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Nr. 39.
Gießen, Sonntag, den 23. September 1900.
7. Jahrg.
Redaktion: Kirchenplatz 11, Schloßgasse.
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Redaktionsschluß: Donnerstag Nachmittag 4 Uhr.
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Der Parteitag in Mainz.
Das Arbeiterparlament, das in diesem Jahre im„goldenen“ Mainz tagt, weist einen stärkeren Besuch als die der früheren Jahre auf. Schon am Samstag waren eine große Anzahl Dele⸗ girte erschienen, namentlich aber Frauen, die an diesem Tage zu einer Konferenz zusammen⸗ traten. Diese derieth in der Hauptsache die Mittel und Wege zur Verbreitung und Ver⸗ tiefung des sozialdemokratischen Gedankens in der Frauenwelt.
Am Sonntag fand die Begrüßungs⸗ feier statt, die einen großartigen Verlauf nahm. Lange vor Beginn des Festes war die„Stadt⸗ halle“ von einer freudig erregten Menschen⸗ menge gefüllt, weit über 5000 Personen hatten sich eingefunden. Der Saal— einer der größten in Deutschland— war aufs Prächtigste dekorirt und von der Mitte des Saales herab hing ein riesiges rothes Banner mit der In⸗ schrift:„Arbeiter aller Länder vereinigt Euch!“ Das große Podium an der Längsseite des Saales war mit einer in Roth gehaltenen Draperie abgeschlossen, in deren Mitte das lebensnroße Porträt Wilh. Liebknechts, in Oel gemalt und von breitem Goldrahmen ein⸗ gefaßt, hing. Mehrere Büsten unserer heim⸗ gegangenen Führer, Lasalle, Marx, Engels, traten aus üppiger Pflanzendeko⸗ ration wirkungsvoll hervor. Die Bühne an der Stirnseite des Saales war rechts und links flankirt von den Fahren der bei den Gesangs⸗ aufführungen mitwirkenden Vereine und der⸗ jenigen einzelner Gewerkschaften.
Eingeleitet wurde die Feier durch ein Musik⸗ stück, den Sozialistenmarsch, hierauf trug Ge⸗ nosse Weiß einen stimmungsvollen Prolog vor. Zur Begrüßung der Delegirten ergriff sodann Genosse Dr. David das Wort und sagte etwa:
Genossinnen und Genossen!
Willkommen in Mainz!— diesen Gruß soll ich Ihnen im Namen und Auftrag der Mainzer Partei⸗ genossen zurufen. Er kommt von Herzen— möge er zum Herzen gehen! Mainz sieht oft fremde Gäste in seinen Mauern. Und gerade dieses Jahr war für Mainz ein Jahr der Feste und Kongresse. Bei allen bewährt sich die traditionelle Gastlichkeit und das ge⸗ mülhsfrohe Entgegenkommen seiner Bevölkerung. Aber Sie, meine werthen Parteigenossen, die Sie als Be⸗ auftragte der Sozialdemokratie hierher gekommen sind, Sie dürfen versichert sein, daß Sie als ganz be⸗ sonders liebe Gäste betrachtet werden. Sie sind uns nicht Fremde, sondern Freunde.
Schon einmal hat in Mainz ein sozialdemokratischer Kongreß stattgefunden. Im Jahre 1872 kamen hier die Vertreter der Eisenacher Richtung zusammen. Welch ein Unterschied, welch ein Fortschriit zwischen damals und heute! Jener Kongreß tagte nur wenige hundert Schritte von hier im„Heilig Geist“, einer ehemaligen Kirche, die nachmals in ein Bierrestaurant verwandelt wurde, ohne Zuthun der Sozialdemokratie!(Heiter⸗ keit.) Die Verhandlungen jenes Parteitags waren nicht öffentlich. Die Sozialdemokratie war noch eine kleine Sekte; sie hatte noch nicht die Kraft, ihre inneren An⸗ gelegenheiten öffentlich vor aller Welt zu erledigen und die Oeffentlichkeit von Mainz nahm damals keine Notiz von dem Parteitag. Wie ganz anders heute! Ganz Mainz merkt auf! Kaum Einer, der nicht wüßte, was in diesen Tagen hier vorgeht, an der Stätte, wo alles große öffentliche Leben unserer Stadt sich abspielt. Die Mainzer Parteigenossen sind stolz darauf, Sie in diesem prächtigen Raume begrüßen zu können, und diese viel⸗
tausendköpfige Versammlung, die hergeströmt ist, um die!
Delegirten der Sozialdemokratie zu sehen und zu be⸗ grüßen, sie mag Zeugniß davon ablegen, daß auch in der Bischofsstadt Mainz die sozialdemokratische Ideen— welt ihre volkserobernde Kraft bewährt hat.
Freude und Begeisterung erfüllt uns angesichts einer so mächtigen Kundgebung. Könnte doch Einer, der so manchmal an dieser Stätte mit beredtem Munde die Herzen des Volles bewegte, könnte doch Wilhelm Liebknecht jetzt noch einmal hier bei uns sein! Wie können wir diese Stunden miteinander feiern, ohne seiner zu gedenken?
Was er für unsere Partei gewesen, was er für die die Sache der Menschheit gethan, Ihnen brauche ich es nicht zu sagen. Sein Name gehört der Ewigkeit an; Liebkaecht war ein Mann von internationaler, von welt⸗ historischer Bedeutung.
Unter uns Hessen aber verweilte er besonders gern Er hing an seiner Heimath. Kein Jahr verging, daß er nicht einige Tage oder Wochen an den Stätten ver⸗ weilte, wo er als Knabe gespielt, als Jüngling ge⸗ schwärmt hatte. Gießen, Offenbach, Darmstadt, Mainz — überall fesselten ihn Jugenderinnerungen, freund- schaftliche und verwandtschaftliche Bande Er hatte sich so sehr auf den Parteitag in Mainz gefreut. Diesmal wollte er seine Frau mitbringen, o schrieb er wenige Wochen vor seinem Tode. Wie ist diese Hoffnung so jäh zerrissen worden.
Unser Alter ist todt!— Nein, unser Alter lebt! Sein Geist lebt unter uns und es lebt sein Werk! Das Edelste, das Größte an Liebknecht war sein soziales Pflichtgefühl, tef verankert in der Liede zur leidenden Menschheit. Das war die Kraft, die ihn hinaustrug über die Stunden der Schwäche und der Verzogtheit, die auch dem Stärksten nicht ausbleiben. Das war die Kraft, die ihn vorwärts stürmen ließ in den Stunden erhöhter Kampfeslust und Begeisterung.
Von diefem Geiste erfüllt, wird auch der Mainzer Parteitag ein Markstein sein auf der Bahn der Vorwärts entwickelung der Sozialdemokratie. In diesem Zeichen wird sie ihre westhistorische Mission erfüllen
Wollen Sie unseren Willkommengruß in diesem Sinne auffassen, wollen Sie unseren unvergeßlichen Alten in diesem Sinne ehren, so stimmen Sie mit mir ein in ein Hoch auf die volksbefreiende und völkerver— einende Sozialdemokratie, sie lebe hoch!
Mächtig durchbrauste das Hoch den weiten Raum. Nun brachten etwa 300 Sänger, den Arbeitergesangvereinen von Darmstadt, Frank⸗ furt, Mainz und Wiesbaden angehörend, das „Tendenz⸗Lied“ von H. Heine, komponirt von W. Weißheimer, unter persönlicher Leitung des Komponisten zum Vortrag. Das schwierige Werk, zu dessen Einstudirung die betr. Vereine nur einige Wochen Zeit hatten, wurde exakt ausgeführt.— An Stelle Bebels, der leider wegen einer Augenentzündung noch nicht er⸗ scheinen konnte, hielt darauf Abg. Auer die Festrede. Auch er gedachte Liebknechts. Es sei ein eigenthümliches Geschick, daß wie vor 28 Jahren, so auch heute unsere beiden Haupt⸗ führer fehlten. Damals mußten sie wegen „Hochverraths“ im Kerker schmachten. Redner gab dann einen Rückblick auf die Entwickelung der Partei seit dem in Mainz im Jahre 1872 stattgefundenen Kongresse der„Eisenacher“. Wir könnten mit den Fortschritten zufrieden sein. Der Rechenschaftsbericht von damals verzeichnet für einen Zeitraum von mehr als einem Jahre als Ein⸗ nahme ganze 2088 Thaler! Nachdem endlich 1875 die Einigung, deren 25jähriges Jubiläum wir heute feiern, erfolgt war, machte die Be⸗ wegung stetige Fortschritte.
Redner gibt einen Abriß der Parteige⸗ schichte, er gedenkt des Sozialistengesetzes, der Verheerungen, die es in die Reihen getragen, aber auch der raschen Ueberwindung dieses Schreckens und des schließlichen Falles des Aus⸗ nahmegesetzes wie des Ausschwungs der Partei
jeder Landbriefträger entgegen.(P.⸗Z.⸗K. 4312 a.) 33 ¼e% und bei mindestens 12 mal. Aufgabe 50% Rabatt.
im letzten Jahrzehnt. Er fährt fort: Die Gegner haben stets auf eine Spaltung gerechnet, sie sind stets enttäuscht worden. Mögen Meinungsverschiedenheiten bestehen, das Ziel ist uns allen gemeinsam. Wir sind heute was wir waren, wir werden bleiben, was wir sind. Die Sozialisirung der Gesellschaft ist unser Ziel. In diesem Sinne schicken wir auch unsere Dele— girten nach Paris; alle Bruderparteien dürfen auf die Treue der deutschen Partei zählen. Wir rufen: Die deutsche Sozialdemokratie, sie lebe hoch! Daß die Versammlung freudigst in dieses Hoch einstimmte und dem Redner begeisterten Beifall zollte, war begreiflich.
Am Montag begannen die eigentlichen Ver— handlungen. Singer eröffnete den Parteitag mit einer kurzen Gedenkrede auf Liebknecht, welche der Parteitag stehend anhört. Ferner erinnert Singer daran, daß jetzt 10 Jahre seit dem Fall des Sozialistengesetzes verflossen seien. So wie das Sozialistengesetz selbst von der Sozialdemokratie überwunden worden sei, müßten auch diejenigen Parteien, welche die Väter des Scszialistengesetzes waren, beseitigt werden.
Zu Vorsitzenden werden Singer und Ulrich (Offenbach) gewählt, dann folgt die Wahl von neun Schriftführern, sowie der Mandats⸗ prüfungskommission. Die vorgeschlagene Tages⸗ ordnung wird genehmigt. Singer begrüßt hierauf die ausländischen Gäste, Pernerstorffer⸗ Wien und Nemec Prag. Er gibt dem Wunsche Ausdruck, daß die österreichische Bruderpartei bei den Wahlen neue Erfolge haben möge. Die deutsche Bruder partei werde die Solidarität nie vermissen lassen.
Pernerstorffer: Wir aus Oesterreich kommen gern nach Deutschland, es ist uns Herzenswunsch. Sie kennen ja unsere Ver⸗ hältnisse, Sie glauben sie wenigstens zu kennen. Aber glauben Sie mir, die Verhältnisse Oester⸗ reichs sind Ihnen doch sehr dunkel, sie sind uns selbst dunkel. Oesterreich ist das Land der Unwahrscheinlichkeiten genannt worden, man könnte es das Land der Unmög⸗ lichkeiten nennen, jedenfalls ist es das Land der tollsten Konfusion und es gibt nur ein ge⸗ meinsames Gefühl, das der allgemeinsten Ver⸗ drossenheit und Unzufriedenheit. Seit Jahren ist es nicht möglich gewesen, einen Ausgleich der verschiedenen Nationen herbeizuführen. Der Nationalitätenstreit ist das Lebenselement der Feudalen Böhmens. Die Czechen bilden sich ein, die deutschen Böhmen vergewaltigen zu können, die Deutschen bilden sich wirklich ein, die Czechen germanisiren zu können. Die tollsten Gedanken spuken in den bürgerlichen Köpfen. Nur die Sozialdemokratie ist in den Nationen geeinigt, dafür werden alle sozialdemokratischen Gruppen als nationale Verräther von der Bourgeoisie gebrandmarkt. Aus dem Natio⸗ nalitätenstreit ist die Obstruktion, aus der Ob⸗ struktion die Auflösung des Parlaments ent⸗ standen. Das neue Parlament wird aber nicht unter anderen Bedingungen arbeiten, als das alte. Vielleicht kommt es nicht über die erste Sitzung hinaus und es folgt der ersten Auflösung eine zweite.
Der Redner dankt weiter den deutschen Ge⸗ nossen für die bisherige materielle Unterstützung
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