Ausgabe 
25.12.1904
 
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stillem Grimm vernahm ich das negative Resultat

vom platten Lande. Sollte das immer so weiter gehen? Konnte ich selbst nicht mithelfen, die kleinbäuerliche Bevölkerung in die Küultur⸗ bewegung des werktätigen Volkes in der Indu⸗ strie mit hineinzuziehen? Ich war auf dem

Lande aufgewachsen, kannte die Verhältnisse

der bäuerlichen Bevölkerung, sprach ihre Sprache.

Aber Liebknecht hatte mir auf eine Anfrage

vor den Wahlen dringend abgeraten, meine

Stellung aufzugeben. In ihr könne ich auch

Gutes für unsere Sache wirken, meinte er.

Da kam mir denn, unter dem unmittelbaren

Eindruck der Wahlniederlage der Gedanke, ein

Agitationsorgan, speziell zur Gewinnung der

Landbevölkerung, zu gründen, das ich heimlich

in meinen Mußestunden redigieren wollte.

Der Plan wurde im engeren Kreise von Freunden und Parteigenossen beraten und ge⸗ billigt. Die Vertreter der Parteiorganisation wurden durch ein hektographiertes Zirkular über den Zweck des Unternehmens aufgeklärt. In einer Konferenz im Lokal des Genossen Orbig wurde die Sache durchgesprochen mit dem Re⸗ sultat, daß die Zeitung als Parteiorgan aner⸗

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rrV ñʃͤ i dann waren, so hofften wir bestimmt, tausend Abonnenten da, und dann würden wir uns chon weiter durchschlagen.

Die Redaktion

Denn ste wird ihnen die Wahrheit sagen. Die Wahrheit aber hören sie nicht gern. Darum werden sie darauf ausgehen, sie niederzudrücken.

So heißt es denn gleich von Anfang an, fest zusammengestanden. Jedermann aus dem Volke muß mithelfen, damit das Werk gelinge. Frisch auf drum zur Werbung unter Freunden und Bekannten bei Jungen und Alten in Stadt und Land!

Seid fest und beharrlich! Dann wird die Mitteldeutsche Sonntags- Zeitung frisch und fröhlich gedeihen Und gar bald eine treffliche Wehr und Waffe sein im Kampf für Wahrheit, Recht und Volkswohl!

Nun galt es, den Expeditionsapparat in Bewegung zu setzen. Da mußte manches erst noch gelernt werden. Ein Hinterzimmer im Hause Wallthorstraße 27, wo der Vater von Adolf Schmidt eine Wirtschaft eröffnet hatte, diente als Expeditionsraum. Die Probenummer fand allerorts eine freudige Aufnahme und als die letzte Januarnummer heraus war, da hatten wir in der Tat unsere 1000 Abonnenten. Da⸗ mit war das neue Unternehmen gerechtfertigt.

-Nun-aind'-mit-frischem Mut weiter.

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merkte und bei der zu erwurrenven posso Nachspürung nach dem eigentlichen Redakteur keine Liebesdienste leisten könnte.

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iich Ats der Gießener Sphäre herauszureißen. Allein die Annahme dieses Anerbietens würde mich moralisch verpflichtet und festgebunden haben. So lehnte ich ab und nahm, um auf gute Manier aus der unerträglich gewordenen Situation herauszukommen, Ostern 1894 Urlaub auf unbestimmte Zeitbehufs literarischer Ar⸗ beit. Nach ein paar Wochen öffentlicher Tätig⸗ keit für die Partei erhielt ich dann die amtliche Mitteilung, daß ich aus der Liste der Lehramts⸗ Assessoren gestrichen sei. Ich zog in eine Mansardenwohnung in der Mar burgerstraße 22; wohin später auch die Redaktion verlegt wurde. Nun konnte ich mit voller Kraft an dem Wachs⸗ tum der Zeitung arbeiten.

Der erste Jahrgang schloß mit einem Abon⸗ nentenstand von zirka 1800. Das Gros der Leser waren die Industriearbeiter in und um Gießen, die ihr neues Organ rasch lieb ge⸗ wonnen hatten und wacker unterstützten. Da⸗ neben aber hatten wir auch manchen treuen Freund in der kleinbäuerlichen Bevölkerung gewonnen. Waren unsere Hoffnungen auf Massenabonnement in den rein bäuerlichen Orten auch nicht in Erfüllung gegangen, so waren doch gute Anfänge erzielt worden.

Der Frankfurter Parteitag brachte die Agrar⸗

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ö für einige Jahre darauf zu konzentrieren und

ging auf die Suche nach Jemandem, dem ich

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