Ausgabe 
5.8.1896
 
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hingewiesen. Zur Familienname(möglichst auch Vorname), Dienst⸗

Gießen, Mittwoch, den 5. August

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Ausgabe

fandeszeitung

Gießen.

Redaktion:

70 Kreuzplatz Nr. 4. 2

Erscheint täglich mit Ausnahme der Tage nach Sonn- und Feiertagen. Preis der Auzeigen: 10 Pfg. für die Zspaltige Petitzeile.

D 2

Expedition: Kreuzplatz Nr. 4.

Lokales und Provinzielles.

Gießen, 4. August. Heute Vormittag fand in Steins Saalbau die Pastoren Conferenz statt.

Gießen, 4. Juli. Zur Erbauung des

bpangehschen Schwesternhauses hat der

Verein für Armen⸗ und Krankenpfiege an der

Moltke⸗Straße zwei von den Petri'schen Bauplätzen zum Preise von 10 4 pro Qua⸗

Der Bauplatz umfaßt 1700 Quadratmeter. Das Grundstück hat zwei Fronten, die eine nach der Moltke-Straße, die andere nach der Wieseck. Jedenfalls wird beab⸗

sichtigt, das Hinterhaus, welches in Händen der Stadt ist, dazu zu erwerben.

* Gießen, 4. August. Zur Vertretung des auf 4 Wochen beuxrlaubten Gerichts voll⸗ ziehers Geißler ist heute der Gerichtsvoll⸗ zieher⸗Aspirant Thüre von Alsfeld bestellt worden.

* Gießen, 4. August. 2 Jahre 6 Monate Gefängniß verurteilten Thekla Wittmann ist Rechtsanwalt Grüne⸗

wald von deren Vater beauftragt, die Revision zu verfolgen. Als Revisionsgrund wird wahr⸗ cheinlich der Umstand dienen, daß bei der Ver⸗ handlung die Oeffentlichkeit ausgeschlossen wurde, ehe der Anklagebeschluß verlesen worden ist.

* Gießen, 4. August. Im Großherzogtum Sean wurde 1895/06 von 44207 Hunden

taats⸗Hundesteuer erhoben im Betrage von insgesamt 4 221 035. Die Steuer beträgt pro

In Sachen der zu

Hund 4 5. Die Steuer, welche noch besonders

von den Gemeinden erhoben wird, differiert zwischen 2 und 5 pro Hund. Die Provinz Oberhessen unterwarf der Gemeinde-Hunde⸗ steuer 2144 Hunde, die einen Betrag von. 9360.50 einbrachten. Auf die Gemeinde Gießen entfallen 753 Hunde mit einem Gemeindesteuer⸗

ertrag von A 3965.

* Gießen, 4. August. Manöver⸗Post⸗ sendungen. Aus Anlaß der bevorstehenden

milttärischen Herbstübungen wird auf die Wichtig⸗ keit der Anwendung richtiger und deutlicher

Aufschriften bei den Manöver⸗Postsendungen jenauen Aufschrift gehören: rad und Truppenteil Regiment, Bataillon, ompagnie, Eskadron, Batterie, Kolonne ꝛc.

und für gewöhnlich der ständige Garnifon⸗

ort, eintretenden Falls mit dem Zusatzeoder augsehlk ich Die Angabe eines Marschquartiers empfiehlt sich nur dann, wenn dasfelbe genau bekannt und vorauszusehen ist, daß die Sendung so zeitig an dem nee Bestimmungsorte eintrifft, um vor dem Weitermarsch in Empfang enommen werden zu können, und daß die Ab⸗ 55 von der Post auch mit Sicherheit zu er⸗ warten steht. Da der Stab des Regiments und die einzelnen Bataillone ꝛc. ihre Postsachen häufig bei verschiedenen Postanstalten in Empfang nehmen, so ist eine genaue und richtige Auf⸗ schrift unentbehrlich. Durch mangelhafte oder

ungenaue Anfertigung der Aufschriften wird die Ueberkunft der Sendungen an die Empfänger oft sehr erheblich verzögert. 5

I. Gießen, 4. August. Die Zeit der Obstreife ist eine schlimme Zeit für Erwachsene wie für Kinder: für Erwachsene, weil sie garnicht genug auf das kleine Volk achten und hinter ihm her sein können, für Kinder, weil zu keiner Periode des Jahres die Versuchung in Gestalt lockender Früchte so mächtig an sie herantritt und sie alle guten Lehren der Eltern und Er⸗ zieher leichtherzig vergessen läßt. Wieviel Obst, das äußerlich in den trügerischen Farben der Reife prangt, innerlich aber noch so unreif wie möglich ist, fällt in diesen Tagen der lieben Jugend in die Hände, die bekanntlich selbst durch die Furcht vor strenger Bestrafung nicht abge⸗ halten wird, die Obstbäume an Landstraßen oder in fremden Gärten ihres reizvollen Schmucks zu berauben. Was fragt so mancher der mütter⸗ lichen Aufsicht Alwichker Dreikäsehoch danach, ob es gesund oder ungesund ist, unreifes Obst zu vertilgen, die Kerne hinunterzuschlucken und unmittelbar nach erfolgtem Genuß am nächsten Brunnen seinen Durst mit kühlendem Wasser zu stillen? Die Aerzte, die jetzt unermüdlich in Thätigkeit sind, vissen ein langes und häufig herzzerreißendes Lied davon zu singen, welches Unheil durch unreifes Obst heraufbeschworen wird, welche zahllosen Kinderkrankheiten mit oft tödlichem Ausgang dadurch hervorgerufen werden. Auch das reife Obst ist mit Vorsicht zu genießen, wenn es nicht, statt gesundheitsfördernd, gesund⸗ heitsschädlich wirken fol. Und noch eine Mah⸗ nung ist hierbei dringend am Platze: beobachtet wohl, ihr Großen und Kleinen, die Kerne und Schalen! Werft sie nicht achtlos auf Treppen und Bürgersteige, damit eure Mitmenschen nicht darüber fallen und ausgleiten! Unzählige Arm⸗ und Beinbrüche sind schon durch diese schier un⸗ ausrottbare Nachlässigkeit veranlaßt worden. Man werfe die Schalen auf den Kehricht, wohin sie gehören.

* Bad Nauheim, 4. August. Welchen ungeheuren Aufschwung unser Bad seit 10 Jahren zu verzeichnen hat, ersieht man am besten aus einer von der Centralstelle für Lan⸗ desstatistik veröffentlichten Tabelle. Danach betrug die Zahl der Kurfremden im

Jahre 1887: 6842 1888: 7904 1889: 7942 1890: 8555 1891: 9244 1892: 10 272 1893: 10 394 1894: 11681 1895: 14136. Die Einnahmen für Bäder steigerten sich in der⸗ selben Zeit von 1 128350 auf% 279 601. Bad Nauheim kann auf die sich ständig steigende Frequenz mit Recht stolz sein. Denn außer dem Umstand, daß seine Heilquellen immer unsere Be achtung und Anerkennung fanden, dürfte die Frequenzsteigerung auch nicht am wenigsten auf die neugeschaffenen herrlichen Aulagen und die sonstigen hier gebotenen Annehmlichkeiten zurück⸗ zuführen sein.

Darmstadt, 4. August. Verstaat⸗ lichung der Ludwigsbahn. Zur Be⸗ schaffung der zum Vollzug der Verstaatlichung der Ludwigsbahn seitens Hessens erforderlichen Baar mittel schweben gegenwärtig zwischen der Regierung und der Darmstädter Bank Ver⸗ handlungen. Auch ein Frankfurter und ein Ber⸗ liner Bankhaus sollen sich bemühen, die durch die Verstaatlichung erforderlichen finanziellen Transactionen für Hessen vorzunehmen. Aus dem diesjährigen Bekriebsergebnis sind bereits einige Millionen bei Bankiers niedergelegt.

* Darmstadt, 3. August. Gelegentlich der Generalversa mmlung des Evange⸗ lischen Bundes, welcher im Herbst dahier stattfindet, wird auch das bekannte Lutherfest⸗ Hue von Dr. Devrient zur Aufführung ge⸗ angen.

Vermischtes.

Herborn, 3. August. Der gestern hier stattgefundene Bezirks⸗-Feuerwehrtag ist trotz des schlechten Wetters vorzüglich verlaufen. Erschienen waren fremde Wehren. Im strömen⸗ den Regen fand der Festzug sowohl als auch die beabsichtigten Uebungen unter Leitung des Kommandanten Nicodemus statt. Trotz der primitiven Geräte, welche unserer Wehr zur Ver⸗ fügung stehen, waren doch die Vorführungen ausgezeichnet. Von einem Verweilen im Freien konnte natürlich keine Rede sein und wurde der vergnügliche Teil des Festes in zwei Sälen bei Musik und Tanz abgehalten. Den Be⸗ ratungen des Bezirkstages wohnten bei, Land⸗ rat Fromme⸗ Dillenburg, Branddirektor Scherren-Wiesbaden, Brand-Inspektor Meyer⸗ Rödelheim und Bürgermeister Dr. Siegfried⸗ Herborn bei. Aus dem Großherzogtum Hessen waren nur die Freiwilligen Wehren aus Gießen durch eine unter Führung des Hauptmanns Gail erschienene Deputation bei unserer festlichen Veranstaltung vertreten.

Um die Welt in 40 Tagen. Der jetzige Rekord von 80 Tagen für eine Reise um den Erdball wird mit Beginn des Jahres 1900 ein Ding der Ver⸗ gangenheit sein; denn am 1. Januar genannten Jahres soll das letzte Verbindungsglied der sibirischen Bahn fertig⸗ gestellt sein, mit deren Benutzung sich die Weltfahrt in etwa 40 Tagen wird bewirken lassen, also in der Hälfte der Zeit, in welcher Jules Verne seinen spleenigen Eng⸗ länder unter großen Anstrengungen und unter Einrech⸗ nung der 24 Stunden Zeitdifferenz mit knapper Not die Erde hat umkreisen lassen. Vom Jahre 1900 ab könnte wie gesagt jener Engländer die Tour in etwa 40 Tagen zurücklegen, ohne sich hierbei sonderlich anzustrengen und abzuhasten. Er verläßt London am Ersten eines Monats und wird via Ostende, Berlin die russische Metropole mittels des Nordexpreß in 45 Stunden erreichen. Dort wartet seiner der sibirische Ueberlandzug, der die 10000 Kilometer lange Strecke in vorerst gemessenem Tempo, aber immerhin zu 40 Kilometer pro Stunde in 250 Stunden zurücklegt und Port Arthur, den Winterhafen der russischen Pacificküste, in 12 Tagen und 7 Stunden ab London erreicht. Dort harrt seiner die neue Eil⸗ dampferlinie, die von russisch⸗amerikanischen Kapitalisten

unter russisch⸗amerikanischer Subvention noch in diesem Jahre gegründet werden soll, um San Francisco in etwa 17 Tagen zu erreichen. Von dort aus gelangt er in 10

Tagen nach London, so daß er die Rundreise in 39 1

Tagen, also in weniger als der halben Zeit, die Jules Verne seinem wettliebenden Engländer zuteilte, zurückgelegt haben wird. Auch hinsichtlich des Preises wird eine große Um⸗ wälzung eintreten. Derzeit kostet das billigsteRund um die Welt Billet 2230 Mark, worin freilich die Schiffs⸗ beköstigung eingeschlossen ist. Ab 1. Januar 1900 dürfte die Rundreise inkl. Schiffsbeköstigung, jedoch ausschließlich der Schlafwagenbillets und der Mahlzeiten während der Landreise, nur zwischen 1500 und 1600 Mark kosten und all das Kontingent der Reisenden, die Gott Neptun reich⸗ liche Opfer zu zahlen geneigt waren, werden auf dieser Weltteillinte nur 22 Tage auf schwankender Planke ver⸗ bringen müssen, gegen etwa 60 Tage auf der Strecke via Suezkanal und Hinterindien. Man vergleiche mit diesem Bilde von der Entwicklung der Technik und den Bequem⸗ lichkeiten, die sie zahlungsfähigen Leuten bietet, die menschenunwürdige Art, in der Arbeiter auf der Eisenbahn befördert werden. Der Segen der kapitalistischen Kultur für die große Masse des Volks kommt dann verblüffend klar zur Veranschaulichung.

Das schlaue Bäuerleiu. pfälzischer Bauersmann stieg kürzlich mit einem bereits zur Jungfrau herangereiften Mädchen auf der Bahnstrecke Kaltenbach⸗Zweibrücken in ein Koupee dritter Klasse ein. Zur Verwunderung der Fahrgäste ließ sich die Jungfrau auf den Schooß des Landbewohners nieder, obwohl noch hinreichend Platz in dem Abteil vorhanden war. Sehr rasch sollte indeß Aufklärung folgen. Der Zug setzte sich in Bewegung undBillet vorzeigen ließ sich die Stimme des Schaffners vernehmen. Unser Landbewohner zog aus seinem Geldbeutel ein einziges wohlverwahrtes Billet. Auf die Frage nach dem zweiten Billet erhielt der Schaffner zur allgemeinen Erheiterung die Antwort: Sie werre ent⸗ schuldige, Herr Konduktör, ich hunn gemeent, Kinder, wu mer uff de Schooß nemme kann, wäre frei! Auf Sta⸗ tion Biebermühle mußte selbstredend unser Bäuerlein für

seinKind, das sich nun aber auf eigenem Platz breit

machte, einen Fahrschein nachlösen.

Selbstmorde bei den Schwarzen Afrikas. Im neuesten Heft desGlobus(Herausgeber Richard Andree, Verlag von Friedrich Vieweg und Sohn in Braunschweig) veröffentlicht G. A. Krause nachstehende Mitteilung: In meinem Tagebuche finde ich unter dem Datum Salaga, den 24. Juli 1893 über Selbstmorde bei Schwarzen folgende Eintragung:Vor einigen Tagen hat sich hier in Salaga im Hause des Haussa⸗Karawanen⸗ führers Isa Sarahu ein erwachsener Sklave erhängt. Man hat ihn hinter das Haus geworfen, wo ihn Hyänen, und Aasgeier verzehrt haben. Kolo, einem Manne aus Nupe, der mir das mitteilte, waren noch fünf Fälle be⸗ kannt, wo erwachsene männliche Sklaven Hand an sich gelegt hatten. Einer hatte sich erstochen, einer sich mit dem dicken Holzstampfer des Mörsers den Schädel ein⸗ geschlagen. In Nupe, am Niger, lebte ein wohlhabender angesehener Sklave, der von seinem Herrn in den Krieg geschickt wurde. Während er sich im Kriegslager befand, erfuhr er den Tod seiner Frau, die zu Hause geblieben war. Dies ging ihm so sehr zu Herzen, daß er eine Pistole lud und sich die Ladung in den Mund feuerte. Selbstmord scheint nicht sehr häufig unter den Schwarzen zu sein. Ich kenne einen Schwarzen in Ada⸗FJo, an der Voltamündung, der wegen Familienzwistigkeiten und Geld⸗ schwierigkeiten sich zu erschießen versuchte. Es gelang ihm aber nicht, er hatte sich nur Teile des Gesichts und des Mundes schwer verletzt, wurde geheilt und von den eng⸗ lischen Gerichten für seine That bestraft. Vor längeren

Das blaue Herz.

Roman von Karl Ed. Klopfer. (Nachdruck verboten.)

(Fortsetzung.)

1Ich meine ob man es noch nach Jahren herauskriegen könnte, an welchem Tage eine Person dort eingetroffen und angemeldet worden ist?

Hm! vas glaub' ich wohl, denn die Polizei

bewahrt doch die Melderegister auß...

4Und würve unsereins da Auskunft erhalten, wenn man mit aller Bescheidenheit aufragen thäte?

Warum nicht? Aber was willst Du damit?

Nazi holte tief Atem und war schon im Begriff, sein übervolles Herz auszuschütten, als ihn des Gebieters sich plötzlich verfinsternde Miene wieder innehalten machte. Er schlang ein unsichtbares Etwas hinab und suchte einen Vorwand herbei⸗ zuzerren.

Sprich, Sataussohn! rückte ihm der Attache unerbittlich auf den Leib.Du suchst Ausflüchte

D also geht mein Instinkt auf der rechten Fährte.

Was für einen dummen Streich hast Du wieder im Sinn?

Ia ich kann's nicht sagen! platzte Ignaz da heraus.Eine gescheidte Lüge fällt mir g'rad nicht ein weil ich deim gnädigen Herrn ja eben die Wahrheit hab' erzählen wollen. Aber da ist s mtr plötztich erst klar worden, daß ich ein rechter

Dummkopf war, wie ich geglaubt hab', der Herr Attache könnten sich für eine Geschichte inter⸗

5 eren, die mir dieser Tage aufgestoßen ist.

nämlich bitt um Verzeihung! ich bin

wahrhaftig nicht unverschämt, wenn ich mich so ausdrücke es ist nämlich eine Angelegenheit, die dem gnädigen Herrn später einmal schon inter essant sein wird. Aber heute erfordert es wie ich mich eben besinne der Takt, Sie noch in Unkenntnis zu lassen bitte gnädigst zu eut⸗ schuldigen.

Was weißt Du von Takt, Du schnurriger Kerl? Wie kommst Du mir überhaupt vor? Du hast ja eine förmliche Hofratsmiene aufgesteckt, als ob Du einem Haupt- und Staatsgeheimnis auf der Spur wärest.

Damit haben der gnädige Herr mit Ver⸗ laub gesagt sehr richtig geraten. Ich hoffe, mich in der Sache bald offen erklären zu können.

Fröden lachte geringschätzig auf. Der Bursche hatte ihm schon oft viel Spaß gemacht und durfte sich darum Mauches herausnehmen.

Na, ich will mich nicht in Dein Vertrauen drängen, Du Holzkopf! Laß mich nur hoffen, daß Dir keine Narxreteien in der Gehirnkammer spuken! Du hast oft haarsträubende Ideen, ich weiß, das kommt vom Romanlesen, und das solltest Du Dir abgewöhnen.

Nazi nahm diese Mahnung mit etwas heuch⸗ lerischer Zerknirschung entgegen, räumte das silberne Kaffeeservice vom Tisch und zog sich auf geräusch⸗ losen Sohlen zurück.

Die Wetti mußte 1 doch zu der Mei⸗ nung kommen, daß ihr der Bediente des Herrn v. Fröden ob jenerHerzens⸗Angelegenheit unver⸗

söhnlich grolle, denn sie bekam die nächsten zwei

Wochen weder ihn selbst vor die Augen, noch eine Zeile von ihm, und sie hatte doch so sicher darauf gerechnet, daß er sich alsbald nach ihrem nächsten Ausgang erkundigen werde, und sie hatte sich schon einen wunderschönen Sonntag-Nachmittag im Prater ausgemalt, bei Musik und Tanz

Ignaz hatte in der Zeit in Wahrheit sehr oft der niedlichen Kleinen gedacht, aber es für besser erachtet, sich ihr erst dann wieder zu nähern, bis die große Sache, die ihn jetzt beschäftigte, halbwegs entschieden sei. Bis dahin hielt er es mit seinem Gebieter, der sich seither auch nicht mehr in dem freiherrlichen Hause hatte blicken lassen und eine zweite Einladung mit verbindlichen Ausflüchten ausgeschlagen hatte.

Der Attaché hatte freilich keine Ahnung von denUnternehmungen seines Kammerdieners; er hatte längst vergessen, daß der Bursch' ihm eine interessaunte Mitteilung versprochen, und war weniger als früher in der Laune, sich um dessen Streiche zu kümmern. So war's ihm auch gar nicht aufgefallen, daß der soust so muntere Ignaz von Tag zu Tug ernster und geheimnisvoller geworden war.

(Fortsetzung folgt.)

Salas y Gomez. Diese kleine öde Felsen⸗ Insel im Stillen Ozean ist durch ein schönes Gedicht des Adalbert v. Chamisso bekannt geworden. In seinerReise um die Welt mit der russischen BriggRurik macht er aber nur sehr dürftige Angaben über die Beschaffenheit der Insel und hoffen wir deshalb, daß viele Leser mit Interesse hören werden, wie es auf dieser schauerlich un⸗ wirtlichen, einsamen Insel aussieht. Wir finden die ge⸗

nauesten und neuesten Angaben vereinigt in den Nantischen Anweisungen für die chilenische Küste, die Ende 1895 in Santiago von dem Direktor des Hydrographischen Amtes in Chile, Herrn Chaigneau, veröffentlicht wurden. Salas y Gomez wurde 1793 von einem spanischen Offizier ent⸗ deckt, welcher der Insel seinen Namen gab. Die Insel zeigt von Südwesten nach Nordosten eine Länge von 1200 Metern; ihre größte Breite beträgt 150 Meter, der höchste Punkt liegt 30 Meter über der Meeresfläche. Aus der Ferne erscheint sie wie drei getrennte Klippen. Die Insel besteht aus basaltischer Lava und aus Stücken von Pech⸗ stein und Bimsstein. Grau sind die Basaltberge an den Enden der Insel und grau ist die geringe Erdmasse, die sich im mittleren, tiefer gelegenen Teile der Insel gebildet hat. Das Südwestende besteht aus einem kleinen Vor⸗ gebirge, welches einige Riffe aussendet, an denen sich die Wellen mit großer Gewalt brechen. Es ist wahrscheinlich, daß der mittlere schmale tiefliegende Teil der Insel durch die starken Fluten zur Zeit der Sonnenwende oft unter Wasser gesetzt wird. Die Landung ist sehr schwierig, kann überhaupt nur bei vollständig ruhigem Wetter ver⸗ sucht werden. Es fehlt eine Quelle; das einzige süße Wasser, welches sich in den Rissen und Schluchten der Insel findet, rührt von den Regenschauern her, die hier häufig sind. Das einzige Holz, welches man zuweilen am Strande findet, rührt von angeschwemmten Schiffs⸗ trümmern her. Die Pflanzenwelt ist allein durch ein Farrenkraut, eine Asplenium⸗Art, vertreten. Zahlreiche Seevögel verschiedener Art beleben die Insel. Das Los eines Schiffbrüchigen auf dieser Insel muß ein entsetzliches sein. Vor dem Hungertode ist er nur durch die Seevögel und ihre Eier und einige Schaltiere, die das Meer aus⸗ wirft, geschützt.

Ein biederen