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konfisziert.

Nr. 24.

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Mitteldentsche Sonnags⸗Zeitung.

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Hündisches

aus dergutgestunten Presse.

Wie von jeder Kaiserreise brachten die bürger lichen Blätter auch über die neuliche Reise Wilhelms II. nach Wien spaltenlange Artikel und darunter auch folgende Mitteilung:

Der Zug bestand aus 16 ganz gleichen Hof wagen. In einem der letzten saß das ge koppelte Dachsenpaar Kaiser Wilhelms.

Die beiden Dackel werden mit nicht geringem Stolze erfüllt werden, denn sie waren schon öfter Gegenstand tiefstnniger Betrachtungen in denpatriotischen Zeitungen. Wie ist doch die Zeitung so interessant!

Kampf um die Wahlre fon ö in Oesterreich. mehr

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Seit langem schon führen unsere österreichi⸗ schen Genossen im Verein mit allen fretheitlich Gesinnten einen energischen Kampf für die Er⸗ ringung des allgemeinen Wahlrechts. Vor mehreren Monaten schien es, als sollte endlich mit einer vernünftigen Wahlreform Ernst ge⸗ macht werden; der damalige Ministerprästdent Gautsch zeigte den ehrlichen Willen dazu, nachdem die Arbeiter durch die machtvollen Wahlrechtsdemonstrationen ihren berechtigten Forderungen gewaltigen Nachdruck verschafft hatten. Nun sind aber bereits zwei Minister über die Wahlreform gestürzt; die verrotteten bürgerlichen Parteien wollen diese jetzt für Oesterreich wichtigste Frage ins Endlose ver⸗ schleppen, ste wiederum versumpfen lassen. Aber die Sozialdemokratie ist auf dem Posten, sie läßt sich nicht an der Nase herumführen und wird nicht dulden, daß das gegenwärtige parlamentarische Ministerium Beck die Wahl- reform wieder auf die lange Bank schiebt. Die Parteivertretung hat nämlich eine Proklamation an die Parteigenossen erlassen, in welcher für den Fall, daß man weiter versuchen sollte, das Volk um sein Recht zu betrügen, ein

dreitägiger Massenstreik für Wien angekündigt wird. Am Schluß des Aufrufs heißt es:

Die Arbeiter Oesterreichs werden sich durch schmutzige Intriguen nicht um ihr Recht betrügen lassen. Mag die Krone es dulden, daß eine kleine Bande von Junkern, Advokaten und Lumpenproletariern ihren Willen, der diesmal mit dem Willen und dem Rechte des Volkes eins ist, mißachtet, mag die Regierung zu⸗ sehen, daß ihre schönen Reden und Beteuerungen verhöhnt werden, die Arbeiter werden sich dem Privilegiengesindel nicht beugen und werden für das allgemeine gleiche und direkte Wahlrecht kämpfen, mit allen Mitteln und bis zum Aeußersten!

Dieser dreitägige Massenstretk soll und kann natürlich nur eine warnende Kundgebung gegen die Verschleppung der Wahlreform sein und soll in den nächsten Wochen proklamiert werden, falls die Verschleppung kein Ende nimmt. Er dürfte aber der Wiener Regierung und dem Parlament die Augen öffnen und ihnen die Erkenntnis elnpauken, daß die Zeit der Ruhe, der geduldigen Beschaulichkeit vorüber ist. Und die Feinde der Wahlreform, die Wind gesäet haben, dürfen sich nicht wundern, wenn sie Sturm, viel Sturm ernten.

Kleine politische Nachrichten.

Den 1. Mai zu einem gesetzlichen Feiertag zu erklären, hat der Pariser Gemeinderat bei der Reglerung beantragt. Ob freilich die radikale Regierung dem Wunsche nachkommen wird, steht dahin. Immerhin hebt der Beschluß des Pariser Gemeinderats dessen sozlales Verständnis weit über das hinaus, was wir sonst bei den Stadtverwaltungen, zumal in Preußen⸗Deutschland, gewohnt sind.

Wegen Majestätsbeleidigung wurde ein patriotisches Kapltalssten⸗Blatt, dieRhein.⸗Westph.⸗Ztg., Die Majestätsbeleidigung soll in einem Artikel:Der geflickte Dreibund enthalten sein. Wegen Beleidigung des Kronprinzen wurde der Arbeiter Franz Wistuba aus Zülz zu 6 Wochen Ge⸗ fängnis verurteilt.

Die ewige Wahl. Im bayrischen Wahlkreise Dürkheim⸗Neustadt fand dieser Tage der 23. Wahlgang zur Wahl eines Landtagsabgeordneten statt und verlief wiederum ergebnislos. Segen der indirekten Wahl!

Die erste soztaldemokratische Gemeinde⸗ verwaltung in Schlesien besitzt nunmehr Klein⸗ Leubusch bei Brieg, wo infolge des Wahlsieges unserer Genossen am 8. Juni der Gemeinderat aus 2 Konser⸗ vativen, 3 Freisinnigen und sieben Sozialdemokraten besteht.

Reichstagswahlen. Im Kreise Beuthen Tarnowitz Schlesten) siegte bei der Nachwahl am Dienstag, die infolge Mandatsniederlegung des Zent⸗ rumsabgeordneten Krolik nötig war, der polnische Kandidat Napieralski mit 28000 Stimmen im ersten Wahlgange. Unser Kandidat erhielt 7000 Stimmen, 3000 weniger als 1903. Der Rückgang erklärt sich sehr einfach dadurch, daß sich der polnische Kandidat ebenfalls einen sozialistischen Anstrich gab. In Hannover findet die Ersatzwahl am nächsten Mittwoch statt; in Rinteln⸗ Hofgeismar an Stelle Reventlows am 20. Juli. In letzterem Kreise treten 7 Kandidaten auf.

Meuterei soll nach einer Mittellung des Vorwärts mehrfach unter den deutschen Truppen in Südwestafrika vorgekommen sein.

Revolution in Rustland.

In der Duma wurde während der letzten Tage besonders über die Abschaffung? ETodes⸗ strafe und über die Agrarfrage' debattiert. Mehrere Redner von der Arbeiterpartei richteten heftige Angriffe gegen das Ministerium und die Verwaltung.

Ueber die Duma äußert sich Genosse Plechauow, der bekannte Führer der russtschen ae e in einem Artikel folgender- maßen:

Unsere Regierung hat schon mehrere unver zeihliche Fehler begangen. Diese Fehler haben sie an den Rand des Abgrundes gebracht; sie haben sie aber noch nicht hineingestürzt. In den Abgrund wird sie kommen, wenn die Duma anseinandergefagt wird. Aber je eher der Sturz der Regierung beginnt, desto länger und qualvoller wird der Prozeß des Sturzes sein. Um diesen Prozeß zu beschleunigen und zu erleichtern, muß man ihn noch für eine gewisse Zeit vertagen. Ein vorzeitiger Konflikt hätte die politische Erziehung der Volksmasse zu früh abgebrochen. Wie wirkt auf das Volk die Duma, die jetzt das Zentrum seiner Aufmerk⸗ samkeit geworden ist? Sie erweckt aus dem Schlaf die am wenigsten Aufgeklaͤrten; sie stößt die Rückständigen vorwärts; sie zerstört in der Masse die allerletzten politischen Illustonen, die die Geschichte uns hinterlassen hat. Deshalb befremdet mich das, man könnte sagen, schola⸗ stische Verhalten zur Duma, das ich in den Artikeln einiger unserer Genossen beobachten konnte. Sie schrieben: Die Duma darf sich nicht mit organischer Arbeit beschäftigen. Ihre Arbeit muß eine rein agitatorische sein. Aber man muß doch dessen eingedenk sein, daß die organische Arbeit der Duma gerade die aller⸗

rößte agitatorische Bedeutung besitzen wird. ede Arbeit der Duma wird gut sein, wenn durch sie die letzte Binde von den Augen unseres Volkes fallen wird. Alles ist gut, was die politische Erziehung unseres Volkes fördert; schlecht dagegen ist alles, was diese Erziehung hindert.

Die Forderungen der Arbeiter finden in einer Resolution Ausdruck, die eine am Pfingstsonntag in Petersburg stattgefundene große Arbeiterversammlung, an der auch viele Abgeordnete teilnahmen, beschlossen hat. Es heißt darin:

Die Minister haben gesagt, daß die Regle⸗ rung weder Land noch Freiheit geben und dle Ausnahmezustände aufrecht erhalten wird. Man wird also auch in Zukunft ohne Gericht schlagen, verstümmeln, erschseßen, erhängen, und das Land wird in den Händen der Regierung und der Gutsbesitzer verbleiben. Man wird die Familien der Hungernden ausweisen und diejenigen, die ihnen helfen wollen, zu Zwangsarbeiten ver⸗ urteilen. Das sagten die Minister, das wagten sie der Duma zu antworten. Es ist frellich wahr, daß die Abgeordneten nicht als die wirk⸗ lichen Vertreter des Volkes anzusehen sind, weil nicht alle gewählt haben, und die, welche ge⸗

wählt haben, unter dem Sausen der Knuten und dem Knattern der Maschinengewehre nicht diejenigen wählen konnten, die sie wählen wollten. Trotzdem hat aber auch diese Duma einen Teil der Forderungen des Volkes ausgesprochen. Doch hat die Regierung beschlossen, diese loenigen Forderungen nicht zu erfüllen. Das hal ste zu beschließen gewagt! Mögen die Vertreter des arbeitenden Volkes, möge die Arbeitsgruppe die Duma veranlassen, für die Forderungen des Volkes zu kämpfen, dann wird das Volk die Duma in diesem Kampfe unterstützen. Möge die Arbeitsgruppe die Duma veranlassen, zu kämpfen: 1. für eine konstituterende Versammlung auf Grund des allgemeinen, geheimen, direkten und gleichen Wahlrechts; 2. für die Ueber weisung des Landes an das Volk und für die Anerkennung des Rechts des Volkes auf Land; 3. für den Acht⸗ stunden⸗ Arbeitstag und 4. für die Amnestierung aller, die für ihre politische und religtöse Ueberzeugung und für die Beteili⸗ gung an den Agrarunordnungen leiden.

In Warschau wurden am Samstag eine Anzahl Branntweinläden von etwa 90 jungen Leuten überfallen und die Branntwein⸗ vorräte vernichtet. Es kam auch zu blutigen Zusammenstöß en mit den Malitärpatrouillen. Ein Soldat erschoß zwei Revolutionäre, ein Soldat und ein Oberschutzmann wurden von den Revolutionären erschossen. Nur ein Revo⸗ luttonär konnte verhaftet werden; die andern entkamen. Starke Kosaken⸗, Husaren⸗ und In⸗ fanterie-Patrouillen durchziehen alle Straßen der Stadt. Die Angriffe auf die Branntwein⸗ läden werden als Proteste der Revoluttonäre gegen die Hinrichtung des Sozialisten Marczewskt angesehen.

Bon Rah und Lern.

Hessisches. Aus dem hessischen Landtage.

Die Zweite Kammer trat am vorigen Donnerstag(7. Juni) wieder zusammen. In der ersten Sitzung wurde zunächst die Vereidti⸗

ung des neugewählten Abgeordneten Finger⸗ feddersheim vorgenommen. Dieser ist Men⸗ nonit, leistet deshalb keinen Eid, sondern wird durch Handschlag verpflichtet. Das veranlaßt unsern Genossen Ulrich zu erklären, daß er 7 75 dasselbe Recht in Anspruch nehmen werde. e

Dann wird der Antrag auf Schaffung einer berufsständigen Vertretung der Arbeiter beraten. Abg. Ulrich führt dazu aus, daß man sich in den Kreisen der Arbeiter in letzter Zeit mehr für Arbeiterkammern entschteden habe. Das in Ausstcht gestellte Reichsgesetz für die Berufsvereine könne keinen Ersatz für die Forderung von Arbeiterkammern bieten. Man habe in den Handelskammern, Handwerkskammern und Landwirtschaftskam⸗ mern die Vertretung der einzelnen Berufe. Warum wolle man diese Vertretung den Ar⸗ beitern vorenthalten oder die Arbeiter mit den Unternehmern in Arbeitskammern verkuppeln? Wenn man den Unternehmern eine Organisation gäbe, dann dürfe man der Mehrheit der Staats⸗ bürger und das sind die Lohnarbeiter eine solche Organisation nicht vorenthalten. Wenn die Reglerung nicht auf den Antrag eingehe, könne er heute schon einen Inttiativ⸗ antrag in dieser Frage im Hause in Aussicht stellen. Die Arbeiter hätten ein Recht, auch im Ministerium vertreten zu sein und werden nicht eher ruhen, bis ihre Wünsche erfüllt seien. Hierauf kam die Vorstellung der an Staats- anstalten angestellten seminaristisch gebildeten Lehrer wegen Aufbesserung ihrer Gehalts⸗ verhältnisse zur Beratung. Die Vorstellung beantragt der Ausschuß der Regierung zur Berücksichtigung zu empfehlen. Abg. Dr. David bemerkt dazu, die Regterung werde nicht umhin können, die gerechten Wünsche der Beamten doch zu erfüllen. Die ungleiche Behandlung der verschledenen Gruppen der Lehrer hält diese stetig in Unruhe. Die Unstimmigkeit komme auch daher, daß diese Lehrer keine Staats⸗

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