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liche Stimmung brachte.
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Mitteldentsche Souutags⸗Zeitung.
Nr. 52.
31 Unterhaltungs-Uril. 1
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Weihnachten in der Fremde.
Eine Erinnerung von H. Burmeister.
Das erste Weihnachtsfest in der Fremde verlebte ich im Staate Maryland(Nordamerika) bei einer Negerfamilie Adams.
Wir, d. h. mein Reisegefährte Otto und ich, befanden uns am Weihnachtsabend gut bei Kasse; wir hatten jeder etwa 40 Dollars in der Tasche. Ein Umstand, der uns in gemüt⸗ Hierzu kam noch, daß wir unser sauer verdientes Geld einem habgierigen Yankee abgejagt hatten. Dieser Erfolg hatte uns so hoch erfreut, daß wir un⸗ gefähr in der Laune waren, zu fragen was ganz Amerika koste.
Dies sollte ein vergnügtes Weihnachtsfest werden! Aber wo sollten wir es feiern? Bei den Arbeitern auf dem Gute, wo wir gearbeitet hatten? Nein, das ging nicht. Die Familie, die uns aufgenommen hätte, würde sich den Zorn der Gutsherrschaft zugezogen haben. Bei den Farmern in der Umgegend? Bei diesen kalten, engherzigen Menschen würden wir uns nicht heimisch gefühlt haben; wir wären eben nur geduldet worden. Nein, dann noch lieber nach der Stadt fahren, eine Kneipe aufsuchen und in irgend einer gemütlichen Ecke bei einem Glase Grog sich in Gedanken mit seinen Lieben in der Heimat beschäftigen. Jeder, welches Glaubens er immer sein mag, weiß ja, daß das Weihnachtsfest mit seinen Erinnerungen aus der Kinderzeit mehr als jedes andere den in der Ferne Wetlenden veranlaßt, seiner Heimat, seiner Lieben zu gedenken. Heute abend in der Kneipe sitzen, paßte uns aber auch nicht. Wir wollten diesen Abend unter fröhlichen Menschen zubringen, wir sehnten uns nach einem Kreise guter Menschen, die gern jede Freude mit uns teilten, nach Kindern, deren Augen das reine Glück wiederspiegeln würden, wenn sie den Festtisch betrachteten. Viele Familien kannten wir nicht, es blieb uns also keine große Wahl.
Wir beschlossen, zu Sam Adams, einem Neger oder colouredman, einem„Farbigen“, wie die Neger sich lieber bezeichnen hören, zu gehen, der einige Meilen entfernt inmitten des Busches wohnte. Seine Bekanntschaft hatten wir acht Tage vorher gemacht, als wir uns bei einem Sonntagsausfluge im Busch verirrt hatten und er uns mit in seine Blockhütte ge⸗ nommen, mit heißem Tee bewirtet und dann nach unserem Orte zurückbegleitet hatte. Sam war Holzhauer und mußte sich tüchtig rühren, sollten seine zehn Kinder und seine hochbetagten Eltern, die bei ihm wohnten, satt werden. Wir schätzten also, daß jedenfalls von seiner Seite keine unnötigen Ausgaben gemacht worden seien. Hier hatten wir, was wir suchten; hier hatten wir gute Menschen, die, wenn wir auch ohne einen Heller gekommen wären, ihr Stück Brot mit uns geteilt hätten: hier konnten wir Freude bereiten. Den Weihnachtsabend fröhlich zu verleben, das sollte unser eigenes Geschenk sein.
Einmal entschlossen, die zwei Stunden zu gehen, machten wir uns sofort auf den Weg. Unterwegs kauften wir in einem Geschäftsladen
Kaffee, Tee, Zucker, Mehl ꝛc., sowie Geschenke
für die Kleinen und für die Erwachsenen. Wir schleppten jeder eine ziemlich schwere Last mit In unserer Freude verspürten wir aber das Gewicht gar nicht, trotz unseres schweren Gepäckes waren wir in zwei Stunden an Ort und Stelle. Auf unser Klopfen wurde sofort aufgetan. ie Familie schickte sich gerade an, die Abend⸗ iahlzeit zu nehmen, Tee und Pellkartoffeln lit Speck. Wir wurden eingeladen, mitzuessen und unsere Wirte deckten fuͤr uns einen be⸗ sonderen Tisch! Wir setzten uns jedoch nicht,
sondern gingen mit Sam hinaus, erzählten ihm, was wir auf den Herzen hatten und baten
ihn um seine Mithilfe bet der Ueberraschung. Sein Staunen war groß. Zwei Fremde, Weiße, kamen, um inmitten seiner Familie, einer der ärmsten Negerfamilien, Weihnachten zu feiern! Das war ja ganz unerhört. Wir ließen ihm aber keine Zeit nachzudenken, da wir auch nicht eine Minute verlieren wollten, um den Festtisch fertig zu stellen.
Die Kinder erhielten zuerst einen Kuchen, damit der größte Hunger gestillt werde. Dann mußten sie mit ihrer Mutter und den Groß⸗ eltern hinter einen Verschlag treten, da es nur einen Raum in der Hütte gab. Sam, Otto und ich holten nun schnell einen Baum aus dem Busche. Mit Flocken aus Watte, Netzen aus buntem Papier, Nüssen und Aepfeln, sowie mit drei Dutzend Lichtern ausstafftert, konnte unser Baum sich sehen lassen; dann wurden die Geschenke darunter gelegt, und nun wurde die Familie herbeigerufen. Dieses Staunen, diese Freude und dieses Aufjauchzen der Kleinen bei Anblick des Baumes und der Spielsachen — das war es was wir hatten haben wollen! Bald lagen Otto und ich mit den kleinen Schwarzen am Fußboden, um die Spielsachen zu probieren, bald mußten wir die Kleinsten hoch heben, damit ste den schönen Baum ordent⸗ lich betrachten konnten. Dann fing Otto an, der von Beruf Bäcker war, Pfannkuchen(Eier⸗ plinsen) zu backen, während ich einen Punsch braute. Wie das uns allen schmeckte! Nach⸗ dem die Kinder sich ordentlich satt gegessen hatten, suchten sie ihre Lagerstätten auf. Ich bereitete noch einen Grog und reichte Zigarren herum, die jedoch nur von den Männern ange⸗ nommen wurden, da die Alte ihren Kalkstummel behielt, während die jüngere Frau nicht rauchte.
Und nun ging es ans Erzählen!
Beide Adams waren ganz intelligente Leute. Der Alte war bis zu seinem 40. Jahre Sklave gewesen, hatte alle Bitternisse jener Zeit durch⸗ gekostet, haßte die Weißen der Sklaven ⸗Staaten ebenso sehr, wie er die der Nordstaaten verehrte; an seiner und seines Sohnes ärmlicher Lage war nach seiner Meinung ihre schwarze Haut⸗ farbe schuld. Adams junior dagegen fühlte sich als freier Amerikaner. Er hatte lange im Süden und im Norden gearbeitet und sagte sich ganz richtig, daß seine Lage nicht der Unterschied in den Rassen verursache, sondern daß diese einzig auf dem Gegeunsatze zwischen „arm“ und„reich“ beruhe; denn ein Weißer, der eine so große Familie zu ernähren hätte, würde sich auch nicht besser stehen, als er.
Sam begründete seine Ansicht, wie folgt: „Im Norden der Vereinigten Staaten steht sich ein Neger, mag er Geschäftsmann oder Arbeiter sein, ebenso gut wie ein Weißer. Keinem Menschen würde es einfallen, einem Neger weniger Lohn anzubieten, als einem anderen Arbeiter. Es läge auch gar kein Grund vor; denn der Neger ist ebenso fleißig und tüchtig, wie jeder andere Mensch. Er würde überhaupt auch nicht billiger arbeiten, wie denn unter den Negern im Verhältnis zu den Weißen sich wenig Streikbrecher finden. Daß sich unter den Weißen des Nordens noch einige finden, die in dem Neger nicht den Gleichberechtigten sehen wollen, ist wahr, doch bilden diese nur eine Ausnahme, die die Regel bestätigt.“
Ich mußte Sam junior recht geben und bat noch um seine Meinung über die Lage der Neger im Süden.
„Die Neger in den ehemaligen Sklaven⸗ staaten stehen sich nicht so gut, wenigstens nicht diejenigen, die sich auf den Plantagen und in den kleinen Ortschaften befinden. Ihre früheren Herren können sich noch immer nicht daran ge⸗ wöhnen, die ehemaligen Sklaven und deren Abkömmlinge als freie Bürger zu betrachten. Auf jede Weise versuchen sie, die Schwarzen zu unterdrücken und sie durch Beschränkung des Wahlrechts zu Bürger zweiter Klasse zu stem⸗ peln. Die Schwarzen wollen sich das nicht gefallen lassen, und so ist ein Haß zwischen den Rassen entstanden, der oft zu blutigen Kämpfen führt.„Blut um Blut!“ heißt es dort.
Die Farbigen sind im Nachteil, da sie keine unparteiischen Richter finden. Taucht doch mal ein Richter auf, der sein Amt ernst auffaßt,
so rotten sich die Weißen zusammen und spielen „Richter Lynch“. Wenn die alten Farmer und Plantagenbesitzer nicht mehr sein werden, daun werden sich auch allmählich die Gegensätze zwischen den beiden Rassen abstumpfen, und die alten Gebräuche aus der Sklavenzeit ver⸗ schwinden. Es liegt ja auch gar kein Sinn darin, wenn, wie in den Suͤdstaaten und sogar in Maryland“) kein Neger auf einer Farm an demselben Tisch mit den Weißen essen darf, selbst wenn er fester Vorarbeiter ist und die anderen Arbeiter nur zur Aushilfe dort sind“.
Das Urteil des jungen Adams deckte sich ganz und gar mit meiner Ansicht. Wenn man nun noch in Erwägung zieht die kurze Zeit seit der Befreiung der Schwarzen, die Kämpfe um ihre Existenz als freie Menschen, die Ver⸗ hältnisse in Amerika an sich, das Benehmen der Weißen gegen sie, so muß man sagen, daß die Neger in den Vereinigten Staaten sehr schnell den Stand des Durchschnitts-Amerikaners erreicht haben. a
Die Frauen hatten sich bisher nicht an dem Gespräch beteiligt; jetzt aber flüsterte die junge Frau ihrem Manne etwas leise ins Ohr, wo⸗ rüber Sam herzhaft lachte. Von ihrem Manne ermuntert, mich selbst zu fragen, rückte sie endlich mit ihrem Antiegen heraus.
„Gibt es ber Ihnen in Deutschland auch Zwillinge?“ fragte sie.„Seien Sie mir nicht nöse über diese Frage, aber ich habe schon zweimal Zwillinge gehabt und möchte gern wissen, ob dies bei den deutschen Frauen auch vorkommt.“
Na, auch wir mußten über diese naive Frage lachen, konnten aber der guten Frau die Versicherung geben, daß so etwas in Deutschland ebenfalls passiere. a
Nach dem zweiten Glase Grog wurde auch der alte Adams gesprächiger. Er erzählte uns aus seinem Sklavenleben, aus dem Befreiungs⸗ kriege, aus der ersten Zeit seiner Freiheit. Den letzteren Abschnitt namentlich schilderte er so lebhaft und so rührend, daß wir uns hinein⸗ denken konnten in das merkwürdige Gefühls⸗ leben eines Mannes, der so lange Zeit Sklave gewesen war und daun auf einmal als freier Mann dastand.
Mittlerweile war es 1 Uhr geworden und die Zeit gekommen, das Lager aufzusuchen. Die jungen Eheleute wollten uns durchaus ihr Bett abtreten, aber Otto und ich, an Ent⸗ behrung gewöhnt, lehnten es ab, und legten uns auf die Ofenbank.
In dieser Nacht beherbergte die kleine Hütte wobl mehr Glückliche als mancher Palast.
) Maryland, seiner Lage nach zu den Nordstaaten zu rechnen, hatte sich in dem Kriege zwischen Nord und Süd den Südstaaten, also den Sklavenstaaten, ange⸗ schlossen.
Allerlei.
ueber das Pokern.
Was ist Poker? Die Beantwortung dieser Frage ist nach dem Ruhstrat⸗Prozeß sicher nicht uninteressant. Wie bei fast allem Glücksspiel— das Pokerspiel ist durch ein Richterwort in Oldenburg als harmloses Spiel erklärt worden— besteht die ganze Geschicklich⸗ keit des Spielers darin, durch anfängliches Setzen kleinerer Summen seine Mitspieler zu locken, immer höhere Summen zu setzen. Sind dieselben in die Falle gegangen, so setzt er selbst eine so hohe Summe, daß die übrigen Mitspieler verblüfft und in den Glauben versetzt werden, er habe so hohe Karten, daß die iheigen nicht heranreichen, in den meisten Fällen passen sie dann. Das Spiel ist ein sogenanntes Vierblatt. Jeder Spieler ist bestrebt, vier gleichwertige Blätter zu bekommen, die in der Reihenfolge Aß, König, Dame, Bauer, bis herunter zu den sechs Augen bewertet werden. Ist der Spieler im Besitz eines der vier Blätter, so hat er das Recht, wie beim Dreiblatt, sie zu ergänzen,
indem er von den übrig gebliebenen Karten eine oder mehrere kauft und dadurch versucht, so viele gleichwertige Karten wie möglich in
seinen Besitz zu bekommen. Der rücksichtsloseste
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