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Nr. 30.
Gießen, Sonntag, den 22. Juli 1900.
7. Jahrg.
Redaktion: Kirchenplatz 11, Schloßgasse.
Sonnt
Mitteldeutsche
gs⸗Zeitung.
Redaktionsschluf: Donnerstag Nachmittag 4 Uhr.
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Zuckerkartell— Volksbewucherung.
Neben den beiden Schröpfköpfen Junkertum und Militarismus, welche das Volk schon genügend aus beuten, haben sich noch versch e edene Ringe gebildet, die gleichfalls nach Kräften die Abhängigkeit des konsumierenden Volkes durch
Bewucher ung ausnützen. Als einer der kecksten dieser Ringe darf der Zuckerring bezeichnet werden, der seit dem 1. Juli in Thätigkeit ge⸗ treten ist und schon in den wenigen Wochen seines Bestehens den Preis pro Zentner Zucker um 3 Mark hinaufgeschraubt hat, ohne daß die Produktionskosten und insbesondere die jämmerlichen Löh e der Arbeiter in den Zucker⸗ fabriken und Raffinerien auch nur um einen Pfennig erhöht worden wären.
Der Zuckerring verfolgt die ausgesprochene Absicht, den Mindestpreis für Brotzucker, der voriges Jahr 24,45 Mark pro Zentner be⸗ trug, auf 27,75 Mark bezw. 29,25 Mark zu erhöhen. Da der Zuck rverbrauch Deutsch⸗ lands jährlich 14 Millionen Zentner ausmacht, würde die Auswucherung des Volkes durch die Zuckerringe die Kleinigkeit von 42 Milltouen Mark betragen. Einer Familie von fünf Köp'en wird dadurch eine Mehrsteuer von 4 Mark auf⸗ erlegt.
Der Zuckerring hat auch recht hübsch dafür gesorgt, daß nicht etwa durch zu große Produk— tion das Angebot zu massig wird, was ein Herabgehen der Preise zur Folge haben müßte. Er hat vielmehr jeder Zuckerraffinerie genau die Menge zugemessen, welche sie im Inlande in den Handel bringen darf. Der Verkauf von Zucker nach dem Auslande ist freigegeben; nur das deut sche Volk wird von dem patriotischen Zuckerring nach allen Regeln der Kunst ausgewuchert.
Genügen schon diese Thatsachen, um das Wirken des Zuckerrings genügend zu charalteri⸗ sieren, so würde das Bild der durch staatliche Ausfuhrprämien geschützten Wuche er doch un⸗ vollständig bleiben, wenn nicht noch ein weiteres Moment angegeben würde. Das ist folgendes: Es haben sich zwar 98 Prozent aller Rohzucker⸗ fabriken und⸗Raffinerien dem Ringe angeschlossen, aber einige der deutschen Zuckerfabriken sind doch ehrlicherweise dem Ring ferngeblieben, freilich von 100 nur 2. Diese sollen wirtschaftlich durch den Ring erwürgt werden. Von dem Wuchergewinn, der, wie fchon gesagt, 42 Millionen Mark jährlich beträgt, müssen fünf Prozent, also 2,1 Millionen Mark zu einem Kampffonds beigesteuert werden, mit dessen Hilfe die dem Ring nicht angeschlossenen Fabriken unterboten werden sollen, bis sie ruiniert sind. Auch hofft man mit diesem Kampffonds die Entstehung neuer Fabriken unmöglich machen zu können.
Das nennt man„nationale Wirtschaftspolitik“. Und dieser freche Raubzug auf die Taschen des eigenen Volkes— dem Auslande wird bekannt⸗ lich der deutsche Zucker viel billiger geliefert als dem deutschen Volke— darf zu der⸗ selben Zeit ungestraft unternommen werden, in welcher der Arbeiter den ihm bei Lohnbewegungen in ben cken fallenden Streikbrecher nicht ein⸗ mal ungestraft beim richtigen Namen nennen darf.
In der That: Deutschland hat alle Ursache, Kultur nach— China zu tragen.
Der Krieg mit China. Die Eingeschlossenen in Peking. Ueber das Schicksal der in Peking ein⸗
geschlossenen Europäer kann leider kaum noch ein Zweifel obwalten, trotzdem noch zuletzt be- ruhigende Meldungen einliefen. Es handelt sich hier um etwa 1000 Menschen, von denen kaum einer mit dem Leben davon gekommen sein dürfte. In diesem Sinne lauten auch die im englischen Unterhause abgegebenen amtlichen Er⸗ klärungen. Eine Depesche des Gouverneurs von Schantung lautet:
Die Geschütze der Chinesen legten eine Bresche in die Mauern der Gesandtschaften. Nach heroischer Verteidigung und nachdem die Munition erschöpft war, wurden alle Ausländer getötet.
Weiter werden noch folgende Einzelheiten der grauenvollen Katastrophe berichtet: Von der britischen Gesandtschaft aus, wo sämtliche Earo⸗ päer konzentriert waren, warden täglich Ausfälle gemacht meist bei Nacht. Anfangs halte man gute Erfolge, schließlich, da schon die Bexer an⸗ fingen, unschlüssig zu werden, beschloß Prinz Tuan, einen großen Nachtangriff zu machen. Am 6. Juli abends 6 Uhr eröffnete seine Ar⸗ tillerse ein starkes Feuer gegen die brit'sche Ge⸗ sandischaft. Nachdem durch eine zwölfstündige Kanonade überall Bresche gelegt worden war, wurde ein Sturmangriff gemacht. Das Feuer der Verteidiger war aber wohlgezielt, und die Angreifer wurden mit großem Verlust zurück⸗ geschlagen. Die Flüchtigen wurden im Lager des Prinzen Tuan wieder gesammelt, erneuerten den Angriff und stürzten sich zunächst auf die Truppen des Prinzen Tsching und des Generals Wangweng, die den Europäern helfen wollten. Prinz Tsching fiel, später auch Wangweng, und ihre Truppen gingen zu den Boxern über. In⸗ zwischen war die schwere Kanonade wieder auf⸗ genommen worden, und die Boxer drangen in die Trümmer ein. Viele Europäer waren auf ihren Posten gefallen, die kleine Schar der noch Lebenden versuchte, die Ruinen zu verteidigen. Gegen Morgen war die Munition der Europäer verschossen, um 7 Uhr erfolgte der letzte Vorstoß der Chinesen. Alle Europäer standen zusammen, es kam zu einem fürchterlichen Handgemenge. Die kleine Schar verkaufte ihr Leben sehr teuer.
Eine dem französischen Ministerium des Aeußeren zugegangene Depesche bestätigt das blutige Fremdendenmassakre. Ueber 800 Per- sonen wurden nach dieser Meldung in Peking getötet.
Bestätigen sich diese Nachrichten, so sind die Mächte für den Massenmord verantwortlich zu machen. Durch Entsendung einer starken japani⸗ schen Streitmacht wäre es möglich gewesen, Peking zu entsetzen. Darüber konnten sich jedoch die Diplomaten nicht einigen, weil jeder Einbuße an seinem Einfluß befürchtet. Es wurde weiter beraten, indessen tausend Europäer in größter Lebensgefahr schwebten!—
Der ermordete deutsche Gesandte Ketteler soll besonders Gegenstand des Hasses der Chinesen
gewesen sein, weil er herausfordernd aufgetreten sein und wiederholt Chinesen mißhandelt haben soll.—
Die Kämpfe um Tientsin dauern fort und haben am Samstag zur Er⸗ oberung der chinesischen Forts und der Chinesen⸗ stadt durch die verbündeten Truppen geführt, die allerdings an Toten und Verwundeten einen Gesamtoerlust von 800 Mann erlitten haben.
Weiter wird gemeldet: Die Verbündeten nahmen am 14. Juli morgens den Angriff auf die ummauerte Stadt Tientsin wieder auf. Es gelang eine Bresche in die Mauer zu schießen und alle Forts zu nehmen. Die Chinesen sind in voller Auflösung.() Die Verbündeten er⸗ griffen Besitz von der Eingeborenenstadt und deren Befestigungen. Die Chinesen zeigten sich sehr tapfer und mit den modernen Waffen aus⸗ gerüstet.
Nachrichten, die aus Tschifu nach Petersburg gelangten, schildern die Situation in Tientsin als immer bedenklicher. Die Chinesen rücken mit bewunderungswürdiger Beharrlichkeit vor. Ihre Streitkräfte werden von Tag zu Tag größer. Zwischen Tientsin und Peking werden starke Befestigungen errichtet. Am 17. Juli berechnete man die chinesische Heeresmacht vor Peking auf mindestens 150 000 Mann gutbewaffneter Soldaten. Im russischen Kriegs⸗ ministerium rechnet man infolgedessen sogar mit der Möglichkeit, Tientsin räumen zu müssen. Vielfach wird behauptet, daß nunmehr Rußland einen energischen Vorstoß von Norden her auf Peking vorbereite, den es völlig auf eigene Hand ausführen würde. Die russischen Rüstungen weisen auf einen solchen Plan hin. Am 15. Juli gingen 560 Offiziere und 94 Militärärzte nach der Front ab.
Ferner wird aus Schanghai berichtet: 100000 Chinesen, mit Mausergewehren bewaffnet und mit moderner Artillerie versehen, marschieren auf Schanghai und biwa⸗ kieren 40 Meilen von dort.
Aus Petersburg kommt die Nachricht, die dortige chinesische Gesandtschaft habe Rußland offiziell den Krieg erklärt. Die Chinesen sind mit sieben Batterien in Ostsibirien einge⸗ fallen und haben die Stadt Blagoweschtschenski bombardiert, worauf sie eine Stellung an den Ufern des Amur einnahmen. Durch diese Be— wegung stören die Chinesen jeden Verkehr auf der transsibirsschen Bahn.
Politische Rundschau. Gießen, 20. Juli. Indianermoral. 5
Den kap talistischen Preßkosaken und rache⸗ dürstenden deutschen„Kulturträgern“, die sich einander in der blöden und rohen Hetze gegen China überbieten, wird in der„Ethischen Kultur“ gehörig die Meinung gesagt. Wir müssen uns ebenfalls mit dem Blatte einverstanden erklären, wenn es sagt:
„Wer in diesen Tagen alles das liest, was in der öffentlichen Meinung Deut schlands über China laut ge- worden ist, der muß wirklich aufs schmerzlichste betroffen sein von der ganz unglaublichen Rohheit und
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