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Gießen, Sonntag, den 26. August 1900.
7. Jahrg.
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7 Redaktion: Kirchenplatz 11, Schloßgasse.
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Mitteldeutsche
Redaktionsschluf: Donnerstag Nachmittag 4 Uhr⸗
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Ig5⸗Zeitung.
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Abounementspreis:
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Für die Uerbreitung
der Parteipresse zu wirken, ist die erste und hauptsächlichste Pflicht
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1 der Parteigenossen! Dieser Pflicht müssen die Genossen mehr als bisher nachkommen! Arbeiter! Bedenkt, wenn Ihr gegen die
N ökonomische Ausbeutung und politische Unter⸗ zgeri drückung überhaupt antämpfen wollt, müßt Ihr vor allem für Stärkung der besten Waffe in diesem Kampfe, für Eure Presse sorgen! Gerade jetzt wird wiederum bekannt, welche riesigen Mittel die industriellen Beute⸗ politiker zur Verfügung stellen, um durch ihre
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iu Preßkosaken die öffentliche Meinung zu ver⸗ 1 10 fäl chen, unsere Partei und die gesamte Ar⸗ in: beiterbewegung zu verleumden und zu be⸗ schimpfen. Die Antwort der Arbeiter muß Alls. darauf sein: Aus dem Hause mit der
— reaktionären Sudelpresse! Abonniert die
17 Parteipresse, die Mitteld. Sonntags⸗
Zeitung, die seit Jahren die Arbeiterinteressen
ktstr. 9, energisch und nachhaltig verficht! Die Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung
kostet nur 25 Pfennig pro Monat.
er f Wegen Abonnement wende man sich an die
1150 Spediteure oder an unsere Expedition.
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aägener We Mit der vorigen Nummer ist unseren Abon⸗ nenten der Bericht über die parlamen⸗ — äarische Thätigkeit der sozialdemokra⸗ tischen Reichstagsfraktion zugegangen. Wer ne denselben nicht erhalten, wolle Reklamation in der Expedition, Sonnenstraße 25 in Gießen, — anbringen. Diese belehrende Broschüre, welche Hiebe in sehr verständlicher Weise über die gesamte Thätigkeit unserer Partei und ihre Stellung zu genen den einzelnen im Reichstag verhandelten Fragen alk unterrichtet, eignet sich vortrefflich zur Agitation. Wir ersuchen unsere Genossen, dieselbe nicht nur selbst eingehend zu studieren, sondern 26) sie auch an Freunde und Bekannte weiter⸗ 0. Jedermann muß überzeugt werden, 2 a je sozialdemokratische Partei — allein es ist, welche die Sache des werkthätigen 1 Volkes führt, die Interessen der Kleinen energisch * 1 vertritt und diese nach besten Kräften gegen die 1 die an Beutezüge der industriellen und agrarischen Groß⸗ 1 kapitalisten zu schützen sucht.— Der Bericht ist en in unserer Expedition zum Preise von 5 Pfg. 0 einzeln käuflich. 1 9 Redaktion und Expedition e der Mitteldeutschen Sonntags⸗Zeitung. enges EEEPC 60 N 2 5 fen 105 Candes⸗ Konferenz
der Sozialdemokraten Hessens. 1 4 1 Auf Beschluß des Landes-Komitees findet die diesjährige
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der Sozialdemokraten des Großherzog⸗ tums Hessen
in Neu⸗Isenburg Sonntag, 2. September, vormittags 10 Uhr,
im Saale„Zum Darmstädter Hof“ statt. Parteigenossen! Sorgt allerorts dafür,
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Austräger frei ins Haus geliefert monatlich 25 Pfennig. i Durch die Post bezogen vierteljährlich 90 Pfg. Direkt durch] Druckerei,
die Expedition unter Kreuz band vierteljährlich 1 Mark. jeder Landbriefträger entgegen.(P.⸗Z
Bestellungen
daß die Landes⸗Konferenz zahlreich besucht wird. Diskutiert die Tagesordnung und sendet die nötigen Anträge rechtzeitig an den mit⸗ unterzeichneten Genossen Ulrich ein! Mandatsformulare sind bei Karl Orbig in Gießen, Rittergasse, zu haben. Es wird noch besonders darauf hingewiesen, daß niemand ohne vorschriftsmäßiges Mandat zugelassen wird. Das Landes⸗Komitee. C. Ulrich, Vorsitzender J. Orb, Kassierer Gr. Marktstr. 25. Geleitsstr. 14.
Bericht der hessischen Gewerbe ⸗Inspektion für das Jahr 1899.“ II.
Jugendliche Arbeiter von 14— 16 Jahren waren am 30. September des Berichtsjahres 1039 beschäftigt, und zwar 698 junge Burschen und 341 Mädchen, in 265 Fabriken. Das sind weniger als im Vorjahre. Zur Zeit des Vollbetriebes betrug die Zahl der jugendlichen Arbeiter beiderlei Geschlechts jedoch 1302 in 352 Betrieben, also mehr als in Jahre 1898. Im Prozentverhältnis ausgedrückt beträgt die Zahl der gesamten jugendlichen Arbeiter knapp 10% der Erwachsenen. Kinder unter 14 Jahren wurden bei den Revisionen im Sommerhalbjahre 57 in 22 Fabriken angetroffen, am 30. September, dem Zähltermine, waren keine mehr vorhanden. Schulpflichtige Kinder wurden bei den Revisionen in den Fabriken nicht angetroffen. Das ist als eine Besserung gegen frühere Jahre zu verzeichnen, wo öfters solche Kinder in Ziegeleien zum Abtragen und Wenden der Steine verwendet wurden. Mehrfach sind Verstöße gegen die Gewerbeordnung bei Beschäftigung der Kinder unter 14 Jahren vorgekommen. Sieben Zigarrenfabriken und zwei Webereien beschäftigten solche„irrtümlicher Weise“ 10 Stunden, statt der höchstens sechs, die für dieses Alter vor⸗ geschrieben sind. Der Unternehmer einer Woll⸗ spinnerei hatte im Sommer vielfach 2 Mädchen unter 14 Jahren bis zu 10 Stunden beschäftigt; er erklärte, lieber die Strafe bezahlen zu wollen, als durch kürzere Arbeitszeit die Mädchen wieder zu verlieren, die er bei dem„herrschenden Ar⸗ beitermangel“ mit Mühe und Not und nur durch Zahlung einer Prämie bekommen habe. Das ist auch nicht übel und beweist, daß die Strafe für derartige Uebertretungen eine äußerst milde sein muß oder der Mehrwert, welchen die kindliche Arbeitskraft dem Unternehmer liefert, doch nicht so unbedeutend sein kann. Wahrhaftig, schlimm genug, wenn das Unternehmertum nicht einmal die so minimalen Forderungen des gesetzlichen Kinderschutzes erfüllen kann! Viele Arbeitgeber können sich eben noch gar nicht mit dem Gedanken vertraut machen, daß der schrankenlosen Aus⸗ beutung nicht Thür und Thor geöffnet ist. Eine Weberei hatte sogar eine noch nicht 14 jährige Arbeiterin 11 Stunden täglich beschäftigt!— Im ganzen wurden in 63 gewerblichen Anlagen etwa 200 Fälle von Zuwiderhandlungen gegen die Schutzgesetze und Verordnungen betreffend
die Beschäftigung jugendlicher Arbeiter von dem * Siehe Nr. 31 der M. S.⸗Ztg.
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ie Mitteldeutsche Sonntags-Zeitung kostet durch unsere] nehmen alle Austräger in Stadt und Land, die finden in der M. S.⸗Ztg. weiteste Verbreitung. Die 5gespalt. Expedition in Gießen, Sonnenstraße 25, die] Petitzeile oder deren Raum kostet 10 Pfg. Bei mindestens Neuenweg 28, jede Postanstalt und] 4 mal. Bestellung gewähren wir 25%, bei 6mal. Bestellung „K. 4312 a.) 33½%% und bei mindestens 12 mal. Aufgabe 50% Rabatt.
Beamten ermittelt; zur Bestrafung kamen indessen nur zwölf Personen.
Die Notwendigkeit eines Einschreitens gegen gewisse Beschäftigungsarten hat sich bisher nicht ergeben. Der Beamte tritt aber unter ausführ⸗ licher Begründung dafür ein, daß jugendliche Arbeiter speciell aus Ziegeleien, in denen in seinem Bezirk 190 beiderlei Geschlechts beschäftigt wurden, ferngehalten werden. Als Gründe werden angeführt, daß die Arbeit viel zu an⸗ strengend sei, da die jungen Leute, wenn sie auch nur mit dem Abtragen der Steine beschäftigt werden, doch der Thätigkeit eines kräftigen und fleißigen Backsteinmachers kaum folgen können. Auch die in den Ziegeleien übliche Akkordarbeit treibt die Vorarbeiter zu Härten und zur Ueber⸗ tretung zu gesetzlicher Bestimmungen. Die er⸗ laubten 12 Arbeitsstunden seien viel zu lang für die jugendlichen Arbeiter. Der Wunsch des Ge⸗ werbeinspektors geht dahin, daß der weitere Ausbau der sozialen Gesetzgebung auch einmal einen Paragraphen bringen möchte, dessen Wort⸗ laut folgender sei:„Arbeiter unter 16 Jahren und Arbeiterinnen dürfen im Betriebe der(Feld-) Ziegeleien nicht beschäftigt werden.“
Arbeiterinnen waren nach der Zählung amf 30. September 2307 beschäftigt, von denen 918 16-21 Jahre, die übrigen 1389 über 21 Jahre alt waren, sechs davon standen im Alter von über 65 Jahren. Zur Zeit des stärksten Betriebs im Ganzen 1485 erwachsene Arbeite⸗ rinnen in 145 Fabriken beschäftigt. Auf 100 männliche erwachsene Arbeiter kamen im ersteren Falle 28 erwachsene Arbeiterinnen. Von den 2485 Arbeiterinnen waren 731 verheirathet oder verheirathet gewesen. Zuwiderhandlungen gegen die Verordnungen betreffend die Beschäf⸗ tigung von Arbeiterinnen wurden in 23 Anlagen ermittelt; fünf Feldziegeleibesitzer fielen in Strafe, weil die Unterkunftsräume ihrer Arbeiter nicht in Ordnung waren. So verstießen in 3 Fällen die Schlafräume der Arbeiterinnen gegen die guten Sitten. Diese Räume ermangelten be⸗ sonderer, von innen verschließbarer Eingänge. Wie mögen die Boudoirs sonst noch ausgeschaut haben! Die Zahl der in der Cigarrenin⸗ dustrie beschäftigten Arbeiter ist gegen das Vorjahr etwas zurückgegangen. 3 Fabriken mit zusammen 53 Arbeitern sind eingegangen, zwei im Kreise Gießen und eine in Alsfeld. Außer⸗ dem entstanden außerhalb des Bezirks in preu⸗ ßischen Orten einige neue Cigarrenfabriken, was mehrfach Arbeiterinnen veranlaßte, ihre bisherige Arbeit in Gießener Fabriken aufzugeben und in die ihres preußischen Heimatsortes einzutreten. Im ganzen Bezirk arbeiteten 1899 durchschnitt⸗ lich 2500 Personen in Cigarrenfabriken; 24 Fabriken beschäftigten außerdem 123 Arbeite⸗ rinnen mit Heimarbeit. In dieser Branche sind bedeutend mehr Frauen als Männer be⸗ schäftigt; von letzteren wurden nur 570 gezählt, während 1923 weibliche Arbeiter vorhanden waren.
eie 1 Politische Bundschau. Internationaler Sozialisten⸗Kongreß.
Nach der Bekanntmachung des Bureaus für den internationalen Kongreß findet derselbe vom


