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Nr. 9.

Mitteldeutsche Senuntags⸗Zeitung.

Seite 7.

auch dein Vater und deine Mutter schon?“ und da es Philipp verneinte, rief Sie:„Röschen, mache Feuer an, setze Wasser auf, koche einen guten Kaffee für uns Fünfe!“ nahm ihr wollenes Mäntelchen, wickelte sich hinein und ging zum Hause hinaus. 5

Röschen aber vergaß an Philipps Herzen Feuer und Wasser. Sie standen noch in fester Umarmung, als Frau Bittner zurückkam, be⸗ gleitet vom alten Gottlieb und Mutter Käthe. Diese umringten segnend ihre Kinder; Mutter Bittner, wollte sie Kaffee haben, so mußte sie ihn selber kochen. 5 f f

Daß Philipp den Nachtwächterdienst ein⸗ büßte, daß Röschen nach vierzehn Tagen seine Frau ward, daß beide mit ihren Eltern nach Heimleben zogen— das gehört nicht zum Abenteuer der Neujahrsnacht, welches niemand verderblicher ward, als dem Finanzminister Bodenlos. Man hät auch seitdem nicht gehört, daß Prinz Julian ähnliche Geniestreiche ge⸗ macht habe.

Giordano Bruno.

Am Samstag, den 17. Februar, waren es dreihundert Jahre, daß Giordano Bruno, der Philosoph, auf Befehl der sogenaunten heiligen Inquisition als Ketzer in Rom verbrannt wurde. Bruno wurde 1548 in Nola geboren und trat, nachdem er seine ersten Studien voll⸗ endet hatte, in den Dominikanerorden. Bald aber lernte er die ganze Hohlheit des Mönchs⸗ wesens kennen und entfloh nach Genf, wo er aber ebenfalls mit den verbissenen Kalvinern, diesen Jesuiten unter den Protestanten, in Streit geriet. Hierauf ging er nach Paris, wo er von 1580 bis 1586 lehrte, und dann zog es ihn nach der Hohen Schule von Witten⸗ berg, an welcher er zwei Jahre lang Vorträge hielt. 1592 kehrte er zu seinem Unglück nach Italien zurück, wo die Schergen des Papstes und der Inquisition schon längst auf ihn lauerten. Bruno hatte gelehrt, daß das Weltall Gott selbst sei. Diese pantheistische„Irrlehre“, die zahlreiche Anhänger fand, mußte mit Feuer und Schwert vertilgt werden. Roms Gewaltiger und seine Untertyrannen ergriffen den Lehrer und schleppten ihn zum Holzstoß, den sie im Namen Gottes entzündeten und auf welchem sie Bruno„nach damaliger Sitte“ verbrannten und dann seine Asche in den Tiber warfen, damit nichts bleiben solle von der abscheulichen Irrlehre des abgefallenen Dominikaners. Aber wie so oft, hat sich Rom auch in diesem Falle gründlich getäuscht. Die Asche Brunos ist zum Samen geworden, der vieltausendfältig auf⸗ gegangen, und heute giebt es wohl keinen Denkenden mehr, der nicht den braven Mär⸗

tyrer der Geistesfreiheit innig verehren und seine Henker verfluchen möchte.

Eine neue Jeldfrucht.

Ein Mitarbeiter der„Neuen Zeit“, H. Holm (Erfurt) schreibt über obiges Thema: Mit einer neuen Feldfrucht soll der notleidenden Landwirtschaft auf die Beine geholfen werden. Die den Lesern sicher bekannte Sonnenblume (Helianthus annuus L.) welche, obgleich bereits vor mehr als drei Jahrhunderten aus Nord— amerika bei uns eingeführt, bisher bei uns nur wenig beachtet wurde, scheint nunmehr auch zu ihrem Rechte kommen zu sollen. Während sie bislang in den Bauerngärten ihr bescheidenes Dasein fristete und höchstens den Eisenbahnwärter auf einsamer Strecke ergötzte — ein Bahnwärterhäuschen ist ohne ein paar Sonnenblumen kaum denkbar—, konnte man diesen Sommer auf dem Gute Seehof in der Mark 12 Morgen mit Sonnenblumen bestanden in Augenschein nehmen. An 86 000 Pflanzen erfreuten hier durch ihre weithin leuchtenden großen gelben Blumen das Auge des Beschauers. Zwei unternehmungslustige Militärs a. D. hatten das Versuchsfeld, um ein solches handelte es sich hier zunächst, bestellt und durften mit ihrem Erfolg lzufrieden sein. Die Herren be⸗ absichtigen eine Gesellschaft zu gründen, um die Ausbeutung der Sonnenblumen rationell in die Hand nehmen zu können. Ohne Zweifel ist diesem Kulturversuch eine gewisse volkswirt⸗ schaftliche Bedeutung nicht abzusprechen. Von der Sonnenblume ist nämlich so ziemlich alles, was diese Pflanze hervorbringt, zu verwerten. Die großen Blätter werden grün oder eingelegt verfüttert. Aus der Rinde läßt sich ein gutes Papier herstellen. Das in großer Menge vor⸗ handene Mark besitzt im Wasser äußerst große Tragfähigkeit, da das spezifische Gewicht nur 0,028 beträgt. Es ist also weitaus leichter wie Kork. Aus den Wurzeln und dem Blumen⸗ kelche kann Pottasche fabriziert werden. Die reichlich erzeugten Samen liefern ein gutes Oel, und— auf daß nichts umkomme, läßt sich aus den Preßrückständen endlich noch ein nahrhafter Futterkuchen herstellen. Hier hat die Profitgier endlich ein Lebewesen, das sich nicht nur bis aufs Mark auspressen läßt, son⸗ dern das letzte selbst noch willig hergiebt. Dazu ist die Sonnenblume äußerst anspruchslos. Ein sonst unfruchtbarer Sandboden ist für sie gerade gut genug, und auch auf Kulturbehandlung werden nur verhältnismäßig geringe Ansprüche erhoben. In Europa wurde die Sonnenblume bis jetzt nur in Rußland seit annähernd 60 Jahren zwecks der Oelgewinnung aus Samen angebaut. In den Vereinigten Staaten von

Amerika wird die Kultur jedoch schon seit langem und mit großem Erfolge betrieben. Dort werden auch so ziemlich sämtliche Organe dieser Pflanze verwertet. Es bleibt abzuwarten, wie sich die deutsche Landwirtschaft nunmehr, da der erste Kulturversuch als geglückt zu er⸗ achten ist, zu dem Anbau der Sonnenblume als Feldfrucht stellt.

Sprüche zur Tebensweisheit. Schlechte Charaktere sind oft im Stande, großes Unheil anzurichten, während charakter⸗ lose Menschen meist harmloser Natur sind.

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Die Kunst ist eine Königin, die lieber zu Grunde geht, als um ein Almosen bettelt.

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Die schönste Göttergabe war die Liebe, dem Geist jedoch ward Adel beigelegt.

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Verlaß Dich nicht auf Andre, steh' stets auf eig'nen Füßen,

So kannst Du jeden Tag mit Sicherheit be⸗ grüßen.

Hinterlistigen Betrügern ist oft weniger zu verzeihen als einem Mörder, der in Ueber⸗ reizung seines Jähzorns unüberlegt schnell handelt. Kathi Gruner.

Gemeinnütziges.

Das Süßwerden der Kartoffeln rührt bekanntlich nicht von dem Gefrieren der— selben her, sondern tritt schon bei 2—3 Grad über 0 ein. Kartoffeln, welche ohne Frost süß geworden sind, verderben nicht leichter als andere Kartoffeln, ein Einstampfen derselben ist also nicht nötig. Bewahrt man süßgewordene Kartoffeln einige Tage an einem warmen Orte (16 Grad Reaumur) auf, so verschwindet der angesammelte Zucker wieder und die Kartoffeln sind nicht mehr süß.

Humoristisches. Edelmann.„Als die Unterschlagungen des

Barons, des Bankdirektors, aufgedeckt wurden, ist er weder geflohen, noch ließ er sich einsperren, sondern hat sich erschossen.“—„Ja, Edelmann bleibt doch Edel⸗ mann.“

Gut gesagt. A.(zu einem Kolporteur):„Aber Mensch, was Sie für Schund führen! Sie sind ja der reinste Kohl⸗porteur!“

Alter Adel. Neugeadelter Bankier(gespannt auf den letzten Glockenschlag des Jahres 1899 lauschend):„Sarah, jetzt stammen mer aus dem vorigen Jahrhundert!“

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