Ausgabe 
12.8.1900
 
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Seite 4. Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung. i unter den hiesigen Ultramontanen trotz des er⸗zu Hauptstützen der Regierung machte. Der die chinesischen Gewässer ungehindert passier freulichen Eintretens des Zentrums für die Flotte Prozeß wegen Ermordung Notarbartolos hat können. 1

und trotz der Ereignisse in China eben noch nicht so weit und fühlt sich noch immer besonders patriotisch, wenn man Stimmung gegen die Anforderungen der neuen Zeit machen kann.

Schauderhaft! Da sollten doch die Flotten⸗ schwärmer des Zentrums sich bemühen, ihren abstinaten Brüdern in Recklinghausen die Augen zu öffnen und ihnen diepatriotische Einsicht zu bringen!

Noch weitere Rüstungen.

Aus Bremerhaven wird derFrkf. Ztg. berichtet, daß die Absicht bestehe, weitere 10000 Mann für China zu mobilisieren. Drei Dampfer sollen bereits gemietet und zu Anfang September reisefertig sein. Ein neues Expeditionskorps, das frühestens anfangs September abreisen könnte, würde Mitte Oktober in China ankommen, also zu einer Zeit, wo dort bereits Winterkälte ein⸗ getreten und an ein Vorrücken nach Peking vor Beginn des Frühlings nicht mehr zu denken ist.

Wieder ein Attentat!

Auf den Schah von Persien, der sich gegenwärtig auf der Weltausstellung in Paris amüsiert, wurde vorige Woche(2. Angust) eben⸗ falls ein Attentat verübt. Ein Mann in Ar⸗ beiterkleidung durchbrach die Reihe der Polizei⸗ beamten, versuchte auf den Tritt des Wagens zu springen und richtete einen Revolver auf den Schah. Dem neben Letzteren sitzenden Groß⸗ vezier gelang es, ihm die Waffe zu entreißen, worauf die Verhaftung des Attentäters erfolgte. Der wirkliche Name desselben, der erst vorgab, Salson zu heißen, soll Orri sein, aus Ajaccio(Corsika) gebürtig. Für einKom⸗ plott hat die bisherige Untersuchung noch nicht die geringsten Anhaltspunkte geliefert, obgleich Zeitungen von beschlagnahmten Briefschaften zu erzählen wissen, aus welchen hervorgehen soll, daß Salson in Verbindung mit anderen Anar⸗ chisten das Attentat geplant habe. Nach dem Gutachten des amtlichen Sachverständigen konnte man mit diesem Aevolver keinen einzigen Schuß abfeuern, da der Schlagbolzen auf⸗ geschnitten war. Der Schah sprach es selbst aus, dieser Mensch sei verrückt, Wahnsinn sei im Westen eine häufige Krankheit! Der Mann hat leider Recht.

Wer züchtet den Anarchismus?

Jetzt, wo anläßlich der Ermordung des Königs Humbert dieOrdnungspresse mit wenigen Ausnahmen nachMaßregeln zur Be⸗ kämpfung des Anarchismus schreit wobei man natürlich an Gesetze zur Unterdrückung der gesamten Arbeiterklasse denkt, damit die Aus⸗ beutung der wehrlos gemachten Proletarier in aller Ruhe und mit größter Gründlichkeit von der kapitalistischen Sippe betrieben werden kann ist es notwendig, auf die Ursachen hinzu⸗ weisen, welche das Aufblühen des Anar⸗ chismus in Italien hauptsächlich ver⸗ schulden. Das ist in erster Linie die Politik der italienischen Regierung. Die Gewaltpolitik, zu der der ermordete König sich von Crispi, seinem bösen Dämon, mißbrauchen ließ, war eine natürliche Pflanzschule des Anarchismus. Eine Regierung, die auf die mechanische physische Gewalt baut, fordert die mechanische physische Gewalt heraus. Und welche Regierung hätte das in höherem Maße gethan als die Regierung Humberts mit seinen zwei Hungerrevolutionen, ihrer Aera des Belagerungszustandes und ihrer verrückten Weltpolitik? Aber diese indirekte Züchtung des Anarchismus hat der italienischen Regierung nicht genügt. Crispi hat den Anarchismus direkt großgezogen, in⸗ dem er sich aus dem süditalienischen Lumpen⸗ proletariat und aus dem Verbrechertum ganz Italiens, das mit anacchistischen Ideen durchseucht ist, eine Prätorianer⸗ garde schuf, und die Maffia und Ca⸗ morra, die zwei Geheim bünde des italie⸗ nischen Lumpenproletariats und Verbrechertums,

Prätorianer Alten Rom.

Leibgardewachen der Kaiser im

die Beziehungen der Regierung zu diesen Mörder⸗ und Diebesgesellschaften klar gelegt. Jahrelang konnten die Mörder frei herumlaufen, weil sie sich des Schutzes der Regierung erfreuten. Und bis auf den heutigen Tag ist die Macht der Maffia und Camorra ungebrochen, weil sie mit Crispi und anderen einflußreichen Staatsmännern unter einer Decke stecken. Die Mitglieder der Maffia und Camorra aber stehlen, rauben, unterschlagen nicht bloß im Großen, sie üben auch Mord und Gewaltthat im Großen. Die Mordthaten, die alljährlich auf das Konto dieser zwei Gesell⸗ schaften zu schreiben sind, belaufen sich in die Hunderte. Und sie werden unter dem Schutze der Regierung vollbracht. Das sind nicht Behauptungen, das sind gericht lich festgestellte Thatsachen. Wieviel die Junker schlucken.

Was für Summen jährlich durch die agra⸗ rischen Gesetze dem Volke abgenommen und in die Taschen der nimmersatten Junker geführt werden, darüber stellt der Verfasser einer Schrift über denRebot(Frohndienst) am Anfang und Ende des 19. Jahrhunderts eine Berechnung

auf. Demnach betragen diese Liebesgaben in Gestalt von Zöllen, indirekten Steuern ꝛc.: beim Getreidekonunm 158 127 144 Mk. beim Fleischkon unn 89 209 767 Exportbonifikation für Zucker. 20 896 200 8 Spiritus. 2627 300 Spiritusliebesgabttte. 432 000 000 Grundsteueraufhebung 26 666 666

Zusammen 339527077 Mk. Die Schrift weist nach, daß die Junker jetzt größere Vorteile einheimsen, dem Volke mehr abpressen nur durch dasmoderne Mittel der Steuergesetzgebung als sie es früher durch die Leibeigenschaft konnten. Trotzdem schreien sie täglich mehr über dieNot der Landwirtschaft,

Ausländisches. Skandal in der italienischen Kammer.

Im Laufe der Kammersitzung am Montag kam es zu erregten Szenen. Nachdem der Kammerpräsident eine Trauerrede verlesen hatte, gab der Abg. Turati(Soz.) der Abscheu Aus⸗ druck, das er als Verbrechen eines Barbaren bezeichnete. Die Kammer müsse einträchtig zu⸗ sammen arbeiten, um das Land wirtschaftlich zu heben und den Fanatikern den Korwand zu barbarischen Attentaten zu nehmen. Als der nachfolgende Redner, Abg. Pantano, namens der Republikaner das Wort nahm, hatte er kaum mit der Erklärung begonnen, daß seine Gruppe sich den Trauerkundgebungen anschließe, als die Heißsporne der Rechten mit dem Rufe auf⸗ sprangen:Genug mit Euren Krokodilsthränen, ihr Gevattern und Mitschuldigen der Meuchel⸗ mörder! Pantano antwortete erregt:Wir beuten nicht politische Verbrechen wie Ihr aus. Bei diesen Worten brach ein Orkan der Ent⸗ rüstung aus. Die Abgeordneten der Mehrheit riefen:Hinaus! Maul halten! Der Prä⸗ sident war machtlos, den Sturm zu beschwich⸗ tigen. Nach fünf Minuten forderte der Präsident Pantano auf, seine Worte zurückzunehmen, was dieser auch im allgemeinen Tumulte that.

Der Krieg mit China.

Die Chinesen fahren fort, sich zum Wider⸗ stande gegen die Mächte zu rüsten. Nach einer Meldung aus Hongkong ist man in den Bogue⸗ forts mit Schießübungen beschäftigt. Und die Behörden in Canton nehmen Rekruten zu einem Monatslohne von 9 Dollar an, das ist der doppelte Betrag der bisherigen Löhnung. Es wurde ein Tagesbefehl erlassen, durch den solche Offiziere mit Strafe bedroht werden, die sich einen Teil der Löhnung der Truppen aneignen.

Auch die chinesischen Kriegsschiffe scheinen ihre Vorbereitungen zum Kampfe zu treffen. Von

Seiten der Mächte soll ein Ueberwachungsdienst eingerichtet werden, damit die Transportschiffe

Eine Einigung der Mächte über den gemein⸗ samen Oberbefehl scheint nicht zu stande

gekommen zu sein. Immerhin kann festgestellt werden, daß Deutschland wie auch Frankreich

bereit gewesen sind, sich jedem von der G⸗samt⸗

heit der übrigen Mächte vorgeschlagenen Ober⸗ befehl zu unterwerfen. meldet: Die Offiziere und Soldaten sind von den besten Gesinnungen beseelt, alle fraternisieren,

aber der Mangel an Organisation und das Fehlen eines Oberbefehlshabers hemmen jeden Fortschritt.

Die Bereitschaft und die Tüchtigkeit der Japaner erregt allseitige Bewunderung in Tientsin. den Belagerten in Peking befreundete Ausländer die hierher kamen, um Nachrichten abzuwarten oder um die Ersatzexpedition zu begleiten, sind ungehalten über den Mangel an Fortschritt in den Vorbereitungen für den Vormarsch, be⸗ schuldigen die Armee der Gleichgültigkeit und sagen, die Schwierigkeiten, die sich dem Vormarsch auf Peking entgegenstellen könnten, würden über⸗ trieben. Nachrichten aus Berlin verkünden die Ernennung des Grafen Waldersee zum Oberbefehlshaber der verbündeten Truppen. Eine Bestätigung dieser Meldung bleibt abzuwarten.

Der Wormarsch nach Peking geht sehr langsam vor sich. Hauptsächlich die britischen Truppen kommen mit ihren Vorbereitungen nicht zu Ende. Den Beginn des Vormarsches meldet

ein Telegramm des englischen Konsuls vom 4.

August. 15 000 Japaner rückten in Eilmärschen vor und dürften, wenn die Eroberung der be⸗ festigten chinesischen Stellungen bei Peitsang ohne langen Zeitverlust gelingt, Ende dieser Woche vor Peking eintreffen. Weitere Nachrichten be⸗ richten von Kämpfen, welche bei Peitsang statt⸗ fanden. Die Chinesen wurden aus den Ver⸗ schanzungen vertrieben. Die Russen verloren 500 Todte, die Engländer 50, auch die Deutschen und Japaner erlitten große Verluste, die noch unbekannt sind. Der Weg nach Peking wird nunmehr für offen gehalten.

Ueber die Lage der Gesandten in Pe⸗

king berichtet der japanische Vertreter. Danach befanden sich die Gesandten am 1. August noch wohl, doch hieß es ferner in der Depesche: Wir erwarten einen Angriff und haben nur uoch für 6 Tage Lebensmittel und per Mann 25 Patro⸗ nen. Der japanische Legationssekretär ist ge⸗ storben. Chinesische Beamten versichern, daß diese Nachricht nicht mit den von ihnen empfange⸗

nen übereinstimme. 7

Ferner langte eine mitConger(dem ameri kanischen Gesandten) unterzeichnete Depesche an,

die besagt:Helfet, wenn überhaupt, sofort! In

Peking ist keine Regierung, ausgenommen der militärischen Chefs, die die Vernichtung der Aus länder beschlossen haben.

Der Krieg in Südafrika.

Ende voriger Woche wurde aus Pretoria nach London gemeldet, daß 1200 Buren mit samt den Kommandanten Potgieter und Joubert, sowie der Lieutenant Andersen und mehrere Offiziere der Staatsartillerie gefangen genommen wurden, während es Olivier gelungen sei, zu entkommen. Trotz alledem verzeichnen die Buren gar nicht unbedeutende Erfolge; so wird unterm 5. Aug. berichtet: Kleine Bnrenabtheilungen bedrängen die Briten von allen Seiten, infolge des Rückzuges der Garnison von Springs. Die Buren haben diesen durch seine Kohlen⸗ produktion wichtigen Platz im östlichen Randge⸗ biet wieder besetzt.

Ferner erlitten die Engländer eine weitere Schlappe bei Elandsriver, worüber Lord Roberts depeschirt: Ich fürchte, daß die Garnison von Elandsriver unter Oberstleutnant Hoare nach zehntägigem Widerstand gefangen genommen worden ist. Die Buren greifen die Züge beständig an, so daß die Verprovian⸗ tirung Pretorias gefährtet wird. Der Zu⸗ stand der englischen Truppen soll kläglich und ihre Verpflegung eine äußerst mangelhafte sein.

Das Reutersche Bureau

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