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Nr. 2.
Mitteldeutsche Sountags⸗Zeitung.
Seite 7.
Gesellschaft ein Buch schrieb, as ein Dutzend Auflagen erlebte; während ein Heer von Zei⸗ tungen nicht müde wurde, den Segen zu preisen, den der industrielle Fortschritt über die undauk⸗ bare Menschheit ausgeschüttet.
Die Bekämpfung des Gebärmutter krebses.
Ein Merkblatt aus der„Gleichheit“, Organ der sozialdemokratischen Frauen.
Von Dr. Kurt Freudenberg und Dr. J. Zadek⸗ Berlin.
(Schluß.)
Das wichtigste und bedeutsamste Zeichen des be⸗ ginnenden Krebses find aber unregelmäßige Blutungen aus der Scheide. Auch schon während der Zeit, in der im allgemeinen regelmäßig alle vier Wochen das„Un⸗ wohlsein“,„die Periode“ auftritt, achten unsere Frauen leider viel zu wenig auf Abweichungen von diesem regel⸗
mäßigen Verhalten; von Rechts wegen sollte jede Frau, 5
bei der ein vorzeitiger Abgang von Blut aus der Scheide erfolgt oder bei der gar der regelmäßige Ablauf der Periodenblutungen durch unregelmäßige Blutungen ganz gestört wird, sofort den Arzt in Anspruch nehmen und sofort ihrerseits auf die Vornahme einer inneren Unter⸗ suchung dringen. Sehr oft wird dann in diesen Fällen ein Krebs als die Ursache dieser unregelmäßigen Blutungen rechtzeitig festgestellt werden, und dann wird die recht⸗ zeitig vorgenommene Operation fast stets dauernde Hei⸗ lung bringen können.
Namentlich aber achten während des„Wechsels“ und nach demselben unsere Frauen viel zu wenig auf Unregel⸗ mäßigkeiten der Blutung. Treten während der Wechsel⸗ jahre, statt daß die Blutungen seltener und schwächer werden oder auch mit einem Schlage ganz verschwinden, häufigere und stärkere Blutabgänge ein, so ist sofort der Arzt zu Rate zu ziehen und sofort auf die ein⸗ gehendste Untersuchung zu drängen. Und dasselbe gilt erst recht, wenn Monate oder gar Jahre nach dem völligen Aufhören der„Regel“ wieder Blutabgang aus der Scheide erfolgt. In den Fällen dieser beiden letzten Gruppen ist's zumeist ein Krebs, der die unregelmäßigen Blutungen bewirkt, und deshalb ist schleunigstes Ein⸗ greifen notwendig.
Noch eines Zeichens ist zu gedenken! Tritt bei einer Frau ohne erkennbare andere Ursache plötzlich nach dem Geschlechtsverkehr ein Abgang von Blut oder blutig gefärbter Flüssigkeit aus der Scheide ein, so sollte diese Frau unbedingt, womöglich innerhalb 24 Stunden, den Arzt aufsuchen und eine Untersuchung fordern. Denn das ist ein fast sicheres Zeichen des Gebär⸗ mutterkrebses.
Es ist kein Unglück, wenn bei Befolgung dieser Vorschriften viele Frauen unnötig untersucht werden, aber es ist ein furchtbares Unglück, wenn auch nur bei einer, welche einen beginnenden Krebs an der Gebär⸗ mutter hat, dieser nicht rechtzeitig erkannt wird und zur Operation kommt. Denn diese Unglückliche ist damit dem qualvollsten Tode verfallen, den man sich denken kann. Von den furchtbaren Schmerzen beim Fortschreiten der Krankheit— Schmerzen, die selbst den größten Morphiumgaben häufig trotzen— haben wir bereits gesprochen. Aber das ist noch nicht alles. Der Aus fluß — siehe oben— nimmt bald an Menge ungeheuer zu und bekommt dabei einen furchtbaren Geruch, so daß die Kranke sich und ihrer Umgebung geradezu zum Ekel wird. Dazu kommt häufig unwillkürlicher Harn⸗ und Stuhlabgang— und nun bedenke man, wenn das sich im Proletarierheim ereignet, wo die ganze doch oft recht zahlreiche Familie auf Stube und Küche angewiesen ist! Da hält die treueste Gatten⸗ oder Kinderliebe nicht stand; gebieterisch drängt sich— und vom medizinischen Stand⸗ punkt mit Recht— die Notwendigkeit auf, die Kranke dem Kranken- oder Siechenhaus zu überantworten, um dort fern von ihren Lieben unter den größten Qualen, bei häufig recht mangelhafter Pflege— auch dort hat man solche Kranke nicht sehr gern— ihre Tage zu beschließen. Und darum muß es Allgemeingut der Frauen werden, daß bei den geschilderten Zeichen, ins⸗ besondere also bei rötlichem Ausfluß und bet Blutungen ohne Zusammenhang mit der Regel eine sofortige innere Untersuchung durch den Arzt vorgenommen werden muß.
So sicher es ist, daß jeder Gebärmutterkrebs, sich selbst überlassen, nach etwa zwei Jahren zum Lode führt, so sicher steht es fest, daß der beginnende Krebs der Gebärmutter leicht und sicher durch die Operation geheilt wird. Und was wollen dem⸗ gegenüber die Gefahren der Operation bedeuten! Niemand leugnet, daß vorläufig noch die Operation keine ganz
gefahrlose ist, aber diese Gefahren find bet rechtzeitig vorgenommener Operation am allerkleinsten. Und dann: wenn ohne Operation die Krankheit in allen Fällen— also in 100 Prozent— zu qualvollem Tode führt, was besagen demgegenüber die paar Prozent Operations⸗ todesfälle. Wer aber erklärt, daß er den Krebs ohne Operation heilen kann— gleichviel ob durch Beten oder Handauflegen, ob durch Lehm oder durch Wasser— von dem behaupten wir mit ruhigem Gewissen, daß er ein Schwinbler ist.
Mögen die Bemühungen Winters, durch Belehrung und Aufklärung auf breitester Grundlage, durch rastlose und planmäßige Bekämpfung der heimtückischen Krankheit Tausenden von Frauen alljährlich das Leben zu retten, den verdienten Erfolg haben, und mögen auch diese Zeilen dazu beitragen, in den Kreisen unserer Genossinnen und durch diese in der unbemittelten Bevölkerung über⸗
haupt Verständnis und tatkräftiges Handeln gegenüber der Krebsgefahr zu wecken!
Das Gewissen. Ein Schwank.
Ein Bauer fuhr einmal zusammen mit einem Arzt und einem Advokaten. Diese beiden taten ihr Möglichstes, den Bauern zum Narren zu halten und ihr Spiel mit ihm zu treiben.
„Ihr Bauern wollt ja gern so klug sein“, sagte der Advokat.„Ich habe so viel davon gehört, daß ihr so viele Geschichten erzählen könnt; laß doch einmal hören, was du weißt“.
„Jaa, meinethalben“, sagte der Bauer, der den Schalk im Nacken hatte, und dann erzählte er:
„Es war also so in alten Tagen, zu der Zeit, da der König noch Läufer brauchte. Damit sie sich nicht außer Atem laufen sollten, schnitt man ihnen die Milz aus. Dann war einmal so ein armer Teufel, der zum Läufer zugerichtet werden sollte. Der Doktor kommt mit Scheren und Messern, Krügen, Flaschen, Pillen, Pflastern und was für Teufelszeug er noch hatte, aber er war wohl nicht klug genug, wie es ja so oft mit den Doktoren, geht, denn er irrt sich und schneidet dem armen Kerl statt der Milz das Gewissen fort.“
„Das war aber eine verkehrte Geschichte“, rief der Advokat und grinste zum Arzt hinüber, „ja—a, die Doktoren— die Doktoren— aber sage mir, lieber Mann, was wurde denn aus dem Kerl?“
„Jaa“, sagte der Bauer und kratzte sich den Kopf,„er war ja rein zugrunde gerichtet da er kein Gewissen mehr hatte, und das einzige, wozu er noch gebraucht werden konnte, war zum— Advokaten!“
Da grinste der Arzt und der Advokat machte ein langes Gesicht, und von nun an ließen sie den Bauern in Ruhe.
Splitter.
Wehe einem jeden, der nicht sein Schicksal an dasjenige der öffentlichen Gemeinschaft bindet! Denn es wird nicht nur keine Ruhe finden, sondern dazu noch allen inneren Halt verlieren und der Mißachtung des Volkes preis⸗ gegeben sein, wie ein Unkraut, das am Wege steht. Der große Haufe der Glleich⸗ giltigen muß aufgehoben und mora— lisch vernichtet werden; denn auf ihm ruht der Fluch der Störungen und Verwirrungen, welche durch kühne Minderheiten entstehen. Wer nicht für uns ist, der sei wider uns! Nur nehme er teil an der Arbeit, auf daß die Entscheidung beschleunigt werde!
4 Cottfried Keller. *
Stümper sprechen am meisten von ihrem Können und verraten einen Dünkel, der einem anekelt.
Jean Paul.
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Immer behalte getreu vor Augen das Höchste, doch heute strebe nach dem, was heute du zu erreichen vermagst.
Geibel.
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Humoristisches
Zweierlei.„Zum Teufel, Herr Strebe, was machen Sie denn da?“—„Hier in diesem Hause hab' ich um die Hand der Tochter angehalten.“—„Und —?“—„und den Fuß des Vaters hab' ich be⸗ kommen!“
Verrannt. Leutnant:„Wer von euch Kerls ging denn gestern Abend an mir vorüber, ohne Front zu machen? Zum Donnerwetter, wenn ich mir hundert dämliche Gesichter merken muß, könnt ihr euch doch wohl eins merken.“
„Hof“ trauer. Sepp: Ja, der Deixel— warum tragt denn der Wastel jetzt dan Flor um dan Arm? Michel: Du— den las in Ruh'! Der hat Hoftrauer! Woast, dem ist a Sau krepiert!
Neudeutsches Soldatenlied. Nach einer alten Melodie. Es geht bei gedämpfter Trommel Klang, Wie weit noch die Stätte, der Weg wie lang? Zum Richtplatz führt man ein junges Blut, Das tat in dem doppelten Tuche nicht gut.
Sie kamen vom Schießen im Sonnenbrand, Entgegen stolzierte ein Leutenant,
„Die Augen rechts!“ scholls Kommando flink, Er, aber, er warf sie frevelnd nach links.
Man stellte ihn vor das Kriegsgericht,
Das kannte Schonung und Milde nicht, Gebrochen hatt er die Disziplin,
Da gab es zu? Sühne den Tod nur für ihn.
Nun steht er an offner Grube Rand, Neun Kugeln, die wurden ihm aufgebrannt, Entsetzen und Schauder hat alle gepackt, Die Disziplin doch ist wi der intakt! „Südd. Postill.“
Empfehlenswerte sozialistische Schriften. Von der Expedition der Mitteld. Sonnt.⸗Zeitung Gießen, Rittergasse 17, sind zu beziehen:
Die Neue Zeit. Wochenschrift der deutschen Sozialdemokratie. Allwöchentlich ein Heft. Preis 25 Pfg. Wahrer Jakob; Süddeutscher Postillon. Witzblätter. Erscheinen alle 14 Tage. Preis 10 Pfg. Freie Stunden. Beste Romanlitteratur. Illu⸗ striert. Wöchentlich ein Heft à 10 Pfg.
Die Volksschule, wie sie sein soll. Rühle. Preis 30 Pfg.
Die innerpolitischen Zustände des deut⸗ schen Reiches und die Sozialdemokratie. Von Gg. v. Vollmar. Preis 20 Pfg.
Wider die Pfaffenherrschaft. Kulturbilder aus den Religionskämpfen des 16. und 17. Jahr⸗ hunderts. Reich illustriert. Von Emil Rosenow. In Heften zu 20 Pfg, komplett in 50 Heften.
Der Zukunftsstaat der Junker. Man⸗ teuffeleien gegen die Sozialdemokratie im preußischen Herrenhaus. Mit Einleitung und Anmerkungen von Kurt Eisner. Preis 20 Pfg.
Ratgeber für Arbeiter, eine Zusammenstellung der wichtigsten Bestimmungen der Arbeiter ⸗Versicherungs⸗ gesetze und der bürgerlichen Gesetzgebung ꝛc. 20 Bogen Taschenformat. Verlag der Leipziger Buchdruckerei⸗ Aktiengesellschaft. Preis gebunden 1,25 Mk.
Die zehn Gebote und die besitzen de Klasse. Von Adolf Hoffmann, Berlin. Preis 30 Pfg. Das Schriftchen ist besonders geeignet, die Arbeiter über die heutigen Zustände und die sittlich⸗ religtöse Heuchelei der herrschenden Klassen aufzuklären. Die Schreibweise ist packend und dem Verständnis der Arbeiter angepaßt.
Lohnarbeit und Kapital. Separatabdruck aus der Neuen Rheinischen Zeitung vom Jahre 1849 von Karl Marx. Preis 20 Pfg.
Diese religiöse Polemik zwischen unserm Genossen und dem Kaplan Hohoff fand bereits in den Jahren 1873/74 statt. Der Inhalt des Schriftchens ist aber noch heute durchaus zeitgemäß.
Die Vernichtung der Sozialdemokratie durch den Zentralverband deutscher Industrieller. Preis 20 Pfg.
Die agrarische Gefahr. Von Paul Göhre. Der Verfasser schildert in gemeinverständlicher Sprache die einseitige agrarische Interessen⸗Bewegung von ihrer Entstehung bis zu ihrer heutigen das Volks wohl ge⸗ fährdenden Macht und legt dar, wie allein die sozial⸗ demokratische Bewegung die letzten Ziele dieser Bewegung des Junkertums und seiner Anhängsel verhindern kann Preis 20 Pfg.
Die katholische Kirche und die Sozial⸗ demokratie. Von Karl Kautsky. Der Verfasser giebt in der kürzlich erschienenen Broschüre eine historische Darstellung der ökonomischen und politischen Grundlagen der katholischen Kirche und skizziert die prinzipielle und taktische Stellung, welche die Sozialdemokratie ihr gegen⸗ über einnimmt. Preis 30 Pfg.(Agitationsausgabe)
Von Otto
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