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Sonnabend, den 1. Januar 1927.
„Evangelische Warte“
da o öde dbdbdbbdtdddddndabddddotcdaddaddenddndonddddaddandaldlddaddalddcdddacddadaddanddcddiadmlldddsmddalsldlelds!
Sin gelegnetes neues Jahr
wünschen wir allen Lesern der„Evangelischen Warte“ und allen Mitgliedern und Freunden der„Evange⸗
lischen Volksgemeinschaft“.
Unseren treuen Mitarbeitern, welche uns stets durch wertvolle Beiträge in die
Lage versetzten, unser Organ auf seiner bleibenden Höhe zu erhalten, danken wir heute recht herzlich und bitten sie, uns auch im neuen Jahre weiter tätig zu unterstützen.
Hamburger.
Greb.
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über die Fürstenenteignung, in Hessen über die Auf⸗ lösung des Landtags. Beide Volksentscheide verliefen negativ.
Unsere Evangelische Volksgemeinschaft konnte in diesem Jahre in Frankfurt ihre zweite Reichstagung in großem Stile halten. stellen, wie sich unsere Bewegung ausgebreitet hat. Da⸗ zu wurde ein neues Organ für Norddeutschland begon⸗ nen: Das„Evangelische Echo“. Auch über den weiteren Ausbau unserer„Evangelischen Warte“ wurden wirk⸗ same Beschlüsse gefaßt. Eine rege Versammlungstätig⸗ keit setzte dann seit Herbst ein. Ueberall wurden neue Ortsgruppen gegründet. In vielen Orten wurden wir aufgefordert, einen Redner zu entsenden. Auch die praktische Arbeit in den Gemeinden mit Ortsgruppen hat freudig begonnen. Zwei Orte müssen wir besonders hervorheben, wo Ortsgruppen tätig in die Gemeinde⸗ politik eingriffen: Sossenheim b. Frankfurt a. M. und Weisenau bei Mainz. In letzterem Orte wurde von unserer Ortsgruppe ein wirksames Flugblatt verfaßt und in Umlauf gesetzt. Daß wir tatsächlich heute schon eine beachtliche politische Gruppe geworden sind, beweist der Kampf gegen uns, welcher in letzter Zeit von den Zentrumsblättern, besonders dem„Mainzer Journal“, gegen uns eröffnet worden ist.
Blicken wir deshalb auf das vergangene Jahr zu— rück, so dürften wir in unserer Evangelischen Volks⸗ gemeinschaft in dem Urteil einig sein: Es ist ein Jahr fleißiger Arbeit und Pflichterfüllung gewesen. Wie⸗ viel treue Opfer sind an Arbeit und Geld gebracht worden! Ein treuer Mitarbeiter sagte mir einmal: „Alles für die gute Sache!“ Das ist der rechte Geist, der in unserer Evangelischen Volksgemeinschaft herrschen muß. Jeder muß wissen, daß es eine gute Sache ist, die der pflichttreuen Mitarbeit und reicher Opfer wert ist. Deshalb möchte ich es aber auch nicht versäumen, zum Schlusse allen treuen Mitarbeitern einen herzlichen Dank auszudrücken. Der aufopfernden Tätigkeit unse⸗ res Reichsgeschäftsführers Weidner wollen wir noch besonders anerkennend und dankbar gedenken. Und jetzt hinein in das neue Jahr mit dem Vorsatz, treu zu bleiben und weiter mitzuarbeiten wie seither. Ein neues Jahr bringt neue Aufgaben. Dabei muß jeder mithelfen, daß sie gelöst werden. Darum sei allen unse⸗ ren Mitgliedern zugerufen:„Auf zur freudigen Mit⸗ arbeit im neuen Jahre an unserer Evangelischen Volks⸗ gemeinschaft!“
Altramontanismus.
In Nr. 50 d. Bl. war ein kurzer Artikel„Konfes⸗ sionelles Taktgefühl“ veröffentlicht. In demselben war zu lesen, daß der Kaplan Brandstetter in Cassel an Evangelische Aufrufe zu Spenden für den Bau einer katholischen Kapelle in Niederzwehren versandt hat. Nun mag ja sein, daß der Herr Kaplan sein Hirten—
. Dornenwege.
Roman von Clara Meller. 5. Fortsetzung.
Ja, warum kam alles so unsagbar traurig? Wäre nur ein Mensch des Weges gekommen, mit dem er über diese unleid— lichen Zustände sprechen konnte, der sich nicht mit scheuem Blick von ihm wenden würde, weil er diese Auffassung des Glaubens empfand, als sause eine Knute auf seinen schuldlosen Rücken. Aber hatten ihm nicht schon zwei sogenannte Freunde mit ver— legenem Lächeln geantwortet: sei froh, daß sie auf guten Wegen wandelt, der Segen wird schon kommen?—— Der Segen! eine Mauer stand jetzt zwischen ihm und seinem Weib, die er nicht niederreißen konnte.— O dürfte er sein Leid in den Wald hinausschreien, es würgte so sonderbar im Innern,— das war der Gram! Nachmittags, wenn er sich besser fühlte, wollte er zum Landrat, der ehrliche, gerade Charakter würde ihm den Kopf wieder zurecht wettern.
Er ging wieder langsam, schleppenden Ganges zurück, eigent— lich war sein Ziel des Hegemeisters Haus gewesen, aber seitdem diese braune Pogge über seinen Weg gekrochen, war es ihm unmöglich, mit dem Manne geschäftlich zu verhandeln. Er ging über eine Brücke aus starkem Naturholz, hohl klangen seine Schritte in der Stille, lautlos sprangen ein paar Rehe aus dem saftigen Grün und suchten den schützenden jungen Bestand drü— ben zu erreichen. Er blieb stehen und strich über seine schmer— zende Stirn, jenem glücklichen Jagdtage seine lebensfrohe Nella stand, ihren ersten Rehbock erlegte. Er meinte sie vor sich zu sehen mit ihrem kurzgeschürzten Kleid, dem blühenden, glücklichen Gesicht, er war so stolz damals auf sein liebes Weib, die so ganz nach seinem Sinn gewesen. Er riß sein schwarzes Seidentuch vom Halse, alles war ihm zu eng, wre er nur erst daheim, die Jungens, der hübsche, drollige Johannes würde seine Aerm⸗ chen um ihn schlingen und statt Mittagsschläschen trieben sie
hier war es gewesen, auf dieser Brücke, wo an
Es war eine Freude, festzu⸗
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amt in wirklich christlichem und nicht ultramontanem Sinne auffaßt— es gibt einige katholische Priester, die das tun— so wäre das ja an sich zu loben. Wenn alle so wären, dann hätten wir gar bald Frieden in Deutsch— land. Aber leider ist dem nicht so, und wenn wirklich der eine oder der andere der katholischen Priester in Nächstenliebe und Toleranz ein wahrer Christ ist, so nützt das nicht viel, da er ja dem ultramontanen Sy⸗ stem angehört, und er jederzeit seinen eigenen Willen den Befehlen des Papstkönigs unterordnen muß. Nun hat ja von jeher die römische Kirche gern protestantische Gelder genommen, aber wie sie in ihrer„christlichen Liebe“ von den Protestanten denkt, geht u. a. sehr schön aus einer von Papst Leo XIII. genehmigten„Unter— weisung“ des Kardinal-Vikars vom 12. 7. 1878, die auch heute noch maßgebend ist, hervor. Es heißt da:
„Der dem Panste auf besonder Weise vorbehal— tenen Exkommunikation verfallen diejenigen, die Einladungen zu ketzerischen Predigten drugen. Allen ist auf das strengste verboten, selbst aus bloßer Neu— gier protestantische Gotteshäuser zu besuchen. Alle die aus bloßer Neugier protestantische Predigten an— hören oder, wenn auch nur äußerlich, zu nicht katho— lischen Ceremonien teilnehmen, oder für Geld in pro— testantischen Kirchen sinden oder Orgel spielen, Buch— drucker und Setzer, die aus Furcht von ihrem Brot⸗ herrn, entlassen zu werden, ketzerische Schriften setzen, sündigen schwer. Setzer, die bei einer Schrift mit⸗ wirken, die die Ketzerei verteidigt, verfallen der dem Papst auf besondere Weise vorbehaltenen Exkommu— nikation. Baumeister, Bau- und Werkführer, die sich am Bau oder an der Ausschmückung eines protestan⸗ funde Gotteshauses beteiligen, begehen eine Tod— ünde.“
Ferner beklagt Papst Benedikt XIV. sehr, daß Katholiken mit Ketzern verkehren müssen. So ist zu lesen(„De syn. dioces J. 6 c. 5 u. 2):„So traurig sind die Zeitverhältnisse, daß in vielen Gegenden, wo die Ketzerei herrscht, und ungestraft um sich greift, die Katholiken in die harte Notwendigkeit versetzt sind, mit Ketzern gesellschaftlich und freundschaftlich ver— kehren zu müssen.“
Ja, Herr Kaplan Brandstetter, protestantisch Geld nehmen, das ist schön, aber zu einem Protestanten freundlich sein, das ist Sünde! Wie ist bei solchen Leh⸗ ren ein kofessioneller Friede überhaupt möglich? Mg.
Kalholijche Pressestimmen.
Man sollte meinen, daß es in einem Lande, dessen Bevölkerung zu zwei Dritteln evangelisch ist, der kon— fessionellen Minderheit nicht möglich wäre, immer wie— der die Gefühle der evangelischen Mehrheit aufs gröb⸗ lichste zu verletzen, sich in öffentlichen Schmähungen
Auf der Warle.
Die Tage knapp vor dem Weihnachtsfest brachten noch einige Erregungsmomente im politischen Leben. Innenpolitisch war der Sturz der Reichsregierung einez der kläglichsten Ereignisse im parlamentarischen Leben, Man muß sich immer wieder über die Leichtfertigkeit und Verantwortungslosigkeit unserer Parlamentarier wundern. Wo steckt da der christliche Verantwortungs⸗ geist? Nun sind wir ohne Regierung bis Mitte Ja⸗ nuar. Und das ausgerechnet nach Genf! Konnte man den Zeitpunkt unglücklicher wählen? Kaum!— Wie eine schallende Ohrfeige für das gesamte Deutschland wie ein Peitschenhieb für das Rechtswesen der gesamten Welt schallt in die Weihnachtsfeiertage das Urteil in Prozeß Rouzier! Ein chauvinistischer französischer Off zier knallt einen Tag vor Abzug seines Regiments in Germersheim, im besetzten Gebiet, wehrlose Deutsche in knapp 20jährigem Blutdurst zusammen. Deutsche wer den mit in Anklage gesetzt. Urteil: die Deutschen wer den verurteilt, der Franzose freigesprochen! Gibt es einen größeren Hohn? Unsere nationalistischen Kreise werden ihre Folgerungen daraus ausgiebig ziehen. Das mühsam geschaffene Friedensgebäude, zwischen Frankreich und Deutschland erbaut, hat eine französi⸗ sche Granate auf das Dach gesetzt bekommen! Daray kann alles das, was nachkommt, nichts ändern! Poin⸗ carés Geist hat dieses Urteil gefällt! Poincaré hat da⸗ mit sich, den Geist seiner Armee, den Friedenswillen Frankreichs, die Justiz der Gewalt gerichtet. Helfen kann in dieser vergifteten Atmosphäre nur der schleu⸗ nigste Abzug der Besatzungstruppen. Fordern wir si⸗ als Kompensation!— Zu derselben Zeit putscht es in Litauen! Unklare Meldungen kommen nur von dort, Die Entscheidung, wer die Oberhand behält, ist noch nicht gefallen. Jedenfalls ist man in der Mehrheiß anti⸗polnisch gesinnt. Das mit vollstem Recht! Vog Polen hat man bis jetzt als Staat nichts Ersprießlichez erlebt. Die polnischen Zustände der Vorkriegszeit be— kommen leider wir Deutsche außenpolitisch nur zu oft zu spüren. Daß man sich in anderen Staaten davor be wahren möge, erklärt die litauische Bewegung.— Se werden wir innen- und außenpolitisch mit schweren Sorgen und zahlreichen Belastungspunkten ins neue Jahr gehen müssen. Die Zukunft liegt nicht rosig vos uns. Hoffen wir, daß im kommenden Jahre mit Gottez Hilfe sich alles zum Guten wende!
sehen, um dadurch eine beleidigende Mißachtung aus zudrücken. Bei uns aber geschieht es fortgesetzt. Seit, dem wir eine Evangelische Volksgemeinschaft und eine „Evangelische Warte“ haben, ist diese Tatsache wenig, stens nicht immer öffentlich unbeachtet geblieben. Die Evangelischen horchen auf— und hören fortlaufend von neuem, wie man sie verächtlich macht, ihr religibsez
Empfinden beleidigt, sie geringschätzig und geflissentlich
ignoriert; denn katholisch ist Trumpf! Keine unserer großen Tageszeitungen rührt sich, keine der bisherigen Reichsparteien tritt als Gegner auf. Unsere Pflicht it es deshalb doppelt, hier aufklärend zu wirken, und aus diesem Grunde empfehlen wir die nachstehenden neuen Beispiele katholischer Unverfrorenheiten der doppelten Aufmerksamkeit unserer Leser.
Dem„Allgemeinen Schulblatt(Vereinsblatt dez Allg. Lehrervereins im Reg.-Bez. Wiesbaden)“ Nr. 35 vom 15. 12. 26, und zwar dem Artikel„Die Nassau⸗ ische Simultanschule“, entnehmen wir folgen den Auszug:
„Bemerkungen zu einem Artikel des Herrn Pfarre Dr. phil. et theol. Hilfrich- Wiesbaden.
In Heft 16 der„Kommunalpolischen Blätter“, einem in Köln erscheinenden Organ der Zentrumspartei, finden wir einen Artikel des Wies badener Pfarrers Dr. Hilfrich, dessen Gedanken wit unseren Lesern nicht vorenthalten wollen.
gegen sie zu ergehen, sie absichtlich und bewußt zu über—
beide Allotria. Ja, er mußte um der Kinder willen vorwärts, überall ziehen einmal trübe Wolken, Regenzeiten sind immer fruchtbringend, die Sonne war noch beständig wiedergekommen. Seine Augen wurden etwas heller, seine Schritte leia ter!
Wie er durch den Torbogen schritt, hörte er Hans auf dem Wirtschaftshof mit den Hunden tollen, er pfiff sein Signal, da steckte der Knabe das erhitzte Gesicht durch das Tor zum Herrschaftshof:„Gleich komme ich, Vater, ich will nur Nox an die Kette legen!“——
Was er nur murrte! hing sein schmutzten
Was war das? Hörte er nicht die Stimme seiner Frau zur klagendsten Wirklichkeit herabgedämpft?—— Ein tiefer be⸗ ruhigender Ton antwortete, er stieß die Tür auf,— da saß der Heiligensteiner mit dem Geistlichen von Rheindorf, vor sich die halbgefüllten Gläser, und tranken vom besten Wein, den sein Keller barg.
Alles Blut drängte zum Herzen, der gerechte Groll über— mannte ihn, seine Wogen rissen ihn fort, es gab keinen Damm, keinen Halt mehr!
„Betretet ihr, oder einer von eurer Schwefelbande noch einmal mein Haus, dann lasse ich euch mit Hunden vom Hof hetzen! Hinaus!“ rief er.
Erbleichend, funkelnden Auges sprang seine Frau auf, wohl wehetreffende, harte Worte auf den Lippen, da griff er in die Luft und schlug mit dumpfem Fall zu Boden. Xaver Wendt⸗ land war tot, vom Schlag getroffen!
Noch einmal entfaltete sich reichster Glanz bei seiner Be— erdigung, wie einen Fürsten geleitete man den reichen Königs⸗ borner zur letzten Ruhe, es war fast zu laut, zu punkhaft ge⸗ wesen, es hatte den Schmerz übertäubt, die Gedanken ganz ab—⸗ gezogen von dem unglücklichen Toten.
Ein Vetter von Xaver Wendtland übernahm nun die Lei⸗ tung des Gutes, bis der Aelteste sich genügend Kenntnisse er—
Er lächelte, war er nicht reich? Er Zeug in die Garderobe, entledigte sich der sehr be— Stiefel und wollte in das Wohnzimmer treten.
rr worben und an seine Stelle trat. Aeußerlich war keine Ver⸗ änderung zu bemerken,— es geht draußen auf Königsborn besser, als wie der Herr da war,— sagten die Rheindorfer, und das Gras der Vergessenheit wucherte schnell über die geschlossene Gruft. Fortsetzung folgt.
Marburg.
Im Juli dieses Jahres begeht die alte, stolze Pro— testantenuniversität Philipps des Großmütigen von Hessen, die so manches Mal dem Protestantismus die Fahne vorantrug, die Feier ihres 400 jährigen Be⸗ stehens. Aus dieser Universität, bezw. ihrer evangeli⸗ schen Theologenschaft bringt der römisch-katholische Bo⸗ nifatiusbote Nr. 49 vom 5. Dezember 1926 folgende Schilderung:„Marburg. säkularer Bedeutung oder war es nur märchenhaft klingende Episode jedenfalls war es ein Aufsehen er⸗ regender Fall ersten Ranges, was sich hier dieser Tage
im Hörsaale der evangelischen Theologie zugetragen
hat. Auf Einladung der evangelischen Theologenschaft Marburgs war der Jesuitenpater Erich Przywara er⸗ schienen, um über das Thema„Bewegungs-Katholizis⸗ mus und dogmatischer Katholizismus“ zu reden. Der
Hörsaal hat wohl noch nie ein so zahlreiches Auditorium
in so eigenartiger Zusammensetzung gesehen. Professo⸗ ren und Hörer der evangelischen Theologie, die katholi⸗
schen Studenten verbindungen, darunter der C. V. in
Farben, gebildete Katholiken aus dem Geistlichen⸗ und Laienstande lauschten in gespanntester Aufmerksamkeit den Ausführungen des hochw. Herrn Paters.“
Beim Lesen dieser Episode aus dem Leben der evangelischen Theologenschaft zu Marburg 1926 wird manchem Protestanten ein berühmtes Wort einfallen, das weiland Martin Luther zu Marburg sprach:„Ihr habt einen anderen Geist als wir!“
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