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Nr. 35.
Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung.
Seite 3.
pflichtigen genau zu kontrollieren!
Strafen von 30 000 und 25000 Mk. verhängt, weil ihre Steuerabgaben entsprechend hinter der Wirkl ichkeit zurückgeblieben waren.
Ein höherer Kommunal-Beamter hatte sein Einkommen aus Kapitalvermögen auf 600 Mk. angegeben; thatsächlich war das Ein⸗ kommen sechsmal so groß. Nach seinem Tode ist die Nachsteuer eingezogen.
Ein Rentner, welcher sein Einkommen aus Kapitalvermögen auf 14 200 bezw. 19 500 Mk. angegeben hatte, während es sich auf 65 314 bezw. 75 905 Mk. bezifferte, wurde zu einer Geldstrafe von 17240 Mk. verurteilt.
Einem hochangesehenen Fabrikanten,
welcher sich zuerst„mit Entrüstung“ gegen
jede Beanstandung seiner Steuerdeklaration ge— wehrt hatte, wurde nachgewiesen, daß er in drei Steuerjahren nicht, wie von ihm angegeben, 142 000, sondern 197000 Mk. Einkommen ge⸗ habt hatte. Er zahlte 20 800 Mk. Strafe.
Ein hochangesehener Weinhändler, welcher voller Entrüstung gegen die An⸗ zweiflung seiner Steuerangaben protestiert hatte, hat letztere mit Bewußtsein und Vor⸗ bedacht abweichend von den Bilanzen gemacht. Er hatte für sechs Jahre zusammen 590 000 Mk. deklariert, während sein wirkliches Einkommen über eine Million betragen hatte. Gegen den Kontravenienten sind zusammen 130 000 Mk. an Strafen sestgesetzt worden.
Die Erben eines Bankdirektors, welcher mehrere Jahre hindurch je 140 000 Mk. zu wenig deklariert hatte, mußten 33035 Mk. Nach⸗ ste uer zahlen.
Die Ricktigkeit dieser Angaben ist unbestreit⸗ bar, sie sind von der Berliner Korresp. den Mitteilungen der Verwaltung der direkten Steuern in Preußen entnommen. Es sind nur einige wenige Beispiele der Fälle, wo es möglich war, die Steuerhinterziehung aufzudecken und nach⸗ zuweisen! Viel zahlreicher sind sicher die Fälle, die aus irgend einem Grunde nicht zur Kenntnis der Behörden gelangen oder letztere nicht wagen, irgend einen mächtigen, einflußreichen Steuer⸗ Für das Steuerjahr 1900 hatten nach der Berl. Korresp. bei einer einzigen Unterkommission einer Veran⸗ lagungskommissson 22 Zensiten ihr Einkommen um 1882 291 Mark zu geri ig angegeben.— So prellt das Unternehmertum, betrügen die „Leute von Bildung und Besitz“ den Staat um die Steuern! Es sind dieselben Gesellschafts— kreise, deren Patriotismus. Opferwillig⸗ keit und wer weiß was noch für schöne Tugenden in Kreisblättern, wie der„Wetzlarer Anzeiger“ tagtäglich in den Himmel gehoben wird.
Noble Leute, diese hochangesehenen schwer⸗ reichen Fabrikanten, Weinhändler, Altienbesitzer usw. Wie werden sie am Biertisch ost über die unpatriotischen Arbeiter herziehen, sie, die bereit sind, alles fürs Vaterland zu opfern— nur ihr Geld und Leben nicht. Diese Herren finden gar nichts darin, wenn die von der Hand in den Mund lebenden Arbeiter, um der Schwindeleien der Besitzenden willen, höhere Kommunalsteuern zahlen müssen. Sie können sich auf ein edles Beispiel berufen, auf den Kommerzienrat Baare zu Bochum, Mitglied des Staatsrats, gefeierte Stütze der Ordnung und Sittlichkeit. Und was der konnte, das kennen sie auch.
Seltene Unternehmer⸗Einsicht.
Treten in Deutschland Unternehmer zu irgend einem„Tage“ zusammen, so kann man
sicher sein, daß in Bezug auf soziale Fragen
und die Arbeiterbewegung die rückständigsten Ansichten geäußert und von Herrschsucht, Un⸗ wissenheit und Profitgier diltierte Beschlüsse ge— faßt werden. Um so wohlthuender wirkt es, wenn auf einer Industriellen⸗Versammlung— nicht in Deutschland— ungewöhnlich fort⸗ geschrittene Anschauungen ausgesprochen wurden. In Kopenhagen, wo Arbeitgeber aus Däne⸗ mark, Schweden und Norwegen Beratung pflegten, führte zum Beispiel Bostrup, Vorsitzender des dänischen Handwerks- und Industrievereins, aus, daß die Zwangsinnungen, die in den Jahren 1870 bis 1890 die Hauptrettungsidee waren, überflüssig geworden sind, da das„Handwerk“
faft völlig verschwunden sei und an dessen Stelle die„Industrie“ getreten, die sich, um lebensfähig zu sein, zur Großindustrie entwickeln müsse.
Ferner wurde die Berechtigung der Gewerk- schaftsbewegung anerkannt durch den Referenten Axel Meyer. Anfangs hätten sie dagegen Wider- willen gehabt, aber nun seien sie einverstanden. Ein anderer Redner betonte, daß das Steigen des Arbeitslohnes einen Kulturfort— schritt bedeute und keineswegs ein Hemmschuh für die Entwickelung der Industrie sei, sondern sie vielmehr fördere.
Auch die Frage der geistigen und technischen Ausbildung wurde vom modernen Standpunkte behandelt. Man forderte eine naturwissenschaft⸗ liche Grundlage, eine Schule des Lichts für die Industriebevölkerung und erklärte das Handwerker— Lehrlingswesen für überlebt, an dessen Stelle müßten Handwerks- und Industrieschulen treten, und wenn man Lehrlinge halten wollte, könne man keine ordentliche Arbeit von ihnen verlangen, wenn sie nicht ordentlichen Lohn bekämen.
Deutsches Unternehmertum wird sich nie zu solchen vernünftigen Gedanken aufschwingen.
Enttäuschte Wähler.
Bei der Ersatzwahl in Mülhausen i. E. ließ sich auch ein Teil der Arbeiter für den Mischmaschkandidaten, Garnzöllner und Groß— fabrikanten Schlumberger einfangen. Sehr zu ihren Schaden. Man hatte den Leuten für den Fall der Wahl Schlumbergers höhere Löhne versprochen, und nun mußten sie es er⸗ leben, wie unmittelbar nach der Wahl in der Müll äuser Wollindustrie eine erhebliche Pro- duktionseinschränkung eintrat, die für zahlreiche Arbeiter einen Lohnausfall von 5 bis zu 10 Mark in 14 Tagen bedeutet. Die Ende September auch im Mülhäuser Kreise vorzu⸗ nehmenden Bezirkstagswahlen werden zeigen, daß die Arbeiterschaft aus der Wahl vom 5. Juli ihre Lehre gezogen hat und nicht gewillt ist, sich zum zweiten Mal vor den Wagen der kapitalistischen Ausbeuterinteressen spannen zu lassen. Hoffentlich wird sie durch Schaden klug.
Hessischer Finanzminister und die Antisemiten.
Herr Gnauth, der neue hessische Finanzmi— nister hat, wie es scheint, weder bei der Pfaffen⸗ partei noch bei den Judenfressern viel Freunde. Und zwar weil er religionslos ist. Den Antisemiten liegt besonders ein Brief im Magen, den Herr Gnauch im Jahre 1890 als Kreis— ingenieur an seine Kollegen gerichtet und worin er dieselben aufgefordert habe, bei den Wahlen rücksichtslos gegen die Antisemiten aufzutreten. „Sollte der neue Herr Finanzminister diese Ten⸗ denz in Darmstadt fortsetzen wollen“ droht die Staatsbürgerzeitung, so sitzen Leute im hessischen Landtag, wie die Herren Wolf, Köhler und Bähr, die ihm, wenn nöthig, auch mit„rücksichts⸗ loser Schärfe“ dienen können.
Wir bezweifeln, daß die Wolf, Bär und
Köhler im Stande sind, dem Finanzminister Schrecken einzujagen. Letzterer dürste sich wohl noch des Uiteils erinnern, das im Oktober vor— igen Jahres von der„Köln. Ztg.“ über die Antisemiten im hessischen Landtage gefällt wurde und das auch im Gießener Anzeiger zu— stimmend abgedruckt war:„Die Antisemiten sind unbelehrbar durch Gründe der Ver⸗ nunft und Bildung... unpraktisch, po⸗ litisch ganz unfruchtbar, thöricht par⸗ tikularistisch, vielfach verlacht...“ 1„Auch dem frommen„Reichsboten“ gefällt ein freisinniger religionsloser Mann als Minister nicht, und verdrießlich meint er, man scheine sich Frankreich in Hessen als Vorbild zu nehmen, wo Ingenieure neben Advokaten schon lange die höchsten Regierungsämter einnehmen. Haben etwa Offiziere, Junker und Pfaffen schon mehr Fähigkeit bewiesen, als Ingenieure und Ad⸗ vokaten?
Ausnützung des Attentats von Monza.
Bei Gelegenheit der anläßlich der Ermord— ung des italienischen Königs eingeleiteten„Be⸗ kämpfung des Anarchismus„sucht man in erster Reihe die sozialdemokratische Arbeiterbewegung zu vernichten.“ So wurde aus Hamburg unser
Genosse der italienische Schweizerburger Genosse Giovanni Valär, der seit einiger Zeit an dem Hamburg erscheinenden italienischen Arbeiterblatte„L'Operario Italiano“ mitarbeitete, ohne Angabe von Gründen aus gewiesen. Die bisherige Thätigkeit des Ausgewiesenen trug jedenfalls mehr zur Bekämpfung des Anarchis⸗ mus bei, als es Ausweisungen und Polizeimaß⸗ regeln je vermöchten.
Ausländisches.
Genosse Turati als Verteidiger Breseis.
Der Mörder König Humberts hat den Mai⸗ länder Advokaten Genossen Filippo Turati zu seinem Verteidiger gewählt und gerichtlich ist ihm noch der Advokat Mario Martelli, der Präsident der Mailänder Advokatenkammer, als offizieller Verteidiger bestellt worden. Turati hat die Verteidigung angenommen, nachdem er sich zuvor mit seinen Parteigenossen beraten, und er ist am Montag zum ersten Male zu seinem Klienten in die Zelle geführt worden.
Der Krieg mit China.
Der Vormarsch der Verbündeten auf Peking hat sich glatter vollzogen, als man vorher an⸗ nehmen konnte. Am 15. d. M. wurde Peking angegriffen. Die Verbündeten stießen auf hartnäckigen Widerstand. Abends drangen sie in die Stadt ein und umringten sofort die Ge⸗ sandtschaften, deren Bewohner wohlbe⸗ halten sind. Die Japaner verloren 100, die Chinesen 300 Mann. Ueber weitere Einzelheiten wird dem„Newyork Herald“ berichtet: Die Be⸗ fehlshaber der russischen Truppen rückten vor und besetzten die erste Thür des östlichen Thores am Morgen des 14. August, doch es gelang ihnen nicht, die zweite Thür zu nehmen. Am 14. August um 2 Uhr nachmittags drangen die britischen und amerikanischen Trup⸗ pen in das Thor ein, das sich in der Nähe der Gesandtschaften befindet und trafen dort nur auf schwachen Widerstand. Die Japaner stießen auf ernsteren Widerstand am oberen östlichen Thor. Dort verteidigten sich die Chinesen den ganzen Tag. Um Mitternacht sprengten die Japaner das Thor in die Luft und rückten in die Stadt ein. Viele Chinesen wurden getötet.
Eine weitere Meldung besagt, daß die ver⸗ bündeten Truppen am 17. d. M. in die„heilige Stadt“ von Peking eingedrungen sind.
Der Korrespondent des„Temps“ meldet aus Schanghai, die Kaiserin habe die Flucht ergriffen und 50 Millionen Taels mit sich genommen, sie sei von japanischer Kavallerie um⸗ zingeltt
Vom Waldersee-Rummel.
Nachdem nun Peking eingenommen und die Gesandten befreit sind, fragt man sich, was es denn nun eigentlich mit dem internationalen „Ober⸗General-Feldmarschall“ Graf Waldersee auf sich hat, der eben auf der Fahrt nach China in Italien angekommen ist, nachdem er sich vor⸗ her auf allen Stationen in Deutschland, die sein Zug passierte, anreden, ⸗singen und ⸗hochen ließ. Seine Chinafahrt ist ganz und gar gegenstandslos geworden. Das bei seiner Abreise in Szene ge⸗ setzte Tam⸗Tam trug denn auch den Stempel des Gemachten und Gekünstelten. Ueber diesen Triumphzug vor der Schlacht reißt die aus⸗ sändische Presse mit Recht ihre Witze, der Rummel blamiert Deutschland vor der ganzen Welt! Die „Freisinnige Zeitung“ meint:
Alle vorausgegangenen großen Reden passen ganz und gar nicht mehr auf die gegenwärtigen Verhältnisse. Die noch auf dem Meere schwim⸗ menden deutschen Truppen könnten mindestens zur Hälfte wieder umkehren. Völlig überflüssig ist die in Vorbereitung begriffene Nachsendung einer dritten Brigade. Wenn es nach allem Vorhergegangenen nicht gar zu komisch aus sähe, so würde der neue Oberbefehlshaber Graf Waldersee am richtigsten handeln, wenn er in Genua sich nicht erst einschiffte, sondern nach Deutschland zurückkehrte.


