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Nr. 16.
Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung.
Seite 5.
Zeitung“ nicht abonnirt hätten.
Mark. Diese Forderungen sollen der Schreiner⸗ innung schriftlich eingereicht werden.— Leider ist die Organisation der Holzarbeiter— wie auch der übrigen Gewerkschaften am Orte— eine sehr schwache. Erst dann werden Erfolge zu erringen sein, wenn alle am Orte arbeitenden Holzarbeiter sich der Organisation anschließen. Darum:„Hinein in die Gewerkschafts⸗Organi⸗ sationen“.— Wie verlautet, hat schon eine Aus- schußsitzung der Innung mit dem Gesellen⸗Aus⸗ schuß stattgefunden. Viel Entgegenkommen zeigten die Meister allerdings nicht, sie sind nur geneigt, die zehnstündige Arbeitszeit und zehn Prozent für Ueberstunden zu bewilligen. Ein Geselle war der Meinung, daß es schon äußerst schwer hielt, mit 16 Mk. Wochenlohn eine Familie zu ernähren. Der Meister Rose platzte heraus:„Wer keine Kinder ernähren kann, soll sich auch keine anschaffen.“ Gewiß ein„geist⸗ reicher“ Ausdruck; ein homerisches Gelächter nicht nur der Gesellen sondern auch der übrigen Meister war die Folge.
Eine Parteiversammlung faud am 9. April im Lokale des Herrn Müller statt, dieselbe war leider nur schwach besucht. Nach Wahl des Bureaus wurde zu Punkt 1, Maifeier, übergegangen, Genosse Wolff schilderte in kurzen Worten die Entftehung und Bedeutung der Mai⸗ feier für das gesamte internationale Proletariat und betonte, daß es auch Pflicht der hiesigen Genossen sei, den Weltfeiertag würdig zu begehen. Nach kurzer Diskussion wurde folgende Resolution angenommen:„In Erwägung, daß die Organi⸗ sationen am Orte nicht so stark sind, um einer Forderung auf allgemeine Arbeitsruhe für den 1. Mai den nötigen Nachdruck zu geben, sehen die Arbeiter Marburgs von der allgemeinen Ar⸗ beitsruhe am 1. Mai ab, verpflichten sich aber, mit aller Kraft für die Fest⸗Versammlung am Abend zu wirken. Diejenigen Genossen, denen es ohne große Opfer möglich ist, sollen den 1. Mai durch Arbeitsruhe feiern. Als Beitrag für Mai⸗ marken soll jeder an diesem Tage arbeitende Parteigenosse eine Maimarke von mindestens 30 Pfg. entnehmen Eine dreigliederige Kommission wurde noch gewählt, welche die nötigen Vorbe⸗ reitungen für das Fest zu treffen hat.— Unter Punkt 2, Verschiedenes wurde von einem Ge⸗ nossen betont, daß, wenn auch der Abonnenten⸗ stand der„M.⸗S.⸗Ztg.“ ein guter wäre, doch noch immer mehr Gewicht darauf gelegt werden müsse, daß unser Organ noch mehr von den Arbeitern gehalten würde, so seien dem Redner Fälle bekannt, wo besonders tüchtig sein wollende Parteigenossen die„Mitteldeutsche Sonntags⸗ Hier müßte unbedingt Wandel geschaffen werden und besonders abgehende Abonnenten durch Aufklärung dahin
gebracht werden, das Organ weiter zu halten.
Ein Arbeiterjubiläum. Der in der Buchdruckerei von Fr. Sömmering beschäftigte Maschinenmeister Daniel Sandmeister feierte am 2. April sein 50jähriges Berufsjubiläum. Zu Ehren des Jubilars fand am 1. April im Schloß⸗ garten von seiten der Buchdrucker eine Festlichkeit statt, welche auf das schönste verlief. Daß der Gefeierte sich auch außerhalb Marburgs großer Sympathien erfreut, bewies die große Anzahl von Zuschriften und Telegramme. Von Seiten der Buchdrucker, als auch seines Prinzipals wurden dem Jubilar wertvolle Geschenke gewidmet. Die gesamten Buchdruckerei⸗Besitzer widmeten ein künstlerisch ausgeführtes Diplom.
Kleine Mitteilungen.
** Gießen. Dee Stadt Gießen kauft von dem Buderus'schen Eisenwerk den oberhalb des Bahnhofs Gießen liegenden Hochofen mit dazu gehörigem Gelände, die sogenannte Lahnhütte, für 240,000 Mk.
* Mainz. Wie wir der„M. V.⸗Z.“ entnehmen, haben die Sammlungen für die Butenberfeier bisher 34000 Mk. ergeben, so daß der Festzug gesichert ist. Ebenso soll ein Kostümfest stattfinden; ob aber auch ein Volksfest ist jedoch fraglich.
-h. Wetzlar. Die Handschuhmacher in Wetzlar, welche sämmtlich ihrer Organisation an⸗
gehören, haben beschlossen in eine Lohnbewegung einzutreten. Dieselben haben ihre Forderung am 8. April eingereicht. Auf einer Fabrik hatte am 7. April schon eine Maßregelung eines Kollegen stattgefunden und kündigten am 9. April deshalb sofort alle Handschuhmacher(11 Mann) dieser Fabrik. Auch ist am Montag schon den Ar⸗ beitern von sämmtlichen Fabrikanten bis auf einen eine Antwort zugegangen, welche dahin lautet„daß es den Herren Fabrikanten momentan nicht möglich ist, auf die gestellten Forderungen einzugehen.“ Die Herren Fabrikanten hatten sich in diesem Fall schon am 8. April geeinigt. Bezeichnend ist, daß schon am 9. April allen Frauen und sonstigen weiblichen Angehörigen der Arbeiter, welche mit Handschuhnähen beschäftigt wurden, die Arbeit entzogen wurde, trotzdem noch keine weitere Kündigung erfolgt war.
* Miltärbefrerungsprozeß. In Elberfeld spielte sich in letzter Zeit ein Pro⸗ zeß ab, der so recht charakteristisch für unseren Militärstaat ist. Auf der Anklagebank saßen 27 Leute, die alle der besitzenden Klasse ange⸗ hören. Ein Teil ist beschuldigt, durch Simulation von Krankheiten und Gebrechen versucht zu haben, sich vom Militärdienst zu befreien, der andere Teil hat hilfreiche Hand geleistet oder den Helfern Schlepperdienste verrichtet. Sämmt⸗ liche Angeklagte mit Ausnahme des Retakteurs Hüls und dessen Vater, wurden im Sinne des § 143 des St.⸗G.⸗B. für schuldig erachtet und demnach Dr. Ziel zu 10, Sackermann, Ber⸗ ger und Borlingshaus als gewerbsmäßige Helfer des verstorbenen Strucksberg zu je 9 Monaten Gefängniß und alle 4 Genannten zu je 2 Jahren Ehrverlust verurtheilt. Von der Untersuchungs⸗ haft kommen bei Dr. Ziel 9, Sackermann 8, Berger 8½ und Borlingshaus 7 Monate in Anrechnung. Von den übrigen Angeklagten wurden 7 zu je 3 und 11 zu je 2 Monaten Gefängniß und Tragung der sehr erheblichen Kosten verurteilt. Die Verhandlung dieses Prozesses hatte 13 Tage beansprucht.
** Die„Harmlosen“. Das Reichs⸗ gericht hob das freisprechende Erkenntniß gegen v. Kayser, v. Kröcher etc. wegen gewerbsmäßigen Glückspiels auf und verwies die Sache an die Vorinstanz zurück.
* Raubmordprozeß Gönc zi. Nach viertägigen Verhandlungen gegen das Ehepaar Gönczi in Berlin wegen Raubmordes wurde Gönzi in zwei Fällen zum Tode und Ver⸗ lust und der bürgerl. Ehrenrechte verurteilt. Die Ehefrau wurde freigesprochen.— Es handelte sich hier um die vor ca. 2 Jahren verübte Er⸗ mordung der beiden Frauen Schulze, Mutter und Tachter. Gönczi, der seit den Morde ver⸗ schwunden war, wurde endlich in Rio de Janeiro (Brasilien) ergriffen und ausgeliefert. Er läugnete hartnäckig jede Schuld, doch war das Beweis⸗ material gegen ihn so erdrückend, daß die Ver⸗ urteilung erfolgte.
Arbeiterbewegung.
In Mainz haben nun auch die Kisten⸗ schreiner ihre Lohnbewegung zu ihren Gunsten beendet. Ohne daß es zum Streik gekommen ist, setzten sie eine zehnprozentige Lohnerhöhung und Verkürzung der Arbeitszeit auf 9/ Stunden durch. Ueberstuuden sollen mit 25 Prozent Aufschlag vergütet werden.— Die Mainzer Holzarbeiter werden in diesem Frühjahr so recht den Nutzen einer guten Organisation wahrge⸗ nommen haben. Ohne eine solche wären die bisherigen Erfolge nicht zu verzeichnen. Eine Besserung war in Mainz auch dringend not⸗ wendig. Seit Jahren waren dort durch den Fabrikanten⸗Ring und den Mangel einer wider⸗ standsfähigen Organisation bei den Arbeitern die Arbeitsverhältnisse im Schreinergewerbe ge⸗ radezu traurige geworden.— An den Mainzer Holzarbeitern ist es jetzt, dafür zu sorgen, daß das Errungene nicht wieder verloren geht.
Versammlungs⸗Kalender. Sonntag, 15. April: Gesangverein Eintracht(Mitglieder des Arbeiter⸗
Sängerbundes des Rhein⸗ und Maingaues) abends 8 Uhr Familien⸗Abend im Vereinslokal. Montag, 16. April:
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Ausflug nach Heuchelheim(Zum grünen Baum). Donnerstag, 19. April: Singstunde.
Nürnberger Kandidatenfrage.
Verschiedene Blätter melden, für die Reichs⸗ tagskandidatur in Nürnberg sei Dr. L. Arons in Aussicht genommen. Demgegenüber ist zu bemerken, daß die Nürnberger Genossen noch gar nicht beschlossen haben.
Briefkasten der Redaktion.)
Berichtigung. Unsere letzte Nummer weist ver⸗ schiedene Druckfehler auf. Im Nachruf für Genossen Oertel muß es selbstverständlich heißen: wurde.. 1898 (statt 1868) in den Landtag gewählt.— Ferner leerten die Brauer auf ihrem Feste nicht manches Faß Reben⸗, sondern Gerstensaft. In Bezug auf eine Wendung in dem Bericht über dieses Fest wird uns noch mitgeteilt, daß die Herren von der Aktienbrauerei durch unabwend⸗ bare Familienverhättnisse verhindert waren, dieses Fest, wie sie es stets gethan, zu unterstützen.
K. W.⸗Alsfeld. Sch. erhielt in Nidda 1899 41 Stimmen.
Briefkasten der Expedition.
Quittungen. Fr. W. Abch. 2.—. Zm. Noh. 4.—. Sgfr. Abck. 9.60 Lg. Schtz. 14.40. Sch. Gbck. 8.40. Wgnr. Nsch. 4.—50. Kl. Rdgn. 15.70. Kr. Ang. 2.80. Gge. Hdbgn. 8—. Fchs. Dbgn. 9.80. Fellgsh.—.60. Str. G. 4.—. Z. Nos. 3.—. Cchr. Fr. 2.20. cht. Gbg. 6.—. Fth. Wtzlr. 30.—. Mtz. Ob. 1.40. B. Dog. 5.60. Sch. Derschlog 1.—. Gst. B. 8.75. Fch. Gbg. Pf. Wtzb. 14.—. Sg. Hest. 2.—. L. Weck. 37.—. R. G. 2.40. Pf. G. 3.60. Dth. Egst. 4.60. Dl. S. 2.—. B. Rdgn. 2.—. Bek. Vtzbg. 3.—. Hm. Lbg. 5.15. Ggr. Mog. 31.40.
Anterhaltungsteil.
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Das freie Wort.
Sie sollen alle singen
Nach ihres Herzens Lust;
Doch mir soll fürder klingen
Ein Lied nur in der Brust:
Ein Lied, um Dich zu preisen,
Du Nibelungenhort,
Du Brot und Stein der Weisen, Du freies Wort!
Habt Ihr es nicht gelesen: Das Wort war vor dem Rhein! Im Anfang ist's gewesen,
Drum soll's auch ewig sein. Und eh' Ihr einen Schläger Erhebt zum Völkermord Sucht unsern Bannerträger, Das freie Wort!
Ihr habet zugeschworen So treu dem Vaterland, Doch seid Ihr all' verloren Und haltet nimmer Stand, So lang in West und Osten So lang in Süd und Nord Das beste Schwert muß rosten:
Das freie Wort!
Ach! es will finster werden. Wohl fin ster überall, Doch ist die Nacht auf Erden Ja für die Nachtigall.
eraus denn aus der Wolke,
ie, Sänger, Euch umflort, Erst predigt Eurem Volke
Das freie Wort!
Laßt Eure Adler fliegen, Ihr Fürsten, in die Welt, Und sie nicht müßig liegen Auf Eurem Wappenfeld! O jagt einmal die Raben Aus uusern Landen fort Und sprecht: Ihr sollt es haben,
Das freie Wort!
Gg. Herwegh.
Das blaue Wunder. Novelle von H. Zschokke. „Wo fehlt's?“ fragte Doktor Falk und legte Hut und Stock weg. „Der Herr weiß es!“ seufzte sie mit leiser Stimme kläglich,„ich leide viel; schon seit einigen


