Nr. 38.
Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung.
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mit 6 gunst, denn es ist die unverfälschte Natur, die Sie d] für uns spricht. 1. id spütz. Brand empfand etwas wie Eifersucht, daß sich sein Töchterchen so rasch hatte erobern lassen, en oh und dann sah er doch wieder mit Entzücken „dunkel. den jugentlich vollen Arm mit dem feinen wache Handgelenk und den vom Handschuh deutlich hen, der modellirten Fingern auf dem Nacken des Kin⸗ Mein des ruhen, das mit großen Augen zu der neuen hin. I. Freundin aufschaute. a inkündig„Ach, ich bin ja eine solche Kindernärrin, ihre Herr Doktor,“ schloß Helma ihr Geplauder mit Sunen, der Kleinen, indem sie sich erhob.„Ich bitte nach e um Verzeihung, daß ich Ihre Zeit so lange mmählum in Anspruch genommen habe. Ich kann ein⸗ 0 eri treten, so bald Sie es wünschen.“ und 1„Je eher, je lieber,“ sagte Brandt.„Ihr dem Ni, Zimmer neben der künftigen Schlafstube der sic th, Kinder ist bereit, und was das Gehalt betrifft, also 20 dessen ich unverzeihlicherweise noch gar nicht ich nich erwähnt habe—“ f 5 st, nich„So kann es an meinem Entschlusse nichts 1 uten ändern,“ fiel ihm Helma ins Wort.„Gefangen en bin ich doch nun einmal“, setzte sie lächelnd ell Haus hinzu 0 1 N Er sah sie mit einem wunderlichen Blick an, 1 0 der Helma bis unter das Haar erröthen machte. i u, Ihre Aeußerung mußte sehr ungeschickt gewesen aufe sein. Sie war so verwirrt, daß ihr die Summe, sich seßh die er nannte, und die für deutsche Verhältnisse ber sü ungewöhnlich hoch war, gar nicht zum Bewußt⸗ „ was] sein kam. N wich hal Ein altes Haus im Centrum der Stadt. el, un Großer, unsauberer Thorweg, ausgetretene nach Wa, Treppen, von dem engen Hofe spärlich erhellt. Kinde-“ Auf jeden Flur münden zwei Thüren, an de⸗ in Gen, nen neben dem Porzellanschild vielfach Visiten⸗ uns fel, karten angeheftet sind. Auf dem Schilde der len übe, Thür links im dritten Stock liest man den behalte“ Namen Maihöfen, Prediger a. D. Täglich in e Erinng der neunten Abendstunde huscht eine weibliche 3 Gestalt die schwach erleuchteten Treppen hinauf, um in jener Thüre, die sich selbst öffnet, zu Also kel verschwinden. Es ist Fräulein Käthe Maihöfer. e, Sie hält in der Nähe einen kleinen Kurz⸗ und dachte! Spielwaarenladen, den sie um diese geit schließt. z gan Ein Herr begleitet sie regelmäßig den kurzen u gn Weg bis nach Hause. Es ist der Verlobte Fräu⸗ 125 ah lein Kätens und das Paar steht gewöhnlich noch ein Viertelstündchen flüsternd vor dem inrichtu. Thorweg, wobei sich mitunter ein kurzes, fröh⸗ und Et liches Auflachen hören läßt. Fräulein Käte eil sie d Maihöfer ist eine heitere Natur— zu ihrem d gänzi. Glück, denn sie würde sonst an der in jungen Jahren ihr auferlegten Last zu schwer zu tragen e Brand! haben. Als der Vater sein Predigeramt nie⸗ halle 1 derlegte, weil seine Stellung zur Staatskirche zurück unhaltbar geworden, war Käte, die älteste von die Ga! von fünf Geschwistern, eben erst konfirmirt. des u Vermögen war keines vorhanden. Herr Mai⸗ 1 höfer hielt Vorträge in den freireligiösen Ge⸗ i Hanh meinden verschiedener Städte und beschäftigte i sich litterarisch mit der Propaganda der da— der 1 1 mals noch im Vordergrunde stehenden religiös⸗ un reformatorischen Ideen. Was er dadurch er- ihm u warb, reichte nicht annähernd zum Unterhalt l der Familie hin. Da trat denn Käte für sie „ das ein und etablirte mit Hilfe einiger Freunde gg,, ein kleines Geschäft, welches sie durch Umsicht den, ub und rastlosen Fleiß bald in die Höhe brachte. d mich Einer der Brüder hatte sich dem Brauerge— zurn werbe gewidmet, der zweite war zur See ge⸗ te. Hall“ gangen, so daß nur noch ein dreizehnjähriges age 1 Mädchen und ein achtjähriger Junge zu Hause ein hee waren. die fle Heute konnte sich unser Pärchen gar nicht Engel 0 trennen. Sie hatten sich so viel zu sagen und fe sir 100% sprachen mit solchem Eifer, daß sie kaum merk— ten, wie sie von dem Thorweg, vor dem sie zucle eine Weile gestanden, bis zur nächsten Straßen⸗ doch 105 ecke wanderten, umkehrten, wieder stehen blie⸗ 0 dec, ben und abermals hin⸗ und herpromenirten. % Endlich aber riß sich Fräulein Käte los. Ein letzter kräftiger Händedruck und verschwunden N e boar sie. f 2 DODben wurde sie mit hellem Jubel empfangen. 0 Um den großen Tisch in der Mitte der Wohn—
stube, über den eine Lampe von der Decke hing, saßen Mutter und Geschwister bei der Arbeit. Die Mutter, eine blasse, ernstblickende Frau, mit einem Leidenszug in dem von grauem Haar umrahmten Gesicht, war mit Ausbessern von Wäsche beschäftigt, von der ein großer Korb voll neben ihr am Boden stand. Der blonde und braune Kopf von Lenchen und Fritz hatten sich bisher unter dem wachsamen Auge der Mutter eifrig über ihre Schularbeiten gebeugt, als sise asber die Schwester kommen hörten, war es mit der Emsigkeit vorbei. Beide reckten sich mit einem Gefühl der Erleichterung, und Fritz schwenkte sein Rechenheft der Eintretenden entgegen.
„Ach endlich, Käte, komm, hilf mir. Ich krieg' es nicht raus. Ein verflixtes Exempel,“ rie er.
„Und mein Aufsatz, Käte, solch' ein schweres Thema. Hör' doch: Ist die Jungfrau von Or⸗ leans strafbar, weil sie für ihres Landes Feind entbrannte.
Käte lachte hell auf.„Weißt Du denn, was das ist, entbrennen?“ fragte sie belustigt, während sie die Mutter zur Bewillkommnung auf die Wange küßte.
Die Kleine nickte, indem sie leise errötete.
„Wenn eines in einen verliebt ist,“ mur⸗ melte sie.
„Hat Euch der Lehrer das so erklärt?“
„Braucht er doch nicht, wissen wir ja.“
„Wundervoll,“ lachte Käte, und sie und die Mutter sahen sich an.
„Aber das Thema ist wirklich schwer, da muß ich erst drüber nachdenken,“ sagte die große Schwester.„Erst will ich Fritz ab⸗ fertigen.“
„Laßt sie erst essen,“ entschied die Mutter.
Käte holte sich aus der Ofenröhre ihr Abend⸗ brot, einen Teller Milchsuppe, wozu sie eine Klappstulle mit gutem Appetit verzehrte.
Der Fehler in Fritzens Exempel war bald gefunden. Lenchens Aufsatz hatte bis morgen Zeit, und so wurden die Kinder zu Bette ge⸗ schickt.
Endlich war Käte mit der Mutter allein. Das Nächste war, daß sie dieser die Arbeit mit sanfter Gewalt aus der Hand nahm und sich einen niedrigen Sessel heranschob.
„Genug für heute, Mutter“, sagte sie.„Ich habe Dir was Gutes zu erzählen.
Frau Maihöfer sah ihre Tochter, die die Arme um ihre Taille gelegt hatte und mit einem glücklichen Lächeln zu ihr aufschaute, mißtrauisch von der Seite an.
„Was denn? Der Kolweit hat wohl eine Stellung?“
Käte nickte. strahlten.
Frau Maihöfer machte eine Bewegung, als wollte sie sagen:„Na, wenn das alles ist!“
„Aber eine brillante“, fuhr Käte fort.„An einem neugegründeten, hier erscheinenden Blatte Der Chefredakteur ist ein alter Freund von ihm, der bisher im Exil gelebt hat; der sich sogleich seiner erinnert und ihn aufgesucht hat, um ihm ein glänzendes Anerbieten zu machen. Denke Dir, zweitausend Thaler soll Bernhard haben.“
Frau Maihöfer sah ihre Tochter eine Weile groß an.„Und da soll nun wohl geheirathet werden?“ fragte sie tonlos.
„Gewiß, Mutter. Worauf sollen wir länger warten? Eine vierjährige Brautschaft ist doch wohl lang genug. Von dem Gelde können wir ja alle leben. Für uns allein ist es ja viel zu viel. Nun hört alle Quälerei auf. Mütter⸗ chen, Mütterchen, freue Dich doch!“ Käte zog die Mutter an sich und lachte aufgeregt.
„Was ist da zu freuen“, sagte jene, ohne eine Miene zu verändern.„Heirathe nur erst. Wirst bald anders reden. Ist keine Seligkeit dabei.“
„Doch, Mutter doch!“ rief Käte, sie fester umschlingend.„Es muß Seligkeit sein. Man muß sich nur nicht dagegen verschließen. Du hast sie nicht gefunden, arme Mutter. Aber siehst Du, war es nicht ein wenig Deine Schuld? Ach, wenn Du gewollt hättest. Es waren ja
Ihre veilchenblauen Augen
schwierige Verhältnisse, gewiß— die vielen Kinder und kein Einkommen— aber wenn Du nur ein klein wenig mehr— mehr Liebe ge⸗ zeigt hättest— uns allen— besonders dem Baer g
„Ich habe meine Pflicht gegen ihn und Euch nie verabsäumt.“
„Nein, Mutter, das hast Du nicht. Im Gegentheil, Du hast übermenschlich gearbeitet, hast uns alle zu ordentlichen Menschen erzogen, wir wissen es und danken es Dir aus tiefster Seele“— und Käte faßte die Hände der Mutter und küßte sie inbrünstig—„aber ich denke, Du wärst trotz allem glücklicher gewesen, wenn Du nicht immer nur die Pflicht im Auge, für uns ein bischen Zärtlichkeit gehabt hättest.“
Die Mutter verharrte in Schweigen.
„Ich habe es so entbehrt, Mutter,“ flüsterte Käte, ihre Wange an die der Mutter legend. Diese aber saß starr da. ü
„Mutter!“ rief Käte mit Flehen in Ton
und Blick. (Fortsetzung folgt.)
Sprüche zur Lebensweisheit.
Ueber das, was oft angeblich zu Gottes Ehre geschah und geschieht, muß sich der Teufel freuen.
Wer mehr Qualen bereitet als erleitet, den nennt man glücklich, und wem seine Mittel er⸗ lauben, das erstere in großem Maßstabe zu thun, der heißt wohl auch groß. L. Anzengruber.
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Den Fürsten ist der Herrgott der Knecht Rupprecht, mit dem sie die großen Kinder zu Bette jagen, wenn nichts Anderes mehr helfen will, daher sie auch viel auf ihn halten.
Schopenhauer.
„Giebt es irgend einen Einfältigen, der glauben möchte, daß irgend eine Nation ohne eine freie Presse frei genannt werden könnte?
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Die Menschen, die kein Recht besitzen, sind ohne Vaterland. Petöfi
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Fromme Leute. Gutes zu thun, muß stets Euch locken ein himm⸗ lischer Köder. Drohte der Popanz nicht, wie wäre die Sünde so nett.
Humoristisches.
Neuer Kurs. Lieutenant:„Aeh— Moltke— na
ja— hat ja mal wat jejolten! Aber sehen Sie—
Reden halten hat er doch nicht jekonnt!“(Südd. Post.) *
Unerwartete Schlußfolgerung. Er:„Es ist doch stark, kauft der Junge seiner Braut ein Bouket um fünf Mark!“— Sie:„Daran siehst Du jetzt, was für ein schäbiger Bräutigam Du dereinst gewesen bist!“
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Leider. Leutnant:„Aeh, äh, Einjähriger, kom⸗ men mir recht bekannt vor, vielleicht schon'mal gesehen, wie?“— Ein jähriger:„Zu Befehl, Herr Leutnant, hatte die Ehre, mit Herrn Leutnant die Quinta des hiesigen Gymnasiums zu frequentiren!“— Leutnant:„Aeh, famos, aber dann?“— Einjähriger:„Dann wurde ich leider versetzt, Herr Leutnant!“
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Ein Sekundärbahnidyll. A.:„Sagen Sie nur Frau Bahnwärterin, wie stellen Sie es nur eigentlich an, daß Ihre Kinder alle so zeitig laufen lernen?“— B.: „Seh'n S', Frau Posthalter, das giebt sich bei uns hier ganz von selbst, die Kleinen halten sich hinten am Zügle an und wenn's losfährt, laufen s' halt mit!“
Neu eingelaufene Schriflen.
Besprechung wichtigerer Erscheinungen behalten wir uns vor.
Im Verlag von J. H, W. Dietz Nachf. ist soeben erschienen Heft 7 und 8 des Lieferungswerkes: Gesund⸗ heitsschuz in Staat, Gemeinde und Familie, herausgegeben unter Mitwirkung von Aerzten und Fach⸗ gelehrten von Emanuel Wurm.
Aus dem Inhalt heben wir hervor: Luftdruck und Lu, tfeuchtigkeit.— Das Licht.— Die Wärme— Das Wetter.— Klima und klimatische Kurorte.— Der Blutumlauf⸗— Die Atmung.
Das Werk wird in Lieferungen von je 32 Seiten A 20 Pfennig erscheinen und in 25 Heft⸗n komplet vor- liegen.
Bestellungen nehmen alle Buchhandlungen und Kol- porteure entgegen.
Alle vierzehn Tage erscheint ein Heft.
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