15 1 kokales und Provinzielles.
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1 keabschiedet sich heut.„Gott sei Dank!“ ruft
nöchten, er würde so alt wie Methusalem, und
menten des vom Aprilregen durchweichte Frühjahrskleid
t ihnen ein unerschöpflicher Quell des Vergnügens. Alm liebsten riefen sie boshaft„Da capo“, wenn 11 sich der tückische Bursch am unausstehlichsten zeigt
Charakter seines Lieblings.
steigen auf, Blitze zucken, der Donner grollt. Es
lange; klar und frostig wehen die Lüfte, wie ge⸗ vinnendes Eis glitzert's auf Tümpeln und Teichen.
erzogl. ochun
Jahreszeiten durchlebt.
102
Gießen, Freitag, den 1. Mai
1896.
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Ausgabe
ische Landeszeilun
Gießen.
Redaktion: Kreuzplatz Nr. 4.
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Erscheint täglich mit Ausnahme der
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Tage nach Sonn- und Feiertagen. für die Fspaltige Petitzeile.
Expedition:
N 2 Kreuzplatz Nr. 4.
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Gießen, 30. April. Der garstige April ufatmend die schöne Leserin, und so mancher betterfeste Leser, den Hagelschauer und Schnee— sbeiben in seiner Gemütsruhe nicht stören, stimmt Ir befriedigt bei. Freilich giebt es auch schaden⸗ ohe Leute, die ihn mit aufrichtigem Bedauern beben sehn. Ihnen ist der April der liebste Nonat des Jahres, weil er mit ihren Mit— Renschen so schlimmen Schabernack treibt. Sie leiden gern unter seinen Launen, wenn andere sur doppelt und dreifach darunter leiden. Jeder om rauhen Aprilsturm zerzauste Frühjahrshut,
und hielten ihn, wenn er schon halb aus der Thür ist, am flatternden Rockzipfel fest. Daneben lennen wir wunderliche Käuze, die aus ehrlicher Neigung zärtlich in ihn verliebt sind. Ein solcher hries uns dieser Tage begeistert den launischen „Der April“, so ließ er sich schwungvoll vernehmen,„ist für mich der vielseitigste Monat von allen. Nach jeder Richtung hin ist er entschieden begabt. Man tritt bor die Thür— und der Himmel strahlt blau pie im Mai. Die Vögel singen, die Knospen springen. Immer sengender wird die Sonne; Juniwärme wandelt sich zu Juliglut, bis plötz⸗ lich das Firmament sich verfinstert. Wolken
regnet in Strömen; das schönste August⸗Gewitter entladet sich gründlich. Angenehme September⸗ kühle folgt ihm auf dem Fuße. Kalt bläst der Wind, sodaß man sich mitten im Oktober wähnt. Novembernebel ballen sich auf der Flur, in feuchten Flocken fällt der erste Dezemberschnee. Aber nicht
Wäre die Kruste nicht gar zu dünn, man könnte versucht sein, Schlittschußh zu laufen wie im Januar oder Februar. Hui! fegt auf einmal ein lauer Wind durch die Straßen, und ein toller Märzhagel prasselt in dicken Körnern herab. Das alles hat kaum eine halbe Stunde gedauert; in dieser halben Stunde haben wir alle vier Drum lob' ich mir den
rn- Steil.
J. Treppe/ 555
Steinbach Mal gn rigen April keine Thräne nach. Er ist garstiger
April; er kann alles; er ist der talentvollste sämtlicher Monate!“— So unser Gewährsmann, dessen poetisches Loblied wir dem Scheidenden heute als Nekrolog auf den Weg geben. Was uns selber betrifft, so weinen wir dem diesjäh⸗
gewesen, als irgend einer von seinen Vorgängern es war, er hat uns mehr als genug genarrt und geärgert. Wir bekreuzen uns an seinem Grabe und wünschen von Herzen, daß ihm niemals eine fröhliche Auferstehung beschieden sei! * Gießen, 30. April.(Sitzung der Stadt-
verordneten.) Oberbürgermeister Guauth eröffnet um 3½ Uhr die Sitzung. Die Gesuche des Lehrers H. Pfaff und des R. Meuser, Bretter⸗ häuschen errichten zu dürfen, werden auf Wider⸗ ruf genehmigt.— Ein Gesuch des Photographen Orth, in der Weidengasse, am Pirr'schen Hause und am Markt zwischen dem Faber'schen Hause und der Hirschapotheke je einen Schaukasten an— bringen zu können, wird unter gewissen Beding⸗ ungen genehmigt.— R. Pröschold will zum Abschluß seines Hofraumes in der Dammstraße ein Thor anbringen lassen. Wird genehmigt. Gleichzeitig beabsichtigt der Gesuchsteller aber auch zum Abschluß gegen den Flutgraben hin ein Staket anzubringen und erklärt den städtischen Arbeitern zur Reinigung des Grabens das Be— treten seines Gründstücks gestatten zu wollen. Zur Errichtung dieses Stakets erteilt jedoch die Versammlung nur widerruflich die Genehmigung. — Der Kaufmann Karl Bieler beabsichtigt am Neuenweg ein Wohnhaus und daran anschließend auf dem Hinterland ein Lagerhaus zu erbauen; er beantragt, die von ihm vorgelegten Bau- pläne zu genehmigen und ihm für das Vorder⸗ haus auf 2 Jahr Dispens zu erteilen. Die Baudeputation beanstandet das Gesuch, weil die Erbauung des vorderen Wohnhauses gegen Art. 28 der Bauordunng u.§ 25 des Ortsbaustatuts ver⸗ stoße. Stadto. Loeber vertritt die Meinung, bei alten Hofraithen sollte man es doch bei Baugesuchen gar nicht so streng nehmen. Der Gesuchsteller benötige doch des Lagerhauses. Der Oberbürgermeister erklärt, daß die Bau⸗ deputation bereit sei, dem Gesuchsteller aus⸗ nahmsweise zu gestatten, auf dem Hinterland ein Lagerhaus zu errichten, ohne daß an der Straße das Grundstück bebaut zu werden brauche, wenn das Lagerhaus einigermaßen passabele Facaden er— halte. Auch Stadtv. Brück bittet dem Gesuch— steller keine Schwierigkeiten zu machen. Der Oberbürgermeister erklart, daß die Baudeputation nicht anders beschließen konnte, als sie gethan, hätten zwei selbstständige Baugesuche für ein Hinterhaus und ein Vorderhaus vorgelegen, so hätte man jedenfalls empfohlen, das Lagerhaus zu genehmigen. Die Versammlung stimmt hierauf der Beanstandung des Baues zu.— Ein Bau⸗ gesuch des Karl Plank für die Rodthohl wird, weil außerhalb des Bebauungsplanes liegend, abgelehnt. Es liegen 2 Baugesuche des Andreas Euler für die Dammstraße vor. Das Gesuch für die Nord⸗ seite der Straße beschäftigte schon ein Mal das Kollegium und wurde damals beanstandet. Das weitere Baugesuch des Euler, für die Südseite der Dammstraße berechnet, reicht nur in eine längs des Eisenbahndammes im Lageplan später vorgesehene Straße hinein, und beantragt die Bau⸗ Deputation dieses Gesuch auch zu beanstanden; das Gesuch für die Nordseite der Straße aber zu genehmigen, weil nach der neueren Feststellung die Hälfte der Dammstraße bebaut ist und kein gesetzlicher Grund zur 1 vorliegt. Stadt⸗ berordneter Löber fragt an, ob denn die Diffe⸗
renz so groß gewesen, daß man nicht schon früher die Genehmigung hätte erteilen können. Der Oberbürgermeister erklärt, daß es der Bau⸗ deputation auch jetzt noch leid thue, daß die Ge⸗ nehmigung unter den obwaltenden Umständen er⸗ teilt werden müsse, denn nun bleibe voraus⸗ sichtlich die Eckbaustelle liegen, auf unbestimmte Zeit gebe es an dieser Stelle keine regelrecht ausgebaute Straße. Hierauf wird dem Antrag der Baudeputation zugestimmt.— Die Versamm⸗ lung bewilligt 250-270 4 zur Anschaffung eines Zweirades für den städtischen Straßenmeister Ein Gesuch des Apothekers Dr. Julius Cäsar um Ueberlassung eines Raumes im alten Schloß⸗ gebäude zum Trocknen von Arzneikräutern bis 1. Juli findet Genehmigung. Der Gesuchsteller zahlt als Leihgebühr 20%. und für jeden weiteren Monat über den vorgesehenen Zeit— punkt hinaus 10.— Die Gebührensätze für die Benutzung der Desinfektionsanstalt haben sich als zu hoch erwiesen und wird vorgeschlagen, folgende Sätze mit Wirkung vom 1. Mai ein⸗ zuführen: Für die Desinfektion in der Wohnung wird für jeden Arbeiter pro Stunde 1 4 be⸗ rechnet. Der Transport von Gegenständen in die Desinfektionsanstalt kostet 3, 4 oder 6, je nach der Benutzung des Apparates, d. h. ob 1, 2 oder 3 Behälter desselben benötigt werden, um die Gegenstände unterzubringen. Diese Trans⸗ portgebühr wird berechnet, ganz gleichgiltig, ob die betreffende Wohnung, aus welcher die Gegen⸗ stände geholt werden, vorher der Desinfektion unterzogen ist oder nicht. Die Benutzung des Apparates kostet für 1 Abteilung 4, 2 Ab⸗ teilungen 5.¼, 3 Abteilungen 6. Für ein⸗ zelne Gegenstände, die keine Abteilung ausfüllen, werden 2% berechnet. Die Sätze treten in Kraft bei Personen, welche zu einem Einkommen über 2600.. eingeschätzt sind. Die mit einem Einkommen von 1300-2600. Eingeschätzten zahlen die halben Gebühren. Von Leuten mit weniger Einkommen werden Gebühren überhaupt nicht erhoben. Diese Vorschläge nimmt die Ver⸗ sammlung an.— Zur Abhaltung eines Jugend⸗ und Friedensfestes bemerkt der Oberbürger⸗ meister, es hätten wegen dieser Feier in der vergangenen Woche der Schulvorstand, die Schul⸗ deputation und die Vorschlagskommissiun ge⸗ meinsam beraten. Man sei zu dem Schluß ekommen, statt des im Herbst zu feiernden Jugendfestes am 10. Mai, dem Tag des Frank⸗ furter Friedensschlusses vor 25 Jahren, ein Friedens- und Jugendfest zu feiern. Man dachte sich durch die festlich flaggende Stadt einen Fest⸗ zug der gesamten Schuljugend, an dem sich die Mitglieder der Stadtverordneten-Versammlung und Schuldeputation beteiligen würden. Auf dem Trieb würde ein Festakt, bei dem ein Schul— mann eine kurze Ansprache halten soll, stattfinden. Die Mitwirkung unserer Männergesangvereine sei in Aussicht genommen, Feuerwehr und Turner würden sich gewiß zur Aufrechterhaltung der Ordnung bereit finden. Nach dem Festakt
würden die Knaben im Philosophenwald, die Stadtmädchenschule auf der Liebigshöhe und die Höhere Mädchenschule im Schützenhaus sich amüsieren können. An diesen 3 Stellen würde Musik sein. Gegen 7 Uhr ist der Rückzug in die Stadt in Aussicht genommen. Die Kinder erhalten als Andenken an diese Feier eine Medaille. Die Kosten werden aus den im Etat für diesen Zweck vorgesehenen 1000, bestritten. Stadtv. Orbig erklärt, gegen diesen Antrag stimmen zu wollen. Man solle doch die Schul⸗ kinder zu politischen Zwecken nicht mißbrauchen. In der Zeit des Militarismus und der Reaktion, wo man auch in Darmstadt darauf ausgehe, die größeren Städte zu entrechten, solle man es unterlassen, derartige Feste zu veranstalten. Der Oberbürgermeister sieht in der Veranstaltung dieses Festes keinen politischen Mißbrauch mit den Schulkindern, jedenfalls liege ein solcher hier weniger vor, als in Wien, wo man in gleicher Weise wie hier beabsichtigt, die Feier des 1. Mai mit den Kindern zu begehen. Gegen die Stimme des Stadtv. Orbig wird darauf der Abhaltung eines Festes am 10. Mai seitens der Versamm⸗ lung zugestimmt. Ein Gesuch des Karl. Kratzenberger um Erlaubnis zum Wirtschaftsbe⸗ trieb im Hause Steinstraße 74 wird erteilt. — Es folgt eine geheime Sitzung.
* Gießen, 30. April. Besitzwechsel. Das Grundstück Weidengasse Nr. 1 des Herrn Dr. Felsing, ging heute für den Kaufpreis von. 53,000 an Herrn Jakob Krämer von Heidelberg über. Käufer beabsichtigt darin eine Conditorei mit einem der Neuzeit entsprechenden Café zu errichten. Die unteren Räume erfahren einen entsprechenden Umbau.
Gießen, 30. April. Einer unserer schönsten Ausflugsorte unserer näheren Umgebung, die Liebigshöhe, wird gegenwärtig durch bauliche Veränderungen zu einem Etablissement ersten Ranges umgewandelt. Der Eigenthümer, Herr Bierbrauereibesitzer Ihring aus Lich, läßt einen großen, mit altem Komfort ausgestatten Restaurationssaal erbauen und schafft damit das⸗ jenige, was von den Besuchern dieses Ausflugs⸗ ortes seither vermißt worden ist. Die neue Ein⸗ vichtung und das gute Renomme, welches Herrn Restaurateur Loth, dem Pächter dieses Eta⸗ blissements, vorausgeht, tragen gewiß dazu bei, daß die Liebigshöhe mit ihrer prachtvollen Aus⸗ sicht ein vielbesuchter Rendezvousplatz unserer Einwohner wird.
* Bad Nauheim, 28. April. Von dem langjährigen Badearzt, dem k. preuß. Sanitäts⸗ rat und Besitzer der Kinderheilstätte„Emma⸗ heim“, Dr. Müller ist eine Brochüre über Bad Nauheim und seine Kurmittel und Wirkungen erschienen, die besonders bezüglich der mitge⸗ teilten Fälle aus der badeärztlichen Praxis des Verfassers Interresse erregen dürfte.— Nächsten Freitag wird die Badesaison auch offtziell eröffnet, nachdem schon seit Anfang dieses Monats Bäder abgegeben worden sind. Leider kann die Kur⸗
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als Vera schwieg und sich hoch aufatmend in
„Ist das ihr letztes, wohlüberlegtes Wort, ist das Ihre Entscheidung über mich für immer?“
litten haben, aber Markewitz, ich kann nicht anders.
Eine fahle Blässe überzog Markewitz' Gesicht,
ihren Stuhl zurücklehnte, und tonlos fragte er:
Sie sah in sein todestrauriges Antlitz, aus dem jedes Leben gewichen war, sie blickte in seine Augen, die allen Glanz verloren hatten:„Marke⸗ witz,“ bat sie,„machen Sie mir das Herz nicht schwerer, als es ist, nur meine grenzenlose Liebe zu Sascha hindert mich ja, Ihr Weib zu werden. Ich weiß, was Sie unter Ihrer aussichtslosen Liebe ge⸗
Ich flehe Sie an, verlangen Sie nichts Unmög⸗ liches von mir.“
Ihre Stimme zitterte und ihre Augen füllten sich mit Thränen. Er führte die Hand, die sie ihm reichte an seine Lippen, dann erhob er sich.
„Nicht so, Markewitz,“ stammelte sie„waren meine Worte gemeint. Gehen Sie nicht so fort, verlassen Sie mich nicht gerade jetzt, da ich Ihrer Hülfe mehr denn je bedarf.“
„Und bleibt mir etwas Anderes übrig?“ fragte er zurück.„Zweierlei giebt es nur, um das Ge⸗ rücht verstummen zu lassen— entweder Sie hei⸗ raten mich, Vera, oder ich muß Sie und Ihr Haus für immer verlassen. Ich werde eine Zeitlang auf Reisen gehen, meine Adresse werde ich Ihnen
war er fort, bevor sie es begriffen und bevor sie sich so weit gesammelt, daß sie ihn hätte zurück⸗ rufen können.
Als er gegangen, sank sie in ihren Stuhl zu⸗ rück, stützte den Kopf auf die Rechte und wehrte den Thränen nicht, die ihr unaufhaltsam die Wangen herunterrollten. So war die Stunde also doch ge— kommen, vor der sie sich schon lange gefürchtet hatte, sie hätte kommen müssen, jetzt oder später, denn eine Leidenschaft läßt sich wohl zeitweise, aber nicht für immer unterdrücken. Sie sah in Ge— danken seine hohe, stolze Gestalt vor sich, sie fühlte noch seine flammenden, beredten Blicke auf sich ruhen— ja auch sie liebte ihn glühend, wie sehr, das empfand sie erst jetzt, da er von ihr gegangen war für immer. Nie würde er freiwillig zurück— kehren, allein sein Stolz würde ihn daran ver— hindern und sollte er auch darüber an seiner Liebe zu Grunde gehen. Und sie? Hatte sie recht ge— handelt, war sie nicht vielleicht doch zu ängstlich, zu zaghaft gewesen? Hätte sie nicht doch die Hand, die sich ihr bot, freudig ergreifen sollen? War nicht selbst ein Leben voll Sorgen, voll Entbehrungen an der Seite des Geliebten begehrenswerter, als ein sorgloses Leben ohne ihn? Aber das Kind, ihr Liebling, Sascha! Sollte auch er darben, sollte auch ihm eine glänzende Zukunft verschlossen
geopfert haben.
So saß sie und sann und grübelte, ihre Thränen waren allmählich versiegt und eine glück liche Ruhe kam über sie, daß sie als Siegerin her— vorgegangen war aus dem Kampf zwischen Liebe und Pflicht. Stunde auf Stunde verrann, sie achtete nicht darauf, daß die Dunkelheit sich über die Erde breitete und daß ein starker Wind, von der See herauf kommend, schwarze, düstere Wolken am Himmel hin- und herjagte.
Der Eintritt der alten Dienerin weckte sie aus ihrem Sinnen:„Gnädige Frau, es ist spät, schon zehn Uhr, soll ich den Thee bereiten?“
„Gewiß, hole mir aber vorher Sascha, oder ist er schon zu Bett gegangen?“
„Ich glaube wohl, gnädige Frau, ich habe ihn nirgends gesehen.“
Vera erhob sich schnell von ihrem Sitz, um sich in das Zimmer ihres Sohnes zu begeben. Es war dies eine nur kleine Kammer, dicht neben ihrem Schlafgemach, mit einem schrägen Dachfenster, durch das man einen weiten Blick über das Meer hatte. Leise stieg sie die Treppen hinauf, sie wollte ihren Liebling nicht in seinem Schlummer stören, nur leise, ganz leise wollte sie ihn küssen, nur noch einmal wollte sie mit weicher, liebevoller Hand sein dichtes Haar streicheln. Sie öffnete die Thür, der
bleiben, weil sie, der Neigung ihres Herzens fol—
senden; wenn Sie meiner bedürfen, geben Sie mir
gend, die Stimme der Vernunft überhört hatte?
Luftzug, der durch das Tag und Nacht geöffnete Fenster hereindrang, verlöschte das Licht. Vorsichtig
———————————— Sascha. Nachricht, ich stehe in jeder Stunde zu Ihren] Sollte auch sie zu jenen Frauen gehören, deren näherte sie sich im Dunkeln seinem Lager und fuhr 5 Diensten.“ Egoismus größer ist als die Liebe zu den Kindern? suchend mit der Hand über die Kissen, das Bett Novelle von Graf Günther Rosenhagen. Noch einmal beugte er sich zu ihr hinab, noch] Nein, und abermals nein. Sie hatte richtig ge⸗ war leer. (Fortsetzung.) einmal küßte er ihr zum Abschied die Hand, dann handelt, mochte sie auch ihr eigenes Lebensglück„Sascha, wo bist Du?“ rief sie heiter.
Es war nicht das erste Mal, daß er, der trotz seines ernsten Charakters seine Kindlichkeit bewahrt hatte, sich versteckte, wenn er die Schritte der Mutter hörte, um sich von ihr suchen zu lassen.
„Sascha, wo steckst Du denn?“
Keine Antwort erfolgte, im Dunkel tastete sie überall herum, auf den Fußspitzen näherte sie sich jeder Ecke.„Sascha, wo bist Du, Dein Mamming kann Dich heute nicht finden?“ Wieder blieb Alles still und eine plötzliche Angst und Unruhe, die sie sich selbst nicht zu erklären vermochte, überfiel sie. Sie entnahm dem Behälter, der wie immer auf einem Stuhl neben dem Kopfende seines Bettes stand, ein Streichholz und zündete das Licht wieder an. Sie ließ ihre Blicke suchend durch den kleinen Raum schweifen, es war Alles ordentlich und sauber wie immer, aber ein unbestimmtes Gefühl sagte ihr, daß dennoch etwas Besonderes vorge— fallen sei. Da bemerkte sie ein Stück Papier, das mit einer Stecknadel an dem Tischtuch befestigt war. Neugierig streckte sie die Hände danach aus und löste den Zettel. Mit einem Schrei der wahn— sinnigsten Angst und des furchtbarsten Entsetzens taumelte sie zurück:„Markewitz“, war ihr erster Gedanke,„er muß helfen!“
(Fortsetzung folgt.)


