Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung.
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jezt selber Großkornwucherer geworden ind und den Kornwucher, wie überhaupt den Lebensmittelwucher in solchem Umfang gewerbs⸗
mößig betreiben, daß alles, was die Juden ins⸗ — gesamt jemals an Wucher geleistet haben, daneben
ließ, do. ein wahres Kinderspiel ist. Apropos Wucher! 15 0 Wenn den Juden der„Wucher“ vorgeworfen ihne wird, dann fällt mir immer auch ein, daß, hien f während mir in meinem Leben oft von Juden 6 buten Gutes und Freundliches gethan worden und 1 ist, der einzige Wucherer, dem ich je in die 0 Hände gefallen bin und der mir manche angst⸗ N volle Stunde bereitet hat, ein guter Christ beg war, ein protestantischer Mustermensch, der jeden ic 118 Sonntag zweimal zur Kirche ging. Es war in re 10 England, und mein Wucherer ein Engländer, Un 1 triefend von Frömmigkeit. Es war ihm ein 1 0 Wechsel, der meinen Namen trug, in die Hände ue gekommen. Es war ein Gefälligkeits⸗Accept, zu 1 f len gunsten eines befreundeten Flüchtlings, der eine 1 englische Institus⸗Besitzerin und mit ihr das 1510 N Institut selbst geheiratet hatte und durch einen . ensals Todesfall in Schwierigkeiten geraten war, die 700 in erst nach längerer Zeit gehoben wurden. Dieser Hristo⸗ verwünschte Wechsel, der mehrere Monate als chf Damoklesschwert über meinem Kopfe schwebte, ich laß hat aber auch etwas Gutes für mich gehabt: ich uch naht habe in meinem Leben kein zweites Wechsel⸗ bah und Accept gegeben
ier, sind——
zum Be⸗ 2 4* 2 2 2
19 Liebknecht im Gefängnis. eitslampf Liebknecht gehört zu den„meisteingesessenen“ unzählige Parteigenossen. Die Summe der Zeit, die er . Daz im Gefängnis zugebracht hat, beträgt an die ampf des sieben Jahre. Es ist uns nicht möglich, ein in Eng⸗ vollständiges Verzeichnis aller Abstrafungen, die licht das er erlitten hat, zu geben. Wir begnügen uns i geistige daher vorläufig mit einem kurzen Auszug: estament. Im September 1848 wurde er wegen Teil⸗
nahme an Struves Zug nach Baden verhaftet und neun Monote in Haft behalten. Er wurde schließlich infolge Rücktritts des Staatsanwalts
der Mitte er Spieß⸗
zu ber⸗ und auf freigesprochen. f ich der 1849 wurde er von Brentano wegen seiner Teilnahme an einer Demonstration als Rebell der Zer⸗ in die Kasematten geworfen, wo er einige Monate ktteuung zubrachte. i. für nich Im Jahre 1850 wurde er in der Schweiz l gewesen verhaftet, in Freiburg zwei Monate in Isolirhaft usen hörte gehalten und schließlich mit Zwangspaß an die denverfol⸗ Grenze gebracht.
iistzlichen Anfangs der 60 er Jahre mußte er drei 8 Monate absitzen und wurde kurze Zeit darauf
ten wegen 5 5
1 i(im Sommer 1865) aus Preußen ausgewiesen. 50 an Oktober 1866 wurde er in Berlin verhaftet 1 sch wi und wegen Reversion zu drei Monaten Ge⸗
fängnis verurteilt.
je edelsten ipzi j i je ktelte 1869 bekam er vom Leipziger Bezirksgericht
it verehrte
by Juden wegen Verbreitung staatsgefährlicher Lehren Ui Ver⸗ wieder drei Wochen Gefängnis zudiktiert, und 70 War 1871 wegen desselben Delikts wieder vier , doc Wochen Gefängnis.
laßt, bor. Am 17. Dezember 1870 war er mit Bebel e 10 110 und Hepner unter der Anklage der Vorbereitung Ah lu und des Versuchs zum Hochverrat verhaftet und Lite. bis zum 28. März 1871 in Haft behalten. gallus 1 1872 fand in Leipzig der große Hochverrats⸗ al 5 prozeß statt, in dem dann er und Bebel zu je klärte 105 zwei Jahren Festungshaft verurteilt wurden.
„ daß 10 In den folgenden Jahren wurde er dann zu esche einer Unzahl kleinerer Arreststrafen und Geld⸗ Füge bußen verurteilt.
t und iht 1881 wurde er aus Leipzig ausgewiesen. chen, de, Im Jahre 1896 wurde ihm wegen der Er⸗ 1 g öffnungsrede am Breslauer Parteitag der Prozeß hat. ch gemacht und er wurde von den Richtern that⸗ Juden ber, sächlich wegen fahrlässiger Majestätsbeleidigung sich, 5 zu vier Monaten Gefängnis verurteilt. Der der liter siebzigjährige Mann hat auch diese letzte Strafe
mit dem Gleichmut hingenommen, der den
durch ih schlachtenerprobten Kämpfer in solchen Fällen durch 47 nie verließ. fe 3 0
Das Rieseufernrohr auf der Pariser Weltausstellung.(Schluß.) Während in der Linsenfabrik gearbeitet wurde,
oberfläche weggeschliffen werden können. Der Guß
bemühte sich eine Spiegelfabrik mit der Herstellung des Spiegels von zwei Meter Durchmesser. Das war nun wieder eine der umständlichften Opera⸗ rationen, denn ein astronomischer Spiegel ist etwas ganz anderes als sonst das allerfeinste Spiegelglas, das für den Astronomen keinen anderen Wert hätte als eine grob mit Kalk an⸗ gestrichene Mauer. Der astronomische Spiegel ist bestimmt, Bilder von Himmelskörpern zu reflektieren, und hat er auf seiner Oberfläche die allerkleinste Deformation, so wird diese, durch die Linsen tausendfach vergrößert, im Bilde des Himmelskörpers die störendsten Zerrungen hervor⸗ bringen. Ein astronomischer Spiegel muß un⸗ gemein dünnflüssig und ungemein gleichmäßig gegossen, dabei zugleich ungemein dick sein, und die Spiegelebene muß absolut vollkommen sein— soweit dies nach dem heutigen Stande der Technik erreichbar ist. Nun ist die Technik so weit ge⸗ diehen, daß noch Unterschiede von einem Zehn⸗ tausendstelmillimeter gemessen und von der Spiegel⸗
des Spiegels für das Riesenfernrohr erfolgte in einer 30 Centimeter tiefen Form von etwas mehr als zwei Meter Durchmesser, in welche auf ein⸗ strömten. Zwölf Güsse wurden gemacht, von denen nur zwei gelangen: der erste und der letzte.
Zwei Zwischenfälle der Fabrikation sind be⸗ merkenswert: einmal öffnete sich der Hochofen, bevor die Form auf ihrem Platze war, die glühende Masse ergoß sich auf den Boden, und mit knapper Mühe entgingen die Arbeiter einem schrecklichen Tode; ein zweites Mal wurde in⸗ folge falscher Temperaturmessungen der Ofen überheizt, und in wenigen Tagen zerschmolz alles, der Graphittigel und sogar die Gußform. Gleich einem kostbaren Edelstein sorgsam ver⸗ packt, wurde der erste Spiegel nach Paris ge⸗ schickt, wo unter Leitung des Astronomen Gautier die optischen Arbeiten vorgenommen wurden. Gautier konstruierte einen eigenen Schleifapparat für den Spiegel, eine Art von rotierenden und
als ein Jahr lang auf der Spiegelfläche hin⸗ und hergeführt wurde, währen) ein Arbeiter mittels einer Spritze mit Wasser gemischten Schmirgel unter den Schlitten spritzte. Der Astronom kam jeden Tag wiederholt, um mit besonderen Instrumenten die Arbeit zu prüfen. Wie empfindlich ein astronomischer Spiegel ist, zeigt folgende Thatsache: Legt man die flache Hand aufs Glas und zieht sie sofort zurück, so ist schon durch die Körperwärme, wie die Meß⸗ instrumente beweisen, eine Ausdehnung, eine Art Blase, entstanden, welche 000 Millimeter Höhe hat. Während der Schleifarbeiten zeigte es sich, daß schon die infolge der Sonnenstrahlung ver⸗ schiedene Temperatur zweier Wände in der Werk⸗ stätte die Arbeiten störte, und es mußte die kältere Wand geheizt werden.
Dies die interessantesten Fabrikationsdetails. Die gußeiserne Montierung des Spiegels wiegt 22½ Tonnen, die beweglichen Teile des Uhr⸗ werks 15 000 Kilo, der Spiegel mit seinem Träger 13 000 Kilo, dabei ist der Bewegungs⸗ mechanismus so ingenibs, daß die Drehung einer Kurbel mit der Hand genügt, um ihn in Funktion zu setzen. Das Rohr von 60 Meter Länge und 1,50 Meter Durchmesser wiegt 21000 Kilo und wird von sechs Metallsäulen getragen. Es sind astronomische und photographische Objektive ge⸗ macht worden. Das Okular ruht auf einer Art Waggon, der hin⸗ und hergeschoben werden kann.
Sprüche zur Lebensweisheit.
Viele Staatsmänner sind wie Adam vor dem Sündenfall— sie schämen sich nicht, ihre Blößen zu zeigen. Die Deutschen aber besitzen eine solche Hundedemut, daß sie sich vor einem Minister
beugen, so lange er da ist, und wenn er fort⸗
geht, nennen sie ihn einen Spitzbuben.
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Das Land ist das reichste, welches die größte Anzahl edler und glücklicher Menschen nährt; der Mensch der reichste, welcher, nachdem er die Aufgaben seines eigenen Lebens auf das Voll⸗ ko inmenste erfüllt hat, sowohl persönlich als durch seine Besitztümer den weitesten hülfreichsten Ein⸗ fluß auf das Leben Anderer auzübt.
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So lange ein menschliches Wesen würdig ist, daß man es verherrlicht, ist es uns eine Ir⸗ scheinung wie ein glänzender Stern am Firma⸗ ment. Zeigt es sich aber der Verehrung un⸗ würdig, so geht er ins Allgemeine über und verschwindet wie der Tropfen Wasser im Ozean.
e Allerlei. Die Zahl der Juden wird vielfach als höher angenommen, als sie in Wirklichkeit ist. Es giebt deren 6 200 000 auf der ganzen Erde. In Europa leben 5 500 000 Juden, in Asien 40 000, in Afrika 350 000 und in Amerika 350 000. Die Zahl der Juden in
Australien ist nicht ganz sicher, aber man darf
wohl annehmen, daß sie nicht bedeutend ist. In Europa leben die meisten Juden in Rußland, nnd zwar 2 652 000, wovon 788 000 auf das ehemalige Königreich Polen entfallen. In Oester⸗ reich sind 1708 000 Juden, davon in Galizien 688 000, in Deutschland 562 000, in Rumänien 263 000, in der Türkei 105 000, in den Nieder⸗ landen 82 000, in Frankreich 63 000 und in
N f Ar 8 2 hin⸗ und hergehenden Schlitten, der nicht weniger f See ee,
der jüdischen Ein vohner 25000. Die Zahl der Juden in Berlin beträgt nach einer Schätzung, die Kommerzienrat Friedländer, der Vizevorsteher des Repräsentantenkollegiums der jüdischen Ge⸗ meinde, in einer Versammlung kundgab, 90 000. Bei der Volszählung des Jahre; 1885 wurden 64 000, bei der des Jahres 1880 53 000 Juden in Berlin konstatiert. Wien besitzt über 100 000 Juden, mithin doppelt soviel wie Frankreich, dreimal soviel wie Italien und viermal soviel wie Palästina. In Deutschland stellen demnach die Juden nur ein Prozent der Gesamtbevölke⸗ rung dar.
Humoristisches.
Der Menscheufreund. Bergwerlsdirektor: Sie sind also Ihrer Sache ganz sicher, daß alle Verschütteten tot sind?— Ingenieur: Ganz sicher! Was nicht sofort erschlagen worden ist, ist erstickt.— Bergwerksdirektor: Gut! Dann setzen wir einen Preis von hundert Mark auf j den, der lebend aus dem Schacht befördert wird. So etwas macht sich immer gut nach außen!
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Weil die Chinesen den einen deutschen Gesandten tot⸗ geschlagen haben, sollen sich noch bunderte und tausende deulscher Soldaten von den Cyhinesen totschlagen lassen. Als ob der Gesandte dadurch wieder lebendig würde! Wir gleichen dem Narren, dem ein Thaler ins Wasser gefallen ist und der nun aus Aerger darüber seine ge⸗ füllte Geldkatze hinterher wirft.
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Der„Platz an der Sonne“ macht uns doch wärmer,
als sich's gewisse Leute gedacht zu haben scheinen! Ein
Und das Resultat aller dieser Anstrengungen und Kosten? Mau kann den Mond nicht auf einen Meter Entfernung sehen. Das war nur das populäre Schlagwort. Aber man wird ihn so sehen, als wäre er nur 60 Kilometer von der Erde entfernt; der Durchmesser des Mondbildes wird 5,60 Meter betragen, und schon ein Krater von nur 100 Meter Durchmesser wird sich als Punkt von 0,2 Millimeter darstellen. Unter diesen Berhältuissen wäre es möglich, zu konsta⸗ tieren, ob auf den sogenannten Mondmeeren Schiffe verkehren oder nicht.
sogel, mal 4000 Kilogramm flüssiges Glas hinein⸗
Plätzchen im Schatten wäre jetzt vielleiczt lieber.
Neu eingelaufene Schriften.
Besprechung wichtigerer Erscheinungen behalten wir uns vor.
Von dem alen Radfahrern wohlbekannten Mittel⸗ bach schen Verlage in Leipzig sind neue Straßen⸗ profilkarten für Radfahrer herausgegeben worden, die einen größeren Umkreis als die bisherigen umfassen. Die Karte von Frankfurt und weiterer Umgebung genügt zum Unterschiede von der früheren kleineren Karte, die nur ein Viertel des hier kartogra⸗ phierten Gebiets enthielt, für weite Ausflüge nach allen bimmelsrichtungen. Sie umfaßt auch einen großen Teil der Umgebung von Gießen, ist mit Sorgfalt ausgeführt und giebt einen vollständigen Ueberblick über alle Ge⸗ ländeverhälnisse.
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