Ausgabe 
26.5.1901
 
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Jobauues Hecker

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Beilage zur Ilittelcleutschen Sonntags-Teitung.

Nr. 21. Gießen, Honntag, den 26. Mai 1901. 8. Jahrg. 8 Wechsel in Wien, Prag und anderen Städten splitters in die im Gefängnis in Gebrauch ge⸗ Pfingsten. 5 einem höheren Satz eskompti e i üss ptiert werden] wesenen zinnernen Wasch⸗ und Eßschüsseln Pfingsten! Herab vom Virchenturme als andere Wechsel. In den Krisenjahren

Ertönt der Glocke heller Klang,

Und in den Jubelton der Vögel Mischt sich der Gläubigen Gesang.

Es ist das Fest desheiligen Geistes, Seht ihr die Prozessionen ziehnd Der, wie die Bibel uns berichtet,

Als weiße Taube einst erschien.

Wenn man auch heute solchen Wundern Den rechten Glauben nicht mehr schenkt, So wird doch unser Thun und Randeln Von einem heiligen Geist gelenkt,

Von einem Geist, der uns regieret,

Der sich in jedem Menschen regt,

Der unser ganzes Wollen leitet,

Das große Rad der Seit bewegt,

Der heil'ge Geist, der Geist des Lichtes, Der Geist des Fortschritts ist erwacht, Der in den Herzen aller Völker

Die Freiheitsflamme angefacht.

Die Nacht entflieht, bald wird es tagen, Seht, wie sich ringsum alles regt,

Die Flamme wird zum Feuerbrande, Der bis hinauf zum Himmel schlägt.

Der Riesenbrand wird täglich größer,

Er bricht mit Schnelligkeit sich Bahn,

Ja, er durcheilt die ganze Erde

Gleich einem wütenden Orkan.

Hört! wie es kracht und zischt und prasselt, Schon sinkt des Aberglaubens Macht;

Die Dummheit stürzt von ihrem Throne, Seht, wie die Freiheitssonne lacht.

Bald wird's für alle besser werden,

Das Nachtgewölk, es wird verwehn, Wenn alle Armen, Unterdrückten

Den Geist der Wahrheit recht verstehn. Wenn wir nach Recht und Freiheit streben, Dann wird der Seind zu Fall gebracht, Der uns durch tausendjähr'ge Herrschaft Su willenlosen Sklaven macht.

Ihr sollt euch stets als Menschen fühlen! Erfüllt als solche eure Pflicht!

Serstört den Wahn des Aberglaubens

Und strebt nach Wissen, Recht und Licht. Dann wird euch einst die Nachwelt ehren, Denn was ihr schafft, das wird bestehn; Mag auch die Mitwelt euch verspotten, Das Gute kann nicht untergehn!

N

DieEdelsten der Nation.

der pol nischen nämlich, hat jüngst unser Genosse Daszynski im österreichischen Reichs⸗ rat in ihrer wahren Gestalt Meat bie Er ent⸗ hüllte in der Sitzung vom 13. Mai die Sitten⸗ fäulnts der polnischen Schlachta. Darunter versteht man den polnischen Adel, die herrschende Klassen, dieBesten der Nation. Daszynski sprach über das Elend in Galizien in seiner gewohnten Beredsamkeit und schilderte die Gaunereien namhafterEdelleute, daß dem Polenklub die Knie schlotterten, wie der Kor⸗ respondent derFrkftr. Ztg. sich ausdrückt. Als Daszynskt noch allgemeine Ausführungen machte von der Ausbeutung, deren sich die Mitglieder des Polenklubs schuldig machen, rief ihm einer von diesenEdeln, v. Abra⸗ hamovicz zu:Namen nennen! Und da löste sich die Zunge des Sprechers und das ver⸗ blüffte Haus bekam merkwürdige Dinge zu hören. Von den Diebstählen der Fürsten und Grafen und Priester, von Defraudationen, Er⸗ Nac und dergl. sprach Daszynski.

achdem Daszynski darauf hingewiesen hatte, daß in Folge ungeheuerlicher Diebstähle, die von Mitgliedern der Aristokratie und des Geld⸗ besttzes verübt wurden, der Kredit ganz dar⸗ niederliege, fuhr der Redner fort, wie die Wiener Arbeiterzeitung berichtet:... Denn wo alles gestohlen werden konnte, wo die

riester genau 5 stehlen, wie die

ürsten und Grafen, so wie ganz ge⸗ meine Diebe, dort hat sich das Mißtrauen aller derer bemächtigt, die über Geld verfügten. Es ist eine traurige Wahrheit, daß galizische

wurden galizische Wechsel sogar überhaupt nicht eskomptiert. Ganze Arbeits zweige liegen brach; es bemächtigt sich des Landes ein Auflösungsprozeß, welchem man Einhalt 1 muß. Da Herr v. Abrahamovicz

eweise verlangt, so will ich mir erlauben, Ihnen die verübten Schurkereien bloßzu⸗ legen. Ich werde da Ihnen ganz nahestehende Persönlichkeiten nennen. Der ehemalige gali⸗ zische Landes⸗Ausschuß Jendrzejowicz, ein 1655 naher Verwandter des ehemaligen

inisters, hat hat sich erschossen, nachdem er Schulden kontrahiert hatte, die er zu be⸗ zahlen nicht im Stande war. Das Mitglied des Polenklubs Wiktor hat sich in Berlin er⸗ schossen, nachdem er Wechsel auf beträchtliche Summen gefälscht hatte. Marchwiczki, der Vertraute und Majordomus der beiden Grafen Badeni, welchen Badeni zum Herren⸗ hausmitglied beförderte, hat zusammen mit dem Fürsten Sapieha und dem Dr. Kry zanowski, dem natürlichen Bruder des Grafen Badeni, so schmutzige Dinge gemacht, daß eine Bank darüber krachen mußte, daß ein Fürst Sapieha im Verdacht stand, sein fürst⸗ liches Wort wie einen Fetzen beschmutzt zu haben. (Lebhafte 9 75 Hört l⸗Rufe links.) Dr. Kry⸗ zanowski, der vielleicht noch anständiger war als seine beiden Brüder, hat sich erschossen. Vom Grafen Mix und dem Grafen Potocki wurden Depositen gestohlen.

925 Ritter v. Gniewosz: Das ist nicht wahr.

Abg. Daszynski: Sie wurden nur dann zurückbezahlt.

So ging es noch eine geraume Zeit fort. Eine lange Reihe polnischer Adliger entlarvte unser Genosse als gemeine Gauner und Betrüger. Verschiedener dieser Hallunken, darunter auch Mitglieder des Reichsrats, be⸗ trügen als Gutsbesttzer ihre Arbeiter noch obendrein dadurch, daß sie ihnen den Arbeits lohn statt in Geld in Pappmarken geben, auf denen eine gewisse Summe geschrieben steht und die nur an bestimmten Stellen und Tagen als Zahlungsmittel angenommen werden, wo⸗ bei selbstverständlich die Arbeiter Verluste haben.

Vergeblich suchte der Mnznisterpräsident v. Körber den Statthalter von Galizien zu decken, vergeblich der persönlich ehrenhafte Herr v. Gniewosz den Polkenklub zu verteidigen. Dieser Herr, der zu ehrlich zu sein scheint, um zu solcher Mohrenwäsche geschickt zu sein, mußte so ziemlich alles zugeben und bat schließlich nur um das Zugeständnis, daß es nicht aus⸗ geschlossen sei, daß ein Stanczyke auch ein au⸗ ständiger Mensch sein könne.

So nagelte Daszynskt die Schlachta als die Verderber des galizischen Volkes an den Schandpfahl der Oeffentlichkeit.Entweder ein Volk krepiert einfach vor Hunger oder es muß eine andere Regierung kommen ein Drittes giebt es für Galizien nicht. Das anmutige Bild zeigt, wohin ein Land unter der Herrschaft der Junker gerät.

Wegen Bethätigung sozialdemo⸗ kratischer Anschauungen als Soldat

hatte sich am 15. Mat vor dem Kriegsge⸗ richt Magdeburg der Arbeitssoldat zweiter Klafse, Paris, zu verantworten. P., der schon ein langes Strafregister hinter sich hat, erklärt auf Befragen des Verhandlungsleiters, am 9. März d. J. eine Instruktion dahingehend erhalten zu haben, daß ein Soldat sozialdemo⸗ kratische Ansichten weder äußern, noch zur Schau tragen darf. Bekannt sei ihm, dem Angeklagten, diese Verhaltungsmaßregel schon 1 5 gewesen, und zwar durch die abgehaltenen Appelle. Paris, der zur Zeit eine längere Gefängnisstrafe verbüßt, wird beschuldigt, mittelst eines in seiner Zelle gefundenen Glas⸗

sozialdemokratische Sprüche, wie:Hoch lebe der Arbeiterstand!Hoch lebe die Sozial⸗ demokratie!Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit! u. s. w. eingekratzt zu haben. Der Angeklagte bestreitet, die That begangen zu haben. Der im Garnisongefängnis als Aufseher fungierende Sergeant Heinicke giebt an, schon seit Januar bemerkt zu haben, daß die Waschschüsseln mit derartigen Sprüchen bekritzelt gewesen seien; später habe Zeuge auch dasselbe an den Eßnäpfen bemerkt. Um heraus zu be⸗ kommen, wer von den Inhaftierten eine der⸗ artige Gesinnung bethätige, habe er am 11. März d. J. lauter unbeschädigte Wasch⸗ schüsseln in die Zellen gegeben. Er habe dann die Schüsseln der Reihe nach wieder einsammeln und nach seiner Wohnung bringen lassen. Hier wurden dieselben einer Revision unterzogen, wobei diejenige Schüssel, die nach Meinung des Zeugen aus der Zelle des Angeklagten Paris gekommen sei, wieder mit derartigen Sprüchen bekritzelt war. Eine Verwechselung der Schüsseln sei als ausgeschlossen zu betrachten. Der An⸗ geklagte muß hierauf eine Schriftprobe machen, die zu beschretbende Schüssel abet auf den Knieen halten. Nachdem das Kriegsgericht die Prüfung der Schriftzüge vorgenommen, werden die Zeugen vereidigt. Der Vertreter der An⸗ klage, Kriegsgerichtsrat Dr. Müller, hält die Anklage in vollem Umfange aufrecht. In Anu⸗ betracht der vielen Vorstrafen beantragt er eine Strafe von sechs Monaten Gefängnis. Der Angeklagte hält sich für nichtschuldig und giebt an, daß er am 12. Mai ebenfalls eine bekritzelte Schüssel in seine Zelle bekommen habe, worüber er dem wachthabenden Sergeanten Meldung gemacht habe. Sergeant Heinicke bestätigte dies. Nach längerer Beratung geht das Urteil dahin: Der Angeklagte, Arbeitssoldat Paris, wird nach der stattgehabten Beweisaufnahme für schuldig erachtet, die Kritzeleien verübt zu haben (Vergehen gegen§ 92 des Militärstrafgesetz⸗ buches). Mit Rücksicht darauf, daß durch die vom Angeklagten geübte Bethätigung eine große Gefahr für noch nicht sozialistisch ge⸗ siunte Soldaten bestanden hat, wird der Angeklagte wegen Ungehorsamkeit gegen einen Dienstbefehl und Sachbeschädigung mit sechs Monaten Gefängniß bestraft. Wäre der Mann wirklich Sozialdemokrat, so hätte er die thörigten Streiche, die nichts nützen und ihm nur schaden können, hübsch unterwegs gelassen.

Quittungen.

Stck.⸗G. Mt. 3.80. Gge.⸗Hdbgu. Mk. 7.40, The. Mk. 1.60. Leh.⸗Fllgh. Mk. 1.40. Mk. 2.. Ccht.⸗Gbg. Mk. 5.80. Wt..⸗Obch. Mk. 7.40. Kbch.⸗Wek. Mk. 26.. Kch.⸗Kfd. Mk. 7.. R.⸗Hchhm⸗ Mk. 26.60. Kch.⸗Noͤfl. Mk. 9.20. Vpl.⸗Ollr. Mk. 22.. Bsr.⸗Rdgn. Mk. 2.20. Hdch.⸗Kzbch. Mk. 8.80. Ly.⸗G. Mk. 20.50. Fhbch.⸗Otbg. Mk. 4.80. Ggr.⸗Mbg⸗ Mk. 27.80. Dthfr.⸗LIgstr. Mk. 3.60. St.⸗Mkftz. Mk. 2.25. Mths.⸗Gbch. Mk. 4.50. B.⸗Wbch. Mk. 1.. Mhl.⸗G. Mk. 24.. Fy.⸗Gbtch. Mk. 2.40. Dsch.⸗Bgs. Mk. 7.60. Sgfr.⸗Abck. Mk. 8.20. Bsr.⸗Rdgn. Mk. 2.. Fth. Wtzlr. Mk. 25.. Sch.⸗Wdkp. Mk. 1.. Ly.⸗G. Mk. 5.. Wllr.⸗Rdhm. Mk. 13.. Fz.⸗Lch. Mk. 1.48.

Lehr Bsr.⸗Rdgn⸗

Ly.⸗G. Mk. 13.. Wtr.⸗Wwe.⸗Lbch. Mk. 2.. Kl. Rogn. Mk. 8.20. Gst.⸗Bss. Mk. 8.95. Efflr.⸗Iobg. Mk. 20.. C.⸗Dhm. Mk. 4.40. Stck.⸗G. Mk. 3.60.

Z.⸗Noh. Mk. 5.. Wbr.⸗Fllgh. Mk. 1.60. Gge.⸗Hobgn. Mk. 7.20. Wzl.⸗Lgdf. Mk. 5.. Pf.⸗G. 1.80. Ggr.. Mbg. Mk 27.20. R.⸗Hchm. Mk. 26.80. R.⸗G. Mk. 2.40⸗ Eth.⸗The. Mk. 1.80. Lcht.⸗Gbg. Mk. 5.60. Rg.⸗Ltbch. Mk. 24 60. Pf.⸗Odh. Mk. 5.. Ly ⸗G. Mk. 14. Dthfr.⸗Lgstrn. Mk. 3.40. Mllr.⸗Mbg. Mk. 100.. Mhl.⸗G. Mk. 25.40. Sch.⸗Stbg. Mk. 14.60. By.⸗Dbg. Mk. 3.60. Hp.⸗Bdhm. Mk. 4.80. Kpfr.⸗Roͤbg. Mk. 5.. Kbch.⸗Wsck. Mk 25.80. Fth.⸗Wtzlr. Mk. 25.. Schfr. Gbch. Mk. 4.20. Fy.⸗Gbtch. Mk. 2.40. Schb.⸗Hsn⸗ Mk. 7.40. Z.⸗Noh. Mk. 2.. Sgf.⸗Abck. Mk. 8.20. Br.⸗Roͤgn, Mk. 2.20. Bch.⸗Vtbg. Mk. 2.40. Mhl.⸗Bu. Mk. 3.. Ly.⸗G. Mk. 7., Fbch.⸗Otbg. Mk. 3.60. Wtr.⸗Obch. Mk. 6.80. Wlr.⸗Wwe.⸗Ebch. Mk. 2.35. Bsr.⸗Rdogn. Mk. 2.. Ly.⸗G. Mk. 2.50. Kch.⸗Kdf. Mk. 37.. Klge.⸗Alsf. Mk. 24.50. Gge.⸗Hdbgn. Mk. 7.40.