Ausgabe 
26.10.1902
 
Einzelbild herunterladen

anfangs die augen Zelen cbeliet fetßig, Mieten oder nicht arbeiten, iert Loch bei

Denn sie Vermögen den begierig,

sich aufangs ind den Dreck sie zu leben u und schrien

war botzeiten e sie lichts. nich Elsbelh achern. Die escuen Sten. 0 8 por ez 18; ward 6 Eiutt lauette De Sptul⸗ hrung ben datken, urde lc augebon igel dalle if den Pac Klebung, Un u Geld bel⸗

0 u be

5 malen abr aber f II. der Stadt ber wal

Nr. 43.

Mitteldentsche Sountags⸗Zeitung.

Seite 7.

Eigentum. Denn was sie außer den acht üblichen Stunden mehr arbeiteten, konnten ste zu ihrem Nutzen in Geld vorwandeln und in der Ersparniskasse an Zins legen; eben so, was ste von den Erzeugnissen ihres Pachtlandes erübrigten und verkaufen lassen konnten. Das war kein geringer Vorteil. Die Menschen wurden arbeitslustig und bekamen Freude am Sparen und Vermehren ihres Eigentums, weil sie die Zeit voraussahen, da sie ganz unab⸗ hängig leben und einen gewissen Wohlstand zu genießen im Stande waren.

Am besten hatten es die Spitalmeister und die Aufseher, welche selbst Spittler. Denn alles, was sie neben ihren Amtsverrichtungen arbeiten konnten und verkaufbar war, das wurde zu ihrem Nutzen verkauft. Darum war jedermann beflissen, sich wohl zu halten, um zu einer solchen Stelle zu gelangen. Und diejenigen, welche das Aemtlein hatten, nahmen sich wohl in Acht, etwas von den ihnen übertragenen Pflichten zu versäumen. Der kleinste Fehler konnte sie um den vorteilhaften Dienst bringen, auf welchen viele hofften.

Es gab zuletzt in der Armenanstalt Golden⸗ thals recht geschickte Arbeiter. Nicht nur die Bauern im Dorfe, sondern selbst viele Leute aus der Stadt kauften von den hier verfertigten Waaren, oder ließen hier arbeiten. Und wenn so ein geschickter Arbeiter spürte, er verdiene mehr, wenn er für sich allein arbeite, verließ er das Spital und mietete sich Wohnung im Dorf oder in der Stadt und lebte für sich selber. Das feuerte nun wieder die andern an, ebenfalls recht geschickt zu werden.

In Dorf war natürlich jedermann froh, nicht mehr vom Bettelgesindel geplagt oder in Häusern und Gärten nächtlicher Weise bestohlen zu sein. Jeder schickte mit Freuden, statt der Almosen, etwas ins Spital, wenn es irgend in demselben an etwas fehlte. Allein es zeigte sich noch ein anderer Vorteil für das Dorf, an den vorher niemand gedacht hatte. Nämlich, hatte es im Sommer an Feldarbeit gemangelt, so waren andere Arbeiten im Freien vorge⸗ nommen worden. Und so war's gekommen, daß alle Gassen des Dorfes, wo man sonst bei schlechtem Wetter im Kot bis über die Knöchel waten mußte, mit Steinen besetzt wurden; daß der Bach im Dorfe, der sonst. überlief und große Pfützen bildete, mit Gemäuer eingefaßt stand: daß die Feldwege und Fußstege ohne Löcher waren; daß die Gemeindswaldungen keine Stelle mehr hatten, die nicht mit jungen Setzlingen den erfreulichsten Nachwuchs zeigte. Weit umher im Lande sah man keinen Wald in besserer Ordnung, und kein säuberliches Dorf als Goldenthal. Es kamen sogar große Herren von der Regierung und besichtigten die Golden⸗ thaler Anstalten und Einrichtungen, und hätten dergleichen gern überall gehabt. Allein sie sahen sich in andern Dörfern oft vergebens nach dem edeln Pfarrer Roderich, nach dem menschenfreundlichen Oswald und seiner eifrigen Gehilfin Elsbeth um. Dennoch ward es auch anderswo mit Abänderungen und mit Glück versucht. Und daran that man Recht. Probieren geht über Studieren. Und wo man mit eifriger Menschenliebe was Rechtes will, da geschieht auch was Rechtes.

(Fortsetzung folgt.)

Eine Erinnerung aus dem Wahlkampse.

Dumpf dröhnend verkündet die alte Turm⸗ uhr die sechste Stunde. Einzeln oder in Gruppen entströmen die Arbeiter in verstaubter Kleidung dem Fabrikthor. Es ist Feierabend und Jeder eilt seinem Heime zu. f

er behäbige Herr, dessen Gestalt jetzt an einem Fenster des etwas zurückliegenden Pfarr⸗ hauses erscheint, blickt auf das lebhafte Treiben hinab. Er wischt sich mit einem Zipfel der Serviette den Mund, mit einem anderen die Schweißtropfen von der Stirn. Schwere Arbeit mußte der Herr Pastor verrichtet haben. Auf dem Tische stehen diverse Schüsseln und Teller. Das tägliche Brot bestand 1 aus Bouillon, Kalbsbraten, Spargel und Compot. Jetzt ent⸗

zündet der Herr Pfarrer seine Hauspfeife und öffnet zwei Knöpfe seines Rockes.

Drüben geht gerade der Jürgen. Stolz Wan. er in seinem schmutzigen Ehrenkleide ahin.

Ein Zug des Unwillens huscht über das graue Gesicht seiner Ehrwürden. Mußte ihn der Anblick dieses Mannes schon wieder in seiner Andacht stören?

Voller Unmut begiebt er sich an seinen Schreib⸗ tisch. Doch die rechten Gedanken zu der morgigen Predigt wollen sich nicht einstellen.

Die fatale Geschichte vom vergangenen Jahre wiederholte sich in seinem Geiste.

Da hatte ihn dieser Jürgen belehrt, daß der alte Spruch:Schweigen ist Gold! immer noch seine Giltigkeit habe.

Es war in einer Wählerversammlung. Die Anwesenden gehörten in ihrer großen Mehrzahl der arbeitenden Klasse an. Seine Ehrwürden trat kraftvoll, wie es ihm in seinem Amte zu⸗ kam, für den Kandidaten der Ordnung ein. Er wetterte gegen den Umsturz, die immer mehr sich verbreitende Lauheit in religiösen Dingen.

So wahr es eine ewige Seligkeit giebt, zeterte der alte Herr,steht Denen, die aus frevlem Uebermut diesen Wühlern Gefolgschaft leisten, das Feuer der Hölle in sicherer Aussicht!

Ein unbestimmtes Murmeln erhob sich in der Versammlung. Der Redner hielt es für e Mit erhöhter Stimme fuhr er ort:

Und ist es denn der Genuß des irdischen Lebens, welcher der Seele Befriedigung bringt? Ich sage Nein! Wohl aber ist es das Bewußt⸗ sein, die von Gott eingesetzte Ordnung geachtet zu haben. Wer giebt uns denn das klägliche Brot? Etwa diese Sozialdemokraten, die selbst nichts haben, die sich nicht scheuen, alles Fromme und Ehrbare in den Schmutz zu ziehen? Oder Jene, die ihr Kapital in wohlthätiger Weise dazu anlegen, der Mehrzahl unserer Einwohner den nötigen Verdienst zu geben? Und sorgt unsere, von Gott eingesetzte Gesellschaftsordnung nicht dafür, daß auch der Armen gedacht wird nach dem Bibelspruche: Wer zwei Röcke hat, gebe Dem einen ab, der keinen hat? Wahrlich, die Wahl kann nicht schwer fallen zwischen unserem allbeliebten Bürger N., der fest auf dem Boden unserer heutigen Ordnung der Dinge steht und jenem fremden Eindringlinge.

Er hatte seine Rede mit demütigen Blicken nach oben, mit strengen Blicken auf die Ver⸗ sammelten b gleitet.

Nun, da er geendet, erhob sich vereinzelter, schüchterner Beifall. Der Herr Pastor mochte allseitige, jubelnde Zustimmung erwartet haben. Er machte ein bekümmertes Gesicht, als er ab⸗ trat. Sollte der Geist der Unzufriedenheit sich in diesem ehrwürdigen Städtchen auch schon eingenistet haben?

Der Vorsitzende rief laut den Namen des nächsten Redners in die Versammlung.

Eine Bewegung machte sich in der Versamm⸗ lung bemerkbar. Man schob und drängte sich. Ein hochgewachsener Mann strebte nach dem Rednerpult. Jetzt stand er oben. Es war Jürgen.

Merkwürdig erklang seine Stimme. Er er⸗ zählte von dem niedrigen Verdienst und dem Elend der Lohnarbeiter und zog zum Vergleiche die hohen Dividenden und den mühelosen Gewinn der Aktionäre und Unternehmer heran.

Atemlos lauschten die Versammelten. Er empfahl ihnen, im Gegensatz zu dem Pfarrer, den Kandidaten der Arbeiter, da dieser, im Arbeiterstande aufgewachsen, auch am besten Mile wo seinen Standesgenossen der Schuh

rücke.

Wir verlangen keine Wohlthat, sprach der Redner,sondern Arbeit, und für diese Arbeit den verdienten Lohn!

Es hört sich schöͤn an, fuhr er fort,wenn mein Vorredner von dem bekannten Bibelworte spricht, doch ich muß erklären, daß dieser Spruch 0 5 von den besitzenden Klassen nicht beherzigt wird.

In der Versammlung entstand eine Bewegung. Zornesröte im Gesicht meldete sich der Pastor

zum Wort.

Denn, fuhr Jürgen mit einem Blick auf den Pastor fort,auch der Herr Pastor wird mir gleich beipflichten müssen.

Es sind schon verschiedene Jahre verflossen, da stand an einem kalten Winterabend ein kleiner Junge vor einem Pfarrhause. Sein Anzug war zerschlissen. Der Hunger war ihm von den hohlen Wangen abzulesen. Das erste Almosen zu erbitten war ihm nicht leicht. Aber Hunger thut weh. Der Vater hatte schon Wochen lang keine Arbeit, und es fehlte am Nötigsten. Zögernd ergriff der Kleine die Glocke und schellte. Jan der nächsten Minute stand er dem Pfarrer gegenüber. Er stott erte seinen Wunsch auf ein Stückchen Brot hervor, ihm sei gar so hungrig. Der Pfarrer faßte ihn am Arm, schalt ihn einen nichtsnutzig en Schlingel, und trotz flehentlicher Bitte übergab er denBettler einem Schutzmann.

Stürmische Pfuirufe ertönten hier aus der Versammlung. Der Pastor rief:Beweise! Aller Augen richteten sich auf ihn.

Selbstredend, begann Jürgen wieder, und seine hohe Gestalt reckte sich,habe ich dieses Beispiel der vielgerühmten Nächstenliebe nicht erzählt, um es unbewiesen zu lassen.

Dieser arme Junge, und er maß die Gestalt des Pastors mit den Augen,steht jetzt, nach dreizehn Jahren, vor Ihnen, und der S Samariter von damals, das sind

e!

Der Pfarrer erbleichte und wich einen Schritt zurück. Drohworte wurden aus der Mitte der Versammlung gegen ihn laut. Der Tumult verstärkte sich noch, als Jürgen ein Schriftstück vorlas, dessen Echtheit durch das unten befin d⸗ liche Gerichtssiegel außer allem Zweifel war. Es war das Gerichtsurteil, laut welchem der damaligeBettler mit einem Tage Gefäugn is bestraft wurde. Als einziger Zeuge war der Pastor verzeichnet.

Nachdem sich die Erregung etwas gelegt, wurde als nächster Redner der Pastor aufge⸗ rufen. Doch dieser war nicht mehr anwesend. Einige der Versammelten wollten bemerkt haben, wie er die entstandene Unruhe dazu benutzte, sich durch eine Hinterthür zu entfernen. Er hatte den Kampf gegen den Umsturz aufgegeben.

Der Herr Pastor hatte den Kopf in die Hand gestützt. Er wirft ab und zu hastig einige Sätze auf das vor ihm liegende Papier. Möge er morgen in seiner Predigt nicht unter⸗ lassen, die Gemeinde zu bitten, nicht nach seinen Werken, sondern nach seinen Worten zu handeln, denn wir sind allzumal Sünder!

b Humoristisches.

Beim Rechtsanwalt. Angeklagter: Gott ist mein Zeuge, daß ich den Ring nicht gestohlen habe! Rechtsanwalt: Ja, lieber Mann, wenn Sie mir keinen richtigen Zeugen für Ihre Unschuld angeben können, dann steht es schlecht mit Ihrer 3

(Sgd.)

Zweierlei Standpunkt. A.:Merkwürdig, je schöner eine Gegend, desto mehr Wirtshäuser hat sie. B.:Umgekehrt, lieber Freund, je mehr Wirtshäuser sie hat, desto schöner ist sie.

Ein Stammgast. Richter:Sitzen Sie heute zum ersten Male auf der Anklagebank? Ange⸗ klagter:Heute ja!

e HHHHHHKK̃̃ñ

Geschichtskalender.

26. Oktober. Caprivi.

27. 1553: Calvin läßt Hervet als Ketzer ver⸗ brennen.

23. 1901: Holländische Hafenarbeiter planen den Boykott der englischen Schiffe, um den Buren zu Hülfe zu kommen.

29. 1897: Henry George, amerik. Arbeiterführer, F. 1477: Tizian Vezellio, berühm. ital. Maler,*.

30. 1901: Bruno Schoenlank, soz. Abg., F. 1880: Belagerungszustand über Hamburg verhängt.

31. 1884: Albert Dulk, soz. Schriftsteller, F. 1848: Windischgrätz unterwirft Wien.

1. November. 1887: Verfassungsbruch Ernst

1894: Sturz des Reichskanzlers

Augusts von Hannover. teboren;-

eee