Ausgabe 
24.2.1901
 
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Nr. 8.

Mitteldeutsche Sountags⸗Zeitung.

Seite 7..

laubnis verweigert, am College de France(sprich Kolläsch de Frangß, ein hohes wissenschaftliches Justitut) Vorlesungen über Sozialismus zu halten. Euer eigener berühmter Henry George

0 9(sprich Henri Dschordsch) starb, wenn ich nicht Ichten

irre, in Armut, nachdem Ihr sein Leben hin⸗ durch mit Fingern anf ihn gewiesen, auch der

große deutsche Apostel, der Sozialdemokrat Liebknecht, verlebte einen großen Teil seines Lebens in der Verbannung, schnöde aus Dentsch⸗

land herausgewiesen, wie Viktor Hugo(sprich ügoh) aus Frankreich.

Und nun, mit welcher Verachtung erinnern wir nicht an das geschichtlich gewordene Gericht, welches Galilei zwang niederzuknien und zu erklären, daß die Erde sich nicht bewegt.

Aber auf der anderen Seite, bei solchen verwüstenden und herabwürdigenden Kräften wie Bismarck, Chamberlain(sprich tschamber⸗ lähn) und General Mercier(sprich merßi⸗eh) weiß die Welt nicht, was sie finden soll als passende Auszeichnung oder Ehre, bei ihnen fühlen sich ihre strengsten Richter verpflichtet, die Kritik an diesen Helden auf bewundernde Zurückhaltung zu beschränken.

Es ist unnütz, uns selbst zu betrügen. Ihr könnt bessern und flicken soviel Ihr Lust habt, aber wahre Zivilisation wird nicht daraus werden, so lange das jetzt bestehende soziale

System nicht von Grund auf verändert wird.

Seht auf dies Land, untersucht so genau, wie es Euch möglich ist, späht ebenso durch alle anderen. Ungerechtigkeit und Not überall, fürchterliche Krebsschäden, welche in der Dunkel⸗ heit ständig an der Lebenswurzel der Gesellschaft na gen. Ja, wenn nicht eine Umwälzung der Rache eines Tages die Gesellschaft erschüttert, 0 ist das nur, weil die meisten Menschen um⸗

ergehen wie die Pferde mit Scheuklappen zu

e den Seiten des Kopfes, nicht imstande, etwas allderes zu sehen, als das, was offen unter ihler Nase liegt.

Zivilisation in Wahrheit! Wie ekelhaft ist

nicht das gegenseitige Lob und die Selbstver⸗

götterung. g i Hört Ihr nicht zusammen mit Eurer Kirchen

glocken Geläute das Jammern der Verwundeten

von einem Dutzend Schlachtfelder? Sind nicht verschiedene Völker fieberischer als jemals auf neue Schlachten aus? Haben wir noch immer keine bessere Art und Weise gefunden, unsere Zwistigkeiten auszutragen als mit Mas⸗

senopfern von Menschen?

Zivilisation? Noch nicht! Habt Ihr Tol⸗ stois Bücher gelesen? Oder die meinigen? Oder was die Hunderte auderen Forscher von der modernen Gesellschaft geschrieben haben? Haben die Streiks, die ständig in Eurem Lande und anderen Ländern stattfinden, Euch nichts

gelehrt? Kann irgendwer in diesem Augenblick

bestreiten, daß der größte Teil der sogenannten Menschheit unter Mißhandlungen und rechts⸗ widrigen Gesetzen seufzt, daß die ganze Macht vieler Regierungeu Heere, Polizei und Richterstühle allezeit bereit ist, die Aus⸗ beutung zu unterstuützen, welche eine kleine privilegierte Klasse übt. i

Habt Ihr nicht gelernt, daß es an jedem Tage Tausende giebt nicht Hunderte Tausende Männer und Frauen, welche an Hunger, Kälte und Krantheit sterben, welche niemand beachtet und obendrein, daß diese Unglücklichen 20, 30, 50 Jahre ihrer Ar⸗

heit hergegeben haben, um alles das zu schaffen,

was wir genießen. f n Könnt Ihr vergessen, daß Kinder kleine Kinder so teuer und geliebt wie die Euren in diesem Augenblick Hungersnot erdulden und alle Bacillen des Verbrechens in sich aufsaugen? Könnt Ihr vergessen, daß in jedem Hospital, in jedem Gefängnis, jeder

Fabrik, jeder Mietskaserne Frevel geschehen, [Pie gegen

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Himmel um Vergeltung schreien?

Wie traurig ist nicht das Ganze! Daran zu denken, daß durch die ganze Dauer des

geschiedenen Jahrhunderts große Männer ver⸗

de geblich wegen dieser Zustände geklagt haben,

vpährend langer Jahre der Nichtbeachtung ge⸗ grübelt haben über diese Probleme und vergebens

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auf die Mittel hinweisen mußten, mit denen sie zu lösen waren. Aber man traute ihnen nicht, sie wurden von dem kindischen Haufen im stolzen Gefühl seiner Majorität verhöhnt.

Wie traurig ist es, zu denken, daß noch heute der Sozialismus die einzige Lehre der Erlösung wissenschaftlich und praktisch unwiderstehlich wie sie ist, noch genötigt ist, langsam Anhänger zu werben, einen nach dem anderen, verdammt ohne Untersuchung von den meisten, während seine Verteidiger aus allen Lehrplätzen der Gesellschaft, den Kanzeln und den Lehrstühlen der Universttäten, vertrieben werden. Ja, das wenige Sozialismus, das Edward Bellamy denFortschrittsamerikanern beigebracht hat, konnte er nur(wie er selbst sagte) anbringen in der Zuckerpillenform des Romans, in seinem BuchEin Rückblick aus dem Jahr 2000.

Das sind die Thatsachen, die man mutig vor den Blicken des Publikums enthüllen muß. Aber trotz allem was vorliegt, bin ich noch kein Schwarzseher. Indem ich das, was ist, beklage, blicke ich vorwärts in das verheißungs⸗ volle neue Jahrhundert mit Hoffnung und Vertrauen.

Unwissenheit, der passive und doch mächtige Feind sozialer Befreiung und alle ihre Bundes⸗ genossen, die vom bestehenden Unrecht leben, werden kräftig angegriffen.

Auf welchem Wege wird wohl die unaus⸗ bleibliche Veränderung kommen? Wird es einen gewaltsamen Aufstand geben, eine Aufruhr⸗ periode, auf die eine Herrschaft des Proletariats folgt, wie manche soziale Autoritäten als not⸗ wendig annehmen, um die herrschenden Klassen in die Reihen der Arbeit hineinzuzwingen? Da würden die französische Revolution und alle ihre Schrecken in einer gewaltigen Scene wiederaufgeführt werden. Trotzdem war die französische Revolution nun allgemein aner⸗ kannt verursacht durch geringere Greuel, als wir sie heute vor uns haben.

Oder wird eine ruhige, angenehme, schnelle Eutwicklung die Erlösung bringen?

Meine Sympathien sind unwillkürlich für die letztere friedliche Methode. Niemand kann jedoch in der Hinsicht etwas voraussagen.

Ich glaube, daß wir in weniger als zehn Jahren große Veränderungen in unseren sozialen Verhältnissen zu sehen bekommen, fast gleichzeitig in allen möglichen Beziehungen. Ich glaube, daß in weniger als zwanzig Jahren tiefe poli⸗ tische, wirtschaftliche und rein soziale Verände⸗ rungen die Gesellschaft bedeutend verbessert, eine große Summe Glück gebracht haben und des Lebens gute Dinge viel gleicher und ge rechter verteilt sein werden.

Ich glaube ebenso, das wir bald das ab⸗ norme Vorrecht, Vermögen zu erben, abgeschafft haben werden. Es wird nach denselben Grund sätzen abgeschafft werden, nach welchen wir Republikaner die Erblichkeit des Scepters be⸗ seitigt haben. Die beiden Sachen gehören zu sammen.

In Wirklichkeit ist es widersinniger, daß ein junger Vanderbilt oder Castellane(sprich kastellahn, Schwiegersohn Vanderbilts), der selbst keine 50 Cent in der Woche verdienen kann, Millionen erben soll, als es sein würde, wenn ein Sohn Me Kinleys oder Loubets, das Recht erben würde, uns zu regieren, weil sein Vater das gethan hat?

Nachdem wir mit unseren jetzigen mechani⸗ schen und genossenschaftlichen Hilfsmitteln die Frucht von Jahrhunderten gemeinschaftlicher Bestrebungen und daher aller Menschen gemein- sames Eigentum genau zwanzigmal so viel schaffen können, als wir verbrauchen, so glaube ich deshalb voll und fest, daß das abscheuliche Unrecht, daß menschliche Wesen an Nahrung, Kleidung und Wohnung, Mangel leiden, früh⸗ zeitig im zwanzigsten Jahrhundert verschwinden wird.

Das zwanzigste Jahrhundert wird ebenso Mittel finden, die Korruption, welche heute das öffentliche Leben aller Länder schänudet, auszu schließen und möglicherweise die Todesstrafe nur für politische und kapitalistische Schurken beibehalten, indem es die anderen Sünder in

Heilanstalten sendet, in denen Spezialisten für sie sorgen.

Das Jahrhundert wird noch andere Wunder sehen, aber was nützt es mehr davon zu reden?

Alle guten und ehrlichen Menschen haben die Pflicht, den Fortschritt dieser Reformen zu betreiben indem ste diesen Begründungen ein williges Ohr leihen und diesen Fragen ein ernstes Studium widmen. Der aber, welcher sich befugt glaubt, über das neue Evan⸗ gelium zu lachen, ist ein Narr, und der, welcher sich verräterisch bemüht, seine Aus⸗ breitung zu hemmen, ist ein Verbrecher.

Kein Zoll auf's Korn!

Ein Zoll auf's Korn! In diesen Tagen, Da laut erschallt der Schrei der Not? Ein Zoll auf's Korn! Da Alle fragen: Wie kommt das Volk zu Salz und Brot?

Ein Zoll auf's Korn heißt Kinder morden, Wie Bethlehem es niemals sah; Herodes ist zum Stümper worden, Seit Würger Kornzoll fern und nah.

Ein Zoll auf's Korn ist Zoll auf's Leben, Ein Zoll auf's Korn ist Volkes Tod, Ein Zoll auf's Korn heißt Satten geben Und rauben Hungrigen das Brot.

Kein Zoll auf's Korn! Kein Zoll auf's Leben, Kein Zoll auf Arbeit, Salz und Brot! Doch Zoll auf fluchbeladnes Streben, Das Gold schlägt aus des Volkes Not!

Robert Seidel.

Gemeinnütziges.

Die gute Luise. Direktor Häckel in Crossen a. O. erörtert in Nr. 6 des praktischen Ratgebers die Frage, welche Birnensorte die empfehlenswerteste ist. Er kommt dabei zu dem Ergebnis, die beste aller Birnen, die nahezu unter allen Verhältnissen und in jedem Klima gedeiht, sei die Gute Luise von Avranches. Nach Häckels Meinung ist die Gute Luise unter den Birnen etwa dasselbe, was unter den Aepfeln die Wintergoldparmäne ist. Die Obst⸗ züchter werden aufgefoedert, zu dieser Frage Stellung zu nehmen.

Abends die Hühner mit Linsen zu füttern hat sich sehr bewährt. Besonders im Winter macht dieses Futter widerstandsfähiger gegen die Kälte und bewirkt, daß stie mit dem Legen sehr bald anfangen.

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Lesefrüchte.

Von allen Ursachen des Völ kerhasses ist Un⸗ wissenheit die mächtigste. Henry Thomas Buckle.

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Ein Vorzug bleibt uns immer unverloren,

Man preist ihn heute als Nationalität;

Er sagt: daß irgeudwo der Mensch geboren,

Was freilich sich von selbst versteht. Grillparzer.

Humoristisches.

Aufklärung. Sie: Warum ist denn die engli⸗ sche Königin auf einer Kanone gefahren worden, wie ste begraben wurde? Gab es denn für die keinen Leicher⸗ wagen? Er: Du bist doch eln recht dummes Kat: nickel. Weißt Du denn nicht, daß die Engländer jetzn alle ihre Leichenwagen in Südafrika brauchen?

(Südd. Postill.)

Vöser Handel. Erster Journalist:Was haben Sie denn für den aufreizenden Leitartikel be⸗ kommen? Zweiter Journalist:Hundert Mark. Erster Journalist:Donnerwetter, das ist aber ein anständiges Honorar. Zweiter Journalist Ach, nicht doch, ich meine hundert Mark Strafe.

Abgeführt. Sie: Sagen Sie, Herr Doktor, wie kommt es, daß Sie, obgleich Sie studiert haben, keinen einzigen Schmiß im Gesicht besitzeu?

Er: Das kommt davon, weil ich eben studiert habe!

Fl. Bl.,