Ausgabe 
15.4.1900
 
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Seite 2.

Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung.

Nr. 16.

Jahre zugeführten Bali⸗Leute wieder heimgekehrt sind. Es ist gar keine Aussicht mehr, das Ar⸗ beiter aus irgend welchem Teile des Schutz- gebietes selbst zu gewinnen sind und die Pflanz⸗ ungen sind auf die spärliche Zufuhr der mit Monopolgebühren und Anwerbungsgebühren be⸗ lasteten Wei⸗Leute, aus dem Gebirge angewiesen. Es ist zu erwarten, daß Tausende von Hektaren, die in den letzten Jahren mühsam gerodet wurden, in der Frühjahrsregenzeit wieder mit üppig verschlungenem Unkraut bestanden sein werden.

Das ist der vollständige Bankerott der deut⸗ schen Kolonialpolitik und des dort eingeführten schneidigen preußisch⸗ militärischen Systems im Verkehr mit den Eingeborenen.

Die Hoffnungslosigkeit der gegenwärtigen Situation kann nicht besser beleuchtet werden, als durch folgende Stelle aus der im Dezember vorigen Jahres veröffentlichten Denkschrift über die Schutzgebiete in Südafrika:

Die bereits von den verschiedensten Seiten in der Oeffentlichkeit zum Ausdruck gebrachte Meinung, daß Kamerun die beste un⸗ serer Kolonien sei, dürfte bald zu allgemeiner Anerkennung gelangen.

Die beste unserer Kolonien steht vor der Vernichtung, wenn nicht energisch zugegriffen, das heißt aufs neue Millionen geopfert werden. Das ist ein bitterer Kelch, der jetzt mitten im Weltmachtstaumel verabreicht werden muß.

L. Vztg.

Politische Bundschau. Gießen, 13. April.

Zum Fleischwuchergesetz.

Gegen das Fleische in fuhr verbot hat sich nach der Darmstädter und Lübecker auch die braunschweigische Regierung erklärt. Der Minister Hartwich erklärte im braunschweigischen Landtag: Der braunschweigische Bevollmächtigte zum Bundesrat sei angewiesen, allen hygiei⸗ nischen Maßregeln für das in⸗ und ausländische Fleisch zuzustimmen, aber den darüber hinaus⸗ gehenden handelspolitischen, vom Reichskanzler als unanehmbar bezeichnten Anträgen seine Zu⸗ stimmung zu versagen. Als tendenziöse Erfindung bezeichnet es die Norddeutsche Allgemeine Zeitung, das auswärtige Amt habe die Bewegung gegen die Kommissionsbeschlüsse zum Fleischschaugesetz veranlaßt und ein vertrauliches Schreiben dieser⸗ halb an die Handelskammern gelangen lassen. Die Interpellation der Konservativen im Abge⸗

ordnetenhause zum Fleischschaugesetz lautet wört⸗

lich wie folgt:Ift der Herr Ministerpräsident bereit, darüber Auskunft zu geben, in welcher Weise er seinem in der Sitzung des preußischen Abgeordnetenhauses vom 27. April 1898 abge⸗ gebenen Versprechen bezüglich der Fleischschau im Deutschen Reiche gegenüber den jetzigen Beschlüssen des Reichstags nachzukommen gedenkt?

Kraftprobe der Junker.

Eine Proklamation an die Mitglieder der Bundes der Landwirtezur Klärung der Lage erläßtder engere Vorstand, Frhr. v. Wangen⸗ heim, Dr. Nösicke und Dr. Hahn. Nicht um das bisher eingeführte geringe Quantum Pöokel⸗ fleisches(ca. 5 Prozent der gesamten Einfuhr von Fleischprodukten), sondern um eine General⸗ probe für den Entscheidungskampf um die Wieder⸗ errichtung eines ausreichenden Schutzes der Pro⸗ duktion der deutschen Landwirtschaft durch den neuen Zolltarif handle es sich.Die Stellung⸗ nahme der Regierung läßt klar erkennen, wie wenig sie geneigt ist, der deutschen Landwirtschaft eine gleiche und gerechte Behandlung zuteil wer⸗ den zu lassen. Nach allen Erfahrungen bei dem Fleischbeschaugesetz könne die Berücksichtigung, welche die Landwirtschaft bei den nächsten Handels⸗ verträgen verlangen kann,nach der Entwickelung, die die Dinge jetzt genommen haben, nur dann erreicht werden, wenn diejenigen Aageordneten, welche die landwirtschaftlichen Interessen im Reichstage zu vertreten berufen sind, jede gou⸗ vernementale und persönliche Rücksichtsnahme

schwinden lassen und rein sachliche Politik treiben, eine Politik, vor der die Negierung, der Linken gegenüber, wie die letzte Zeit es wiederholt ge⸗ zeigt hat, stets kapitulierte. schwache Hoffnung noch vorhanden, den Unter⸗ gang der deutschen Landwirtschaft und des deut⸗ schen Mittelstandes, zu dem die Gesetzgebung des deutschen Reiches Schlag auf Schlag treibt, zu verhindern. Bisher hat danach also der Bund der Landwirte keine sachliche Politik be⸗ trieben. Diese Erklärung hat ihre Spitze offen⸗ bar gegen diejenigen Elemente im Bunde, welche kompromißlerisch gesonnen find. Man kann nur wünschen, daß die extremen, wie sie derengere Vorstand repräsentiert, die Oberhand behalten. Um so schwerer kann die Regierung die agrari⸗ schen Forderungen bewilligen, um so eher erleidet die dem deutschen Volke so gefährliche Politik des Bundes, welche die Auspowerung der wirt⸗ schaftlich Schwachen auf die Spitze treiben würde, gründlich Fiasko.

Großgrundbesitzer und Kleinbauer.

Wie mit dem Kleinbauer von dem Groß⸗ grundbesitzer umgesprungen wird, geht aus zwei Briefen hervor, welche der Landrat des schlesischen Kreises Sprottau, v. Klitzing, an den Ge⸗ meindevorstand des Ortes Waltersdorf richtete. Von letzterem hatte der Landrat eine Jagd ge⸗ pachtet und war wegen des Wildschaden⸗ ersatzes mit dem Gemeindevorstand in Differenzen geraten. Nach dem Jagdvertrag mit dem Gemeinde⸗ vorstand soll ein Wildschaden, durch gemeinschaftliche Schätzung des Gemeindevorstehers und des Pächters resp. eines Beauftragten des letzteren unter Zu⸗ ziehung des Beschädigten festgestellt werden, und bei mangelnder Einigung ein Obmann entscheiden, dessen Zuziehung der Beschädigte sogleich am Schätzungstermin beantragen kann. Die Kosten für diesen Obmann soll derjenige Teil, Pächter oder Beschädigter, zahlen, dessen Schätzung am weitesten von der durch den Obmann festgestellten Taxe abweicht. Jede andere Art der Schadens⸗ stellung, auch der Rechtsweg, soll nach dem Vertrag ausgeschlossen sein. Nach diesem Vertrag sollte am 3. November 1899 ein Wild⸗ schaden abgeschätzt werden. Da aber kein Vergleich erzielt wurde, bat der geschädigte kleine Land- wirt um Anberaumung eines neuen Termins. Von dem Landrat und Großgrundbesitzer erhielt nun der Gemeindevertreter folgendes Schreiben:

Wenn es sich um denselben Schaden handelt, der schon einmal abgeschätzt wurde, so liegt zur Ansetzung eines neuen Termins nicht der geringste Anlaß vor. Durch Ihre höchst unmanierliche Grobheit, welche jede Verhandlung unmöglich machte, haben Sie es ganz allein verschuldet, daß ein Vergleich nicht zu Stande kam, oder richtiger gesagt, eine Erklärung von Ihnen nicht erlangt werden konnte.

Beide Taxatoren sind ganz ruhig und höflich gewesen. Sie aber haben ohne jeden Grund in Ihrer bekannten flegelhaften Weise jede Erklärung abgelehnt. Sie hatten das wohlgegründete Recht, gleich im Termin die Zuziehung und Entscheidung eines Obmannes zu beantragen. Das haben Sie nicht gethan. Somit kann ich nur annehmen, daß die nach befstem Wissen und Gewissen vorgenommene Schätzung der Herren Taxatoren richtig war. Zu dieser Annahme habe ich um so mehr Anlaß, als die Herren Taxatoren von mir den festen Auftrag haben, alle Schätzungen möglichst reichlich zu bemessen.

Auch habe ich mich schon einmal, wie Sie sehr wohl wissen werden, persönlich davon über⸗ zeugt, daß die Schätzunen der genannten Taxatoren nicht nur sachgemäß, sondern sehr reichlich sind, daß Sie aber belieben, für Ihre Person unangemessene Forderungen zu stellen.

Landrat von Klitzing.

Um zu Gelde zu kommen hat sich schließlich der Bauer mit der Abschätzung zufrieden gegeben, obwohl diese keineswegs dem wahren Werte des Schadens entsprochen haben soll. Darauf ist ihm folgender Brief zugegangen:

Nur dann ist eine

Nieder⸗Zauche, 29. November 1899.

Anliegend erhalten Sie 16,85 Mk. für Wild⸗ schaden. Das Nähere wollen Sie aus der gleichfalls beiliegenden Berechnung ersehen. Zu Ihrer Information will ich Ihnen den letzt liquidierten Schaden d. i. Wasserrüben⸗ schaden erläutern.

Herr Inspektor Weiß hatte Ihnen abgeschätzt:

28 Ztr. à 50 Pfg. gleich 14 Mk. Sie for⸗ derten außerdem noch 7 Mk. Fuhrlohn; also 14 und 7 Mk., das sind 21 Mk. Der zuge⸗ zogene Kreistaxator schätzte den Schaden auf 16,70 Mk. Nach§ 4 des Jagdvertrages hat im vor⸗ liegenden Falle derjenige die Kosten des Ob⸗ mannes zu tragen, dessen Forderung am weiteften von der durch den Obmann festge⸗ setzten Taxe abweicht.

Die hiesige Forderung 14 Mark weicht von der Taxe des Obmanns nur um 2,60 Mk. ab. Ihre Forderung weicht von der Taxe des Obmannes um 4,30 Mk. ab. Folglich haben Sie den Obmann zu bezahlen. Laut beiliegender Nota fordert der Obmann 15,60 Mk., der Wasserrübenschaden beträgt 16,70 Mk., somit bleibt Ihnen 1,10 Mk., nachdem der Obmann von hier aus befriedigt wurde. In Ihren Interesse bedaure ich diesen Ausgang, muß mich aber im vorliegenden Fall strikt nach Recht und Gesetz halten. von Klitzing. So bekam also der Bauer seine Mark und

noch zehn Pfennige und wird nun wohl zufrieden sein. Er wird sich nicht abhalten lassen, bei den nächsten Wahlen, wenn der Herr Landrat zum gewöhnlichen Volke herabsteigt, und die Gemein⸗ samkeit der Interessen der Großgrundbesitzer und des Bruder Bauer betont, seine Stimme für die Edelsten und Besten abzugeben.

Das neuesteAttentat.

Wie wir bereits in der letzten Nummer mit⸗ teilten, schoß der Klempnerlehrjunge Sipido aus Brüssel einen oder zwei Schüsse auf den Prinzen von Wales ab. Der Prinz war eben in den vom Brüsseler Nordbahnhofe nach Köln abgehenden Zug eingestiegen, als die That er⸗ folgte. Sipido war vorher l eine Wette mit einem Kollegen eingegangen, daß er auf den Prinzen schießen werde. Diese Schüsse wurden aus einem alten Revolver, den der Attentäter für ganze drei Mark erstanden hatte, abgegeben. Der Bahnhofsvorsteher verhinderte den Jungen an weiterer Schießerei. Obwohl man es hier zweifellos nur mit einem blödsinnigen Streich eines dummen Jungen zu thun hat, bemüht sich selbstverständlich die reaktionäre Presse, der Ar⸗ beiterbewegung eins auszuwischen und die That des Verrückten ihr zur Last zu legen. Hierzu schreibt uns ein Freund:

92 Gesegnet sei die Bombe!

k. Wem fällt nicht dieser Ausspruch Arthur Meyers ein, wenn er in unseren kapitalistischen Blättern die Attentatsgeschichte auf den Prinzen von Wales liest. Die That eines krankhaft erregten 16jährigen Jungen wird kühn und dreist zu einer Anarchisten⸗ that umgelogen. Die scharfsinnigsten Unter⸗ suchunzen werden in spaltenlangen Artikeln über die Parteistellung des Knaben angestellt und mit heißem Bemühen versucht, ihn der Welt als Anarchisten oder was noch angenehmer wäre, als Sozialisten hinzustellen.

Unsere Leser kennen die Motive dieser Partei⸗ schnüffelei, was nützt unserenStaatserhaltenden das schönste Attentätchen, wenn man nicht ein Ausnahmegesetzchen gegen die Arbeiterklasse darauf aufbauen kann? Wo in der Welt hat je ein Tollkopf ein derartiges Verbrechen begangen, welches nicht Anlaß zu einer Hetze gegen die

Arbeiterparteien gegeben hätte? Die Macher selbst glauben ja nicht daran, daß derartige Dumme⸗Jungenstreiche von irgend einem

Menschen gebilligt oder gar gefördert werden könnten, demdummen Volke aber bringt man bei jeder derartigen, sehr oft tragisch⸗komischen Mordgeschichte das Gruseln bei.

Mit allen ehrlichen Menschen bedauern wir derartige Vorgänge; wie wir den Mordim

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