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Gießen, Sonntag, den 1. April 1900.
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7. Jahrg.
Nr. 14. f Redaktion:
Kirchenplatz 11, Schloßgasse.
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Mitteldeutsche
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Redaktionsschluß: Donnerstag Nachmittag 4 Uhr.
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Abonnementspreis:
Die Mitteldeutsche Sonntags-Zeitung kostet durch unsere Austräger frei ins Haus geliefert monatlich 25 Pfennig. Durch die Post bezogen vierteljährlich 90 Pfg. Direkt durch die Expedition unter Kreuzband vierteljährlich 1 Mark.
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Haltet zusammen!
Mehr wie je ist es heute die Pflicht aller Minderbemittelten und Besitz⸗ losen, sich zusammenzuschließen und gemein⸗ sam ihre Interessen gegen die Anmaßungen der besitzenden und herrschenden Klassen zu vertreten! Auf allen Gebieten macht sich immer mehr die Ueberhebung der Reaktion bemerkbar.
Die beste Waffe im Kampfe gegen Volksentrecht ung und Volksbedrückung ist die Presse! Die
Mitteldeutsche
Sonntags ⸗Seitung,
die seit Jahren unerschrocken für die Nechte des werkthätigen Volkes eingetreten ist, wird auch in Zukunft diese ihre Auf⸗ gabe nach jeder Richtung hin erfüllen. Je größer aber die Verbreitung einer Zeitung ist, desto größer ift ihr Einfluß. Deshalb muß es die Aufgabe aller Kleinen in Dorf und Stadt sein, dem Organ, das ihre Inter⸗ essen vertritt, der Mitteldeutschen Lonn⸗ tags-Zeitung, immer neue Abonnenten zu zufuhren. Die M. S.⸗Ztg. erscheint jede Woche
einmal und kostet monatlich frei ins Haus ge⸗ bracht nur 25 Pfg., durch die Post bezogen vierteljährlich 90 Pfg.
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Verteuerung der Cebens⸗ mittel.
Konservative, Junker, Agrarier, Zentrums leute— Schnapphähne ärgster Art— sind wieder einmal an der Arbeit, dem deueschen Volke die Lebensmittel zu verteuern, um ihre eigenen Taschen besser fullen zu können. Zunächft soll durch ein Einfuhrverbot ausländischen Fleisches dem Volke die Fleischkost verteuert werden. Das Fleischschaugesetz ist in der zweiten Lesung mit dieser folgenschweren Bestimmung angenonemen worden.
Und die Regierung?
Wenn sie nicht furchtete, daß das Ausland für diese Emfuhrb schränkung schwere Wieder⸗ vergeltung üben könnte, würde sie wahrscheinlich ohne Zaudern diese Schröpfung des arbeitenden Volkes sanktionieren. Aber es steht zu befürchten, daß die deutsche Ausfuhr von Industriewaren von Amerika und anderen Staaten sehr beschränkt wird, falls die Lebens mitteleinsuhr aus diesen Staaten unterbunden wird. Darum schwankt die Reichsregierung noch und wagt es nicht, den agrarischen Gelüsten sofor“ nach zugeben. Das ist bezeichnend und zeigt aufs neue, wie volks⸗ schädlich die Wirtschafts politik der Herrschenden, der Regierung und Besitzenden, ist.
Ganz abgesehen von der Schädigung, die Repressalien des Auslandes unserer Industrie zufügen würden, muß die Verteuerung von Lebensmitteln den Kousum von Industrieartikeln
im Reiche selbst einschränken. Geringerer Absatz von Waren hat aber Arbeitslosigkeit zur Folge; Arbeitslosigkeit schränkt den Konsum noch mehr ein, und so muß denn die beabsichtigte Verteue⸗ rung der Lebensmittel wie eine Schraube ohne Ende wirken— schwere Krisen sind demnach die Folgen dieser geradezu kopflosen Wirtschafts⸗ politik.
Das Verbot der Fleischeinfuhr ist jedoch nur der erste Vorstoß der gewissenlosen Volksausbeuter, die Erhöhung der Getreidezölle— also eine schwerere Brotsteuer— ist ebenfalls geplant und soll beim Abschluß neuer Handels- verträge im Jahre 1904 folgen. Andere land⸗ wirtschaftliche Produkte sollen ebenfalls mit höheren Zöllen belegt werden— kurz, es ist ein Raubzug auf die Taschen des Volkes geplant, wie er frecher kaum gedacht werden lann.
Dagegen muß das ganze arbeitende Volk Front machen. Es hat um so mehr Ursache dazu, weil es jetzt schon ungeheure Summen als indirekte Steuern aufzubringen hat, die seinen Lebensunterhalt stark beeinträchtigen. Hier ein Beispiel. Ein mit Frau und drei Kindern lebender Arbeiter, der ein Jahresein⸗ rommen von 1248 Mark hatte, buchte genau, was die Familie verbrauchte und konnte danach berechnen, wieviel er Konsumtions⸗, d. h. indirekte Steuern gezahlt hatte. Die Berechnung stellt sich folgendermaßen:
Brot(Preiserhöhung durch den Zoll 4 Pfg. per Kilogramm) 1092 Kilogramm— 42,68 Mk. Zoll.
Fleisch(Zoll 15 Pfg. per Kilogramm) 208 Kilb gramm= 31,20 Mk. Zoll.
Speck(Zoll 20 Pfg. per Kilogramm) 26 Kilogramm= 5,20 Mk. Zoll.
Schmalz(Zoll 10 Pfg. per Kilogramm) 55 Kilogramm— 5,50 Mk. Zoll.
Reis(Zoll 4 Pfg. per Kilogramm) 46 Kilogramm= 1,84 Mk. Zoll.
Salz(Steuer 12 Pfg. per Kilogramm) 32 Kilogramm— 3,84 Steuer.
Kaffe(Zoll 40 Pig per Kilogramm) 28 Kilogramm— 11,20 Mk. Zoll.
Zucker(Steuer 20 Pfg. per Kilogramm) 30 Kilogramm— 6 Mk. Steuer.
Hering(Zoll durchschnittlich 1 Pfg. per Stück etwa 250 Stück= 2,50 Mk. Zoll.
Bier(Steuer 1 Pfg. per Liter) 370 Liter = 3, 70 Mk. Steuer.
Branntwein(Steuer 28 Pfg. per Liter) 20 Liter= 5,60 Mk. Steuer.
Petroleum(Zoll 6 Pfg. per Liter) 160 Liter= 9,60 M. Zoll.
Tabak(Zoll 85 Pfg. per Kilogramm) etwa 10 Kilogramm= 8,50 Mk. Zoll.
Zigarren(Zoll durchschnittlich 1 Pfg. per Stück) etwa 200 Stück= 2 Mk. Zoll.
Das ergiebt eine Summe von nicht weniger als 139 Mark 36 Pfennigen an indirekten Steuern. Aber damit ist die ganze Höhe dieser Last noch nicht erreicht. Es kommen noch viele kleinere Beträge für andere mit Zöllen belastete Konsumartikel hinzu, die sich nicht nachweisen lassen.
Diese Rechnung ist noch günstig, denn die Zollauflage hat eine Preis steigerung zur Folge, die über den Betrag des Zolles in der Regel
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hinausgeht. Oder glaubt man etwa, die kapi⸗ talistischen Warenverkäufer zahlen den Zoll aus ihrer Tasche? Nicht einen Pfennig! Es wird alles auf die Konsumenten abgewälzt. Gerade deshalb wollen ja die Lebensmittelverteuerer höhere Zölle oder ein Eiufuhrverbot, damit ihren Waren keine Konkurrenz gemacht wird, im Gegen⸗ eil, daß stärkere Nachfrage entsteht, denn bei stärkerer Nachfrage lassen sich die Preise steigern. Deutlich erkennbar ist das dem Volke bei der diesjährigen Kohlennot geworden.
Müßte die Regierung nicht den aufbrausenden Unw llen des Volkes als einen wohl zu beachten⸗ gen Faktor in Rechnuag ziehen, sie ließe es sich vielleicht ganz gern gefallen, wenn duch ein volksverräterisches und volksfeindliches Parlament neue Steuern dem Volke aufgewälzt würden. Höhere Zölle füllen die vom Militarismus stets bis auf den Grund geleerten Staatskassen.
Jetzt will die Regierung eine große Flotte, aber es fehlt dazu an den Mitteln, und die Steuerentdecker in der Regierung kauen sich an den Fingernägeln herum und sinnen, wo sie die Mittel sür die Flotte hernehmen sollen. Da haben die beutesüchtigen Lebensmittelverteuerer das einfache Mittel an der Hand: Höhere Zölle— Fleischeinfuhrverbot ꝛc. dc. Sie kalkulieren so: Höhere Zölle liefern der Regierung höhere Summen, die sie zur Durch⸗ führung ihrer Pläne verwenden kann— und wir„scheren unser Schäfchen“ durch die infolge höherer Zölle ꝛc. bedingte Preiserhöhung unserer Waren, ergo ist beiden Teilen geholfen! Das ist verdammt einfach. Bleibt nur das eine Be⸗ denken, ob sich das Volk das bieten läßt.
Nun, es ist den werkthätigen Klassen schon manches geboten worden, aber die Folgen blieben nicht aus. Die Zeiten großer Arbeitslosigkeit und Brotteuerung Anfang der neunziger Jahre sind noch nicht vergessen. Und ist in den letzten Jahren auch ein Wirtschaftsaufschwung zu ver⸗ zeichnen gewesen, so ist doch die gegenwärtige Situation keine günstige, die Konjunkturen be⸗ ginnen ab uflauen. Um so vermessener ist es, in dieser schwanken Periode die Krisis geradezu heraufzubeschwören durch eine Verschlechterung der Lebenslage des arbeitenden Volkes, nur um den gewinngierigen Agrariern, Junkern ꝛc. den Beutel zu füllen.
Wer hiergegen nicht energisch auftritt, ver⸗ geht sich mit an dem Volke und an sich selbst, denn das Gewährenlassen der Beutepolitiker treibt uns in heillose soziale Kämpfe, in eine unhalt⸗ bare politische Situation, ins Elend. Jeder stehe seinen Mann und werfe sein Gewicht in die Wagschale! Wie ein Mann muß sich das arbeitende Volk gegen die Lebensmittelverteuerung auflehnen.
Nieder mit den Beutepolitikern und Volksaussaugern!(Tabakarbeiter.)
Polttische Bund chau. Gießen, 30. März. Reaktionäre Pläne. Daß die„Ordnungs“ Pa dt ien aller Schat⸗ tierungen in ihrer Mehrheit dem Reichstags— Wahlrechte nicht besonders grün sind, ist eine
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