Ausgabe 
6.9.1896
 
Einzelbild herunterladen

Gießen, Sonntag, den 6. September

1896.

C ö 1

1 1 U 1 1

können Interessenten in unserer Expedition, Kreuzplatz 4, einsehen. Die Immatrikulationen beginnen am 19. Oktober, die Vorlesungen am 26. Oktober.

* Gießen, 5. September.(Stadtver⸗ ordneten⸗Versammlung.) Um Uhr erklärte Oberbürgermeister Gnauth die Sitzung, obzwar dieselbe noch nicht beschlußfähig sei, für eröffnet, um die Auslosung der zurückzuzahlenden 8 vorzunehmen. Der . ergab: 1893er Anlehen im

anzen rückzahlbar 30 000 4, 6 Stück à 2000. Nr. 23. 84. 117. 119. 245 und 297. 8 Stück à 1000. Nr. 18. 45. 90. 96. 149. 218. 283. 322, 16 Stück à 500 4. Nr. 10. 76. 119. 168. 171. 371. 485. 561. 571. 580. 607. 641. 645. 715. 792. 796. 6 Stück à 200 A. Nr. 42. 96. 135. 172. 174. 296. 8 Stück à 100 1 Nr. 15. 96. 133. 148. 237. 298. 330. 374. 1894er Anlehen rückzahlbar im Ganzen 10000, 2 Stück à 2000. Nr. 303. 358. 2 Stück à 1000. Nr. 422. 194. 6 Stück à 500 A. Nr. 807. 848. 871. 955. 1005. 1064. 3 Stück à 200 4 Nr. 325. 366. 432. 4 Stück à 100 A1. Nr. 414. 449. 482. 500. 1895er Anlehen rückzahl⸗ bar im Ganzen 5000 l, 1 Stück à 2000 4. Nr. 405. 1 Stück à 1000 Nr. 518. 1 Stück à 500 1 Nr. 1157. 2 Stück à 200 1 Nr.

dia ist z Die dun

stenber. y chi 5 zg mib ge Nie vellault tdanellen 9. ischen Türke omen seh, cgründet und

Aegen gon.

höherer De⸗ welcher ar pt, Rei Er. rik wurden berletzt. u Trümmer

en.

ach Ttintatlz.

f 472. 473. 1 Stück à 100 4 Nr. 640. sser, hne. Inzwischen war die Versammlung beschlußfähig i der Mahn, geworden und genehmigte das Gesuch des Bau⸗

1 unternehmers Winn, die Belassung eines Back⸗ un Bub, steinhäuschens im Neustädterfeld auf weitere

tetande zwei Jahre widerruflich. Die Gesuche um

Erteilung einer Wirtschaftserlaubnis des Jakob

gen Sounkag den

wahrscheinlich auch heute Abend eine Entscheidung

Metz. Die Nationalliberalen werden höchst über die Reichstagskandidatur treffen. Gießen, 5. Sept. Einem lange gefühlten Bedürfnis ist nun endlich in der unteren Bahn⸗ hofstraße abgeholfen worden. Seit heute ist nämlich auf der Westseite, da, wo der Stadt⸗ graben die Straße durehkreuzt, ein eisernes Bau⸗ werk in Gestalt eines Bedürfnishäuschens errich tet worden. Der nicht gerade reizend zu nen⸗ nende Anblick des schmutzigen Stadtgrabenwassers ist nun auf dieser Seite beseitigt worden. Auf der anderen Seite macht sich aber auch derselbe Uebelstand bemerkbar. Diesem könnte nun leicht abgeholfen werden, wollte man die beiden an den Graben angrenzenden Häuser durch eine zum Ankleben von Plakaten dienende Bretterwand in Stockwerkhöhe verbinden. Die Nachbarschaft würde darüber gewiß nicht böse sein.

* Gießen, 5. September. Ueber Damenmoden zu plaudern, ist eine verdammt Verzeihung für das unparlamentarische Wort, aber wir müssen es leider wiederholen! ist eine verdammt heikle Geschichte. Erstens schafft man sich, wenn man die grade üblichen Moden nicht lobt oder wohl gar darüber zu spötteln wagt, eine Menge tötlicher Feindinnen, und das ist für den Mann, bei seiner angeborenen Ritterlichkeit gegen das schöne Geschlecht, immer unangenehm. Zweitens ändert man durch den begründetsten Tadel nichts an der trau⸗ rigen Thatsache, daß unsre Damen nach wie vor der Mode sklavisch unterthan bleiben und alle Reformversuche mit Hohnlächeln zurückweisen. Du lieber Himmel, was hätten wir Alles an den diesjährigen Sommermoden aus⸗ zusetzen gehabt, wenn wir nur frei von der Leber reden durften! Aber wir haben weislich geschwiegen, denn andernfalls wären uns wohl die Augen schon längst dop⸗ pelt und dreifach ausgekratzt worden. Um nur einen Punkt nachträglich, aber vorsichtigerweise nur zart, ge⸗ wissermaßen pianissimo, anzudeuten, welche ausschweifende Farbenpracht wurde im diesjährigen Sommer bei Damen⸗ kleidern entfaltet! Eine Farbenpracht, die manchmal geradezu schmerzlich in die Augen stach, weil die Farben selten zueinander paßten. Wir entsinnen uns, Toiletten begegnet zu sein, die aussahen, als ob die Farben eines Tuschkastens durcheinandergelaufen wären Toiletten, vor denen der Regenbogen, als gar zu farblos, sich scham⸗ haft verstecken mußte. Eine Buntheit im schlimmsten Sinne, für welche der Voksmund das treffende Wort schreiend erfunden hat, machte sich überall geltend. Auch die Neuheiten der Herbstmode, die uns bisher zu Gesicht gekommen sind, versprechen nicht allzuviel Gutes. Als Kuriosum erwähnen wir eine ganz neue Kragenmode für Damenjaquets, die hoffentlich bald denFliegenden Blät⸗ tern ergiebigen Stoff zu parodistischen Zeichnungen liefern dürste. Besagte Kragen sind nämlich in fabelhaft täuschender Art allen möglichen Sorten von Blumen⸗ blättern und Blumenkelchen nachgebildet. Man kann sie in wenig und vielfach gezackter oder gerundeter Form haben, aufgeklappt oder heruntergeschlagen, je nach dem

läufig noch nicht zu entscheiden, weil die Möglichkeit doch

nicht ausgeschlossen ist, daß die zierlichen Köpfchen der

Trägerinnen selbst diese schmerzhafte Modelaune anmuthig

verklären werden. Glücklicherweise können wir zum Schlusse

konstatieren, daß die Mode zuweilen auch Anwendungen

extremer Einfachheit hat. So ist neuerdings die bisher

so gering geachtete Kartoffelblüte durch sie zu Ehren und

Ansehen gebracht worden. Die schlichte blauweise Blume

mit ihrem dunkelgrünen Kraut und üppigem Rankenwerk

prangt als gemalte Modeblume auf Schüsseln, Tellern

und Schalenkörbchen was wir sehr nett finden. Min⸗

der erfreulich scheint uns die Aussicht, daß die bescheidene

Blüte sich im Winter auch die vornehmen Galakleider der

Damenwelt erobern wird. Man denke sich eine kostbare

Robe, mit Kartoffelblüten bestickt und bemalt man

denke sich die Besitzerin dieser Robe: Diamanten im Haar,

in den Ohren, um den Hals und den Arm; in der Hand

aber ein simples Kartoffelblüten⸗Bouquet! Wird man bei

diesem Phantasiebild, das leider allen Ernstes zur Wirk⸗

lichkeit zu werden droht, nicht unwillkürlich an die Zeit der unseligen Marie Antoinette gemahnt, wo die Hoffräu⸗

lein auf den thurmhohen Frisuren, auf den Puffen,

Locken und Schleifen des Haarbaus ein Bündel Radies⸗ chen und Kartoffeln trugen? Und ist es ratsam, die Moden jener Zeit wieder aufzufrischen? Wir überlassen es dem Geschmack der schönen Leserin, diese Frage be⸗ friedigend zu beantworten.

* Daubringen, 4. September. Am Mitt⸗ woch fiel der schon bejahrte Tagelöhner Hoff- manu von einem mit Frucht beladenen Wagen und sollte infolge der erhaltenen Verletzungen nach Gießen in die Klinik gebracht werden. Auf dem Wege dorthin ist jedoch der Verun glückte schon gestorben.

Friedberg, 4. Sept. Die Wiederher⸗ stellungs-Arbeiten an der hiesigen Stadt⸗ kirche, für welche die Stände s. Zt. 100 000 Mark bewilligt haben, sind Herrn Architekten R. Opfermann in Mainz übertragen worden. Die vorzunehmenden Restaurationsarbeiten werden mehrere Jahre in Anspruch nehmen und man glaubt, mit dem Eintritt in das nächste Jahr⸗ hundert den Gottesdienst in der Kirche wieder aufnehmen zu können.

* Darmstadt, 4. Sept. Während der Eisenbahnbeirat des Großherzogtums Hessen sich bisher in seiner Thätigkeit darauf beschränkte, die laufenden Fahrplanangelegenheiten zu be⸗ handeln und nur hin und wieder mit einer von

Handelskammern oder Industriellen eingebrachten Beschwerde zu thun hatte, werden den Eisenbahn⸗ räten in Preußen und Baden alle Angelegen⸗ heiten, die sich auf Personen- und Güterverkehr, sowie auf die Verkehrsordnung der Eisenbahnen Deutschlands und auch auf das internationale Uebereinkommen über den Eisenbahnfrachtverkehr beziehen, zur gutachtlichen Aeußerung unterbreitet. Da nun in Preußen allein der Landeseisenbahn⸗

1 * * Ausgabe Gie 0 . 5 9 en. 90 edaktion: Erscheint täglich mit Ausnahme der Ta ier ö 5 88 ge nach Sonn- und Feiertagen. edition: Kreuzplatz Nr. 4. 2. Preis der Anzeigen: 10 Pfg. für die Sspaltige Petitzeile. 5 Kren let Nr. 4. 00 Lokales und Provinzielles. e de Oberbürgermeister Gnauth Vorbild der Blume, die man äußerlich nachahmen will.] rat zu beschließen hat, während die Bezirkseisen⸗ 0 Gieß 5, Sept. Das Vorl 5 e Kandidaten für den Hessischen Landtag Auf Abbildungen, die uns in reichlicher Auswahl vor⸗Jbahnräte nur gehört werden, drängt sich nach 1 eint ber Großherzoglichen 1 beben 5 Seitens der Freisinnigen lagen, sieht die Sache mehr drollig, als hübsch aus; wie] der Neuordnung der Dinge für die hessischen 1 eesteet für das Winersemester 18907 artei kandidiert wieder Herr Rechtsanwalt sie in natura sich ausnehmen wird, das wagen wir vor⸗ Staatsbahnen die Frage auf, ob sich die Regie⸗

rung die Beibehaltung des hessischen Eisenbahn⸗ rates vorbehalten hat. Wie wir hören, ist dies zur Zeit noch fraglich, obgleich die Angelegenheit für Handel und Industrie des Landes außer⸗ ordentlich wichtig ist. Das wäre so ein Fall, in welchem man diehessischen Wünsche thunlichst berücksichtigen könnte. * Darmstadt, 4. Sept.(Einjährig⸗ Freiwilligen-Examen.) Bei der hier am Montag beendeten Herbstprüfung der Bewerber um die Berechtigung zum einjährig⸗freiwilligen Militärdienst erhielten von insgesamt 24 zu⸗ gelassenen Examinanden 14 das Reifezeugnis. Die übrigen 10 Offenbach, 4. Sept. Der 51 Jahre alte, hier beschäftigt gewesene Weißbinder Ada m Sprunkel von Fraukfurt a. M. brach gestern Nachmittag in der Kaiserstraße hierselbst plötzlich tot zusammen. Ein Schlaganfall hatte ihn befallen. ö * Worms, 4. Sept. Als Vertreter des Verbandes hessischer Innungen und Berufs vereine wird der vom 8. bis 10. September in Berlin stattfindenden Hand⸗ werker-Konferenz an Stelle des geschäftlich verhinderten Herrn Obermeisters K. Lautz in Darmstadt Herr Fischer hier beiwohnen. a * Mainz, 4. September. Der gestern Nach⸗ mittag im Ostturme des Domes verunglückte Russe ist ein Freiherr von Visconti aus Peters⸗ burg. Der junge Mann war erst 21 Jahre alt und Schüler einer höheren Lehranstalt. Die Leiche soll nach Rußland verbracht werden. * Bingen, 4. September.(Ein vielfach Tättowierter.) Unter den Steckbriefen des Amtsblattes befindet sich auch einer gegen den ö Schreiner Karl Joseph Leyendecker aus Gau⸗ Algesheim. Als besondere Kennzeichen werden darin folgende Tättowierungen angeführt: auf der Brust ein Anker mit Flaggen und eine Krone, ein Matrosenbrustbild mit der Unterschrift: Kaiserl. Seebataillon, 3. Komp. Wiedemann, auf dem linken Arm ein Seeräuber⸗-Wappen mit den Worten:Der Tod ist bitter, die Rache ist süß, auf dem linken Handrücken ein Stern, auf dem rechten Oberarm ein Frauenkopf mit dem NamenBabette, auf dem Unterarm Schreiner- werkzeuge.

U

1

Wetzlar, 5. Sept. Generalversamm⸗ lung des gesamten Taunusclub. Morgen, Sonntag, findet in Wetzlar um 11 Uhr Vorm. im GasthauseZum deutschen Kaiser die 14. ordentliche Generalversammlung des Taunusclubs statt. Außer der Neuwahl des Central⸗Aus⸗ schusses und einer Bewilligung von 500 zur

ian webe Diel für den Riegel ie Ver N pfad(hat die Versammlung * 1 schon einmal big sowie des Konrad Atz⸗ he: bach für den Leihgesternerweg Nr. 9 werden aun get wegen Mangel eines Bedürfunisses abgelehnt; kufrmietten as ebenso ein Gesuch des Wilh. Schomber in den 0 Neuen Bäuen um die Erlaubnis zum Verkauf aus Demel: von Branntwein über die Straße aus dem 5 1 gleichen Grunde. Die Gesuche um Erlaubnis⸗ ̃ X erteilung zum Wirtschaftsbetrieb des Wilhelm ö Weidmann für Frankfurterstraße 83, des Wilh. 0 Pfeiffer 1 für Liebigstraße 71(Bischofsche Wirt⸗ ombach, schaft), sowie des Brauer Jakob Müller für den un Janez Asterweg 7 werden erteilt, weil es sich hier um sorben in det den Uebergang schon bestehender Ausschankstellen u die Hein an andere Wirte handelt. Es folgt eine ge⸗ en, 5. September. Die National eßen, 5. September. Di a Dacltv. Je liberale Partei wird sicherem Vernehmen n bebe b nach in ihrer heute Abend stattfindenden Ver⸗ Marja, das Heldenmädchen atur e von Transvaal. 2 Zeitroman von Pieter Vry burg aschenuut(Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.) 9 70 5 1A o nun ja doch, sprach er verlegen. . 4 5 791 1 and an das Geheimnis, das ihre Ber⸗ 0 1 gangenheit umgiebt, fuhr Marja eindringlich fort. 10 4 Der Boer erbleichte jäh, Blick und Stimme 0,50 10 waren unsicher, als er sagte:Was fällt Dir ein? ein duft Wer sagt Dir daß 5 8Du selbst hast es mir verraten, daß auf ihrem 1 ela. Grabe ein Schatten ruht, den keine Thränen hin⸗ 00 wegwischen können. 0Das hat Dir der Deutsche gesagt! 5 Starr blickte Marja zu ihrem Vater auf.

Ein dunkles Ahnen dämmerte in ihrer Seele, daß der Mann, den sie verschmachtend in der Wüste gefunden und der sie eindringlich nach ihrer Mutter befragt hatte, in irgend welcher Beziehung zu jenem Geheimnis stand, daß er darum wußte.

Und wenn er es gethan 7 forschte Marja.

Sie konnte nur ihren Vater anstarren, der so seltsame, verworrene Reden führte.

Plötzlich griff er nach seinem an der Wand hängenden Jagdgewehr und rannte, den Hut auf dem Kopf, aus dem Zimmer.

Marja schaute ihm betroffen nach.

Wenige Minuten später ertönte Bellen und Pferdegetrappel vom Hofe her.

Sie stieß einen erstickten Schrei aus..

Der Vater hatte die beiden in strengster Haft gehaltenen Bluthunde entkoppelt. Von ihnen mit wiltendem Gebell umsprungen, ritt er vom Hofe.

Wohin?

Nach zwei Tagen f schmutzt, verwildert, finster blickend und schweig Er fand sein Kind nicht mehr daheim.

Marja hatte die Farm heimlich verlassen.

Suche nicht nach mir, schrieb sie in einem hinterlassenen Brief.Ich fand eine Spur und mußte ihr folgen sogleich. Sei gewarnt, Vater! Schweres Unheil droht dem Transvaal, und das Blut von Tausenden muß fließen, wenn Du mich hinderst. Ich empfehle meine Seele Gott und hoffe, daß er mich sicher zu Dir zurück führen wird. Deine Marja. 8

Kopfschüttelnd, wie geistesabwesend starrte der Boer auf dieses rätselhafte Blatt. f

Zuletzt zerknitterte er es in seiner gewaltigen Faust und barg es an seiner Brust. 5

Dann saß er eine Weile wie vernichtet und starrte immer auf einen Punkt.

Plötzlich sprang er auf.

Nach einem scharfen Verhör stieg er abermals zu Pferde und ritt fort. 5 Er nahm die Richtung nach Pretoria.

9. Kapitel. Oom Paul.

erst kehrte er zurück, be⸗ sam.

Oom P Pfeife.

vielgenannten Präsidenten der

Republik.

er wurde geliebt. Da ging kein Kind, kein Weib, kein Arbeits bursche vorüber, ohne dem Alten hinter dem

gleich freundlich und mit manchem Scherzwort er⸗ widert wurde. Da kam kein schwerfälliger Ochsen⸗ karren aus irgend einem Grenzdistrikt herangerollt, ohne daß nicht der Fuhrmann den durchlöcherten Hut vom struppigen Kopfe zog und seinGuten Tag, Oom Paul! herübersandte. Selbst die er⸗ bittertsten Feinde des Boerenstaates, die Engländer, grüßten den Alten ehrfurchtsvoll, einige mit heim⸗ licher Scheu, denn der Mann im Boerenrock, das wußten alle, war doch ein weit schauender Staats⸗ mann, ein großer Gesetzgeber und ein feiner Dip lomat, der schon mit Kaisern und Königen zu Tisch gesessen und der mit fast allen Kabinetten Europas in Notenwechsel stand.

Hinter dem breiten Fenster des Familienzimmers saß eine behäbige, gutmütig ausschauende Frau, die Gattin des Präsidenten, immer fleißig, immer regsam um sich schauend und ein wachsames Auge auf das Hausgesinde haltend. Da thronte sie nach Boeren⸗ art, das Haus war ihr Reich, ihre Welt.

Es war um die Mittagszeit, als ein Reiter auf schaumbedeckten Rosse und selbst mit einem gut Teil Wüstenstaub beladen vor der Villa hielt und kurzer Hand zur Veranda heraufschritt.

Guten Tag, Oom Paul! war der etwas rauhklingende Gruß des Boeren.

100 90 3 Und wenn 79 Schwer sauste die Faust des Boeren auf den 17. N Tisch nieder! seine Augen fprühten. 0 W 0 NSchlag' Dir die Gedanken aus dem Kopf, Mäd⸗ 9 chen z schlag' sie Dir aus dem Kopf! rief er, wild mit 777 dem Arme fuchtelnd.Du wirst nie eine Grafen⸗ n krone tragen! Haha! lachte er auf.Die Boeren⸗ 01 dirne eine Grafenkrone! O daß er nicht sterben g mußte, ehe er dieses Gift in deine unschuldsvolle 4 Stele gespritzt! Er rannte wütend im Vorhause 22 6 wo diese folgenschwere Unterredung stattfand, auf 0 und ab. 1 Marja verstand nichts von alle dem. 115 gell Unerwartet, blitzartig kam ihr die Enth 455 4% von Dingen, welche weit außerhalb ihres Begriff

gens lagen.

Auf der Veranda seiner schmucklosen Villa saß

Guten Tag, Witborg! entgegnete der Präsi⸗

aul, las die Zeitung und schmauchte seine

Niemand würde in dem schlichten Boer den ge waltigsten Mann in Transvaal vermutet haben, den Südafrikanischen

Gefürchtet war dieser Mann auch nicht, aber

Weinspalier einen Gruß hinaufzusenden, der immer

dent, dem Andern die Hand bietend.Wie schaut'? auf der Farm? Was macht Dein Töchterchen? Warst lange nicht in Pretoria.

Ja, lange nicht, entgegnete der finsterem Stirnrunzeln.Auf der Farm steht's gu man hat seine Arbeit.

Wie ist die Jagd?

Erbärmlich! Kommt einem nichts mehr vor Rohr. Man könnte Rehe und Hasen frei laufer lassen und Menagerie-Löwen für Geld zeigen.

Oom Paul lachte. J

Ja, ja, ich glaub's, sagte er gemütlich. J dem Lande der besten Schützen kann kein Wild meh aufkommen. Himmel, wenn ich bedenke, wie ic damals mit meinem Vater von Natal herüberkam ein dreizehnjähriger Bengel Da gab's noch Wil) in Transvaal. Ich selbst babe damals mehr Büffel Löwen und Elephanten geschossen, als ich zu zählen) vermochte.

Nun aber, fuhr er mit einem prüfenden Blio. auf die sorgenvolle Miene Witborgs fort,deshalb um das von mir zu hören, hast Du wohl nicht de weiten Weg nach Pretoria und zu mir gemacht.

Dein Kind ist doch nicht krank? 1

Der Boer schüttelte finster den Kopf.

In unserer Steppenluft wird man erst rech gesund. Doch was ich sagen wollte, Dom Pau Du hörst und siehst doch alles, und kein Fremde kommt nach Pretoria, ohne Dir seinen Besuch z machen. 8 1 00

Gott sei's geklagt, scherzte der Präsident, S scheinen mein Haus für ein Museum und mich 10 05 eine Merkwürdigkeit zu halten. Wüßte gar nichh was so Besonderes an mir ist. ö (Fortsetzung folgt.)

Boer mil

15

*

1

1