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Nr. 51.
Mitteldeutsche Sountags⸗Zeitung.
Seite 7.
Und der getragene Schneider ging zwar aufs neue in Aufregung, wie sie gegen die Tür der Schlafstube kamen, aber doch in ein' gelindere als beim Hinaufgehen. Als er die Stiege hinabging, wurde es ihm leichter und freier mit jeder Stufe.
An der Haustür machte das Mädchen Halt, ließ ihre Bürde langsam auf den Boden gleiten und öffnete die Tür. Ihrer Meinung nach hatte sich der Liebhaber in der zweiten Hälfte des Unternehmens doch ganz wohl benommen und seine anfängliche Zaghaftigkeit wieder gut emacht. Als sie ihn nun wiederum entlassen sollte ohne mit ihm zur Sache gekommen zu sein und seine Seele durch Mitteilung ihres Planes beruhigt zu haben, fühlte sie einen Antrieb, ihn zu entschädigen; sie umfaßte ihn und gab ihm einen Kuß voll inniger Zärtlich⸗ keit, machte sich auch nichts daraus, daß er ein wenig hörbar endete— was fragte sie nach den Leuten? Dem Schneider hätte dieser Kuß bei einer anderen Gelegenheit wunder⸗ sam gemundet; jetzt würdigte er seine Süßig⸗ keit nur halb, denn noch immer waltete in ihm Drang, hinauszukommen in die Freiheit! — Er gab der Geliebten rasch die Hand, sagte Gutnacht und schritt vorsichtig über die Stufen in den Hof.
Die Bäbe schloß die Tür, ging in die zu ebener Erde befindliche Küche, machte Feuer, und bei der Ankunft der Pfarrerin war der
Tee fertig. Als sie derselben die Gefäße über⸗ reichte, glaubte sie durch den Ernst ihres Ge⸗ sichts eine gewisse Schadenfreude durchblicken zu sehen. Dies bestärkte sie in ihrem Argwohn, und sie machte sich auf eine bezügliche Anrede gefaßt. Die Pfarrerin sagte indes nichts als „Gut, nun kannst Du wieder in dein Bett gehen“ und entfernte sich.
Während der alte Herr trank, wandelte die Bäbe still in ihre Kammer zurück; und nach Verfluß einer halben Stunde herrschte die vollkommenste Ruhe im Hause. Dem Pfarrer hatte der Tee die Wohltat des Schlummers verschafft, der Pfarrerin die gelungene Ver⸗ hinderung des Aergernisses, der Bäbe ihre ge⸗ sunde Natur und der Entschluß, mutig allem zu begegnen, was das Geschick gegen sie im Schilde führen mochte.—
Anders endete das Abenteuer für den Schneider. Als dieser durch das Hoftor unan⸗ gefochten auf die Gasse gelangt war, atmete er tief auf und kostete von Grund aus das Glück der Rettung. Haß das Aergernis seines Betroffenwerdens bei der Pfarrmagd vermieden worden war, konnte er nicht dankbar genug bewundern und preisen. Er ging vorwärts und sog in duxstigen Zügen die frische Luft ein. Mit jedem Schritte fühlte er sich ruhiger, gesicherter, glücklicher. Der abnehmende Mond schien ihm ins Gesicht; aber das unter gewissen Umständen so seltsam wirkende, tiefromantische
Gefühle ins Innere schauernde Licht machte auf den Erlösten nur einen erfreulichen Ein⸗
druck. (Fortsetzung folgt.)
Humoristisches.
Der Mächtigste. Lehrer(welcher die Majestät des Todes schildern will): Nenne mir jene finstere Macht, welcher sich die Menschen ohne Unterschied der Nation und Rasse in Ehrfurcht unterwerfen.
Schüler: Der Geldsack.
Geschichts kalender.
20 Dezember. 1900: Frommer Bankschwindler Sanden verhaftet, 1895; Leopold Jakoby, sozial, Dichter in Zürich, T. 1830: Belgiens Losreißung von Holland.
21. 1900: Urteil im Sternberg⸗Prozeß. Russ. Sozialist Stepniak in London überfahren.
22. 1900: Selbstmord des Berliner Polizei⸗ Direktors Meerscheid⸗Hüllesem(Sternberg⸗Prözeß); 1882: Arends, Stenograph., Jakob II.(Stuart) aus Eng⸗ land vertrieben.
23. 1863: 1732: Arkwright(engl. Spinnmaschine)“.
24. 1886: Massenausweisungen aus Frankfurt a. M. 1524: Seefahrer Vasco de Gamo,.
25. Isaak Newton, Astronom*.
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