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lagen im Jahre 1900 46 Streitfälle vor; 4 Klagen beitern aus. wurden durch Vergleich oder Verzicht erledigt,
fanden durch andere Endurteile ihre Erledigung.
Zwangsinnung für das Schmiedehandwerk bis
aus dem Butzbacher Gefängnis entlassen werden.
Nr. 10.
Mittoldeutsche Sountags⸗Zeitung.
Seite 5.
— Dem Gewerbegericht Wetzlar
gingen von Unternehmern, 42 von Ar⸗ Die meisten Streitsachen— 27—
in 17 ergingen Versäumnisurteile und nur zwei
— Zwangsinnung für Schmiede. Laut amtlicher Bekanntmachung findet die Ab⸗ stimmung über den Antrag auf Errichtung einer
zum 15. März bei dem Landratsamt statt. Die Erklärungen für oder gegen können dort mündlich oder schriftlich angebracht werden.— Wenn die Meister von Hammer und Ambos die Erfahrungen, die ehrsame Zünftler an anderen Orten mit der Zwangsinnung machten, beher— zigen, so müssen sie gegen eine Einrichtung stimmen, die ihnen nur Geld kostet und nicht das Geringste nützt.
— Ertrunken. Am Sonntag ertrank der Knabe Ludwig Schmelz in der hochgehen⸗ den Lahn. Er vergnügte sich in Gesellschaft eines Schulkameraden damit, auf dem Wasser herumzufahren, als das Fahrzeug in die Strö⸗ mung geriet. Die Jungen bekamen Angst und sprangen beide ins Wasser, um so das Ufer zu gewinnen. Das gelang leider nur dem einen, während der Genannte bedauerlicherweise den Tod in den Fluten fand.
Der neue bayrische Hiesel.
Seit einiger Zeit trieb in Oberbayern ein Unhold namens Kneißl sein Wesen, dessen Sündenkonto schon mit mehreren Raubmorden, Diebstählen und einer Anzahl sonstigen Ver⸗ brechen belastet ist. Trotzdem eine ganze Kom⸗ pagnie Gendarmen aus München zu seiner Er⸗ greifung auszog, wollte es nicht gelingen, seiner habhaft zu werden. Bauern gewährten ihm Unterkunft und Versteck. Schließlich zog man die Münchener Schutzleute zurück und überließ den Fahndungsdienst den je nach Be⸗ darf verstärkten Gendarmerieposten. Im Pub⸗ likum ri man über die erfolglose Jagd auf den Räuber allerhand Witze. Jetzt endlich hat man ihn erwischt. Am Dienstag wurde er in Geißenhofen, etwa 25 Km. von München gefangen, nachdem man vorher das Haus, in dem er sich versteckt hielt, mit einem Heer von Gendarmen umzingelt, eine halbe Stunde lang beschossen und schließlich gestürmt hatte. Kneißl war schwer verletzt und wurde zunächst nach München in das Spital verbracht.
Kleine Mitteilungen.
* Bergarbeiter verunglückt. Wieder hat ein Bergmann sein Leben bei der Arbeit lassen müssen. Vorigen Donnerstag wurde der auf der Grube Prinzkessel beschäftigte Bergmann Greeb von Frohnhausen durch herabfallendes Gestein getötet. Zwei seiner Kameraden konnten sich rechtzeitig retten.
* Durch schlagende Wetter verun⸗ glückten auf der Zeche„Consolidation“ 20 Bergleute. 10 davon sind todt, die übrigen meistens schwer verletzt.
15 Durchgebrannt? In Bad Nau⸗ heim wird erzählt, daß der Direktor der Fa⸗ brik säure⸗ und feuerfester Produkte zu Bad Nauheim und Wirges(Westerwald) nach Ver⸗ übung einer größeren Defraudation das Weite gesucht habe. Auch eine Verhaftung soll bereits vorgenommen sein.
** Bubenstreich. Ein Junge in Bleichen— bach warf thörichterweise eine Katze einem Mäd⸗ chen ins Gesicht. Natürlich versuchte die Katze sich fenzukrallen, wobei das Mädchen erheblich verletzt wurde. f
** Begnadigung. Dem wegen des großen Bootsunglücks in Bingen zu einem Jahre Ge⸗ fängnis verurteilten Schiffer Hauck wurde der Rest der Strafe erlassen. Er wird am 18. März
* Preßsün der. Unser Genosse Zielowski, Redakteur der Frankfurter Volks⸗ stimme erhielt schon wieder 3 Wochen Gefäng⸗ nis zudiktiert. Zu dieser Strafe verurteilte
dase des Vorsitzenden der dortigen Ortskranken⸗ kasse.
** Gegen die Erhöhung der Ge— treidezölle protestierten in Frankfurt am Mittwoch Abend elf stark besuchte Versamm⸗ lungen.
* Eisenbahn⸗Unfall. Am Dienstag entgleiste der Mittags 1.43 von Frankfurt ab⸗ gelassene Schnellzug im Mainzer Eisenbahn⸗ tunnel. Die Reisenden kamen mit den bloßen Schrecken, der allerdings nicht gering war, davon.
Ein ungetreuer Bankier. Das Schwur⸗ gericht in Dessau verurteilte den Bankier Emil Cohn, Mitinhaber und Chef des im Jannar 1900 in Konkurs geratenen Bankhauses Cohn und Kunze, wegen fortgesetzter schwerer Depotunterschlagung, fortgesetzten Vergehens gegen das Depotgesetz, fortgesetzten Betruges und Bankerotts zu 7 Jahren Zuchthaus, seinen Kompagnon, Kaufmann Franz Kunze, wegeu Bankerotts zu 1 Monat Gefängnis.
Aus dem Wahlkreis Marburg⸗ Kirchhain.
St. Marburg, März 1901.
— Parteiversammlung. Am nächsten Samstag, den 16. d. Mts., abends 9 Uhr, findet im Lokale von D. Jesberg hier eine öffentliche Parteiversammlung statt, in welcher Gen. Vetters einen Vortrag halten wird. Außerdem findet Abrechnung der Kolportage⸗ kommission sowie Neuwahl zu derselben statt. Auch über die diesjährige Maifeier soll Be⸗ schluß gefaßt werden. Da mit dieser Ver⸗ sammluug zugleich die Gedächtnisfeier an die Märztage von 1848 verbunden ist, so ist das Erscheinen aller Genossen dringend er— wünscht.
— Kommunales. Aus der Montags⸗ sitzung der hiesigen Stadtverordneten ist hervor— zuheben, daß der in voriger Nr. d. Ztg. schon erwähnte Punkt über die vom Stadtbaumeister beantragte„Entschädigung für Benutzung seines eigenen Fahrrades im Dienste der Stadt“ mit der Motivierung abgelehnt wurde, daß, wenn der Baumeister ein Fahrrad für seinen Dienst nötig habe, er eine Eingabe um Bewilligung eines solchen machen könne; man werde dann den Fall prüfen und darüber beschließen.— Die städt. Nachtwächter bleiben vorläufig weiter im Dienst, da der Re⸗ gierungspräsident seine Einwilligung hierzu bis auf weiteres gegeben hat. Da der jetzige Lohn der Nachtwächter als zu niedrig befunden wurde, so hat der Magistrat eine Erhöhung desselben beschlossen, was genehmigt wurde.(Wenn die Herren im Magistrat selbst eine Lohnerhöhung für angebracht gehalten haben, so muß dieselbe wirklich sehr nötig sein und ist den Nachtwächtern von Herzen zu gönnen. Hoffentlich fällt dieselbe nicht zu gering aus. D. R.)— Eine Erhöhung der Gemeindeabgaben steht auch wieder einmal in Aussicht, wie es heißt auf 115 Proz. Den geringer Bemittelten, namentlich den Ar⸗ beitern, fällt es bei der allgemeinen Teuerung natürlich am schwersten, die Steuern aufzu⸗ bringen, es ist daher hohe Zeit, daß sich die⸗ selben mehr wie seither um die öffentlichen kommunalen Angelegenheiten bekümmern und an den nächsten Stadtverordnetenwahlen sich mit eigenen Kandidaten beteiligen.
— Schwur ger icht. Die Ehefrau Weichel aus Biedenkopf, welche sich in der Montagsverhandlung des Schwurgerichts wegen Meineids zu verantworten hatte, wurde zu 1½ Jahren Zuchthaus verurteilt.— Am Dienstag wurde unter Ausschluß ver Oeffent⸗ lichkeit gegen die ledige Dienstnagd Katharina Rink aus Hartenrod, wegen Kindsmord verhandelt. Dieselbe wurde zu 8 Moncten Gefängnis verurteilt.— In der Mittwoch⸗ situng wurde der Kürschner Merkel aus Kassel wegen Urkundenfälschung und Betrug zu /, Jahren Zuchthaus und Aberkennung der der bürgerl. Errenrechie auf die Dauer von 5 Jahren verurleilt. f
— Vergiftet? Die Ehefrau eines
ihn das Schöffeugericht⸗Vilbel wegen Veleidi—
hiesigen Einwohners nahm vorize Woche ein
ihr von einer Freundin empfohlenes ärztlich verschriebenes Mittel gegen Bandwurm ein. Die Dosis war aber zu stark und verfiel die Frau in Starrkrampf, aus dem sie durch den Tod am Samatag erlöst wurde. Die auf Dienstag angesetzte Beerdigung mußte aber auf Weisung der Staatsanwaltschaft um einen Tag verschoben werden, da die Leiche erst sezirt wurde, wobei festgestellt worden sein soll, daß in dem Arzneimittel zu viel Giftstoff enthalten gewesen ist. Die Angelegenheit dürfte also noch ein gerichtliches Nachspiel haben.
Arbeiterbewegung.
Die Maurer in Mainz sind in eine Lohnbewegung eingetreten. In einem Schreiben an die Unternehmer fordern sie einen Stunden⸗ lohn von 48 Pfg. statt des bisherigen von 45 Pfg.
Die Schneider in Mainz beschlossen, am Montag Abend in zahlreich besuchter Ver⸗ sammlung eine 20 prozentige Lohnerhöhung zu fordern, die auf die Dauer von 2 Jahren fest⸗ gelegt werden soll.
T Die Frankfurter Damenschneider fordern einen wöchentlichen Minimallohn von 24 Mk., für Ueberstunden 85 Pfg., Mk. 1.20 für Nachtarbeit. Ein Teil Geschäfte hat be⸗ reits bewilligt; in denjenigen, die nächste Woche den Tarif nicht anerkennen, soll die Arbeit eingestellt werden.
Versammlu ngs⸗Kalender.
Samstag, den 9. März.
Gießen. Holzarbeiter. Abends 9 Uhr Versamm⸗ lung bei Löb„Wiener Hof“.
Gießen. Metallarbeiter. sammlung bei Orbig.
Sonntag, den 10. März.
Trohe. Oeffentliche Volks versammlung Nachmittags 4 Uhr bei Wirt Konr. Volk. Tages⸗ ordnung:„Der nächste Raubzug auf die Taschen des Volkes“. Ref.: Vetter s.
—
Abends 9 Uhr Ver⸗
——.—
Quittungen.
Zur Parteikasse gingen bei uns ein von: W. R. in Hachenburg 1 Zum Liebknechtdenkmal:
Mk. 3.—
Von den roten M. u. M.⸗Brüdern„ 2.— Uugenam;;; „—.50
sämtlich in Hachenburg. Der Vertrauensmann:
A. Bock. Kft.⸗Wmr. Mk. 7.40. L.⸗Tr. Mk. 1.60. W.⸗Lbch. Mk. 7.60. Sch.⸗Stbg. Mk. 15.60. Ly.⸗G. Mk. 8.—.
Kl.⸗Afd. Mk. 20.—. R.⸗Ochm. Mk. 26.20. Op.⸗Dbgn. Mk. 18.80. Fth.⸗Wtzlr. Mk. 59.—. Fftr.⸗Fdbg. Mk. 20.—. E.⸗Dhm. Mk. 4.40. Mhl.⸗G. Mk. 25.20. Kbch.⸗Wek. Mk. 30.40. Sch.⸗H. Mk 9.20. Pf.⸗Wtzb. Mk. 3.—. Sch. ⸗Fllgh. Mk. 1.40. Tg.⸗G. Mk.—.40. Ly.⸗G. M. 3.—. Kch.⸗Afd. Mk. 44.—. Ggr.⸗Mbg. Mk. 28.40. Fy.⸗Gbtch. Mk. 2.40. Kl.⸗Lgnbghm. Mk. 2.40. Sg.⸗Hchst. Mk. 2.80. Kgr.⸗G. Mk. 38.40. Schfr.⸗Gbck. Mk. 4.60. Fbch.⸗Otbg. Mk. 4.80. Ly.⸗G. Mk. 19.—. Oby.⸗G. Mk. 6 80. Bckg.⸗Afd. Mk. 10.—. Safrd.⸗Abck. Mk. 8.—. Mtr.⸗Ww. Lbch. Mk. 2.—. Z.⸗Noͤh. Mk. 5.—. Ptr'⸗Gßl. Mk. 5.—. Schw.⸗Ndm. Mk. 1.50. K.⸗O.⸗Woͤdhm. Mk. 1.40.
Marktberichte. Auf dem Fruchtmarkte in Limburg kostete am 6. März durchschnittlich das Malter: Roter Weizen Mk. 13,35, weißer Weizen Mt. 13,30, Korn Mk. 10,74, Gerste Mk. 8,80, Hafer Mk. 6,68.
FFC òðiU Glessener Kaditheater.
Sountag, den 10. März 1901.
Die Schmetterlingsschlacht. Komödie in 4 Akten von Hermann Sudermann. Montag, den 11. März. Gastspiel von Irene Triesch (Theatervereinsvorstellung.) Maria Magdalena. Mittwoch, den 13. März Volkstümliche Vorstellung: Unsere Don Juaus. Operettenposse in 4 Akten von Treptow. Freitag, den 15. März zum Benefiz für Marie Eichenwald:
Der jüngste Teutnant. Posse in 4 Akten von Lehnhardt.


