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1896.
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Ausgabe
Gießen, Mittwoch, den 1. April
Gießen.
adeszeikung.
Redaktion: Kreuzplatz Nr. 4.
.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Tage nach Sonn- und Feiertagen. Preis der Anzeigen: 10 Pfg. für die Sspaltige Petitzeile.
. Expedition: 24
Kreuzplatz Nr. 4.
Aus dem Verwaltungsbericht der Großh. Bürgermeisterei. * Gießen, den 31. März 1896. X. . Gaswerk. Der Gesamt⸗Gasverbrauch des Betriebsjahres um 1. April 1894 bis dahin 1895 betrug 86815 Kubikmeter, der Verbrauch im selben traum des Vorjahres 786277 Kubikmeter. I mist also zu verzeichnen eine Zunahme von 50538 Kubikmeter. Der Gasverbrauch hat sich im abgelaufenen krichtsjahr teilweise viel günstiger gestaltet, als s im vorjährigen Berichte vorausgesehen werden unte. Wenn auch trotz eines abermaligen er— lichen Zuwachses der Gasabnehmer-Zahl, smal um 61, das Gas zur Privat⸗Beleuchtung engeren Sinne, d. h. ohne Bahnhof und Miversität) noch um rund 4000 Kubikmeter erm Voranschlag bree ist, so hat nich der Verbrauch anderer Gruppen, insbesondere rjenige für Gaskraftmaschinen und Heizgas be— tend zugenommen; der Kraftgas⸗Verbrauch Aasbeondere auch durch einen Zuwachs von Gaskraft⸗Maschinen mit 13 Pferdekräften gegen u Voranschlag eine Zunahme von rund 8000 ikmeter, der Verbrauch an Koch- und Heizgas ehe Zunahme von über 34000 Kubikmeter gegen n Voranschlag oder von 130,7 Prozent gegen 5 Vorjahr erfahren. Es ist hierdurch ein nichlicher Ersatz des durch Einführung der Glüh⸗ cht⸗Beleuchtung vorber gehabten Ausfalls ein⸗ treten, während gleichzeitig durch das allmäh— he Anwachsen der Kundenzahl, insbesondere vorgerufen durch die beliebte und billige Glüh⸗ schtbeleuchtung, auch der Verbrauch für die ivatbeleuchtung selbst wesentlich zu steigen be⸗ unt. Die Gasbeleuchtung dringt— ebenso in lge ihrer eigenen Vorzüge wie der neuerlichen elsschwankungen des Petroleums— allmählich mer mehr in das seitherige Gebiet der Pe— kuleum⸗Beleuchtung ein, wie dies— wenn auch dier die zeitliche bg me dieses Berichtes
schon im Verlauf der ersten 4 Wochen nach
e— u. A. die Thatsache beweist, um eingetretenen Abschlag der Auerschen Gas⸗
Alicht⸗Brenner 10 neue Gaseinrichtungen aus⸗
führt worden sind.
Die Anzahl der öffentlichen Gas⸗ Ilternen betrug am 1. April 1895 533, hier⸗ an sind 182 Richtungslaternen, am 1. April 04 506, hiervon sind 176 Richtungslaternen, mnach ist eine Zunahme von 27 zu verzeichnen,
bon 6 Richtungslaternen. ü Jeder der 11 Laternenwärter hatte durch⸗ sänittlich 48—50 Laternen zu bedienen.
Die Anzahl der öffentlichen Petroleum⸗ (ternen betrug am 1. April 1894 17 Stück. 4 7 Aufstellung von Gaslaternen in der Fanlfurterstraße, Schützenstraße und im Scheppen⸗ el wurden 8 entfernt, sodaß am 1. April 1895 Stück verblieben.
Infolge Stadtverordneten-Beschlusses vom 1. Januar 1894 werden für Privatabnehmer
Die ewige Lampe. Novelette von E. Eschricht. (Schluß.) Von ihrem Schlafzimmer aus konnte sie das kline Licht in den stillen dunklen Nächten wie einen fallenen Stern blinken sehen. So ging es wohl ein Jahr lang; die 300 Seelchen wren nur ganz kurze Zeit durch das große Uuglück ammengeschüchtert worden, nachher trieben sie es ger denn je. Mütterchen Agrafina, die eine kluge
u ud umsichtige Gutsherrin sein konnte, die wollte
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acht; sie kümmerte sich noch weniger als sonst um Kus und Hof. Sie grollte mit dem Schicksal und erte mit Gott. Endlich hielt sie es nicht länger aus: sie wollte dz fort von hier— vielleicht konnte sie draußen gessen und noch einmal fröhlich und glücklich eden wie in der frühesten Jugend und den zwei nen Jahren ihres Ehestandes, ehe Saschinka in in Leben trat. 0 Saschinka— richtig— das war es! In Weliky⸗ Awgorod lebte ihres Vaters alte Schwester, zu n wollte sie hinreisen; sie mußte doch wissen„was l Saschinka geworden war, und ob sie Das te— Das mit Rurik Maximowitsch?“ Zehn Seelchen wurden vereidigt für die In— kudhaltung der ewigen Lampe, und dann reiste die Age Bolarin ab, ein kleines Gefolge mit sich Amend. Sie wohnte in einem schönen Palast
1 er Tante, nahe am Kreml, wo auf dem statt⸗
auf den Preis sür Leuchtgas folgende Rabatt—
sätze vom 1. April 1894 ab widerruflich gewährt:
Der Grundpreis für Leuchtgas bleibt wie
vorher 22% für 1 Kabikmeter und wird darauf,
wenn der Jahresverbrauch auf einem zu—
sammenhängenden Grundstück und bei einem
und demselben Gasverbrauchenden eine Größe
erreicht:
von 1001 Kbm. bis 2000 Kbm. ein Nachlaß von 3 Prozent;
2001 Kbm. 5000 Kbm. ein Nachlaß von 5 Prozent:
5001 Kbm. bis 10000 Kbm. ein Nachlaß
von 7½ Prozent;
von 10001 Kbm. und mehr Kbm. ein Nachlaß von 10 Prozent
von bis
von
gewährt.
Die Beträge für den Gasverbrauch sind monatlich zu entrichten und zwar zu dem Grund— preis von 22% für den Kubikmeter. Nach Schluß des Geschäftsjahres wird der entsprechende Nachlaß verrechnet.
Der Preis des Gases zum Betriebe von Gas— kraftmaschinen, sowie für alle übrigen, nicht der Beleuchtung dienenden Zwecke(zum Kochen, Heizen und für gewerbliche Zwecke aller Art) wurde gleichfalls vom 1. April 1894 ab, ohne Gewäh—⸗ rung von Rabatt, von 16 auf 15„ für den Kubikmeter widerruflich ermäßigt, sofern ein be⸗ sonderer Gasmesser bierfür aufgestellt und den weiteren, hierauf bezüglichen Bedingungen ent—⸗ sprochen wird, nach welchen insbesondere die für solche Zwecke erforderlichen Gasleitungen und Veränderungen nur durch unser Gaswerk gefertigt werden dürfen und die Gaskraftmaschinen außer mit Gummibeuteln noch mit Druckreglern ver— sehen sind.
Ferner wurde beschlossen, vom gleichen Zeit⸗ punkte ab die monatliche Miete für zu leihende Gasmesser zu ermäßigen, wie folgt: für 3⸗flammige Gasmesser von 35% auf 25
„ 5 1. 6 50 2 40 1 7 10⸗ 7, 1 5„ 60 7 „ 20⸗ 1„ 1 85„„ 70„
Zuleitungen für Hausanschüsse und Laternen sind in diesem Jahre außerdem rund 400 Meter gelegt worden.
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Lokales und Provinzielles.
* Gießen, 1. April. Der erste April! Hütet euch heut, daß ihr nicht tüchtig aus⸗ gelacht werdet! Tausend Fallstricke, wo ihr geht und steht, lauern auf euch, und wenn ihr nicht sehr, sehr gewitzt seid, so tappt ihr unfehlbar in einen von diesen tausend hinein. Denn die gute alte Sitte, den lieben Nächsten mit erdichteten Aufträgen„in den April zu schicken“, ist noch immer bei Alt und Jung herzhaft im Schwange und wird auch, solange noch derber Humor seine wunderlichen Blüten treibt, kaum aussterben. Traut heute keinem! Laßt euch kein X für ein U machen, keinen Bären aufbinden! Die un⸗ schuldigste Miene von der Welt trügt heute, und das harmlose Gemüt ist voll boshafter Nücken und Tücken. Wehe jedem, der heute Scherz für
Ernst nimmt, der auf all' den Schabernack, den erfinderische Köpfe ergrübeln, plump hineinfällt! Er braucht für reichlichen Spott nicht zu sorgen und läuft noch wochenlang als gezeichneter„April— narr“ herum. Ueber den Ursprung des April⸗ schickens sind die Gelehrten sich nicht einig. Etliche leiten es aus der Sitte der römischen Kirche her, die Leidensgeschichte Christi öffentlich dar— zustellen und behaupten, das spottvolle Hin- und Herschicken des Heilands habe den ersten Anstoß dazu gegeben. Andere bringen es mit allerlei früher gebräuchlichen Osterscherzen in Verbindung odere bezeichnen es als eine symbolische Veran— schaulichung des launischen Aprilwetters. Viel hat auch die Meinung für sich, daß es der letzte Rest eines zu Anfang April mit Possen und Spässen gefeierten Frühlingsfestes sei, wie es noch heutzutage in Indien gang und gäbe ist. Wir könnten noch eine Reihe weiterer Mut⸗ maßungen anführen, die von scharffinnigen Phi⸗ losophen geäußert worden sind, befürchten aber, die Geduld des lieben Lesers auf eine zu harte Probe zu stellen. Genug, daß die Sitte existiert und so gerne geübt wird. Diesmal freilich fällt der Tag, an den sie sich knüpft, recht unglücklich mitten in die ehrwürdige Charwoche hinein. Da scheint es wahrhaftig nicht angebracht, Ulk zu treiben und drastische Schwänke in Szene zu setzen. Auch hat die Ge⸗ wohnheit des Aprilschickens im Laufe der Zeit zu allerhand Taktlosigkeiten geführt, die besser unterbleiben sollen. Wie mancher gutmütig⸗arg⸗ lose Mensch ist an solchem Tage von sogenannten „Spaßvögeln“ tödlich erschreckt und infolge der Aufregung in seiner Gesundheit schwer geschädigt worden! Uns sind Fälle bekannt, wo mit an⸗ geblichen Todesnachrichten und falschem Feuer— lärm ein freventliches Spiel getrieben wurde, was natürlich aufs schärfste zu verurteilen ist. Auch telegrapische Nachrichten, die dem Empfänger einen großen Lotteriegewinn ankündigen, können oft sehr verhäugnisvoll wirken. Wir raten dringend, am ersten April recht vorsichtig zu sein und auf alle unfeinen Scherze zu verzichten. Wieviel Freundschaft und treue Liebe ist schon durch gewagte Witze, durch tollen Uebermut am unrechten Ort und zur unrechten Zeit, für immer in die Brüche gegangen! Andererseits darf man nicht gar zu empfindlich sein und muß es ver⸗ stehen, eine lustige Neckerei geschickt zu parieren. Der liebe Leser ist sicher verständig genug, unsere Worte so aufzufassen, wie sie gemeint sind, und unsere Warnungen nicht in den Wind zu schlagen. Wir wollen ihm durchaus nicht die Freude an einem drolligen Aprilscherz verleiden, sondern ihn nur vor den üblichen Thorheiten behüten, welche an diesem Tage mit Vorliebe begangen und später oft so bitter bereut oder wohl gar schrecklich ge— rächt werden!
* Gießen, 31. März. Die Beurteilungs⸗ Kommission für das kauf männische Ver⸗ einshaus, welche gestern Nachmittag tagte, hat das Projekt der Architekten Stein u. Meyer zur Ausführung angenommen. Besonders be— stimmend hierfür war die zweckentsprechende Raumanordnung im Innern. Es wäre recht
sehr zu wünschen, wenn man Veranlassung nähme, die eingereichten Entwürfe öffentlich aus⸗ zustellen. 9
* Gießen, 31. März. Heute Vormittag sprach die Strafkammer in der Berufs-Instanz den 18 jährigen Hermann Bischoff von Gießen wegen Hausfriedensbruch von Strafe und Kosten frei. Das Schöffengericht hatte vorher auf einen Verweis erkannt.— Ferner beschäftigte sich dieser Gerichtshof mit der Strafsache gegen den 14jäh⸗ rigen Markus Reiß von Ulrichstein, welchen das Ulrichsteiner Schöffengericht wegen Körper⸗ verletzung mittels eines gefährlichen Werkzeuges zu einer Geldstrafe in Höhe von, 20 verur- teilt hatte. Der Angetlagte hat am Sedantage in seiner Heimat auf dem Festplatz einen 10jäh⸗ rigen Jungen mit einem Fichtenstamm derart au den Kopf geschlagen, daß dieser ohnmächtig zusammenbrach. Reiß will in Notwehr gehandelt haben. Die Berufung wird von der Strafkammer verworfen.
* Gießen, 31. März. Wegen des Osterfestes beginnen die Strafkammerverhandlungen erst am 11. April wieder. Gestern wurde der zu mehreren Jahren Zuchthaus verurteilte Becker von Ruttershausen nach Marienschloß überführt.
Gießen, 31. März. In dem gestrigen Referat über die General-Versammlung der Omnibus-Gesellschaft muß es bezüglich des Termins für die nächste Generalversammlung in der dritten Zeile von unten„11. April“, nicht „18. April“ heißen.
* Gießen, 31. März. Einen wichtigen Bescheid über das Recht der Arbeiterinnen, nach der Eheschließung die gezahlten Beiträge zur Invaliditäts- und Altersversicherung zurück⸗ zuerlangen, hat jetzt eine Arbeiterin erhalten. Diese hatte bis zu ihrer Eheschließung 175 Wochen gearbeitet und für jede Woche geklebt. Da sie wußte, daß die gezahlten Beiträge einer Ehefrau nur dann zurückgeleistet werden, wenn die Quit⸗ tungskarten 235 Arbeitswochen ausweisen, ar⸗ beitete sie nach der Eheschließung so lange weiter, bis sie die erforderliche Anzahl von Quittungs⸗ marken in ihren Karten hatte, dann stellte sie den Antrag auf Erstattung ihrer Beiträge. Dieses Gesuch ist von der Versicherungsanstalt ab- schlägig beschieden worden und zwar unter Hinweis auf§ 30 des Alters und Invaliditäts- Versicherungsgesetzes. Es könne nur dann eine Beitragserstattung erfolgen, wenn vor der Ehe⸗ schließung die erforderliche Anzahl von Arbeits⸗ wochen geleistet und durch die Quittungskarte nachgewiesen sei.
* Lich, 31. März. Wie wir vernehmen, wird in etwa 4 Wochen der Großherzog beim fürstlichen Hause zum Besuch erwartet.
* Offenbach, 30. März. Zwei schreck⸗ liche Unglücksfälle, wodurch zwei Kinder ihr junges Leben einbüßten, passierten gestern in hiesiger Stadt. Das etwa 10jährige Söhnchen des in der Kaiserstraße wohnenden Schlossers Harf fuhr auf dem Pfuhlwagen eines auswärtigen Bauersmann durch die Geleitsstraße und saß hierbei vornen auf dem Wagen. Durch Zufall stürzte der Junge vom Wagen und kam
lichen Platz das Rurik Denkmal steht mit der Erd— kugel, die das ungeheure Kreuz trägt.
„Also Kreuztragen“, dachte sie,„ist die Aufgabe und das Los der Erde?“
Manchmal ging sie auf die alte Brücke am Kanal, wo das Kloster des Heiligen Geistes lag, hinter dessen Mauern Saschinka um das verlorene Glück trauern mußte, das sie ihr gestohlen hatte. Es war Alles von außen vergoldet und herrlich geziert mit hölzernem Schnitzwerk und schönen Bronzen; ein so glänzender Käfig für die ge— fangenen Vögelchen! Manchmal auch lauschte sie dem Gesang der Responsorien. Die schöune helle klagende Stimme, die den Bibelvers vortrug und den einsetzenden Chr leitete, die erkannte sie wohl, es war die Stimme Saschinkas; aber wie geister— haft fern der Gesang ertönte, fast als käme er aus dem Wasser, auf dem die Mondscheibe sich mit zitternden Ringen spiegelte.
Endlich widerstand sie nicht länger, sie zog an der Pförtnerin-Glocke und begehrte Einlaß.
Die Priorin, die den Namen und die Geschichte des Unglücks dieser Frau kannte, kam selbst zu ihr in das Sprechzimmer.
„Saschinka?“
„Saschinka— der Herr segue Dich, meine Tochter,— Saschinka ist mit einigen Schwestern nach oben geschickt; sie arbeiten in den Bergwerken im Dienst der Kirche bei den Unglücklichen und Elenden. Saschiuka ist freiwillig dahin gegangen;
sie nahm ihr Kreuz geduldig auf sich, meine Tochter; möge der Herr sich ihrer armen Seele erbarmen.“
Still ging Agrafina von dannen. So war es nicht die Stimme Saschinkas gewesen, die sie ge— hört hatte? Es sangen also wohl Alle, die hier sangen, mit dem Klagelaut der Nachtigall— sie trugen wohl Alle ein Kreuz? Warum denn?“
Aber wie sie sich heim wendete, stand der Schatten ihres Kreuzes deutlich neben ihr Sie sah nun wohl, daß es das Rurikkreuz war, das seinen Schatten über sie warf, doch in ihrem Herzen regten sich Thräuen, die ersten Thränen nach so langen Jahren.
Wie sie eintrat bei sich, reichte man ihr ein Schreiben aus der Heimat; es war von dem neuen Popen, und er schrieb ihr:„Herrin— Deine Leute verwildern mehr und mehr; auch alle die be— stellten Hüter sind saumselig gewesen, und die Lampe ist schon oft erloschen.
Da nahm sie wie gehetzt ihre Siebensachen zu— sammen und kehrte auf das Gut an der Lowat zurück.
„Denn ich sehe, Gott will es, daß ich meinen armen todten Seelchen helfe, und daß ich selbst das Licht hüte für die irreude Seele Rurik Maximo⸗ witschs.“
Sie war nun stolz und fest, klug und fleißig, gerecht und freundlich; sie goß täglich das Oel auf die Lampe der armen verirrten Seele, und Nachts sah sie den gefallenen Stern.
Da kam von weit her, von den Grenzen der
Menschlichkeit eines Tages ein Schreiben an sie,
mit den letzten Grüßen einer Sterbenden, und sagte nur das einzige Wort:„Vergieb mir, Agrafina.“
Nun weinte sie heiße, strömende Thränen, und duckte sich tief unter das Kreuz; und sie bat laut und leise:„Vergieb mir, o Herr mein Gott— vergieb mir meine große Schuld, die Niemand kennt außer Dir! ach ich— ich allein war seine Mörderin!“
„Hilf ihm sein Kreuz tragen!“ hatte in seiner Barmherzigkeit der alte Mann für den gefleht, der so großes Elend über ihn gebracht hatte.
Nun war Niemand da, dem sie helfen konnte das Kreuz tragen— und auch Niemand, der ihr half, wie sich nun das schwere Joch der Erkenntnis endlich lastend auf ihre Schultern legte.
Sie weinte den ganzen Tag und verließ nicht das Haus; spät am Abend, als sie kaum entschlafen war, hörte sie deutlich ihren Namen rufen; sie fuhr empor und gedachte sofort der ewigen Lampe, zu der sie heute kein Oel getragen hatte, sie sprang auf und eilte aus Fenster; sie sah im selben Augen⸗ blick, wie der Schein noch ein wenig flackerte und dann erlosch.
Sie hob die Arme gen Himmel und flehte: „O Herr, mein Gott, verwirf ihn nicht um meiner Sünde willen!“
Da fiel durch die stille Nacht wie ein Bote des Himmels ein Stern heruieder; und gerade da, wo die ewige Lampe erloscheu war, erlosch auch er.


