Ausgabe 
7.12.1902
 
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Mlitteldeutschen Sonntags-Teitung.

Nur Und Fru schon sinkt di 5 2 15 2 91 i N 3* 1 Nb dibe wirds, wie f. Gießen, Sonntag, den 7. Dezember 1902. 9. Jahrg. Die e 1 N 7 5 1 7 N An eld Ster Nationen. Die Steuergesetzgebung betreffend. An die Mitglieder 5 2 Die Kammer wolle beschließen, die Groß

f silide diayluren wieder kahl dhftühsschon sinkt die Nacht hernieder ieh trürbe wirds, wie kalt und fahl Aukt in des Armen Hütte wieder. Die Nauptsach' ist das liebe Brod, An Licht und Heizung heißt es sparen; Wie schnell im Winter Mangel droht, Er hat es öfter schon erfahren.

Doch, ob verblich der Sonne Strahl Elektrisch leuchten neue Sonnen,

Es winkt der festgeschmückte Saal:

Es hat ja dieSaison begonnen.

Da rauscht Musik, da perlt der Wein, Da schlingt der Reiche sich zum Tanze, Da blitzt's von Gold und Edelstein, Da liegt die Welt in lichtem Glanze.

Und wenn der erste Schnee nun fällt, Da wird die Arbeit unterbrochen, Auf Bau und Werkstatt eingestellt Vielleicht auf viele lange Wochen. Den ganzen Winter arbeitslos,

Und Miete zahlen, Steuern geben, Und Kinder ziehen in Ehren groß, Da ist es eine Kunst, zu leben.

Jedoch an Arbeit fehlt es nicht,

Wo dieGesellschaft sinnreich waltet Wie übt man der Bewirtung Pflicht, Wie prunkvoll wird das Mahl gestaltet! Bei Soiree und Spiel und Ball,

Was giebts da nicht zu arrangieren,

So sorgsam, daß den Veidern all'

Nicht Stoff mehr bleibt zum Kritisieren!

Doch während Fest auf Fest sich drängt Pflegt nicht der Reiche zu vergessen Die Summen, die das Volk ihm schenkt Am Stand der Kurse zu ermessen.

Und manchmal greift er kräftig ein, Und an der Börse giebts ein Leben Erst schachern und Reklameschrein, Dann neuen Reichtum zu erheben.

Doch auch der Arme nicht vergißt, Was dieGesellschaft ihm genommen In allem Leid sein Streben ist: Empor, zu seinem Recht zu kommen! Versammlung auf Versammlung tagt, Das Flugblatt eilt auf leichten Schwingen, Der Freiheit Wort tönt unverzagt, So wird auch er empor sich ringen! Max Kegel.

Hessisches. Anträge der Sozialdemokraten im hess. Landtage.

Unsere Genossen im Landtage haben, wie schon in der letzten Nummer erwähnt, mehrere Antcäge eingebracht. Die beiden wichtigsten, das Wahlrecht und die Steuergesetzgebung be⸗ treffend, haben folgenden Wortlaut:

Das direkte Wahlrecht.

Die Kammer wolle beschließen, die Großh. Regierung zu ersuchen den Ständen umgehend einen Gesetz-Entwurf vorzulegen, wonach die Wahlen zum Landtag auf Grund des allge⸗ meinen gleichen direkten und geheimen Wahl⸗ rechts mit Proportionalsystem stattzufinden habe, und zwar unter Berücksichtigung folgender be⸗ sonderer Bestimmungen: 1. Wahlberechtigt ist jeder rechtsmündige, in

Hessen ansässige Reichsangehörige.

2. Die Gesamtzahl der Abgeordneten ist dem Bevölkerungszuwachs derart anzupassen, daß auf je 20000 Seelen ein Abgeordneter zu rechnen ist..

3. Die Wahlen sind an Sonntagen vorzunehmen; die Wahlstunden sind von Mittags 12 bis 8 Uhr Abends festzusetzen.

4. Die Wählerlisten sind ständig auf dem Laufenden zu halten und bei Ankündigung des Wahltermins durch den Druck zu ver⸗ öffentlichen. i i

5. Das Wahlgeheimnis ist durch Einführung autlicher Stimmzettelkouverts und Einfüh⸗

rung von Isolirräumen sicher zu stellen.

herzogliche Regierung zu ersuchen, alsbald in eine Revision der Steuergesetze einzutreten und daß die Stempelgebühren be⸗

zwar derart, seitigt, bei der Einkommensteuer eine höhere Progression eintritt und bei der Vermögens⸗ 15 0 eine entsprechende Progression eingeführt wird. Eine neue Partei

hat sich im Hess. Landtage unter Führung des Abg. Hirschels zusammen getan. Sie nennt sich Hessische Volkspartei, sämtliche antise⸗ mitische Abgeordnete sind ihr beigetreten. Bezeichnend ist, daß dieseVolkspartei auch den Abg. Leun, den Gegner des direkten Wahlrechts unter ihre Fittige genommen hat. Daß es übrigens alle Antisemiten mit ihrem Eintreten für das direkte Wahlrecht ehrlich meinen, ist mehr als fraglich. Haben sie doch durch das indirekte noch manches Mandat ergattert, was ste bei der direkten Wahl nie erobert hätten. Wenn die neue Wahlrechts⸗ vorlage im Landtage zur Verhandlung kommt, wird es sich ja zeigen, welche Stellung die neue Partei zur Wahlreform einnimmt, wo die Freunde der Wahlmogelei sitzen.

Gegen die Wahl Hirschels ist übrigens von Grünberger Wählern Pro test eingelegt worden. In der Begründungsschrift wird behauptet, daß Wähler und Wahlmänner durch Spendiren von Getränken ꝛc. beeinflußt worden wären. Bewahrheitet sich das, so ist das auch eine hübsche Illustration zur antisemitischen Wahl⸗ ehrlichkeit. Da Hirschel nur elne Stimme Mehrheit hat, kann es leicht zur Kassirung seiner Wahl kommen.

Gewerkschaftl. u. Arbeiterbewegung.

Welchen Wert die Organisation für die Arbeiter hat, trat bei einer Lohndiffe⸗ renz in Erscheinung, welche die Holz⸗ und Metallarbeiter der Firma Schleißmann in Kastel⸗Mainz auszukämpfen hatten. Die Fabrikleitung versuchte, die seitherige Bezahlung der Frühstücks⸗ und Vesperpausen abzuschaffen. Durch das einige Vorgehen der Arbeiter und das geschickte Eingreifen des Vorstandes des Holzarbeiter-Verbandes gelang es, den drohenden Streik zu verhüten und durch gütliche Verein⸗ barung die Differenzen zu beseitigen. Die An⸗ gehörigen derchristlichen Organisation spielten bei dieser Gelegenheit eine traurige Rolle. An⸗ statt mit ihren Kollegen solidarisch vorzugehen, reichten sie eine Bittschrift bei dem Unternehmer ein, diese machte aber auf die Betriebsleitung keinen Eindruck.

Bei den Wiesbadener Gewerbe⸗ gerichts wahlen, die Donnerstag und Freitag voriger Woche stattfanden, ging auf der Arbeit⸗ nehmerseite die Liste der Gewerkschaften glatt durch. Es wurden dafür 510 Stimmen, doppelt soviel als bei der vorigen Wahl, abgegeben. Auf der Seite der Arbeitgeber siegte die Liste der Handwerkerpartei.

T Der Weberstreik in Meerane dauert noch immer fort. Vorigen Donnerstag wurde eine Einwohner-Versammlung, in der über den Streik referiert wurde, polizeilich aufgelöst. Dadurch ist die Erbitterung der Streikenden natürlich noch gestiegen. Die Bauern sym⸗ pathisieren mit den Streikenden und unter⸗ stützen sie mit Geld und Naturalien. Auf dem Stiftungsfeste des landwirtschaftlichen Vereins in Warnsdorf sang man:

Der Weberstreit, der jetzt gemacht, Da leidet auch die Land wirtschaft, Denn alles, was wir bau'n im Feld, Schwer Absatz find't, weil's fehlt an Geld. Man bittet, um die Landwirtschaft, Unterstützt die streikenden nach Kraft! Bei acht Mark Verdienst kann's nicht geh'n. Müssen mit Grundeis untergeh'n.

Die Reime sind zwar nicht gut, der darin

ausgesprochene Gedanke desto besser.

der Ortskrankenkasse Gießen.

Laut Bekanntmachung des Vorstandes findet die Wahl der Vertreter der Kassenmit⸗ glieder fat Mittwoch, den 10. Dezember

Wäbler! Auch dieses Mal gilt es, Leu te zu wählen, welche einigermaßen sozialpolitisch es Verständnis besitzen, die bestrebt sind die Ka sse zum Wohle seiner Mitglieder auszubauen.

Arbeiter! Wie berlautet, wollen auch dieses Mal wieder einige Arbeitgeber eine Arbeiterliste aufstellen, um den organisierten Arbeitern die Verwaltung der Kasse zu ent⸗ reißen; sie wollen auch in der Ortskrankenkasse Herr im Hause sein, dem Hause, das ihnen nicht gehört. Deshalb wünschen die Herrn nur solche Arbeiter als Vertreter, welche zu allen ihren Wünschen Ja und Amen sagen, wie das früher der Fall war. Daß aber die Kasse unter der Verwaltung der organisierten Arbeiter einen erfreulichen Aufschwung genommen hat, müssen auch die Gegner zugeben. Seit die Verwaltung sich in den Händen der Arbeiter befindet, hat die Kasse sich recht gut entwickelt, sie hat die Leistungen an die Mitglieder erhöht und manche Vorteile zugewendet. Wir weisen nur hin auf die Einführung der vollen Krankenunterstützung für 26 Wochen, die früher nur 13 Wochen gewährt wurde; ferner die freie ärztliche Be⸗ handlung der Angehörigen; den Wegfall der dreitägigen Karrenzzeit; Zahlung der Unter⸗ stützung für in die Woche fallende Feiertage ꝛc. Kranken- und Sterbegeld wurden erhöht; die letzte Generalversammlung beschloß außerdem, bei Sterbefall der Frauen und Kinder ein Sterbegeld zu gewähren; die Familien der Kranken, die in einer Heilanstalt untergebracht sind, erhalten das volle Krankengeld. Weitere Verbesserungen, die hier nicht alle einzeln auf⸗ gezählt werden können, sind eingeführt worden. Alles dies ohne Erhöhung der Beiträge! So⸗ mit können wir wohl mit der Thäligkeit der von uns gewählten Geueralversammlungsver⸗ treter zufrteden sein. Wir wollen aber nicht bei dem bisher Erreichten stehen bleiben. Viel⸗ mehr muß durch weitere Vorwärtsentwickelung der Kasse versucht werden, ohne die Mitglieder und Arbeitgeber stärker zu belasten, zum Wohle der Mitglieder zu schaffen, was nur irgend möglich ist!

Darum, Mitglieder! Auf zur Wahl! Wählt die vom Gewerkschaftskartell aufgestellten Kandidaten!

Die Wahl findet Mittwoch, den 10. De⸗ zember, von 12 bis 8 Uhr, im Kassen⸗ lokale, Lubwigstraße 12, statt.

Wahlberechtigt sind die Mitglieder, auch weiblichen Geschlechts, welche das 21. Lebens⸗ jahr vollendet haben.

Also versäume keiner von seinem Stimm⸗ rechte Gebrauch zu machen. Thue jeder seine Schuldigkeit, damit unsere Kandidaten siegreich aus der Urne hervorgehen.

Das Gewerkschaftskartell.

Empfehlenswerte sozialistische Schriften. Die Kolportage-Kommission des Wahlvereins Gießen, Wirtschaft Orbig empfiehlt:

Der Neue Welt Kalender für 1903.

Preis 40 Pfg. Freie Stunden. Beste Romanlitteratur. Illu⸗ striert. Wöchentlich ein Heft.

à 10 Pfg.

Die Hütte. Zeitschrift für das Volk und seine Jugend. Illustriert. Prachtvoll ausgestattet. Alle 14 Tage ein Heft. A 25 Pfg.

Die agrarische Gefahr. Von Paul Göh re. Der Verfasser schildert in gemeinverständlicher Sprache die einseitige agrarische Interessen-Bewegung von ihrer Entstehung bis zu ihrer heutigen das Volkswohl ge⸗ fährdenden Macht und legt dar, wie allein die sozial⸗ demokratische Bewegung die letzten Ziele dieser Bewegung des Junkertums und seiner Anhängsel verhindern kann. Preis 20 Pfg.

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