Ausgabe 
15.4.1900
 
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t. 16. Gießen, Sonntag, den 15. April 1900. 7. Jahrg.

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Wiedererstanden sind Farbe und Duft; Wiedergekehrt sind der Zugvögel Schwärme, Wohlklangerfüllt ist die würzige Luft! Alles, was Odem hat, dehnt seine Schwingen, Alles, was niedrig, strebt hoffend empor; Alles, was Stimme hat, läßt sie erklingen, Schallend und wirbelnd im weckenden Chor: Wachet auf! Wachetl auf! Vachel auf! Die Johr duldend der Liebe und Freiheit entbehrt Der Frühling, der Frühling ist wiedergekehrt! Wachet auf! Wachet auf!

Hört die Gewässer:Es ist mir gelungen, Murmelt vergnügt dee lebendige Bach,

Da er dem Joche des Frostes enlsprungen,

Als ihm der Lenz seine Fesseln zerbrach. RNeißend und stürmisch, geschwellt von den Bächen, Toset und schäumet der Waldstrom einher;

Hört Ihr die donnernden Wogen nicht sprechen Weit übers Land von der Quelle zum Meer: Wachet auf! Wachet auf! Wachet auf!

Die Ihr Leben und Liebe und Freiheit begehrt, Der Frühling, der Frühling ist wiedergekehrt!

D ene sind das Licht und die Wärme,

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Hört den Gesang, der in grünenden Wäldern Laut aus gefiederten Kehlen erklingt;

Höret das Preislied, das über den Feldern Zubelnd die Lerche dem Sonnenlicht singt!

Hört des Nosses lustschnaubende Nüstern,

Hört seiner Angeduld stampfenden Huf;

Hört aus dem Dröhnen, dem Singen, dem Flüstern Einzig allein den verheißenden Ruf:

Wachet auf! Wachetl auf! Wachet auf!

Der Euch Leben und Liebe und Freiheit gewährt, Der Frühling, der Frühling ist wiedergelehrt! Wachet auf! Wachet auf!

Höret die rufende Stimme der Winde,

Die aus den wogenden Lüften ertönt;

ö sie vom Süden spricht, weich und gelinde, Ob sie von Westen her rültelnd erdröhnt: Wo wir auch perlende Stirnen umfachen, Wo wir auch stöhnende Herzen umweh'n Aeberall seh'n wir die Armen erwachen, Aleberall seh'n wir die Kämpfer ersteh'n. Wachet auf! VNachet auf! Wachel auf! Die Ihr müde und einsam und liettenbeschwert, Der Lenz, der Befreier ist wiedergekehrt,

Wachet auf! Wachet auf!

5 ˖ Wachel auf!

Wachet auf!

A. Scheu.

Arbeiter! vüstet zum Weltfeiertag des Proletariats! CECE Die Erfolge unserer Kolonialpolitik.

Mit unserenherrlichen Kolonien war es schon immer ein rechtes Elend. Zahlen, zahlen und immer wieder zahlen war das einzige, was wir von dieser Art Weltmachtspolitik, die ja jetzt noch erweitert, ja überhaupt Trumpf werden soll, hatten. Ein Reichs zuschuß von über 100 Millionen, das war bisher der Erfolg, den wir auf dem Gebiete der Kolonialpolitik ver⸗ zeichnen konnten.

Das traurige, hoffnungslose Bild versuchte man an maßgebender Stelle dadurch einigermaßen erträglich zu machen, daß man eine bedeutende Besserung der Verhältnisse und schnelle Entwicke⸗ lung in Kamerun ankündigte. Es schien auch wirklich, als sollte die Prophezeiung wenigstens zum kleinen Teil eintreffen. Bei den bisher ge⸗ machten traurigen Erfahrungen der vollständigen Ergebnislosigkeit und den fortwährenden Zu⸗ schüssen ist es begreiflich, daß man von schönen Erfolgen sprach, als man in Kamerun wenigstens so halbwegs günstige Ergebnisse mit Pflanzungen erzielte und sogar in allerletzter Zeit einen kleinen Ueberschuß verzeichnen konnte. Im Jahre 1898/99 wurden aus Kamerun 245 876 Kilogramm Kakao ausgeführt zum Werte von 313 115 Mk.

Der kleine Erfolg, der ganz verschwindet, wenn wir ihn neben den riesigen Zuschuß stellen, wurde im letzten Bericht überschwänglich gepriesen und dadurch große Hoffnungen erweckt:

Der Plantagenbau hat im letzten Jahre, so hieß es in der Denkschrift der Regierung über Kamerun,einen geradezu glänzenden Auf⸗ schwung genommen. Es wird auf sämtlichen Plantagen mit größtem Eifer gewirtschaftet. Nach den in den älteren Pflanzungen vorliegen⸗ den Resultaten ist auch, von ganz unberechen⸗ baren Faktoren abgesehen, die Rentabilität des Kakaobaues unbedingt gesichert. Auf diesen haben sich die sämtlichen Pflanzungen mit aller Nacht geworfen. Zur Zeit ist der ganze südliche und westliche Abhang des Kamerunberges an Plan⸗ tagen⸗Unternehmungen, die sämtlich in Betrieb sind, vergeben. Es arbeiten auf diesen Pflanzungen gegenwärtig ca. 4000 Arbeiter gegen noch nicht 2000 Arbeiter im letzten Berichtsjahr. Beinahe 3000 sind Eingeborene des Kameruner Schutz⸗ gebietes. Die angebaute Fläche am Kamerun⸗ derge hat sich gegen das Vorjahr von 1300 auf 2500 Hektar gehoben. Davon entfallen 2200 Hektar auf Kakao. 8

Das war Musik in den Ohren der Kolonial⸗ schwärmer und Wasser auf ihre Mühlen.

Was wir jedoch jetzt aus Kamerun hören, klingt ganz anders. Das neueste, was gemeldet wird, ist ein Sammelsurium von Hiobsposten. Man höre:

Der Aufstand der Stämme des nördlichen Binnenlandes wächst, der Betrieb der Pflanzungen am Kamerungebirge ist aufs äußerste gefährdet und teilweise bereits eingestellt. Der Mangel an Arbeitskräften macht sich immer fühlbarer. Die Versuche, aus dem Baliland Arbeiter heran⸗ zuziehen, sind bisher völlig gescheitert. Was vor einigen Jahren Dr. Zintgraff, Dr. Esser und anderen gelungen war, aus Bali Arbeitskräfte herbeizuschaffen, ist jetzt infolge des Aufstandes

der Eingeborenen nicht mehr möglich. Eine vor

einigen Monaten unternommene Expedition scheiterte an der feindseligen Haltung der das zu passierende Gebiet bewohnenden Stämme. Ihr Führer, Herr Courau, mußte das Wagnis mit dem Leben bezahlen. Auch ein neuerlicher, vor einigen Wochen unternommener Versuch, mit einer wohlausgerüsteten Expedition das Baliland zu erreichen, erschloß das Rekrutierungsgebiet der so heißersehnten Plantagenarbeiter nicht: alle Zugänge zum Hinterlande erwiesen sich als ge⸗ sperrt, die Expedition mußte vor dem Feuer der Eingeborenen den Rückzug antreten. Es besteht gar keine Aussicht mehr, aus dem Schutzgebiet selbst Arbeitskräfte zu erhalten. Die kolonial⸗ freundliche Presse äußert die Befürchtung, daß, falls nicht eine gründliche Aenderung Platz greife, das Schicksal Kameruns als Pflanzungskolonie für die nächsten Jahre besiegelt sei.

Eine gründliche Aenderung ist nötig, das heißt mit anderen Worten und etwas deut⸗ licher: ein ganz besonders fetter Zuschuß, sonst ist alles verloren. Das sind ja nette Aus⸗ sichten, die aber erst in ganzer Schönheit zutage treten, wenn wir sie mit dem bisherigen Reichs⸗ zuschuß für Kolonien vergleichen, der weit über 100 Millionen beträgt.

DieKölnische Volksztg. meldet über das neuerliche Kolonialelend:

Der Aufstand hat sich den ganzen Mungo⸗ Fluß entlang schon unterhalb Mundame bis Malende erstreckt. Alle Dörfer sind verlassen, Frauen und Kinder im Urwald versteckt, und die Männer ziehen bewaffnet, raubend und plündernd durch das Land. Unter diesen Um⸗ ständen ist an einen regelmäßigen Betrieb der Plantagen nicht mehr zu denken. Auf einer Pflanzung werden kaum noch zweihundert Schwarze

beschäftigt, nachdem die siebenhundert im vorigen