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Nr. 20.
Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung.
Seite 5.
veranlaßten, den bisher gut beleumundeten Mann für schuldig zu halten. Duke war wohlerzogen, fein gebildet, während seine Gattin eine wenig gefühlvolle, unwissende und mürrische Person war. Dessen ungeachtet war er am Anfang der Ehe voll von Ritterlichkeit und Aufmerksamkeit gegen sie, während sie immer launisch, zänkisch und unzufrieden schien. Man nahm an, daß er sie aus Liebe geheiratet habe, obwohl ich dies nie glaubte; in letzter Zeit, bevor ihr Zusammen⸗ leben zu einem so tragischen Abschlusse kam, schien er sie aber eher zu hassen und so fehlte es keines⸗ wegs an einem Motive für die schreckliche That. Da ich sein vollstes Vertrauen besaß, kam er in der letzten Zeit oft zu mir, um mir bleich und zitternd vor Aufregung, irgend einen Affront mitzuteilen, durch den sie ihn an den Rand der Verzweiflung gebracht hatte. Es ist deshalb begreiflich, daß ich, als diese Frau eines Tages mit einer lödtlichen Wunde in der Brust aufge⸗ funden und ihr Mann, der mit gezücktem Messer neben war, der sie ermordet habe. Als ich später selbst mit ihm sprach, wurde mein Argwohn nur bestätigt. Er war in einem Zustande wilder Erregung, als ich im Zimmer des Sheriffs mit ihm zusammentraf, um seine Information entgegen zu nehmen. Bis zu diesem Augenblick war es Niemanden gelungen, aus ihm eine Aeußerung über dem Mord herauszubringen.
„Was haben sie mir zu sagen?“ fragte ich ihn, als wir allein waren.
„Was soll ich Ihnen sagen?“ entgegnete er mir.
„Werden Sie mir denn glauben, wenn ich sage, daß ich den Mord nicht begangen ha be? Aber ich will nicht sterben, ich darf nicht sterben. Sie müssen mich schützen, mich retten!“
Obwohl ich ihn bemitleidete, hielt ich ihn doch für schuldig und obwohl ich seine Verteidigung übernahm, war ich überzeugt, daß er den Tod verdiente. Auch wußte ich, daß meine Be⸗ mühungen vergeblich sein würden, denn der Fall war zu klar. Ein ungewöhnlicher Lärm in Mrs. Dukes Zimmer hatte die Aufmerksamkeit des Hausdieners an dem Morgen, an welchem der Mord geschah, erweckt. Als er in das Zimmer trat, sah er, wie sich eben Mr. Duke vom Erd⸗ boden erhob, das Messer in der Hand, während zu seinen Füßen der aus der Brustwunde blutende Leichnam seines Weibes lag. Dies und die Thatsache, daß er in der letzten Zeit in Unfrieden mit seiner Gattin gelebt, war wohl genügend, um ein Todesurteil gegen ihn von jeder Inty zu erwirken, Er wurde denn auch schuldig er⸗ kannt und zum Tode verurteilt. Die Hinrichtung sollte in sechs Wochen stattfinden. Ich machte verschiedene Anstrengungen, um eine Revision des Prozesses zu erwirken, allein ohne Erfolg, und als ich darüber Gewißheit hatte, fehlten nur noch mehr fünfzig Stunden bis zu dem dem Ange⸗ klagten gesetzten Todestermine. Als ich Duke die Erfolglosigkeit meiner Bemühungen mitteilte, geriet er außer sich.
„Sie müssen zum Gouverneur gehen“, rief er heftig aus.
„Sie müssen einen Aufschub erwirken.“
„Unmöglich“, antwortete ich,„dazu ist die Zeit zu kurz.“
„Nein, nein“, rief er,„es ist noch Zeit genug. Wir haben jetzt Mittwoch Früh und das Urteil wird nicht vor Freitag Mittags vollzogen. Der Zug geht in einer Stunde ab. Wenn Sie so⸗ 55 abreisen, können Sie noch rechtzeitig zurück ein.“
„Doch was soll ich für Gründe anführen?“ Bloß zum Gouverneur zu gehen ohne triftigen Grund, wird wohl wenig nützen.“
„Denken Sie über die Gründe auf dem Wege nach. Verpassen Sie nicht hier zaudernd die Zeit. Mein Leben muß gerettet werden. Gehen Sie sofort.“
Er befand sich in einem so aufgeregten Zu⸗ stande, daß es nicht möglich war, mit ihm zu diskutiren; ich ging deshalb fort und eilte fast gedankenlos durch die Straßen, nicht wissend, was ich thun sollte. Wie zufällig kam ich ge⸗ rade kurze Zeit vor Abfahrt des Zuges zur Eisenbahnstation, Ich dachte nicht weiter nach,
löste eine Karte, stieg ein und fort gings nach
dem Sitze des Gouverneurs, obgleich ich mir n war, daß meine Reise nur fruchtlos sein önne.
Es erreignete sich jedoch ein Zufall, der die Sache ganz anders gestaltete. Auf einer der nächsten Stationen bestieg eine Dame den Waggon, in welcher ich eine liebe Verwandte von mir, eine Nichte, die ich schon einige Zeit nicht ge⸗ sehen, erkannte. Sie schien schr glücklich und erzählte mir, daß sie sich am vorgehenden Abend — mit dem Gouverneur verlobt hatte. Das traf sich ausgezeichnet, so durste ich wenigstens hoffen, daß ich bei dem Mann eine gute Auf⸗ nahme und freundliches Gehör finden werde. So geschah es, meine Nichte stellte mich selbst dem Gouverueur vor, ich berichtete demselben genau über den Fall und über die Zweifel, die dieser, so klar er auch scheine, doch bezüglich der Thäterschaft des Angeklagten übrig lasse, und ich hatte das Glück, daß er mir einen Ausschub von drei Monaten gewährte, damit Zeit genug bleibe, die Sache nochmals zu untersuchen und man eventuell die Umwandlung der Todesstrafe in eine Freiheitstrafe vornehmen könnte, ohne daß die mittlerweile kühler gewordene Be⸗ völkerung zu sehr erbittert würde.
Die Sache wickelte sich so rasch ab, daß ich, den Erlaß des Gouverneurs in der Tasche, schon bald darauf mich wieder in einem Eisenbahnzuge befand, der mich nach Hause bringen sollte. Ich fühlte mich sehr glücklich und vergegenwärtigte mir auf dem Heimwege das Gesicht, welches Duke machen würde, wenn ich ihm die frohe Botschaft verkündigte. Die Aufregungen und Strapazen der letzten Stunden hatten mich jedoch so ermattet, daß ich mitten in diesen Gedanken einschlief und als ich erwachte, machte ich zu meinem Entsetzen die Bemerkung. daß der Zug schon die Station passiert hatte, wo ich in einen anderen Train hätte einsteigen sollen, um nach Hause zu gelangen. Wenn ich auch hätte ab⸗ steigen und zurückgehen wollen, hätte mir das nichts genützt, da ich dann den Zug an der Umsteigestelle nicht mehr erreichen konnte, an diesem Tage aber kein zweiter Zug verkehrte.
In meiner Aufregung stürzte ich auf den Kondukteur zu und beschwor ihn, zurückzufahren, indem ich mich anheischig machte, jeden verlangten Preis dafür zu bezahlen. Allein das war ver⸗ gebens, er hätte dies nur über Auftrag des Generaldirektors der Bahn thun dürfen und an diesen konnte man sich nicht wenden, da ein heftiger Sturm, welcher vergangene Nacht wütete, die telegraphische Verbindung mit dem Aufent⸗ haltsorte zerstört hatte. Alles, was ich unter solchen Umständen thun konnte, war, noch sieben Stunden mit dem Zuge weiter zu fahren, um dann zwölf oder fünfzehn englische Meilen weit über einen felsigen, straßenlosen Berg nach Hause zu marschieren, wo ich vielleicht gegen Mittag anlangen könnte; das war der Rat, den der Kondukteur mir gab und obwohl mich dieses „vielleicht“ nicht gerade ermutigte, blieb doch nichts anders übrig, als diesen Rat zu befolgen.
Verdrossen warf ich mich in die Ecke meines Fauteuils zurück und zählte die Viertelstunden; ich glaubte diese Nacht würde nimmer enden. Was dann, wenn ich zu spät komme, wenn ich erst in einem Momente einträfe, da das Dekret des Gouverneurs in meiner Tasche bereits gegen⸗ standlos geworden? Ein Menschenleben wäre durch meine Schuld vernichtet worden und ob⸗ wohl es sich nur um einen wegen Mordes Ver⸗ urteilten handelte. hätte ich mich in diesen Falle selbft für ein Mörder gehalten.
Der Tag brach an, als ich den Zug verließ und mich auf den Weg machte. Trotzdem der Anstieg äußerst beschwerlich war, fühlte ich mich doch erleichtert, ich war jetzt in Bewegung, ich bot alles auf, was in meinen Kräften stand, mochte es nun von Erfolg sein oder nicht.
Die Sonne war frühzeitig aufgegangen, aber rascher als ich legte sie ihre Wanderung zurück und ihr Vorrücken auf dem Horizont trieb mich zu immer größerer Eile an. Der Gedanke, daß Duke sein Leben verwirkt habe, wenn es mir nicht gelänge, bis Mittag einzutreffen, beflügelte meine Schritte. Um zehn Uhr Vormittag war
ich nur noch zwei Meilen von Meiner Stadt entfernt, und da ich den schwierigsten Teil des Weges überwunden hatte, lächelte ich befriedigt, indem ich bedachte, wie leicht mir nun der Rest des Weges werden würde und daß es mir zweifels⸗ ohne gelingen werde, die neugierigen Gaffer um das grause Schauspiel einer Hinrichtung zu bringen. Während ich aber so sorglos dahinschritt, ver⸗ wickelte sich mein Fuß in ein Schlingengewächs, ich strauchelte und fiel zu Boden.
Als ich aufzustehen versuchte, fühlte ich einen heftigen Schmerz, ich hatte mir im Falle den Fußknöchel verrenkt. Ich konnte nicht aufstehen und der Schmerz wuchs zu solcher Heftigkeit an, daß es des ganzen Aufgebotes meiner Willens⸗ kraft bedurfte, um nicht ohmächtig zu werden. Fest entschlossen, auf dem Wege nicht innezuhalten, schnitzte ich mir aus einem Gesträuche einen Stock, mit dessen Hilfe ich, nachdem ich mich etwas erholt, weiterhumpelte. Es ging jedoch sehr langsam und nach einer Stunde hatte ich blos eine halbe Meile zurückgelegt und war so er⸗ schöpft, daß ich nach einer weiteren Viertelstunde meine Kräfte gänzlich schwinden sah. Nun gab es wohl, das sah ich für den armen Ducke keine Hilfe mehr, er mußte sterben, daran ließ sich nichts ändern und mit einem Seufzer der Ver⸗ zweiflung ließ ich mich auf einen Stein am Wege nieder. Die furchtbare Aufregung, welche mich ergriff, läßt sich nicht schildern.
Die Uhr in der Hand zählte ich die ent⸗ fliehenden Minuten. Es fehlten deren noch fünfundzwanzig bis zu dem Momente, wo mein Klient sterben mußte, während ich das Mittel zu seiner Rettung in der Tasche hatte. In diesem Augenblicke hörte ich Schritte und eine ungeheurere Freude ergriff mich.
Vielleicht gab es doch noch Rettung, wenn ich einen Boten fände, der, besser als ich zu Fuß, das Dokument überbrächte. Einige Minuten später stand ein Neger vor mir. Es war ein alter, schmutziger und stupider Bursche, der sich Anfangs ganz unfähig zeigte, mich zu verstehen. Erst als ich von einer Belohung sprach, schien sein Begriffswermögen sich zu erweitern. Als ich sagte:„Du bekommst hundert Dollars, wenn Du dieses Papier noch vor zwölf Uhr in die Hände des Sheriffs übergibst“, da stürzte er sich hastig auf das Dokument, entriß es meiner Hand und eilte damit fort.
Ich sah wieder nach der Uhr. Mein Ab⸗ gesandter hatte 22 Minuten Zeit, um anderthalb Meilen zurückzulegen; ein Teil der Strecke war dicht mit Gestrüpp bewachsen, also nicht leicht passirbar. Wird es dem Manne gelingen, recht⸗ zeitig anzukommen? Die Stunde, welche verrann, bevor er zurückkehrte, schien mir ein Zeitraum von hundert Jahren zu sein. Endlich kommt er herangekeucht.
„Zettel abgegeben“, rief er schon von weitem, „Gentlemann in Sicherheit!“
Ich war außer mir vor Freude, daß es mir gelungen war, meinen Klienten zu retten und meine Pflicht trotz aller Hindernisse, welche sich entgegengestellt hatten, zu erfüllen. Dieses Be⸗ wußtsein allein dünkte mich schon ein schöner Lohn, allein ich sollte noch mehr Freude erleben. Bevor noch die dreimonatliche Frist um war, erkrankte der Hausdiener, welcher als Hauptzeuge gegen Duke aufgetreten war und da er seinen Tod herannahen fühlte, legte er ein äußerst über⸗ raschendes Bekenntnis ab. Er selbst war es, welcher Mrs. Duke ermordet hatte. Sie hatte ihn dabei beteten, als er einen Teil ihrer Juwelen stehlen wollte und um nicht dem Gerichte über⸗ geben zu werden, hatte er sie erstochen und war dann in sein Zimmer geeilt. Als er bald darauf zurückkam, um sich zu überzeugen, ob sein Opfer todt sei, traf er Duke neben dem Leichnam, das Messer, welches er aus der Wunde gezogen hatte, in der Hand. In diesem Momente durblitzte der teuflische Gedanke den Kopf des Mörders, Duke als den Thäter anzugeben und sich selbst dadurch zu retten.
Es war ihm gelungen und wenn ich nicht trotz aller Hindernisse meine Mission erfüllt hätte, wäre ein Unschuldiger das Opfer eines Justizirrtums geworden.
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