affen,
atten, dand⸗
an für esondets ige stiefel,
Jahte
igt.
Keine Ratenloose!
Streng sound!
ö
0
Nr. 42. Gießen, Sonntag, den 14. Oktober 1900. 7. Jahrg. Redaktion: 4 Redaktionsschluf: Kirchenplatz 11, Schloßgasse. M sch Donnerstag Nachmittag 4 Uhr. 5 itteldeutsche
utags⸗Zeitung
Abounementspreis:
Bestellungen
FJIJuserate
Die Mitteldeutsche Sonntags-Zeitung kostet durch unsere] nehmen alle Austräger in Stadt und Land, die] finden in der M. S.⸗Ztg. weiteste Verbreitung. Die 5gespalt.
Austräg er frei ins Haus geliefert monatlich 25 Pfennig.[ Expedition in Gießen, Sonnenstraße 25, die Petitzeile oder deren Raum kostet 10 Pfg.
Bei mindestens
Durch die Post bezogen vierteljährlich 90 Pfg. Direkt durch Druckerei, Neuenweg 28, jede Postanstalt und Amal. Bestellung gewähren wir 25%᷑, bei 6 mal. Bestellung die Expedition unter Kreuzband vierteljährlich 1 Mark. jeder Landbriefträger entgegen.(P.⸗Z.⸗K. 4312 a.) 33 ¼% und bei mindestens 12 mal. Aufgabe 50 Rabatt.
Bandwerk und Aapital.
Betrachtungen über Handwerk und Kapital anzustellen, um sich über dessen Bedeutung zu orientiren, dazu gehört nichts weiter als denken. Das Handwerk bedeutete vor und während seiner Blüthezeit die Geschicklichkeit derjenigen, die sich dem Handwerk gewidmet hatten. Die Blüthezeit des Handwerks hat wohl auch den Berufsstolz geboren, den Dünkel oder Berufs- stolz, der auch heute noch gewisse Kreise der zum Proletariat, zur besitzlosen Masse herab⸗ gesunkenen Menschenklasse beherrscht.
Als Kapital werden vielfach noch ersparte und erarbeitete Güter gedacht und betrachtet. Verschiedene Lehren verweisen den Arbeiter auf gewisse Kapitalgrößen, bei denen sich ihr Besitz⸗ thum aus kleinen Anfängen heraus vergrößert habe; durch Fleiß, durch Ausdauer im Fleiß, durch ihrer Hände Arbeit sei es geschehen, wird gelehrt. Allein der Reichthum eines Krösus vor hundert Jahren reicht heute nicht mehr aus, um reich zu sein. Obgleich der Reichthum auch heute noch, wie in früheren Jahren, in ver⸗ schiedenen Abstufungen bestehen mag, fängt doch der eigentliche Reichthum erst bei der Million an. In Deutschland allein sind nach der Steuereinschätzung weit mehr als tausend vor⸗ handen, deren Besitz nach Millionen zählt.
Es soll nun durchaus nicht gewagt sein, einmal die Frage an die Adresse zu richten, wie und mit welcher Arbeit diese Millionen ver⸗ dient worden sind. Es wird aber einleuchten, daß es auch noch Arbeiter mit kleinen Er⸗ sparnissen gibt, die im Geiste schon den Fuß heben, um auf die Stufe des Reichthums zu gelangen.
Die Entwickelung der Industrie zeigt aber keine Vermehrung nach oben, sondern nach unten bei der besitzlosen Klasse. Handwerker, Klein⸗ meister, Inhaber, Fabrikanten, die es durchaus nicht an Fleiß und Ausdauer im Fleiß haben fehlen lassen, müssen oft eine doppelte Arbeit verrichten, indem sie einmal den Lebensunter⸗ halt für sich und ihre Familien erarbeiten, und dann haben sie noch thätig zu sein, um ihren Besitz zu schützen. Die Aufregung und die Angst vor dem Fall in die besitzlose Masse läßt diese Menschen noch Wunder auf dem Gebiete der geistigen und körperlichen Thätigkeit leisten, aber zu einem Kapital, wie es heute seine Be⸗ deutung erlangt hat, können sie nicht gelangen. Und warum nicht? Weil es gänzlich außer dem Bereich der Möglichkeit liegt, durch Fleiß oder Arbeit überhaupt das zu exringen, was heute das Kapital bedeutet.
Die Geschichte der Textilindustrie und die Entwickelung der Maschinenindustrie zeigt am besten den Weg zum Kapital. In der Textil⸗ industrie, die früher noch nicht so rationell be⸗ trieben werden konnte wie heute, weil die dazu nothwendigen Maschinen noch nicht in ihrer heutigen Vollendung vorhanden waren, gelten nicht nur die Männer als Arbeiter, sondern die ganze Familie bis herab zum Kind in seiner jüngsten Lebensperiode.
Die für die Arbeit nothwendige Geschicklich⸗ keit war durch das Handwerk verbreitet worden
eingeimpft. Ein Schmied z. B. arbeitete an einem Schmiedefeuer mit seiner ganzen Familie. Der Mann fabrizirte jahraus jahrein
weiter nichts wie Fensterbeschläge und es war erstaunlich, zuzusehen, wie die zufällig aus sechs Knaben bestehende Kinderschaar die Fenster⸗ wirbel und dergleichen in eben derselben Schnellig⸗ keit und Schönheit herstellte, auch wenn der Bater nicht zugegen war. Der Kleinste konnte nicht früh genug ein Schurzleder bekommen, um den Transport der in schneller Reihenfolge vom Ambos fallenden Arbeitsstücke zu besorgen. War der Jüngste schulpflichtig und es war kein Nach⸗ komme vorhanden, so mußte er nach der Schul⸗ zeit nachholen, was er während derselben ver⸗ säumt hatte, denn vor dem Ambos hatte sich immer ein großer Haufen Wirbel, auch Vor⸗ reiber genannt, und dergleichen Arbeitsstücke aufgethürmt. Das war die Ausnutzung der Arbeitskraft in der Familie. Kein Schlosser⸗ meister konnte so billige und so gleichmäßige Arbeit liefern, wie dieser Kleinmeister. Die Dauer war aber nur eine sehr begrenzte, denn die Kinder folgten nicht mehr und zogen in die Fremde, einem sehr traurigen Kampf ums Da⸗ sein entgegen und die Eltern mußten mit ihren Ersparnissen büßen, was sie an ihrer Gesundheit gesündigt hatten.
Mit diesem Beispiel läßt sich mit der ganzen industriellen Entwickelung ein Vergleich ziehen. Die Intelligenz und die Geschicklichkeit, die durch das Handwerk verbreitet worden war, mußte ja erst vorhanden sein, um die Betriebs- und Arbeitsmaschinen für die weitere industrielle Entwicklung fertigstellen zu können. Vei dem Vorhandensein der verschiedensten maschinellen Vorrichtungen konnten ja auch im Großbetrieb Frauen und Kinder bei der Theilarbeit Ver⸗ wendung finden. Die niedrigsten Arbeiten fielen dem noch ungelernten Arbeiter, dem Kinde zu, das aber beim Arbeitsprozeß immerhin nach⸗ rücken konnte bis zur komplizirtesten Arbeits⸗ verrichtung, und so ward mit der Zeit auch das Handwerk entbehrlich. Der Kleinmeister besorgt heute nur noch das Anlernen der Industrie⸗ arbeiter für das Kapital und zwar unentgeltlich, denn er bezieht nicht den eigentlichen Nutzen, weil die Intelligenz und die eigentliche Arbeits⸗ kraft erst dem Kapital zu Gute kommt.
Dem Kapital müssen fich heute, weil es billiger fabriziren kann, als der Handwerker, alle Arbeitskräfte unterwerfen. Das Kapital besetzt die vorhandenen Hilfskräfte und der Werth der fertiggestellten Arbeit wird von der Masse gar nicht mehr erkannt. Der Kapital⸗ inhaber hat daher vollständige Macht über sie; er kann die Arbeit bezahlen wie er will und auch absetzen wie er will. Hat er tausend Ar⸗ beiter und es fällt ihm ein, sein Kapital zu vermehren, so braucht er diesen Willen nur zu äußern. Eine Bekanntmachung auf Herab⸗ setzung der Löhne pro Tag und Kopf zehn Pfennig bringt ihm pro Jahr, zu dreihundert Arbeitstagen gerechnet, die Summe von dreißig⸗ tausend Mark ein, ohne sich dabei auch nur im Geringsten anzustrengen. Im nächsten Jahre kann er das kleine Manöver wiederholen, so hat er einen Gewinn von sechzigtausend Mark.
und dem Kinde sozusagen mit der Erzieh un S Eine kleine Preissteigerung der Produkte, die
sich unter Umständen auch künstlich herbeiführen läßt, gibt weitere Veranlassung, den Preis der fertiggestellten Arbeit zu erhöhen. So ist wied er Gelegenheit gefunden, den Gewinn zu vermehren. Sogenannte günstige Abschlüsse bringen einen weiteren Gewinn. Einführung der Accord⸗ arbeit bringt weitere 25 Prozent Gewinn. Und soll auch das Maschinisten⸗ und Heizerpersonal bedacht werden, ohne daß es den Braten riecht, so wird dort der Stundenlohn aufgehoben und Wochenlohn eingeführt, denn die Stundenzahl erreicht nahezu hundert, und weil das Personal damit zufrieden ist, weil es in der Woche immer einen Lohn verdient, der über dem Durchschnitt steht, wird das Personal nach und nach ent⸗ lassen und für das neue Personal Wochenlohn eingesührt, wobei die Ueberstunden ebenfalls mitgemacht werden müssen, aber es wird nichts mehr dafür bezahlt.
Das ist die Macht des Kapitals oder des Kapitalismus, welcher der unteren Masse den gegenwärtigen Kamf aufgedrungen hat.
Politische Rundschau.
Gießen, 12. Oktober.
Agrarische Freibeuterei.
Mit dem Acht⸗Mark⸗Zoll sind die Agrarier in ihrer bekannten Bescheidenheit noch nicht zu⸗ frieden. Bei Einführung eines Getreidezolles von 8 Mark hat das arbeitende Volk bei einem Verbrauch von 13 ½ Millionen Tonnen à 10 Doppelzentner schon einen Tribut von 1080 Millionen Mark zu zahlen. Wie wir schon in der letzten Nummer anführten, würde die Ein⸗ führung des 8 Mark-Zolles eine weitere Steige⸗ rung des von den Aermsten an die Junker zu zahlenden Tributs von 100 Mark jährlich für eine fünfköpfige Arbeiterfamilie bedeuten. Jetzt kommt aber die offizielle Korrespondenz des Bundes der Landwirthe und sagt: Der Acht⸗Mark⸗Zoll ist uns noch nicht hoch ge⸗ nug! Wir verlangen zehn Mark Ge⸗ treidezoll im Maximaltarif und 7.50 Mk. im Minimaltarif.
Diese Forderung nach 10 Mk geht fast auf einer Verdreifachung des jetzigen Zollsatzes, und wenn— wie es ja der Wunsch der Agrarier ist— die Getreidepreise um die volle Summe der beabsichtigten Zollerhöhung von Mk. 6.50 für den Doppelzentner steigen, so würde damit der Weizenpreis von Mk. 154,75 auf Mk. 219,75 pro Tonne, der Roggenpreis von Mk. 142,50 auf Mk. 207,50 sich erhöhen, das heißt um 42 und 45,6 pCt. Wer auch nur einige Vorstellung davon hat, wie stark schon jetzt die Vertheuerung aller Lebensmittel auf den Hausstand einwirkt, muß ohne Weiteres einsehen, wie maßlos das agrarische Ansinnen ist.
Alte Lügen.
Bei der Diskussion über die ungeheuerlichen Zollforderungen der Agrarier wird von der Presse der letzteren die alte Unwahrheit wieder aufgetischt, daß ja das Ausland den Zoll trage. Von uns wurde schon oft die Un⸗ richtigkeit dieser Lehre, die nur auf Täuschung des Volkes berechnet ist, nachgewiesen. In⸗
——
—
0 3 1 77 4
—
——
—
—————
2— Wu
S


