wir diese Notiz zur Kenntnisnahme.

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Mitteldentsche Sountags⸗Zeitung.

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Seite 5.

Westerwald und Anterlahn.

Schulverhälrnisse auf dem Lande. Vom Ober⸗Westerwald wurde dieser Tage dem Rhein. Kurier geschrieben:Vor einiger Zeit las man

8 im Herborner Tageblatt, daß es auf dem Wester⸗

wald nochstarke Leute gebe. Es wurde in dem be⸗ treffenden Artikel von dem Lehrer M. in L. geschrieben, daß er neben seiner 60 Schüler starken Schule noch zwei Ortschaften zu versehen hätte. Doch es gibt noch stärkere Leute. So hat der zweite Lehrer M. in H. die erste Stelle in demselben Ort mit zu versehen. Beide Schulen sind ungefähr 130 Schüler stark. Doch damit nicht genug; ihm wurde noch die ungefähr 3 Kilometer von H. entfernt liegende Schule zu St,⸗N. übertragen. Nun muß er noch vom 17. d. M. ab die Schule in B. laut Verfügung Königl. Kreisschulinspektion mit versehen. Außerdem ist er Organist in N. Gewiß ist dies ein Zeichen, daß der betreffende Lehrer einstarker Mann ist. Allerdings, meint dazu dieFrkftr. Volksst. Ob aber auch die pädagogischen Leistungen und Er⸗ ziehungsresultate derStärke dieser Leute entsprechen, das steht auf einem anderen Blatt. Was kann ein solcher Lehrer den Kindern viel an Kenntnissen beibringen, wenn er den ganzen Tag aufReisen ist? Aber freilich: unsere herrschenden Klassen wollen ja nur willige Arbeits⸗ sklaven, und dazu genügt das bißchen Wissen, was ihnen so einstarker Lehrer beibringt. Nur sollte man sich in diesen Kreisen angesichts solcher Schulverhältnisse nicht mehr über die Unwissenheit und Unbildung des Volkes entruͤsten.

k. Gute Gegend für Ausbeuter. Aus Weilburg a. L, schreibt man uns: In dem benach⸗ barten Obershausen zahlt die Krupp'sche Bergver⸗ waltung horrende Löhne. 2 Mk. bis 2.50 Mk. bildet die Regel; Löhne von 3 Mk. sind schon eine Ausnahme, die nur einzelneGlückliche erreichen. Die Schuld liegt allerdings an den Arbeitern selbst, die, ferne jeder Organisation, der Millionenfirma für ein solches Schand⸗ geld arbeiten. Da es immer noch Narren gibt, die die Arbeiterorganisatlonen für überflüssig halten und die auf denguten Willen der Unternehmer rechnen, so sei denen Obershausen als warnendes Exempel vorgeführt. Denjenigen Zeitungsschreibern, die von Zeit zu Zeit den Wohltätigkeitssinn der Firma Krupp rühmen, empfehlen Vielleicht nimmt der Bergarbeiterverband sich einmal der Leute in Obers⸗ hausen an, er würde ein gutes Werk tun, wenn er hier mal im Interesse der armen Arbeitssklaven eingreifen würde. 5

2. Wegen einer Gendarmen⸗ Beleidigung hatten sich zwei Maurer aus Niedershausen vor dem Weilburger Schöffen gerichte zu verantworten. Der Gendarm Reichert kam in der Nacht vom 4. zum 5. Juni durch Niedershausen. Dort begegnete er den beiden Maurern, die husteten und pfiffen, was der Ordnungs⸗ hüter ganz fälschlicherweise auf sich bezog und glaubte, die Angeklagten wollten ihn foppen. Diese bestritten entschieden, den Gendarm irgendwie beleidigt noch dazu die Absicht gehabt zu haben. Das Gericht hält ebenfalls eine Beleidigung nicht für vorliegend und spricht die Maurer frei. Auf die Genossen in N. ist der Herr Gendarm offenbar schlecht zu sprechen; erklärte er doch, sie(nämlich die Niedershausener)noch zahm kriegen zu wollen. Ja, wenn Polizei und Gendarmen die Sozial⸗ demokratie tot kriegen könnten, wär sie gewiß längst nicht mehr da!

t. Aus dem Dillkreis. Für den Dillkreis besteht ein gemeinnütziger Bauverein, der von den Arbeitergroschen der Alters⸗ und Inbaliditäts⸗Sersiche⸗ rungsanstalt Hessen⸗Nassau Baudarlehen gibt. Dem Former Gabriel in Langenaubach war auf Antrag eben⸗ falls Baugeld bewilligt worden. Infolge einer Denun⸗ ziation des christlichen Vertrauensmannes Klaas (Gewerkverein der Bergarbeiter) wurde dem Gabriel das Baugeld wieder entzogen, weil er Sozialdemokrat sei. Gebaut wird aber doch. Protektor des Bauvereins ist Landrat v. Wüssow, derselbe, dem s. Z. das Kreisauto⸗ mobil bewilligt worden war bis die Frankf. Volks⸗ stimme dafür sorgte, daß das Benzin ausging und das Töff⸗Töff die Fahrten einstellte.

Aus dem Nreise Morburg⸗-Rirchhain.

Von den Stöckerleuten. Anfangs September hat ich in Marburg ein welterschütterndes Ereignis abgespielt. DieChristlich⸗Sozialen, jene politischen Schmarotzer von Zentrumsgnaden, hatten sich unter Vorsitz des Buchhändlers Sonnenschein zu einem Fünfuhrthee zusammengesunden. Freudestrahlend ver⸗ kündet dasVolk, daß zwei hoffentlich voll⸗ kommen erwachsene Mitgliedec, aufgenom men wurden. Auf Antrag So nnenscheins wurde dem Wahlfonds für nationale Arbeiterkandidaten der horrende Betrag von 10 Mk. üverwiesen. Mit diesem n hut's eine eigene Bewandnis. Die Macher der Stöckere merken, daß ihre Sache den Dalles hat. Herr Burck⸗ hardt, der Sekretär, drohte ja schon öfter, bei den

säumigen Mitgliedern den Parteibeitbag von einer Mark

zuzüglich Kosten per Nachnahme zu erheben. Nun hat Franz Behrens, der erbliche Durchfallskandidat der Stöckerei, gemäß erhaltenem Auftrag den Wahlfonds für nationale Arbeiterkandidaten gegründet. Wahrscheinlich ist die christlich⸗soziale Parteikasse nicht mehr in der Lage, die chronische Durchfallerei Blumenfränzchens zu bezahlen. Daher sammelt der zum Generalsekretär avan⸗ clerte Sohn der Ziegelbrenner und Kleinbauer beizeiten Schätze, die, damit sie der Rost nicht frißt, beim Wetzlarer Wahlkampf verpulvert werden können, Weiter referierte dann Herr Dr. Burckhardt der seine Versammlungen im 5. hessischen Wahlkreis mit Posaunen⸗ gebläs einleiten läßt über das Abkommen mit den Reformern und empfahlstrengste Neutralität gegenüber den bereits aufgestellten Kandidaten. Daraus ist ersichtlich, daß es diese Spezies Christen es mit der politischen Ehebrecherei gar nicht so genau nehmen. Im Marburger Kreise sind schon etliche Kandidaten ver⸗ schiedener antisemitischer und christlicher Couleur aufge⸗ stellt. Dort wirds bei der Wahl einen schönen Kuddel⸗ muddel absetzen.

f. Wegen Arbeitswilligenbe⸗ leidigung verhandelte die Strafkammer am Freitag gegen den Genossen Schreiner Rösler. Das Schöffengericht hatte ihn vor einiger Zeit zu 9 Mk. Geldstrafe verurteilt, weil er zu dem Arbeitswilligen Otto aus Holz⸗ hausen gesagt haben soll;Du bist ein ganz erbärmlicher Kerl undDu solltest dich vor deiner Frau und deinen Kindern schämen. Gegen das Urteil hatte der Verurteilte wie der Staatsanwalt Berufung eingelegt. Mehrere Zeugen bekunden, daß ste von der ersten Aeußerung nichts gehört haben. Das Gericht erkannte auf 15 Mark Geldstrafe.

fr. Vorstandswahl in der Ortskranken⸗ kasse. Zu der in der nächsten Generalversamm⸗ lung der Ortskrankenkasse auf der Tagesordnung stehenden Vorstandswahl, werden settens der Gewerkschaftskommission folgende Genossen in Vorschlag gebracht: Peter Wolf, Schreiner, Herm. Epple, Metallarbeiter, Joh. Mudersbach, Steinhauer, Franz Fischer, Buchdrucker. Wir bitten die Genossen, rechtzeitig zur Stelle zu sein, um Ueberraschungen zu vermeiden.

Die Qualität der Streikbrecherarbeit.

In der Stadtverordnetensitzung zu Augs⸗ burg gab der Vorsttzende eine Ueberschreitung des Bauetats bekannt, die daher rühre, daß ein Teil der Arbeiten Streik arbeit sei, die schlecht war und deshalb nochmals gemacht werden mußte. In ihrem Geschäftsbericht gibt die Papierfabrik Hegge im Allgäu bekannt, daß während des letzten Streiks die Arbeitswilligen durch ihre Ungeschicklich keit einen kolossalen Schaden an den Maschinen verursacht haben, so daß die Dividende für die Aktionäre ver⸗ ringert werden mußte. Der beim gegen⸗ wärtigen Maurerstreik in Augsburg als Ober⸗ scharfmacher fungierende Baumeister Keller mußte eine ganze durch Streikbrecher hergestellte Giebelmauer wegen Baufälligkeit abtragen lassen. Das sind dienützlichen Elemente.

An der Geldquelle.

Der Münchener Polizeibericht vom 21. September meldet, daß in der vergangenen Nacht aus dem Münzgebäude ungerähr 130000 Mark in neugeprägten Zehnmark⸗ stücken mit dem Münzzeichen d 1906, im Gesamt⸗ gewicht von 50 ene gestohlen wurden. Unter dem Münzgebäude fließt ein Bach durch einen gemauerten Kanal, der gegenwärtig 1 Reinigung des Bachbettes trocken gelegt ist; durch diefen Kanal gelangten die Diebe an die eiserne Tür; ste erbrachen dieselbe, drangen durch den Maschinenraum in den Raum, worin das gemünzte Geld aufbewahrt wird, und ent⸗ nahmen einem Holzkasten die genannte Summe. Die Diebe sind später erwischt worden.

Parteitag in Mannheim (Fortsetzung von Seite 2).

Der Mannheimer Parteitag ist am stärksten besucht von allen, die bisher abgehalten wurden. Nach dem von Sindermann erstatteten Bericht der Mandatsprüfungskommisston sind 313 Dele⸗ gierte mit 335 Mandaten anwesend. Ein⸗ schließlich der Abgeordneten und ausländischen Gäste zählt er 404 Teilnehmer. Der Saal des Apollotheaters erwies sich als zu klein, es

gelang glücklicherweise noch, den Nibelungensaal des Rosengartens für die Tagungen zu erhalten.

Am Mittwoch gelangte der Massenstreik zur Verhandlung, wozu Bebel das Referat und Legien das Korreferat hatte. Bebel legte folgende Resolution vor:

1. Der Parteitag bestätigt die Beschlüsse des Jenaer Parteitages den politischen Massenstreik betreffend.

Der Parteitag empfiehlt nochmals besonders nach⸗ drücklich die Beschlüsse zur Nachachtung, die die Stärkung und Ausbreitung der Parteiorganisation, die Verbreitung der Parteipresse und den Beitritt der Parteigenossen zu den Gewerkschaften und der Gewerkschaftsmitglieder zur Parteiorganisation fordern,

Sobald der Parteivorstand die Notwendigkeit eines politischen Massenstreiks für gegeben erachtet, hat derselbe sich mit der Generalkommission der Gewerkschaften in Verbindung zu setzen und alle Maßnahmen zu ergreifen, die erforderlich sind, um die Aktion erfolgreich durchzu⸗ führen. 0 2

2. Die Gewerkschaften sind unumgänglich not⸗ wendige Organisationen für die Hebung der Klassen⸗ lage der Arbeiter innerhalb der bürgerlichen Gesell⸗ schaft. Dieselben stehen an Wichtigkeit hinter der sozial⸗ demokratischen Partei nicht zurück, die den Kampf für die Hebung der Arbeiterklasse und ihre Gleichberechtigung mit den andern Klassen der Gesellschaft auf politischem Gebiet zu führen hat, im weiteren aber über diese ihre nächste Aufgabe hinaus die Befreiung der Arbeiter⸗ klasse von jeder Unterdrückung und Ausbeutung durch Aufhebung des Lohnsystems und die Organisation einer auf der sozialen Gleichheit aller beruhenden Erzeugungs⸗ und Austauschweise, also der sozialistischen Gesellschaft, erstrebt. Ein Ziel, das auch der klassenbewußte Ar⸗ beiter der Gewerkschaft notwendig erstreben muß. Beide Organisationen sind also öfters in ihren Kämpfen auf 1 Verständegung und Zusammenwirken ange- wiesen.

Um bei Aktionen, die die Interessen der Gewerk⸗ schaften und der Partei gleichmäßig berühren, ein ein⸗ heitliches Vorgehen herbeizuführen, sollen die Zentral⸗ leitungen der beiden Organisationen sich zu verständigen suchen. Die Einladung zu einer solchen Beratung hat diejenige Zentrakleitung ergehen zu lassen, von der die Auregung zu der Beratung ausgeht. Bebel.

Zu dieser Resolution liegen eine Reihe Zu⸗ satzanträge vor, darunter einer von Kautsky, in welchem ausgesprochen wird, daß die Gewerk⸗ schaften vom Geiste der Sozialdemokratie be⸗ herrscht werden müßten, weil diese die höchste Form des proletartschen Klassenkampfes sei. Der Saal ist dicht besetzt.

Bebel legt dar, weshalb sich der Parteitag in diesem Jahre wieder mit dem Massenstreik befassen mußte und bezeichnet die Veröffentlichung des Organs der lokalen Gewerkschaflen, der Einigkeit aus dem Protokoll einer vertrau⸗ lichen Sitzung der Gewerkschaftsvorstände einen Treubruch scklimmster Art. Er setzt dann weiter ausführlich auseinander, daß die Haltung des Parteivorstandes und seine Ausführungen auf der erwähnten Konferenz in keiner Weise mit der Jenaer Resolution und seiner Jenaer Rede in Widerspruch stehen. Redner geht im Weiteren ausführlich auf die Frage des Massenstreiks, sowie die Aeußerungen ein, die einzelne Genossen über diesen Gegenstand gemacht haben. Wir können Raummangels halber nicht mehr auf die interessante Rede und Debatte eingehen und verweisen unsere Leser auf die Oberhessische Volkszeitung.

An die Part ivereine. Der Vorsitzende des Kreiswahlvereins, Georg Beckmann, wohnt jetzt Wolfstraße 3.

Versammlungskalender.

Samstag, den 29. September. Gießen. Holzarbeiter. Abends 2 Uhr Ver⸗ sammlung bei Löb(Wiener Hof). Metall⸗ arbeiter. Abends 9 Uhr Versammlung bei Orbig. Dienstag, den 2. Oktober. Gießen. Gewerkschaftskartell. Abends ½9 Uhr Sitzung bei Orbig.

Alle 3 der 1 deutschen Sonntags⸗Zeitung wolle man von nun an Neustadt 14, Expedition der Oberh. Volkszeltung, regeln.

Der heutigen Nummer liegt ein Prospekt der Buch⸗ handlung Vorwärts⸗Berlin über das Lieferungs wert Blut und Eisen bei, worauf wir unsere Leser auf⸗ merksam machen.

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