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Nr. 43.
Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung.
Seite 7.
Ainderausbeutung.
Ueber die Ausbeutung der Kinder in den Altenburger Knopffabriken, die sich vornehmlich in den Städten Gößnitz und Schmölln befinden, wird der„Berliner Volkszeitung“ geschrieben:
„Morgens um sechs Uhr geht das Kind nach seiner Arbeitsstelle, die in der Regel in der nächsten Nachbar schaft liegt, arbeitet bis zum Beginn der Schule, kommt nach der Schule wieder, arbeitet bis zwölf Uhr, pausirt bis ein Uhr, um dann die Arbeit mit der durch die Schulzeit verursachten Unterbrechung bis abends sieben Uhr fortzusetzen. Ich habe verschiedene solcher Arbeitsstätten besucht. Die Arbeitsstätte ist Wohnstube und Küche zugleich; in der Nähe des Fensters steht ein Tisch, um den vier, fünf, sechs und oft noch mehr Kinder herumsitzen und eifrig Knöpfe auf Kartons nähen. Kaum daß sie sich Zeit nehmen, das mit Margarine beschmierte Stück Brot hinunter⸗ zuwürgen, denn die Arbeit wird im Accord geleistet. Nach Feierabend geht es an die Schularbeiten; wie sie ausfallen müssen, läßt sich denken. Kommen die Schulferien, die der Erholung dienen sollen, dann sitzen diese unglücklichen Geschöpfe volle 12 Stunden dort und nähen Knöpfe auf! Und die Be⸗ zahlung?
Der Fabrikant zahlt für 12 Dutzend Knöpfe sortiren und auf Kartons nähen 4½ Pfennig, dafür muß aber noch das Garn selbst gekauft werden. Die Kinder erhalten von den Zwischenunter⸗ nehmern
für 12 Dutzend 2 Pfennig, und da ein fleißiges Kind täglich bis zu 120 Dutzend Knöpfe aufnähen kann, so stellt sich der Verdienst auf 20 Pfennig pro Tag, also 120 Pfennig pro Woche!
Die Augen leiden bei dieser Arbeit außer⸗ ordentlich; es gibt Kinder, die mit neun, zehn oder elf Jahren schon genöthigt sind, ziemlich scharfe Augengläser zu tragen. Man muß sie sehen, diese armen Geschöpfe! Von der ftickigen Zimmerluft gebleicht, hohlwangig, so sitzen sie am Tisch, die Fingerchen führen flink die Nadel, kaum daß ein Wort während der Arbeit fällt, man möchte ja die 20 Pfennig täglich ver⸗ dienen.
Wo die Kinder bei den Eltern arbeiten, liegen die Dinge womöglich noch schlimmer; denn hier ist von einem geregelten Feierabend erst recht keine Rede. Nicht selten ist dort erst die physische Unmöglichkeit, noch weiter zu ar⸗ beiten, die Grenze des Arbeitstages. f
Das sind Thatsachen, die von keiner Seite bestritten werden können; durch diese Anspannung der Kinder ift die Schwöllner Knopfindustrie groß geworden. Daß aber das Geschäft seinen Mann nährt, davon legen die herclich und staubfrei gelegenen, luxuriös ausge⸗ statteten Villen der Schmöllner Indust⸗ riellen beredtes Zeugniß ab. Die Unter⸗ nehmer sind zun Theil in verhältnißmäßig kurzer Zeit außerordentlich reiche Leute geworden. Müssen unter solchen Unständen zahlreiche Kinder ihre ganze Jugend opfern, um für sich selbst wöchentlich 1 bis 2 Mark zu verdienen? Trägt eine Industrie, die zu der⸗ artig raschen Kapitalansammlungen in Unter⸗ nehmerverbänden führt, nicht so viel, daß er⸗ wachsenen Arbeitern Löhne gezahlt werden, die ihnen selbst wie den Kindern ein menschen⸗ würdigeres Dasein gewährleisten?
Bezeichnend für den Tiefstand des sozialen Empfindens mancher Kreise ist es, daß das Organ der Altenburger Agrarier sich dieser Kinderfrohn freut, u. 4. auch deßhalb, weil es „für die Kinder besser ist, nicht ziel⸗ und plan⸗ lios auf der Straße herumzulungern und schlechte Streiche auszuhecken“. Es genügt, diese Weis⸗ heit aus dem Lande der Sozialpolitik“— so nennen manche das Deutsche Reich— niedriger zu hängen.— Jedes Wort der Kritik zu diesem Bilde sozialen Elends erübrigt sich. Als Aber in Paris die Segnungen der deutschen Sozial⸗ politik den Weltausstellungsbesuchern vorgeführt
wurden, die von den Offiziösen so über den grünen Klee gelobt wurde, da war von solchen Bildern deutscher Sozialpolitik nichts zu sehen.
Vierter KAlasse.
Standes gemäß fährt man bekanntlich in der vierten Klasse; zum Sitzen auf den schmalen harten Bänken kommen nur wenige Fahrqgäste. Wie es heißt, soll Herr von Thielen sich jetzt zu der beachtenswerthen Reform entschlossen haben, daß er in den Wagen Handgriffe anbringen läßt, woran sich der Passagier beim Stehen festhalten kann. Auf einigen Linien sind solche schon angebracht. Vielleicht kommt der Eisen⸗ bahnminister bei dieser Gelegenheit zu einigen andern nicht minder nothwendigen Neuerungen. Zunächst erinnern wir daran, daß, so unglaub⸗ lich einem späteren Kulturhistoriker dies auch klingen mag, in der vierten Klasse recht oft kränkliche Personen fahren, die sich etwa nach einem ihnen von der Kasse verordneten Erholungsheim begeben wollen und die daher den überdies vom Havannaduft sehr entfernten Tabaksdunst nicht vertragen können. Nicht⸗ raucherkoupees sind auch in der vierten Wagen⸗ klasse außerordentlich nothwendig.
Dann gibt es in der vierten Wagenklasse immer noch keine Aborte, obgleich sie in dieser Wagenklasse nothwendiger wären, wie in den besseren, weil sie eben stets stärker besetzt ist. Man mag darauf hinweisen, daß die Bummel⸗ züge ja längeren Aufenthalt auf den einzelnen Stationen haben und daß hier Gelegenheit zur Verrichtung gewisser Bedürfnisse gegeben sei. Aber abgesehen von der häufigen Ungunst dieser Gelegenheit ist ein solcher Einwand hinfällig, so lange es dem preußischen Bureaukratismus noch nicht gelungen ist, den Fahrgaft vierter Klasse die Kunst zu lehren, daß er seine Bedürfnisse mit dem Eisenbahn⸗Fahrplan in genaue Har⸗ monie bringt. Man ziehe ferner in Betracht, daß beim Halten des Zuges die wenigen Aborte auf einer Station nicht genügen, daß manche Reisende aus Furcht, daß ihnen das Gepäck ab⸗ handen komme oder daß sie den Zug versäumen, sich nicht getrauen, den Wagen zu verlassen. Und dann ist der schwerwiegende Uustand zu er⸗ wägen, daß in keiner Wagenklasse so viele Kinder fahren, als in der vierten und daß diese kleinen Geschöpfe in dem in Betracht gezogenen Punkt sich keinerlei Gewalt anthun können. Von den unbeschreiblichen Zuständen, die gerade hieraus entstehen, kann nur der einen Begriff haben, der selber vierter Klasse zu fahren ge⸗ zwungen ist.
Vor Allem sollte aber der Ueber füllung der vierten Wagenklasse gesteuert werden. Wie die Schagfe werden oft die Passagiere zusammen⸗ gepfercht, während soundsoviele Wagen der besseren Klassen leer mitlaufen. In dem über⸗ füllten Wagen entwickelt sich oft eine geradezu un⸗ erträgliche Luft, wodurch die Volksgesundheit empfindlich geschädigt wird.— Auch mit der Reinlichkeit sieht's äußerst trübe aus. Wir fanden auf der Linie Cassel— Frankfurt Wagen, welche aussahen, als ob sie seit vielen Wochen nicht gereinigt wären. Hieran trägt aber auch das Publikum einen Theil der Schuld; durch etwas mehr Rücksicht könnte es in manchen Fällen wohl etwas zur Aufrechterhaltung der Rein⸗ lichkeit beitragen.
Sollte der auf Millionenüberschüsse hinar⸗ beitende Eisenbahnminister noch daran zweifeln, daß die paar hier geforderten Neuerungen noth⸗ wendig sind, so rathen wir ihm dringend, es einmal mit einer Fahrt von Frankfurt nach Hamburg oder Berlin nach Posen in der vierten Klasse zu versuchen. Für die Unannehmlich⸗ keiten, die ihm auf solcher Fahrt erwachsen, wird ihn als braven preußischen Beamten zweifel⸗ los das Bewußtein entschädigen, daß die vierte Klasse diejenige ist, die dem Staate den meist en Gewinn einbringt.
Jesefrüchte. Die Quelle des Uebels liegt im Menschen. Unwissenheit und Habgier sind die zwei großen
Laster, die Fein de der Menschheit. Durch sie scheiden sich die Menschen in Unterdrücker und Unterdrückte, in Herren und Sklaven; sie ver⸗ wirren die Ideen vom Guten und Bösen, vom Gerechten und Ungerechten; sie sind der Fluch des Menschengeschlechtes.
*
Eine Thräne zu trocknen ist ehrenvoller, als Ströme von Blut zu vergießen.
Volney.
Byron.
Man will bemerkt haben, daß die Leute in dem Verhältnisse gescheidt waren, als sie nicht gelehrt waren: wenigstens findet man, daß die Gelehrtesten nicht sehr gescheidt sind.
*
Was Reichthum zu sein scheint, ist in Wahrheit vielleicht nichts als der vergoldete Anzeiger weitreichenden Verfalls; eines Kaperers handvoll Gold, am Strande aufgelesen, wohin er eine Flotte betrügerisch gelockt hat; eines Marketenders Bündel Lumpen, von den Leibern gefallener Soldaten zusammengerafft; die Kauf⸗ stücke für den Blutacker, worin der Bürger mitsammt dem Fremdling begraben werden soll.
John Ruskin.
Seume.
Meinungen und Stimmungen. Als Glück der Armuth pries man jüngst mir sehr: Wer nichts besitze, könn' auch nichts verlieren!— O, welches Glück, erfroren sein! Denn wer
Bereits erfror, der kann nicht mehr erfrieren! Friedr. Halm.
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Eins ist noth. Laßt endlich doch von Euren Zwisten, Ihr Idealisten und Realisten, Im Credo“) nicht sucht Eure Stärke, Zeigt uns nur gütigst gute Werke.
Schönfeld.
*) Glaubensbekenntniß.
Allerlei.
Rentables Christenthum. Für den Erzbischof John Hennessy in Dubuque, Jowa, hat sich die Verachtung„der Schätze, so die Motten und Rost fressen“, und das Gelübde der Armuth, Keuschheit und des Gehorsams gelohnt. Er hat ein Vermögen im Werthe von einer Million Dollars seinen lachenden neun Erben und den„Schwesterschaften der Kirche in Jowa“ hinterlassen.„Nicht wahr, die Geschichte von dem armen Zimmermann aus Nazareth lohnt sich immer noch?“ fragte ein Papft einmal. Gewiß, sie lohnt sich auch noch an der Schwelle des 20. Jahrhunderts. Das meta⸗ physische Bedürfniß der Menge zu befriedigen, ist eins der einträglichsten und bequemsten
Geschäste.
Humoristisches. Anzüglich.„Findest Du nicht, daß ich eine große Aehnlichkeit mit dem Exkönig Milan von Serbien habe?“—„Allerdings, Du Hast ja auch niemals Geld!“
Schrecklich!„Haben Sie überhaupt schon einmal Hunger kennen gelernt, mein Herr?“—„Das will ich meinen; erst im vorigen Jahre habe ich eine Ent⸗ fettungskur durchgemacht!“
Neu eingelaufene Schriften.
„Ju freien Stunden“, Illustrirte Roman⸗ bibliothek für das arbeitende Volk, in Wochenheften à 10 Pfg. Die Lieferungen 39 bis 42 enthalten die Fortsetzung des prächtig illustrirten kulturhistorischen Romans„Der Sohn der Rebellen“ von Victor Hugo. Ferner feuilletonistische Skizzen, Novelletten und kleine Notizen unter„Dies und Jenes“ und„Witz und Scherz“. Jeder Kolporteur, jeder Buchhändler(auch die Post zum Vierteljahrspreis von Mk. 1,20, Post⸗ zeitungskatalog Nr. 3777) nimmt Bestellungen auf diese 10 Pfg.-Hefte an. Wir empfehlen unse ren Lesern dringend das Abonnement; gerade dieser Roman verdient seiner Tendenz wegen die Beachtung unserer Leser: in wunderbarer Sprachschönheit schildert er uns das innerste Wesen von Aristokratie und Monarchie und erfüllt die Doppelaufgabe: erzieherisch und unterhaltend zu wirken.
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