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Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung.
Suschen hatte sich satt geweint, darum ward sie von selbst ruhiger. Aber der Doktor konnte nicht weinen, darum blieb er in der Unruhe. Er ging in der Stube auf und ab und sah zum Fenster hinaus; nichts konnte ihn zerstreueg. „Alle Jahre mehr Kinder und weniger Brot. Alle Jahre größere Tischgänger und kleinere Bissen!“ seufzte er innerlich. Er würde die sterbende Jungfrau Sarah Waldhorn über der Geschichte vergessen haben, wenn ihn nicht Sus⸗ chen erinnert hätte, an ihr Sterbebett zu eilen.
5. Das blaue Wunder.
Er nahm den Hut, doch lief er eben nicht. Das häusliche Gespräch aber drückte ihn noch. Er dachte nur an seine wenigen Kunden, an seine dürstigen Finanzen. Er drückte den Hut
Sprüche zur Lebensweisheit. Das Unvernünftige zu verbreiten Bemüht man sich nach allen Seiten;
Es täusches eine kleine Frist, Man sieht doch bald, wie schlecht es ist. Goethe. *
Habt ihr bedacht, wie viel stärker der Ge⸗ danke ist, als Artilleriegeschütze? Wie er Gesetze macht und wieder umftößt, wie er Berge versetzt und den menschlichen Stoff wie weichen Thon in seiner Hand bildet. Habt ihr ferner bedacht, daß der Anfang allen Denkens die Liebe war — daß der weise Kopf ohne das großmutige Herz noch nie existierte? Die Himmel hören nicht auf mit ihrem Ueberfluß, sie senden uns großmütige Herzen in jede Generation.
Hymoristisches.
Sie weiß es doch. Vater(zur Tochter):„u solltest nur das ewige Radeln lassen und Dich etwas m 5 1 um die Küche bekümmern; ich glaube, Du weißt noh f de
nicht einmal, woraus Brot gebacken wird!“— Toch ten 5 zZOho! Brot ist ein Mehlteig, der durch Bildung vn schäfte Alkshol, Milch und Essigsäure einen eigentümlichen Gu schmack erhalten hot, durch die erzeugte Kohlensäure auf ßer de gelockert ist und durch schnelle Erhitzung einerseits voll 1 dem überschüssigen Wasser und Alkohol befreit ist, währen ille gell andererseits in dem Gemenge von Klebestoffen und Stärke 1 18 gummi die ersteren eiweißartig geronnen find und aut 6 5 der letztere eine Röstung erfahren hat, welche den Wohl
geschmack des Brotes wesentlich bedingt.“—
*
Immer beim Fach. A.:„Kennen Sie das Frä lein Schulze?— Oderförster:„Jewiß, das Made ist sehr hochstämmig und vonknorrig em Charakter
tief ins Gesicht, sah starr vor sich hin, wie ein Versemacher; grüßte auf der Strafe weder nach links noch nach rechts, und hätte beinahe den Generalsuperintendenten über den Haufen ger⸗ annt, der doch eins der hellleuchtendsten Kirchen- lichter war.
Als er zur vielgeliebten Tante kam, fand er sie zwar nicht auf dem Sterbebette, aber doch, mit der Brille auf der Nase, vor einem großen Andachtsbuche, woin sie die Todesbetrachtungen und Gebete für Sterbende aufgeschlagen hatte. Sie sah in der That übel aus, obgleich man von ihrem Gesichte gerade nicht behaupten konnte, es hätte jemals sehr gut ausgesehen. Um die Stirn hatte sie ein Tuch, und wieder ein Tuch unters Kinn über den Kopf zusammengebunden.
(Fortsetzung folgt.)
Carlyle.
Beichte.
Von Robert Hamerling.
Das Beste meiner Bücher, Das hab' ich nie geschrieben, Die schönsten meiner Lieder Sind ungesungen geblieben.
Die feurigsten meiner Küsse Die hab' ich nie geküßt— Die stolzesten meiner Gelllste, Die hab' ich nie gebüßt.
Sobald ich lieg im Sterben, Ruft mir ein Pfäfflein her, Dem will ich reuig beichten,
Was mich drückt im Gewissen so schwer. Die Sünden, die ich begangen, Die wird mir der Himmel verzeih'n, Doch die ich versäumt zu begehen,
Die werden mich ewig gereu'n.
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