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Nr. 40.
Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung.
Seite 7.
anstalt, welche die Liebe früher oder später tödtete und die sogenannte Treue zur Heuchelei machte.
Was einzig uud allein sein Behagen störte, war der Umstand, daß das Fräulein sich nach beendetem Nachtessen mit den Kindern regel⸗ mäßig zurückzog, um sich nicht wieder sehen zu lassen. Wenn er allein auf seinem Stuhle sitzen blieb, wehte es ihn plötzlich wie eine kühle Luft an. Er fühlte sich mißgestimmt und unbe⸗ friedigt. Seufzend suchte er dann sein Arbeits- zimmer auf, oder er griff nach seinem Hute und ging aus, trieb sich in den Theatern, im Zirkus, in den überfüllten Lokalen umher, ohne Freude daran zu finden und saß oft bis spät in die Nacht in irgend einem Weinhause hinter der Flasche.
War es nicht Prüderie von Helma, das Alleinsein mit ihm zu vermeiden, oder wartete sie nur auf seine Aufforderung, wiederzukommen und den Abend mit ihm zu verbringen? Eine Anspielung hierauf hatte jedoch nicht den ge⸗ wünschten Erfolg. Der einzige Weg, sie des Abends festzuhalten, schien ihm der, einigen Um⸗ gang ins Haus zu ziehen, und so kam ihm die devorstehende Vermählung seines Freundes und neugewonnenen Mitarbeiters gerade gelegen.
(Fortsetzung folgt.)
Die Elektrotechnik auf der Pariser Weltausstellung. (Schluß.)
Verwöhnt durch die ungeheueren Vortheile, die ihnen die Entfaltung der modernen Technik bietet, verwirrt durch die Fülle des Neuen, das ihnen fast jeder Tag bringt, haben die Menschen von heute den Blick für die Einzelheiten und den Vergleichsmaßstab ein wenig verloren; sie staunen wohl die großen Maschinen an, wissen aber kaum, daß auch bei ihrem Bau das Gesetz gilt, wonach gewisse Quantitätsveränderungen bei bestimmten Punkten zu Qualitätsverände⸗ rungen werden; Dynamos von 4500 Pferde⸗ kräften sind eigentlich ganz etwas anderes— wenn auch im Prinzip natürlich gleich— wie solche von 45 Pferdekräften, weßhalb denn auch ein genauer Kenner der Elektrotechnik mit Recht sagt, daß die Vergrößerung der Dimensionen von Stromerzeugern leichter gesagt als gethan sei,„denn durch einfache Verlängerung des Radius wird wohl der Kreis, die Umlaufsge⸗ schwindigkeit, die Maße größer, aber damit noch nicht die Spannung, die Energie; und die Er⸗ höhung der Spannung erfordert wieder erneute Berechnung der Maschineneintheilung, denn die hohe Spannung erfordert bessere Isolation, breitere Querschnitte: so ist jeder Schritt weiter in der Vergrößerung der Maschine nur möglich auf Grund sorgfältigster Berechnungen und Ex⸗ perimente.“
Die Lösung des zweiten Grundproblems der Elektrotechnik, die Stromübertragung, ist ver⸗ hältnißmäßig sehr jungen Datums: erst im Jahre 1882 machte auf der elektrischen Aus⸗ stellung in München ein Franzose, Marcel Deprez, die ersten noch mißlungenen Versuche damit; aber schon 1891 verwendete man auf der bedeutenden elektrischen Ausstellung in Frankfurt a. M. elektrischen Strom, den man
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Gesang⸗Oerein Giessen.
Sonntag, den 13. Oktober, Abends 8 Uhr,
Feier des
28. Sliftungsfestes, Suberwaren.
verbunden mit Theater, Konzert und Tanz, wozu Der Vorstand.
; 5 e a 0 20 Mk. tägl. Nebenverdienst Karten im Vorverkauf(bei den Herren Buchhändler 1 75 18 leicht 11 1 0 510 der„D. Feuer- Vers.-Aktien-Ges, zu Berlin“
freundlichst einladet
„Eintrach
175 Kilometer weit von Laufen am Neckar herbeigeleitet hatte: den Ingenieuren Brown und Dolivo-Debrowski war das Unternehmen gelungen. Seither hat man auf diesem Gebiete gewaltige Fortschritte gemacht, und die Zeit ist nicht fern, wo man die Kraft der Wildbäche im Gebirge den industriellen und häuslichen Bedürfnissen weitabwohnender Thalmenschen dienstbar machen kann und wird.
Am interessantesten für den Laien, weil ihn am nächsten berührend, sind die Verwendungs- arten der elektrischen Energie. Darunter sind zwei besonders wichtig für unser tägliches Leben: die Lokomotion durch elektrische Kraft und die elektrische Beleuchtung. 1879 die ersten Edi⸗ son'schen Glühlampen auf dem Dampfer „Columbia“; 1900 elektrisches Licht in den Kuhställen von Bauern kleiner Dörfer; 1879 die kleine elektrische Versuchsbahn Siemens und Halskes zwischen Berlin und Lichterfelde, 1899 elektrische Bahnen in 77 deutschen Städten mit 2000 Kilometern Geleislänge; dazu Tesla' sches Licht, Röntgen'sche Strahlen und— Nernst'sche Lampen, die große Sehenswürdigkeit im elek⸗ trischen Pavillon der Weltausstellung. Professor Nernst in Göttingen hat die schon von Jabloch⸗ kow festgestellte Thatsache, daß gewisse Stoffe bei hoher Temperatur den elektrischen Strom leiten und in glühendem Zustande die Fähig⸗ keit der Ausstrahlung großer Lichtmengen be⸗ sitzen, zur Konstruktion einer neuen elektrischen Glühlampe benutzt. Ihr Vortheil vor den bis⸗ herigen besteht darin, daß sie keines luftleeren und empfindlichen Glasgehäuses bedarf, sondern auch nur die halbe Energie wie eine Edison'sche Glühlampe verbraucht. Welches ihre Zukunft sein wird, das wollen wir nicht peophezeihen, Aufsehen erregt sie jedenfalls genug.
Aber unvergleichlich mehr bewundert werden doch die cyklopischen Riesenmaschinen. Siemens und Halske in Berlin, Schuckert u. Ko. in Nürnberg, Lahmeyer u. Ko. in Frankfurt, Helios in Köln ragen im Bau von Dynamos, Maschinenfabrik Augsburg⸗Nürnberg, Borsig in Berlin durch den von dazugehörigen Dampf⸗ maschinen hervor. Die ausländische Konkurrenz, weder die schweizerische und französische, noch die englisch-amerikanische, kann ihnen in ihren Er⸗ zeugnissen gleichkommen, obschon auch sie über vorzügliche Maschinen verfügen. Ein gründ⸗ licher Sachkenner, von dem ein vorurtheilsloses Urtheil zu erwarten stand, sagte, daß die deutschen elektrischen Maschinen selbst bei gleichem Nutz⸗ effett der ausländischen gewöhnlich in irgend einer Ecke eine Ueberlegenheit der deutschen Elektrotechnik auf praktischem oder theoretischem Gebiete erkennen ließen.
Sprüche zur Lebensweisheit.
Es ist eben nicht etwas Seltenes, daß Einer seine Ehre für ein Ehrenzeichen verkauft. *
Der Siege göttlichstes ist das Vergeben. (Schiller, Braut.)
* Populär. Niemals nur in Kunst und Leben Schlechtem, Halbem Raum gegeben! Populär darf der nur heißen, Der zu seinen Höhn kann reißen.
“D. Kaminka
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Wer sich mit Branntwein sättigen muß, Hat seinen Hunger nicht vertrieben: Zum Teufel geht der Spiritus, Dieweil sein Appetit geblieben!
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Das wichtigste Degenerationszeichen einer Klasse ist das Zurückgreifen zu alten, werthlos gewordenen Geistes⸗ gebieten: Religiosität, Romantik, atavistische Moral u. s. w. Der kranke Geist hat das Verständniß für den Werth seiner Waffen verloren und greift zu den un⸗ brauchbarsten im Kampfe um seine Existenz, Waffen, die ihm aber gleichwohl die eigene scheinbare Beruhigung wiedergeben können. Eine untergehende Klasse sucht sich eben mit allen Mitteln gegen das Andringen neuer, stärkerer Klassen zu schützen. Aber gerade an der sinnlosen Wahl ihrer Schutzmittel erkennt man ihren Untergang.
Gemeinnütziges.
„Bei der Fütterug der Kanarien⸗ vögel achte man vor allen Dingen darauf, daß im ganzen Käfig, so ganz besonders in den Futter⸗ und Saufnäpfen, stets peinlichste Sauber⸗ keit herrscht. Beide Gefäße müssen täglich ein⸗ mal gründlich gereinigt werden. Das Futter sollte man niemals gemischt geben. Dadurch verleitet man die Vögel dazu, sich nur die ihnen am besten schmeckenden Sorten herauszusuchen und das Uebrige aus dem Napf herauszuwerfen, d. h. man erzieht sich einen Futtervergeuder. Mit der Verfütterung von Grünem sollte man recht vorsichtig zu Werke gehen; Obst darf nicht regelmäßig, sondern nur in Unterbrechung und auch dann nur ganz wenig gefüttert werden. Zucker aber lasse man ganz fort, denn derselbe erzeugt leicht Magensäure und ernstliche Darm⸗ krankheiten.
Vergiftung des Geflügels durch Kochsalz. So wohlthätig geringe Gaben Kocksalz, namentlich als Zusatz für das Weich⸗ futter der Hühner, Gäase und Enten sind, so können doch 16—30 Gramm ein starkes Huhn, wenn es dieses Quantum auf einmal verzehrt hat, innerhalb 8—12 Stunden tödten.
Neu eingelaufene Schriften.
Im Verlag von J. H. W. Dietz Nachf. ist soeben ein neues, bochinteressantes Werk über Rußland er⸗ schienen unter dem Titel: Das hungernde Rußland. Reiseeindrücke, Beobachtungen und Untersuchungen von Dr. C. Lehmann und Par vus.
Aus dem Prospelt theilen wir Nachstehendes mit:
Die im Jahre 1898 stattgehabte Hungersnoth in Rußland, die auch im Jahre 1899 ihre Fortsetzung fand und chronisch zu werden droht, veranlaßte den Arzt Dr. C. Lehmann in München und Parvus, einen ge⸗ borenen Russen, der auf schweizerischen Universitäten seine wissenschaftliche Bildung erlangt und in weiteren Kreisen Deutschlands sich einen Namen erworben hat, im Jahre 1899 eine Forschungsreise durch das Hungergebiet zu machen.
Die Ergebnisse dieser Reise sind in dem nunmehr vorliegenden Werke niedergelegt. Das Studium des- selben dürfte für alle Ethnologen, Soziologen, Statistiker, Finanzleute, Nationalökonomen, Aerzte und Andere von großem Interesse sein; die ungeschminkte, gerade Sprech⸗ weise der beiden Autoren wird sicher bei Jedem einen tiefen Eindruck hinterlassen— in der Darstellung er⸗ gänzen sich Arzt und Nationalökonom.
„Das reich illustrirte Werk umfaßt 34 Bogen. Die Ausstattung ist eine gediegene Der Preis für das komplette Werk beträgt broschirt Mk. 6.—, in englischer Leinwand gebunden Mk. 7.50.
Gleichzeitig ist eine Lieferungsausgabe ver⸗ anstaltet worden, die in 16 Heften A 40 Pfg. komplett vorliegen wird. Alle 14 Tage erscheint ein Heft.
Sämmtliche Buchhandlungen und Kolporteure nehmen Bestellungen entgegen.
Oeffentliche Parteiversammlung
Dieustag, den 2. Oktober, Abends 8½ Uhr im Lokale des Genossen Orbig, Rittergasse. Tagesordnung: Berichterstattung vom Parteitage in Mainz. Um zahlreiches und pünktliches Erscheinen ersucht
Der Vertrauensmann.
Marburg.
Den Genossen von hier und Umgegend zur Nachricht, daß ich vom 1. Oktober d. J. ab eine
Agenfur
Schneider, Sonnenstraße, Gastwirth Orbig, Ritter⸗ Anfrage an Industriewerke Übernommen habe und empfehle mich zum Abschluß von Feuer-Ver⸗
gasse, und bei den Mitgliedern) 75 Pf. Abends an der] Rossbach in Wolfstein Nr 1. sicherungen jeder Art.
Kasse Mk. 1.—
(Rückmarke beifügen).
Hochachtungsvoll H. Stumpf, Univ.⸗Str. 15.
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