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Mitteldeutsche Sountags⸗Zeitung.

Nr. 10.

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Den Gegnern der Frauenrechte.

Euch stört es, wenn des Wissens Bronnen Sich auch der Frau erschließen will, Denn nur in euer Weisheit sonnen Darf sie sich demutsvoll und still. Ihr ärgert euch, wenn Frauen lesen, Und wagen sie zu schreiben gar, Dannist dahin ihr züchtig Wesen, Undihre Würde in Gefahr.

Das sind die Ueberspannten, heißt es, Wenn Wissenschaft ihr Naupt beschwert. Ihr haßt die Bildung ihres Geistes, Denn nur der Leib ist euch von Wert Nun sagt mir doch mit welchem Rechte Ihr euch so grausig überhebt Und stets demschwächeren Geschlechte So strenge Lebensregeln gebt

Ihr habt ja oft in Bymens Banden Erprobt der Frauen Energie, Wie stark sie euch gerüstet fanden Euch Helden doch beherrschten sie. Ja, Helden! doch Pantoffelhelden! Daraus erklärt sich euer Wahn. Den Frauen laßt ihr es entgelten,

Was euch die Frau hat angethan. M. Kegel.

Es hängt Gewicht sich an Gewicht. Erzählung von Robert Schweichel. 6 Schluß)

Rache! fielen die Menschen in der Stube ein und die vor dem Hause wiederholten den Ruf.Wilm, Wilm, kein Blut, keuchte Guste, während ihre Finger sich krampfhaft in seinen Arm krallten. Er machte sich los und gab den Nächststehenden ein Zeichen, worauf sie die Tischplatte mit der Leiche auf ihre Schultern hoben und forttrugen. Guste taumelte mit einem Aufschrei zurück. Nach wenigen Minuten raffte sie sich aber wieder auf und folgte dem Zuge, der sich tumultuarisch nach Friedenau hinunter bewegte. Viele sprangen unterwegs in ihre Wohnungen und holten sich Aexte, Hacken, Spaten, Forken.

Der Baron von Rönberg saß mit Frau und Tochter in dem nach dem Garten hinaus⸗ gelegenen Speisezimmer am Mittagstische, als er ein Lärmen und Rufen vernahm, aus dem er seinen Namen herauszuhören glaubte. Ein Diener kam mit bleichem Gesicht hereingestürzt, vor Schrecken konnte er aber nur ein paar Worte stottern. Herr von Rönberg eilte in ein Zimmer, das auf den Hof schaute. Sein erster Blick traf auf die Leiche des Mädchens und er prallte zurück. Er wurde bemerkt und aus allen Kehlen erscholl der Ruf:Heraus! Herunter! Er öffnete das Fenster und über⸗ sah mit festem Auge die erregte Menge von Männern und Frauen, welche den Hofraum er⸗ füllte. Es wurde still und er fragte, was sie wollten? Wilm, der zunächst unter dem Fenster stand, rief, auf die Tote deutend:Das ist der Hunger! und die Frauen gellten:Wir wollen nicht auch verhungern! Brot! Brot! Brot! Dazwischen schrien die Männer:Die Speicherschlüssel heraus, oder wir schlagen Alles kurz und klein. Der Baron schloß mit einem verächtlichen Achselzucken das Fenster. Da er⸗ hoben sich drohend die Fäuste und Knüttel, Hacken, Forken wurden gegen ihn geschwungen. Wilm schrie:Er soll bet der Leiche nieder⸗ kuien und uns Alle um Verzeihung bitten für sein Prassen, sein Leuteschinden und Wuchern! Und hierauf rief er in den Jubel, den sein Vorschlag verursachte!Komm herunter, oder wir holen Dich! Er entriß einem jungen Burschen, der neben ihm stand, die Axt. Da

wurde wieder das Fenster geöffnet und der Baron zeigte sich mit einem Gewehr in der

Hand.Zurück, drohte er,oder ich schieße! Ein wildes Geheul erschütterte die Luft. Plötzlich wurde das Gedränge durchbrochen. Weiber waren in die Wohnung des Inspektors, die mit der Brennerei unter einem Dache lag, gedrungen und zerrten ihn jetzt herbei. Er war übel zugerichtet, seine Kleider waren zer⸗ rissen und seine Arme rückwärts zusammenge⸗ bunden. Man hatte ihm einen Strick um den Hals geworfen und ein altes Weib zog ihn daran hinter sich her wie eine sich vergebens sträubende Ziege durch die Menge, die ihn mit Hohngelächter empfing, schimpfte und schlug. Der Baron erschrak; er hatte gehofft, daß der Inspektor sich aufgemacht hätte, um Hülfe zu holen. Die Dienerschaft wagte sich nicht aus dem Schlosse und die Knechte hielten sich in den Ställen versteckt. Der Inspektor wurde neben der Leiche, die man auf die Erde gelegt hatte, unter höhnischem Jauchzen an das Ge⸗ länder der Vortreppe gebunden, und der Baron, der ihn zu treffen fürchtete, wagte nicht zu schießen. Wilm hatte sich das zu Nutzen ge⸗ macht und seine Axt schmetterte gegen die Haus⸗ thür, die er verschlossen fand. Aber es waren dieses nicht die einzigen Axtschläge, die vernehm⸗ bar wurden. Während Wilm einzig an seine Rache dachte, schlugen Andere die Thüren zu Speicher und Keller ein und zertrümmerten die Apparate in der Brennerei. Der Baron war von dem Fenster verschwunden. Ein Steinwurf zerschmetterte es und gab der halbwüchsigen Jugend das Signal zu einem Bombardement auf sämtliche Schloßfenster. Die Hausthür sprang krachend auf, Wilm stürzte hinein und viele folgten ihm. Oben an der Treppe, die von dem Flur heraufführte, stand der Bar on, das Gewehr im Anschlage. Noch hoffte er, ste einzuschüchtern, und um ihnen zu beweisen, daß es ihm Ernst sei, feuerte er das eine Rohr seines Doppellaufs über die Köpfe der Stür⸗ menden hin. Aber er reizte sie dadurch nur noch mehr, und mit einem wahren Wutgeheul: Schlagt ihn tot! sprangen sie die Treppe hinauf, Wilm, seine Axt schwingend, voran. Ein zweiter Schuß krachte. Wilm stürzte rück⸗ wärts und riß einige in seinem Falle mit sich. Die Uebrigen achteten dessen nicht, und obgleich Herr von Rönberg sich mit dem Kolben seiner Flinte wie ein Rasender wehrte, er wurde niedergeschlagen, mißhandelt, mit Füßen ge⸗ treten. Für tot blieb er liegen und die Leute zerstreuten sich in die Zimmer, in denen sie Alles zerschlugen. Zwei von ihnen erbarmten sich Wilm's; sie hoben ihn auf und legten ihn im Hofe neben dem toten Mädchen nieder. Der Schuß, das Gewehr war mit Rehposten geladen gewesen, hatte ihm die Brust schrecklich zerfleischt; aber er lebte noch und röchelte schwer. Guste, die sich bisher wie irrsinnig unter den Menschen auf dem Hofe umhergedrückt hatte, stürzte dazu, kauerte am Boden nieder und bettete seinen Kopf in ihrem Schooße. Der Inspektor, der daneben an das Treppengeländer gebunden war, flehte um Wasser; Guste hörte es jedoch nicht und sah auch nicht, was um sie her vorging. Es war aber ein fast lustiges Treiben. Die Vorratshäuser waren erbrochen und die Männer, Weiber und Kinder schleppten Getreide und Kartoffeln in ihren Schürzen, in Körben, Säcken, Eimern fort. Wie die Ameisen wimmelten sie hin und her. Sie lachten und scherzten und auch an Betrunkenen fehlte es nicht. Es gab ja Spiritus in den Kellern, und der Rausch griff mehr und mehr um sich. Man sang, kreischte, jauchzte, tanzte während aus den Fenstern des Herrenhauses die präch tigen zerbrochenen Möbel geworfen und aus den aufgeschlitzten Betten die Federn geschüttet wurden, die wie Schneeflocken auf die plündern⸗ den, johlenden, auch streitenden Menschen herab⸗ wirbelten. Plötzlich schlugen aus den Fenstern und dem Dach der Brennerei die hellen Flammen. Der Wind trieb die Funken nach dem Speicher hinüber, an den die Ställe grenzten. Die ge⸗ waltigen Rauchwolken, die rötlichen Flammen, die aus ihnen zum dämmernden Himmel zuckten, waren weithin sichtbar. Die plündernden

Scharen ergriffen die Flucht, die Knechte wagten

sich aus ihrem Versteck hervor und suchten das jammervoll brüllende, wiehernde, blökende Vieh Einer von ihnen befreite den Inspektor aus seinen Banden. Nur Guste rührte und regte sich nicht. Sie

aus den Ställen zu retten.

hockte neben ihrer toten Schwester am Boden,

in ihrem Schooße den Kopf Wilm's, den sie

von Zeit zu Zeit streichelte, obgleich er aus⸗ gelitten hatte. So fanden sie, von dem Blute des Geliebten überströmt, mitten unter der Verheerung und unter dem Brande die Menschen,

die von den benachbarten Dörfern und Gütern

zur Rettung herbeigeeilt kamen.

Herr von Rönberg, dessen Frau und Tochter sich noch rechtzeiiig in den Garten geflüchtet hatten, genas langsam von der schweren Miß⸗

handlung. Einen Schaden an seinem Wohl⸗ stande erlitt er nicht; denn seine Vorräte, die Gebäude, der Viehstand, die Möbel waren sehr gut versichert. Guste Thiemann starb im be⸗ ginnenden Frühjahr an der Schwindsucht. Der alte erblindete Balk aber zog noch lange bettelnd auf dem Lande umher und erzählte seine Leidens⸗ geschichte und die seines Sohnes und von dessen Rache.

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Die großen Wohlthäter.

Heil uns, daß wir die großen Wohlthäter haben! Was wäre die Menschheit ohne die großen Wohlthäter?

Drohend mit Frost und Hunger lungert vor den Thüren die Not.Schrecklicher Winter! stöhnen die Armen. Und sie sehen mit Grauen auf ihre dünnen, fadenscheinigen Röckchen und sie überschlagen mit Beben den kargen Lohn: Schrecklicher Winter!

Aber fürchtet euch nicht, ihr lieben Leute, seid getrost. Denkt, wir haben die großen Wobhlthäter. Die großen Wohlthäter wissen, was euch fehlt. Die großen Wohlthäter sprechen: Hart ist die Zeit, karg ist das Brot. In kalten Stuben, an leeren Tischen sitzen die Armen. Mit wenigen Groschen müssen sie heim⸗ gehen von schwerer Arbeit, nicht Fleisch noch Kohlen haben sie. Kinder, kein friedsam Heim ist ihnen verliehen; in engen Löchern hausen sie, müssen die Höhlen voll Kummer und Elend noch mit fremden Elendsgenossen teilen. Oh, wem wollte das Herz nicht brechen bei dem Jammer der Armen! Wir dagegen! In die Tausende stiegen die Ein⸗ künfte aus unsern Kohlengruben, fette Dividen⸗ den brachten unsere Aktien, prächtig war die Ernte unserer Gärten und Felder, Roggen und Weizen trugen hundertfältige Frucht. Laßt uns mitteilen von unserm Ueberfluß, solche Opfer gefallen Gott wohl. Also sprechen frommen Sinnes die großen Wohlthäter. Und sie fahren fort:Harten Herzens schilt mau die Reichen. Laßt uns zeigen, daß wir doch nicht harten Herzens sind, daß wir der Armut denken auch in Glück und Glanz. Laßt uns unsere Feste feiern zum Besten der Armen!

Und sie veranstalteten große Bälle und glänzende Bazare, sie spielen Theater und in Konzerten, sie opfern den Schlaf ihrer Nächte und Zeit und Mühe und Geld für die Armen. Und dann lachen die Spötter noch über sie und über ihregroße Barmherzigkeit, dann wagen sie es noch von Egoismus und bloßem Glänzen⸗ wollen zu reden. Ach, es sind böse Menschen, die Spötter! Ja wohl, schändliche Menschen sind es, sie begeifern alles Edle und Erhabene und ziehen auch das Reinste in den Staub. Das liegt aber eben nur daran, daß sie so furchtbar unwissend sind; sie verstehen gar nichts, sie haben gar keine Idee, welche unendlichen Opfer die großen Wohlthäter mit ihren Festen den Armen bringen. a

Man überlege doch einmal; solch ein Ball, was macht es schon bloß für Mühe und Arbeit, solch einen Wohlthätigkeitsball zu veranstalten. Zuerst die Komiteesitzungen; wenigstens ein halbdutzendmal trifft man sich bei Kaffee und Kuchen oder bei einem Glase Wein, um über alleArrangements zu beraten. Es ist wirk⸗ lich schwierig, diesBeraten. Die Meinungen 120 so sehr auseinander. Der Eine will ies, der Andere das. Der Eine spekuliert auf

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