen hat, ob das Tier lahme. Der Zeuge bestreitet, gesehen zu haben, daß das Tier geschnappt hat. Der Zeuge erklärt, er würde den Eid, den sein Sohn geleistet, in gleicher Lage selbst geschworen haben. Hufschmied Möller-Crainfeld hat den Schimmel ein Mal am Vorderhuf beschlagen und die fehlerhaften Hufe dabei gefunden. Das Tier habe gelahmt und er habe den Sommer darauf aufmerksam gemacht. Es kann 3 Jahre her sein, daß dieses passiert sei. Das Pferd habe der Angeklagte Nathan Sommer selbst zum Beschlag gebracht. Angeklagter bestreitet, mit dem Pferd bei Möller gewesen zu sein. Bürgermeister Schmalbach VI. von Crainfeld erklärt: Die Sommers treiben Handel. Er hat nie etwas Belastendes über sie gehört. Der Angeklagte sei etwas rechthaberisch. Der Pferde⸗ handel der Sommer sei unbedeutend, dagegen sei der Viehhandel, den sie treiben, sehr bedeutend. — Es folgte nun die Vernehmung der von der Verteidigung geladenen Zeugen. Hirsch Stern von Crainfeld hat am Tage des Verkaufs des Tieres an Seipel die Fahrt nach Ulmbach mit⸗ gemacht. Der Schimmel habe auf der Tour nicht gelahmt. Leopold Sommer von Crain⸗ feld hat das Tier 1892 für Mk. 151— er⸗ worben und nach 14 Tagen weiter verkauft. Loeb
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Das Recht des Kindes. Von Reinhold Herrmann. (Fortsetzung.)
Sylvia preßte die behandschuhte Linke einen Moment fest auf das ängstlich pochende Herz und atmete, tief und hörbar— dann war das letzte Zagen, das ihr aus einer niedere! Sphäre anhaftete,
überwunden, und sie zog entschlossen die Glocke
Ein ältlicher Mann in einer Dienermütze kam an das Gitterthor und öffnete dasselbe mit einer loflichen Frage nach ihrem Begehr.
„Herr Schriftsteller König?“ wiederholte er nit einem lei en Beiklaug des Zweifels die Ant— hort der jungen Dame und warf einen flüchtigen Blick rückwärts zu zwei hellerleuchteten Fenstern des cberen Stockwerks hinauf; ich glaube nicht, daß
ie ihn jetzt werden sprechen können. Aber wenn se sich hinaufbemühen wollen——? Zu Hause it er jedenfalls.“
Wenige Miuuten später stand Sylvia in dem Jorsaal der für sie heiligen Räume, in denen ihr Jater wohnte. Unter reichverzierter Bronzekrone, de an sich sa on ein Kun twerk war, ein achtecklger, wichtiger Tisch mit polierten Säulen und auf
em Blccher und Bildwerk in reicher Auswahl, zum
d Ls deil in offenen Mappen lose beieinander, größten—
ils aber zu schwerhandlichen Prachtbänden ver— ente, Im Hintergrunde ein Werk der Plastik
150 wunderbar ergreifendem Eindruck— ein Dichter—
5 pffim richtigen Augenblick geistigeuvebensinnig erfaßt.
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Sie kam nicht weiter. Schritte, vornehm ge— dämpft von weich den Fuß umschmeicheludem Teppich, nahten rasch von der Seite her, nach welcher der Diener mit Sylvias Karte verschwunden war, und gleich darauf trat Herr König über die Schwelle.
Sylvia verschlaug die Gestalt des Vaters fast mit ihren Blicken, ihr Auge suchte in seinen Zügen nach einer Aehnlichkeit mit ihr, nach etwas Liebem, Auheimelndem, Blutsverwandtem, ach! es war dessen so viel darin, daß sie hätte aufjudeln, di Arme aus breiten und sich an sein Herz flüchten mögen.
Er sah sie befremdet an.
„Ich las auf Ihrer Karte einen dem meinigen gleichlautenden Familieunamen,“ begann er mit einem höflichen, leichten Neigen des Kopfes gegen sie„und dies bewog mich, Sie zu empfangen Darf ich bitten, daß Sie mir kurz sagen, was Ste zu einer so außergewöhulichen Stunde zu mir führte? Ich bin von der Arbeit aufgestanden.—
Damit bot er freundlich einen Stuhl und sah ihr gespannt in die Augen, die verwirrt den Boden suchten.
„Herr Kö..„ Papa“, sagte sie mit warmem Aufblick, mutig gegen das Zittern ihrer Stimme ankämpfend.—„Sie sehen Ihre Tochter vor sich, die Sie vor 18 Jahren als ein kleines Kind ver— lassen haben—“
Sie verstummte. Ueber das Gesicht des Mannes war eine blitzartige Ueberraschung gegangen. Er machte mit der Hand eine abwehreude Bewegung.
„Sylvia? Ich hätte mich erinnern sollen“, sagte er daun gelassen;„die Karte sagte es ja. Darf ich wissen, was—“
„Was mich hergeführt? Sie fragten es schon eiumal—“ ihre Stimme klang fester, ihr Blick, heftete sich brennend, flehend auf die strengen, ruhigen Züge des Vaters.„Das Verlangen, einen Vater zu haben. Die Sehnsucht, mit ihm zu teilen, was mein sein sollte von Geburt. Nicht Ihren Reichtum, noch die Vorzüge der Stellung, die Sie ihr verdanken. Nur zu deuselben Eigenschaften des Charakters, zu dem überdurchschnittlichen Deines Geistes war ich legitimiert, Papa! Auf Deine Liebe hatte ich ein Recht!“
Er ging auf ihre Stimmung ein. Das frische, schöne Mädchenantlitz mit den dunkeln klaren Augen — die ganz jungfräulich vollendete Erscheinung ver⸗ mittelte durch seinen Künstlersien seinem Herzen eine wärmere Regung. Aber er blieb dennoch ein Mang, welcher mit der Zeit, die jetzt einen Schatten auf seine Erfolge werfen und den mühsam er— kämpften Frieden seiner heißen Natur durchbrechen wollte, sorgfältig abgerechnet hatte, ehe er sie wie einen falschen Posten aus dem Exempel seines Lebens ausstrich.
Er stützte seinen Arm auf den Vorsprung eines französischen Kamins, der das Zimmer im Hinter— grunde zierte.
(Schluß folgt.)
Woher stammen die Namen unserer Münzen?
Die älteste deutsche Münze ist der Kreuzer. Das Prägen der Münzen lernten die Deutschen von Missionaren aus dem byzantinischen(griechischen) Kaiserreich. Da man in diesem Reiche bereits zu Constantins des Großen Zeiten das Kreuz auf Münzen geprägt hatte, so wurde dies in Deutschland beibehalten, und so entstand der Kreuzer. Solche mit Kreuzer versehene Kupferstücke findet man noch in Münzsammlungen. Der Name Pfennig stammt her von dem althochdeutschen phantine(Pfand); Münzen dieses Namens kommen zur Zeit Ottos 1. (936 bis 973) vor. Ursprünglich waren es Silber- münzen, die aber später auch in Kupfer geschlag en wurden, so um 1300 in der schwäbischen Stadt Hall, weshalb diese Münzen den Namen Häller erhielten, woraus sich die Schreibweise Heller bildete. Unter Otto 1. wurden auch Schillinge geprägt, was die deutsche Bezeichnung für Brakteaten(Hohlmünzen) ist und vom althochdeutschen scilt(Schild) herkommt. Man könnte die Brakeaten daher auch Schildmünzen nennen. Um das Jahr 1300 kamen auch Dickpfennige vor, und da man im Mittelalter die Manie hatte, Alles zu latinisiren, so nannte man sie Grossus, woraus Groschen entstand. Auch der Name Mark stammt wahrscheinlich aus dem Lateinischen, näm⸗ lich von marcus(großer Hammer). Die Mark war die älteste deutsche Reichsmünze, ursprünglich ein Münzgewicht von 22, später(1042) von 16 Loth, wobei zur Ver⸗ hütung weiterer Werthverringerung ein Zeichen(Marke, also von marcus, Hammer, ein heiliges altdeutsches Zeichen) darauf angebracht wurde.


