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Nr. 12.
Mitteldentsche Sonntags⸗Zeiung.
Seite 7.
an ein Ladenfraulein ein. Aufpassen taunst Du ja auch auf die und wirst's von der Stube aus.“
„Und das Kind? Was soll's nachher in der vielen freien Zeit anstellen? Denn die Wirtschaft lasse ich mir nicht aus der Hand nehmen.“
Der Meister schwieg und schnaufte eine Weile, als sammelte er seine Kräfte.„Na, die wird ja wohl eines Tages heiraten. Hübsch ist ja die Mamsell. Aber ein Handwerker kriegt ste nicht. Hand weg vom Kuchen! Dazu ist sie mir zu schad'. Und darum soll sie ihre Zeit jetzt dazu anwenden, um Bildung zu lernen.“
Seiner Frau blieb der Atem aus vor Staunen.„Aber wir können unser Kind jetzt doch nicht noch'mal in die Schule schicken,“ ernannte sich Frau Karoline endlich.
„Ist auch nicht nötig. Es gibt schon Lehrer,
so Hungerleider, welche das Geschäft für fünfzig Pfennige die Stunde besorgen.“
„Ich versteh's nicht, wozu das sein soll,“ meinte die Gattin.„Wir sind ja selbst un⸗ gebildete Leute.“
„Wir brauchen's auch nicht,“ belehrte er sie. „Wir haben's Geld, und wer reich ist, der ist auch gebildet.“
„Aber,“ wandte die Meisterin ein,„aber
„Just darum,“ gab er abermals zur Ant⸗ wort.„Und nanu wollen wir schlafen.“ Damit drehte er sich der Wand zu und begann einige Minuten später wie eine Orgel zu schnarchen.
Seine Frau lag noch lange wach und
»grübelte über den Widerspruch in den Worten
ihres Mannes. Die Bildung blieb auf der Bahn ihrer Gedanken der Stein des Anstoßes. Ein wackerer Handwerker wäre ihr der liebste Schwiegersohn gewesen. Aber das hatte ja noch lange Zeit.
Mit dem Heiraten vielleicht; aber nicht mit der Bildung. Rosalie war kaum minder be⸗ troffen, als die Mutter, wie sie von den hoch⸗ fliegenden Plänen des Vaters erfuhr. Wenn jetzt nur ihr Freund und Vetter, Otto Lebrecht, sich hätte blicken lassen! Wenn er vielleicht auch keinen Rat wußte, so konnte man mit ihm sich doch das Herz leichter reden. Und siehe! Als ob ihr Verlangen in die Ferne gewirkt hätte, so stellte er sich noch an demselben Abend ein.
Meister Adersen war zum Glück nicht zu Hause. Schon seit Jahren war er Stammgast in der
Bierhalle zum Prinzregenten, wohin er sich jeden Abend, mit Ausnahme des Sonntags, um 6 Uhr begab und regelmäßig um 8 Uhr in den Schoß der Familie zurückkehrte.
Humoristisches.
Ein Ausweg. Schulze: Der arme Pückler! Juden dreschen darf er nicht, Getreide dreschen mag er nicht— und nun wird ihm in den Versammlungen auch noch das Zungen dreschen verboten! Müller: So mag er in den Kneipen Skat dreschen, wenn durchaus gedroschen werden muß! Das verbietet ihm niemand.
Ein räudiges Schaf. A.: Warum isteldenn der Gendarm Gutmann von seinem Posten geflogen? Das war doch ein ganz pflichttreuer. humaner Beamter. — B.: Ja— das ist's eben! Zu human war er! Denken Sie nur— der Kerl hat während des ganzen Ruhrstreiks nicht einen einzigen Arbeiter arretiert oder zur Anzeige gebracht!— A.: So eine Kanaille! Ja — da konnte er freilich nicht mehr bleiben!
(Südd. Postill.)
Litterarisches.
Die Hohenzollern⸗Legende. Unter diesem Titel erscheint bei der Buchhandlung Vorwärts in Berlin demnächst ein neues Lieferungswerk. Das Werk bringt Kulturbilder aus der preußischen Geschichte vom 12. bis 20. Jahrhundert mit ovielen Illustrationen. Es erscheint in 50 Lieferungen, Heft 1 gelangt am 1. April zur
unser Kind kriegt doch einmal von uns Alles,
(Fortsetzung folgt.)
was wir haben. 5
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