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Nr. 28.

Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung.

Seite 7.

große, gewaltige Krone, aus der man kein Stück

Und jetzt betrachten Sie mal da⸗ gegen so eine Palme. Dort auf dem Bild steht eine. Ein langer, glatter Stamm und erst ganz Das ist das männliche Gemüt. Die paar Schossen die der Stamm treibt, ein paar Jugendfreunde, ein paar Liebschaften, die fallen wieder ab und es bleibt nichts als der obere Blätterbüschel: das Geschäft und die Politik. Aber das hat auch eins mit dem andern nichts zu thun; jedes Blatt hat seinen Stengel und Punktum.

(Fortsetzung folgt.)

Das Sunftwesen. Von X. N. 1 Unter denjenigen guten Leuten, die sich die Hebung des Mittelstandes im allgemeinen und namentlich die des Handwerks im besonderen angelegen sein lassen, giebt es sicher noch eine ganze Anzahl, welche eine Wiedererrichtung der alten Zünfte und Gilden nicht nur für möglich

halten, sondern davon sogar das Heil und die

Rettung des Handwerks erwarten. Mögen Be⸗ strebungen dieser Art bei der deutschenOrgani⸗ sation des Handwerks nicht auf ihre Rechnung gekommen sein, so kommen sie doch bei der zünftlerischen Agitation hier und da zum Aus⸗ druck, wir erinnern nur an den Befähigungs⸗ nachweis und Aehnliches, was an die mittel⸗ alterlichen Einrichtungen gemahnt.

Die Frage, ob die Zünfte wieder zu neuem Leben erwachen können, wird jedoch durch die Geschichte derselben am zweckmäßigsten beleuchtet. Denn die Geschichte lehrt uns, daß die Zünfte veraltete soziale Gebilde sind, die in die Neuentwickelung der Gesellschaft genau so gut, das heißt genau so schlecht passen, als die Ritterorden in diese passen würden. Ein Blick in die Geschichte des Zunftwesens wird dieses lehren.

Um das Wesen der städtischen Einrichtungen zu verstehen, müssen wir uns die Städte über⸗ haupt wegdenken. Die Städte am Rhein und an der Donau und zwischen der Donau und den Alpen, welche von den Römern gegründet waren, also beispielsweise Basel, Straßburg, Worms, Mainz, Köln, Trier, Regensburg, Passau,

lagen in Trümmern. Der Sturm der Germanen

war über sie hinweggegangen, in ihren Straßen wuchs Gras, zwischen den Trümmern weidete das Vieh des Siegers oder siedelten sich land⸗ flüchtige Leute an. Die noch vorhandene Be völkerung wurde Beute des Siegers. Endlich erhob sich die Pfalz des Königs, der Frohnhof des Bischoss oder einzelner Großen. Die

n gew große Masse der neuen deutschen Bevölkerung er lug hatte einen Widerwillen gegen die Städte. Das

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war Hausgewerbe.

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Dorf war die Königin des Landes, das Gewerbe Auf größeren Gütern ar⸗ beiteten unfreie Handwerker für den Besitzer und nur gelegentlich für den Verkauf. Die Bewohner trieben samt und sonders Acker⸗ bau und Viehzucht oder leisteten dem König Gefolgschaft. In die Stadt lamen sie nur zum Gottesdienst. Bei dieser Gelegenheit kaufte

nan auch bei fremden Handelsleuten, die nach

dem Gottesdienst ihren Kram an der Kirche an⸗ boten. Noch hatte keine Arbeitsteilung statt⸗ gefunden innerhalb des großen Volksganzen; der Bauer machte sich, so gut es ging, die Kleider, baute sein Haus, fertigte sein Schuhwerk und ein Arbeitsgerät. Eine Arbeitsteilung fand erst Eingang in den Pfalzen und Frohnhöfen, in den großen Meiereien. f Doch ehe wir dazu übergehen, müssen wir inen Blick auf die Bevölkerung werfen. f Die Bevölkerung zerfiel in Freie und Unfreie. Der Unfreie war rechtlos, er galt als Sache. Tbotete z. B. ein Unfreier einen Freien, so mußte ein Herr das Wergeld zahlen, weil es so an⸗ gesehen wurde, als ob ein Stück Vieh die That begangen habe. Nun entstanden aber neue Formen der Unfreiheit. Der Knecht erhielt

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Bußgeld.

Land, konnte nur noch mit dem Gute veräußert werden. Die Unfreien waren die Arbeiter. Die Geschickteren erhielten mehr Recht; für den Handwerker des Geistlichen oder Königs mußte höheres Wergeld gezahlt werden. Volle Freiheit erhielten sie selten, der Unfreie war zu Abgaden verpflichtet und hatte bestimmte Dienste zu leisten. Die freien Bauern hingegen sanken. Der große Nachbar bedrängte sie, der Kriegs dienst erschöpfte sie, denn sie mußten ihre eigenen Waffen mitbringen und sich auch selbst verpflegen. Noch Umstände anderer Art führten ihren Ruin herbei, und so begaben sie sich in den Schutz des Grundherren, der Kirche und verloren so mehr und mehr ihre Freiheit. Auf dem könig⸗ lichen Hofe sitzen also halbfreie oder unfreie Arbeiter Handwerker. Lohn erhielten sie nicht, höchstens Hufe Landes, Knechtshufe, deren Inhaber Schmiede, Schuster, Weber an der königlichen Pfalz waren. Ein solcherFrohnhof war auch in Frankfurt; dort heißt heute noch eine Straße Frohnhofstraße.

Nun gerieten aber die Städte größtenteils in die Macht der Bischöfe. Den unfreien Hand⸗ werkern, denDagescalken wurde es gestattet, auch für den Verkauf zu arbeiten, ebenso war es ein Fortschritt, daß sie sich in Klassen und Genossenschaften eine gewisse Organisation schufen, aber der Burgvogt ernannte die Vor⸗ steher dieser Klassen.

Allmählich fingen die Städte an, bedeutender zu werden, durch den Handel und das Handwerk. Die Bevölkerung nahm überhaupt zu, die un⸗ geheuren Wälder wurden gelichtet, aber noch immer hatten die Städte einen ländlichen Cha⸗ rakter. Aber sie erstarkten nun und verlangten im Gefühle ihrer Kraft die Freiheit. Doch um das Zunfiwesen richtig zu verstehen, müssen wir uns das Gildenwesen näher betrachten.

Unter einerGilde verstand man ursprüng⸗ lich eine Bruderschaft, Genossenschaft, die sich zu gemeinsamem Schmaus und Trinkgelage zusammen⸗ fand. Die Gilde war gegründet zu gegenseitiger Hilfe in Notfällen, Beteiligung am Leichen⸗ begängnis, Fürsorge für Seelenmesse. Es ent⸗ standen namentlich Kaufmannsgilden. Der Kaufmann mußte von Markt zu Markt wandern, zu seinem Schutze verband er sich zu Karawanen⸗ genossenschaften, Schutzgilden. Diese Ent⸗ wickelung führte zu größerer Lebensgemeinschaft. Ein Wandergewerbe bildete sich aus. Einzelne Handwerker, so der Waffenschmied, der Gold⸗ schmied, waren besonders geschützt. Zu einer freieren Stellung gelangten besonders die Hof handwerker der Bischöfe. DieGrundholde, das heißt solche Handwerker, die auf dem den Bischöfen gehörigen Grund und Boden lebten und unfrei waren, zogen nach der Stadt; waren sie ein Jahr in der Stadt, so waren sie geschützt.

Das Handwerk galt jetzt noch als Kunst, es trennte von der Menge es entstand das freie, angesehene Handwerk. Zu dieser Zeit, als freie und hörige Handwerker beieinander waren, entstand die Zunft.

Es war eine soziale Genossenschaft, eine Lebensgemeinschaft. Sie hatte sogar gemeinsame Heilige. Ihr Streben richtete sich auf Erzielung gleichen Gewinnes, Regelung des Wettbewerbs, gemeinsame Beschaffung kostbaren Materials. Walkmühlen, Bleichereien, Färbereien, Tuch⸗ rahmen waren Gemeingut. Das Arbeitsfeld war noch nicht geschieden, jeder war willkommen, die Zunft stellte einen Bund auf Leben und Sterben dar. Sie erhielt nun Rechte, eigenes Gericht und allmählich wurde sie zur Zwangs gemeinschaft. Die Löhne waren sehr hoch, weil eben das Handwerk noch als Kunst be handelt wurde. Der Handwerker erlangt ein Haus, eigenes Material. Bisher war dem Schmied das Eisen, dem Kerzenmacher das Wachs, dem Schreiner das Holz, dem Kannen⸗ gießer Zinn von dem Herrn geliefert worden, jetzt lieferte dies alles die Zunft. Ein neues Eigentum entstand, kein Grundeigentum, sondern Arbeitseigentum aus Arbeitsüberschuß. Dieses bringt den Genuß der Freiheit, der per sönlichen Selbständigkeit, der Ehrung. Die Zünfte besaßen eine gemeinsame Kasse, beschlossen gemeinsam ihr Verhalten. Gesellen und Lehr⸗

linge traten in die Familie ein. Es war Vor⸗ sorge getroffen gegen Krankheitsfall; ein Normal⸗ arbeitstag festgesetzt, dessen Beginn und Ende die städtische Glocke verkündete. Nachtarbeit war ustersagt, der Lohn der unselbständigen Genossen durch Taxe festgelegt, die Höhe der Produktion normiert. Die Werkstatt unterlag der öffent⸗ lichen Kontrolle, keine Arbeit durfte begonnen werden, ehe die andere fertig war. Bald fanden die Zünfte militärische und politische Verwen⸗ dung, denn das Patriziat ruinierte sich.

Sprüche zur Lebensweisheit.

In dem Kampfe zwischen Kapital und Arbeit ist, theoretisch betrachtet, das Recht auf Seite der Arbeit; und wenn die Arbeiter falsche Mittel ergreifen, um zu ihrem Rechte zu gelangen, so ist das in erster Linie Schuld der Besitzer, welche die Anwendung der rechten Mittel möglichst ver⸗ hindern, um einen Zustand des Monopols und der Ausbeutung zu verewigen, wie er ihrem Egoismus und ihrer geistigen Trägheit voll⸗ kommen zusagt. L. Pfau.

Predigt nur immer brav Geduld, so ist die Sklaverei fertig. Denn von der Geduld zum Beweise, daß ihr alles dulden müßt, hat die Gaunerei einen leichten Uebergang. Seume.

1.

Der Eber sieht dem Hungertode Sich schon geweiht und ist bestürzt, Wenn seine Mast das kleine Eichhorn Um eine Eichel kürzt.

1(Russisches Sprichwort.)

Schlägt ein Mensch tot den andern, So nennt's ein Jeder Mord: Doch töten sich tausend im Kampfe So braucht man ein and'res Wort! O. Linke.

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Menschenfreund. Ein jedes Winkelblättchen preist Wenn er den Armen Gutes erweist. Doch flüsternd hab ich nur vernommen, Woher sein vieles Geld gekommen. 5 E. Edel.

Gemeinnütziges.

Milch lange süß zu erhalten. Im Sommer, namentlich bei Gewittern, sind die Hausfrauen oft in Not damit, daß ihre Milch schnell sauer wird. Dies zu verhüten, gießt man einen Eßlöffel Wasser, mit Meerrettig ab⸗ gezogen, unter Liter Milch. Sie erhält sich dadurch, auch außerhalb des Kellers, selbst bei häufigen Gewittern, im Sommer unverändert frisch und süß, während die daneben gestellte Milch ohne dieses Mittel schnell sauer wird.

Vom Kirschenessen. Bei gegenwärtiger Kirschensaison sei davor gewarnt, Kirschen mit dem Stein zu essen, da es leicht sehr gefährliche Folgen, selbst den Tod verursachen kann. Auch vermeide man, kurz nach dem Kirschenessen Wasser zu trinken, da auch das leicht schädliche Folgen für die Verdauungsorgane hat.

Humoristisches.

Ein neuer Sinn. Herr Nudelmeier in München beim Frühschoppen seiue Zeitung lesend:Ausstellung des KolossalgemäldesDie fünf Sinne von Makart. Dös muß i mir halt a mal anschaugn, bin i doch neugierig, wie der Mann denDurscht gemalt hat!

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Der Schlaumeier. Richter:Sie sind mit vier Jahren Zuchthaus, dem Verlust der bürgerlichen Ehre i⸗ rechte und der Landesverweisung bestraft. Haben Sie etwas dazu zu bemerken?

Ja, ich möchte zuerst die Landesverweisung ab⸗ büßen! 5(Lustige Vl.)

Er weiß sich zu helfen. Ein braver Landmann besucht zum erstenmale die Hauptstadt. Am Bahnhofe zeigt ihm ein Schutzmann den Omnibus, der ihn zum Hause seiner Verwandten führen könne. Er besolgt den Ra,, als er aber einsteigen will, ruft ihm der Kondukteur Besetzt! entgegen.

Macht nix, antwortete der Bauer,ich setze mich neben den Kutscher.