Ausgabe 
12.8.1900
 
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Seite 2.

Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung.

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Nr. 33.. 3

Politische 1 5

8 2 5 5 5 7 den

2 8 7 heit, daß Ihr nicht dem schlechten Beispiel brennend,

S arteigenessen! 5 der durch vaterlandslose Gesellen ver⸗ 155 da e 111 A Parteitages findet der 19 5 0 A we 14 Ham N ne 155 n Anzust. 1 Jah 5 55 der 88 7, 8 und 9 de eid, sondern den Patriotismus des deutschen 8 5 5 bete een d d Pere hang den ie Arbeiters fleckenlos bewahrt und wacker mit⸗ Eine kaiserliche Predigt. Schlach

jährigen Parteitag auf Montag, den 17. September, morgens 9 Uhr nach Mainz in dieStadthalle Mainz ein. Als provisorische Tagesordnung ist festgesetzt: Montag, den 17. Heptember, und die folgende Tage:

1. Konstituierung des Parteitags. Wahl des Bureaus. Festsetzung der Geschäfts⸗ und Tages⸗ ordnung. Wahl einer Kommission zur Prüfung der Mandate.

2. Geschäfts bericht des Vorstandes. a Berichterstatter: W. Pfannkuch und A. Gerisch.

3, Bericht der Kontrolleure. Berichterstatter: H. Meister.

4. Bericht über die parlamentarische Thätigkeit. Berichterstatter: P. Singer.

5. Die Organisation der Partei. Berichterstatter: J. Auer.

6. Maifeier. Berichterstatter: Th. Metzner.

7. Die Weltpolitik.

8. Die Verkehrs- und Handelspolitik. Berichterstatter: R. Calwer.

9. Die Taktik der Partei bei den Land⸗

tagswahlen.

Berichte rstatter: A. Bebel.

10. Anträge zum Programm.

11. Sonstige Anträge.

Für Sonntag, den 16. September, ist seitens der Parteigenossen in Mainz eine Empfangs⸗ und Begrüßungs⸗ feier vorgesehen. Dieselbe findet abends von 7 Uhr ab

in der 5 Stadthalle Mainz statt.

Die Adresse des Lokalkomitees ist: valentin Liebmann, Mainz, Boppstr. 14. die Quartierbeschaffang haben die Mainzer Ge⸗

1 besonderen Ausschuß eingesetzt. Delegierte, die dig auf Wohnung ꝛc. besondere Wünsche haben, wollen i folgende Adresse wenden: Heinrich Zeeh, Schriftsetzer, Mainz, Breitenbacher⸗ 5 straße 21.

Parteigenossen! Wir fordern Euch nun gouf, die er⸗ forderlichen Vorarbeiten zu treffen, insbesondere die Wahl von Delegierten und die Einreichung der Anträge recht⸗ zeitig zu bewirken.

Die Anträge müssen spätestens den 3. September in den Händen des Vorstandes, Adresse:

J. Auer, Berlin SW. 47, Kreuzbergstr. 30,

sein, wenn sie entsprechend den Bestimmungen des 8 8

Absatz 1 der Partei⸗Organisation im Vorwärts veröffent⸗

licht werden und in die gedruckte Vorlage für den Parteitag Aufnahme finden sollen.

Anträge von einzelnen Parteigenossen bedürfen der Gegenzeichnung des Vertrauensmanns oder des Vor⸗ standes der örtlichen bezw. Kreisorganisation, falls sie zur Veröffentlichung und Beratung gelargen sollen.

Die Parteigenossen, die zum Parteitag kommen, werden ersucht, von ihrer Delegation dem Vorstand und dem Lolalkomitee rechtzeitig Mitteilung zu machen.

Mandatsformulare, mit deren Versendung am 27. August begonnen wird, sind durch das Parteibureau, Adresse: f

J. Auer, Berlin SW. 47, Kreuzbergstr. 30, zu beziehen.

Berlin, den 6. August 1900.

Mit sozialdemokratischem Gruß

Der Parteivorstand.

* Für diesen Punkt war der verstorbene Genosse Liebknecht als Berichterstatter vorgesehen. Red.

PN

2 4 N Wieder einmal vater⸗ Ilandslese Gesellen. Noch dauern die Erörterungen über die Hunnenrede in der Presse fort, als auch schon wieder eine andere Rede Wilhelms II. die Oeffent⸗ lichkeit beschäftigt, die in noch viel stärkerem Maße unseren Widerspruch herausfordern muß. Am vorigen Freitag richtete er eine An⸗ sprache an 30 bei dem Norddentschen Lloyd und der Hamburg⸗Amerika⸗Linie beschäftigte Arbeiter, die dort jedenfalls Streikarbeit ausgeführt hatten, und welche man deswegen mit Ehrenzeichen dekorierte. Der Kaiser sprach ihnen seinen Dank aus für die Hingabe und Aufopferung, mit der sie gearbeitet, wodurch die Fertigstellung der Schiffe ermöglicht worden sei. Dann sagte er wörtlich: Die Auszeichn verleihe, sollen auch zugleich

N

jen, die ich Euch dafür

ruck meiner Zufrieden⸗

Anerkennung sein, aber

gearbeitet habt für die Schlagfertigkeit unserer

braven Armee. Ehrlos Der, welcher

im Moment der Gefahr sein Vater⸗

land im Stiche läßt. Erhaltet Euch den

guten deutschen Geist, dann wird der Dank des deutschen Volkes und meine Anerkennung

Euch nie fehlen.

Zunächst vermögen wir nicht einzusehen, wo eigentlich das Vaterland in Gefahr sein soll. Ist unser Vaterland etwa China? Wenn eine Gefahr vorhanden ist, so wurde sie doch nur von den profithungrigen Kapitalisten mit ihrer Politik der gepanzerten Faust heraufbeschworen.

Im Augenblick, wo das Vaterland in Gefahr sei, hätten die Hamburger Arbeiter die Arbeit niedergelegt, soll der Kaiser nach einer anderen Lesart gesagt haben. Da hat sich der Kalser in einem starken Irrtum befunden, denn es ist unwahr, daß die Hamburger Ar⸗ beiter die Arbeit niederlegten, sie wurden viel⸗

mehr von denpatriotischen Profitjägern aufs

Pflaster geworfen. in Wirklichkeit? Lange vor Ausbruch der chinesischen Verwickelungen versuchten die Werft⸗ arbeiter mit den Unternehmern wegen Lohnauf⸗ besserung in Unterhandlung zu treten. Nachdem die Unternehmer nicht nur die Forderung, son⸗ dern auch jede Unterhandlung ablehnten, legten nur 120 Nieter vom Reiherstiegwerft und ferner 80 Schlosser, die Streikarbeit machen sollten, die Arbeit nieder. Hier handelte es sich aber noch gar nicht um Dampfer für den Truppen⸗ transport. Um nun aber diese 200 Mann zur Wiederaufnahme der Arbeit zu zwingen, um die Kassen der Organisationen leer zu pumpen, sperrten die Unterneh ner 3000 Ar⸗ beiter aus, und zwar zu einer Zeit, als die Chinaarbeit in Aussicht stand. Diese

Wie verhält sich die Sache

Thatsachen sind längst festgestellt und all⸗

gemein bekannt. Wer sind also die vater⸗ landslosen Gesellen? Keinesfalls die Arbeiter, sondern die Unternehmer, welche Tausende von Arbeitern an freiwilliger Arbeit hinderten, dadurch die Fertigstellung der Trans⸗ portdampfer gefährdeten und deshalb diese Bezeichnung verdienen.

Was die Auszeichnung der Streikbrecher be⸗ trifft(wenn es sich um solche handelt), so wird die Meinung ehrlicher Arbeiter über derartige Elemente sich nicht ändern, auch nicht, wenn letztere von hoher Stelle aus als Ehrenmänner bezeichnet und ihnen Orden auf die Brust ge⸗ heftet werden. Dadurch steigen sie ebensowenig in der Achtung auständiger Leute, wie seinerzeit die Lockspitzel Ihring und Naporra, denen der Minister Puttkamer, nachdem sie im Reichstage gebrandmarkt waren, eineeklatante Genug⸗ thuung in Form des Allgemeinen Ehrenzeichens verschaffte. Bei uns stimmt man vielmehr noch immer dem zu, was ein englischer Richter über den Streikbrecher sagte:

Für die Gewerkschaftsmitglieder ist ein Streikbrecher für seine Klasse das, was ein Verräter für sein Land ist, und obgleich Beide in beschwerlichen Zeiten nützlich sein können, so sind sie doch verachtet von Allen, sobald der Frieden zurückkehrt. Der Streikbrecher ist der Letzte, der einem Andern Hilfe giebt, aber der Erste, der Hilfe verlangt, doch arbeitet er niemals gesichert. Er nimmt nur auf sich Rücksicht, aber er sieht nicht über den nächsten Tag hinaus, j doch für Geld und wurdelose Zuvilligung wird er seine Freunde verraten, seine Familie und sein Land. Mit einem Wort, er ist ein Verräter in kleinem Maß⸗ stabe, der erst seine Kollegen verkauft und nachher wird er von seinem Arbeitgeber verkauft, bis er zuletzt verachtet und verabscheut ist von beiden Parteien; er ist ein Feind seiner elbst, der Gegenwart und der kommenden Ge ellschaft.

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An Bord derHohenzollern hat Wilhelm II. Ju. de am Sonntag, den 29. Juli, eine Predigt ge⸗ mul 40 halten, welche von derKreuzzeitung im Wort⸗ Eunde u.

laute mitgeteilt wird. Wir geben einige Stellen bee der Predigt, die man als eine Fortsetzung der l türk! Hunnenrede ansehen kann, nachstehend wieder. z Epinn Als Text war 2. Mose 17, V. 11 zu grunde lente gelegt, wo es heißt:So lange Moses seine 1 (betenden) Hände emporhielt, siegte nua Israel; wenn er aber seine Hände niederließ,[ bon bin siegte Amalek. 1 n Ein ergreifendes Bild ist es, so begann der Kaisen 451 wörtlich,das unser heutiger Text uns vor die Seele ut 0 malt. Da zieht Israel hin durch die Wüste, vom Roten e n Meere zum Berge Sinai. Aber plötzlich tritt ihnen das it, et 11 heidnische Amalekitervolk in den Weg, will ihnen den de Nu Durchzug wehren, und es kommt zur Schlacht. Josun gehan. f führt die junge Mannschaft If aels in den Streit, die neh ol Schwerter klirren auf einander und ein heißes, blutiges borgen e Ringen beginnt im Thale Raphidim. Aber siehe, zapfen während der Kampf hin und her wogt, steigen die füll die a

frommen Gottesmänner Moses, Aron und pull ic Hur hinauf auf Bergeshöh', sie strecken ihre Hände in gebe empor zum Himmel: sie beten. Drunten im Thal Von

die kämpfende Schar, droben auf dem Berg die berende de Pte

Schar das ist das heilige Schlachtenbild unseres

Textes. a vuden, Wer verstünde heute nicht, was es uns sagen will! hen m

Wiederum hat sich ja heidnischer Amalekitergeist Juden

geregt im fernen Asien mit groß Macht und viel Hoss! List, mit Sengen und Morden will man dem 5

Durchzug europäischen Handels und euro⸗ den Str päischen Geistes will man dem Siegeszug christ⸗ Volkes licher Sitte und christlichen Glaubens wehren. nicht! Und wiederum ist der Gottesbefehl ergangen: Wirkun Erwähle Dir Männer, zeuch aus und streite wider Amalek! Ein heißes, blutiges Ringen hat begonnen, Kasser

schon stehen vieie unserer Brüder drüben im Feuer ganzen viele fahren der feindlichen Küste zu und Ihr habt in Wi sie gesehen, die Tausende, die auf den Ruf:Freiwillige N ror, wer will des Reiches Hüter sein? sich jetzt sammeln, um mit fliegenden Fahnen, einzutreten in den Kampf. des la Aber wir, die wir zurückbleiven müssen in der Heimat, der an die wir durch andere Pflichten gebunden sind sagt, Tagebr hort Ihr nicht den Ruf Gottes, der an Euch ergeht und der es Euch sagt:Steige hinauf auf den Berg! Hebe Iron Deine Hände empor zum Himmel! Das Gebet des Ge⸗ jeder rechten vermag viel, wenn es ernstlich ist! Sache Der Kaiser schilderte dann, wie leicht Kraft möchte, und Begeisterung ermatten in der Gluthitze des gelasen roten Meeres, in den Stürmen des Ozeans und sagte dann weiter: er Gewiß, ein langersehnter Augenblick, wenn wird n. endlich der Tambour anschrägt zum Sturm und die ct Trompeten blasen zum Streit, wenn das Kommando dan ertönt:Vorwärts auf den Feind! Aber wenn de Vi dann im Do uner der Geschütze und beim Sprühen der ind si Granaten die Kameraden fallen zur Rechten und Linken daß fi und die feindlichen Batterien wollen nicht weichen; wie 81 leicht fängt da auch das tapferste Herz zu beben an! 0 itte Christen, damit unsere Brüder draußen fröhlich Lebic

leiben auch in der deückendsten Not, treu bleiben auch um P. in der schwersten Pflicht, unverzagt bleiven auch in den größten Gefahr dazu brauchen sie mehr als Munition 1 und scharfe Waffen, auch mehr als jugenduchen Mut ensch

und flammende Begeisterung dazu brauchen sie vd, Segen von oben, Lebenskrafte und Siegesmächte zu sch von oben sonst können sie nicht gewinnen und den 8

Sieg behalten und diese himmlische Welt, sie dasz öffnet sich nur dem Gebet. Das Gebet ist der as goldene Schlüssel zur Schatzkammer unseres Gottes. Staat

Aber wer ihn hat, der hat auch die Verheißung:Wer 1 da bittet, der empfängt! Oder wollten wir eiwa die J 0 Hände müßig in den Schoß legen? Wehe uns, wenn 1 wir träge und lassig waren, während sie das harte, wust blutige Handwerk treiben! 5

... Nimmermehr! Wir wollen nicht nur Batail⸗ Kg lone von Kriegern mobil machen, nein auch eine vil heilige Streitmacht von Betern. Ja, wie viel giebt f 1 doch jur unsere ans Feld ziehenden Bruder zu erbten 535 und zu erflehen. Sie sollen der starke Arm sein, der licht die Meuchelmörder bestraft; sie sollen die ge⸗ läge panzerte Faust sein, die in das wüste Treiven zivil

hineinfahrt: sie souen mit dem Schwerte in der g pand eintreten für unsere heiligsten Güter. 3 Glauben wir etwa nicht an die heilige Macht der Arie

Fürbirte?! Nun dean, was sagt unser Text?So 9 Kriee iange Moses seine Hände emporhielt, siegte Israer! stit, Die heißen Gebete eines Moses machten die Schwertern 1915 der Feinde stumpf, sie schoven sich wie ein Keu in die lacht

feindlichen Schlachtrechen, brachten sie ins Wanken und 1 werd

heftetien den Sieg an die flatternden Fahnen Ifraels. 1 fac Und wenn das die Gebete eines Moses vollbracht, 0 A sollten nicht auch unsere Gebete solches vermögen! 1 0 Gott har keine Silbe von seinen Verheißungen zurück⸗ e genommen kreue Gebete töanen noch heute die Hob Drachenbanner in den Staub werfen und die 0 mög Kreuzesbanner auf die Mauern pflanzen. N 0

Unter Hinweis auf die biblische Erzählung, Nat daß Abraham mit seinem Flehen Lot aus den i