ſo haben Se. Kön. H. der Großherzog die Erlaubniß zur Annahme dieſer Orden zu ertheilen geruht.— Am 30. März iſt dem General⸗ major v. Bechtold, Commandeur der 1. Infanteriebrigade, die Er⸗ laubniß ertheilt worden, das ihm von Sr. Kön. Hoheit dem Kur— fürſten von Heſſen verliehene Commandeurkreuz 1. Klaſſe des Haus⸗ ordens vom goldenen Löwen mit den Schwertern anzunehmen.— Nachdem von Sr. K. H. dem Kurfürſten von Heſſen dem Kriegs- miniſter und Commandanten der Armeediviſion, Generallieutenant Freiherrn v. Schäffer⸗-Bernſtein das Großkreuz, dem Oberſten und Flügeladjutanten Cameſasca das Commandeurkreuz 1, Claſſe, ſodann dem Oberſten und Flügeladjutanten Freiherrn v. Günde⸗ rode und dem Major und Flügeladjutanten Grafen Uſenburg das Commandeurkreuz 2. Claſſe des Hausordens vom goldenen Löwen verliehen worden, haben am 8. April S. K H. der Großherzog die Erlaubniß zur Annahme dieſer Orden zu ertheilen geruht.— 6) Am 6. Mai wurde dem Eckhardt Feldmann dahier geſtattet, künftig den Familiennamen„Schuchmann, zu führen.— 7) Dienſtnachrichten. Am 6. Mai wurde der Revierförſter Baltz zu Lindenfels zum Re⸗ vierförſter für das Forſtrevier Bingen ernannt. Am 14. Mai wurde der Domänenbote Sehrt zu Grünberg zum Domänenboten bei dem Rentamte Gießen und der Domänenbote App zu Homberg zum Do⸗ mänenboten bei dem Rentamte zu Grünberg ernannt.— 8) Mili⸗ tärdienſtnachrichten. Am 4. März hat der Militärarzt Dr. Wenck im 4. Inf.⸗Reg. den nachgeſuchten Abſchied erhalten. Mit Patenten vom 6. April wurden der Lientenant v. Buſeck im Garderegiment Chevauxlegers zum Oberlieutenant und der Cadetcorporal v. Buſeck in dieſem Reg. zum Lieutenannt dabei ernannt. Am 25. April wurde dem Oberarzt Dr. Becker im Lazareth zu Darmſtadt der nachge⸗ ſuchte Abſchied bewilligt.— 9) Erledigt ſind: die evang. Schul⸗ lehrerſtelle zu Offenheim, R.⸗B. Mainz, mit jährlich 257 fl., einſchl. der Vergütung für Heizung des Schullocals; die Phyſicatswundarzt⸗ ſtelle für den Bezirk Büdingen; die evang. Pfarrſtelle zu Bieden⸗ kopf mit jährlichen 1023 fl; die evang. Parrſtelle zu Bingenheim, R.⸗B. Nidda, mit jährlichen 975 fl.— 10) Geſtorben ſind: am 15. März der kath. Schullehrer Häfner zu Mombach, R.⸗B. Mainz; am 26. März der Phypſicatswundarzt Dr. Bruſt zu Wenings, im R.⸗B. Nidda; am 16. April der penſ. Hausverwalter bei Großh. Kreisgerichte zu Alzei, Joh. Pfeifferz am 17. April der penſ. Stabs⸗ arzt Kapſer; am 18. April der Rittmeiſter Wetterhahn von der Gendarmerie; am 8. Mai der evang. Pfarrer Schneider zu Bie⸗ besheim, R.⸗B. Darmſtadt; am 12. Mai der penſ. Oberſt Eckhardt.
Erinnerungen eines Londoner Polizei-Veamten. (Jortſetzung.) II.
Am andern Morgen war der Gerichtsſaal dicht von Menſchen angefüllt, welche dem Verhör des Gefangenen beiwohnen wollten; beſonders waren ſehr viele Perſonen vom Beamten- und Richterſtand anweſend, denn der Fall hatte ſowohl durch den Rang und Stand des Gefangenen, als durch die ſeltſamen und geheimnißvollen Umſtände die— ſer Geſchichte eine ungewöhnliche und äußerſt ſchmerzliche Theilnahme unter allen Klaſſen in der Stadt und Umge— gend erregt. Das Benehmen des Angeklagten war aller— dings ängſtlich, allein durchaus ruhig und gefaßt; und aus ſeinem klaren kühnen Auge ſprach eine Stärke und Innig⸗ keit des guten Gewiſſens, wie es ein ſchuldbeladener Menſch niemals mit Erfolg erheucheln kann.
Nach Abhörung einiger geringfuͤgigeren Ausſagen ward der Laufburſche des Fiſchhändlers vorgeladen und gefragt, ob er die Perſon wieder erkennen würde, welche er am Tage vor dem Einbruch und Raubmord in Five Oaks geſehen? Der Knabe betrachtete ſich den Gefangenen über eine Minute ſtarr an und verſetzte dann:„der Herr ſtand mit der Mütze auf dem Kopfe vor dem Feuer, als ich ihn ſah; und ich möchte dieſen Herrn auch mit der Mütze auf dem Kopfe ſehen, bevor ich irgend etwas ausſage.“ Mr. Briſtowe ſetzte ſeine Interimsmütze auf und der Burſche rief augen⸗ blicklich: das iſt jener Mann!“ Mr. Cowan, Solicitor, welchen Herr Bagſhawe für ſeinen Neffen angenommen hatte, machte die Einrede: dieſe Ausſage gelte im Ganzen nur der Mütze oder höchſtens dem Enſemble der Kleidung, könne alſo nicht unbedingt angenommen werden. Der Gerichts vorſitzende entſchied übrigens dahin: ſie müſſe
0
angenommen werden quantum valeat, und zur Beſtärkung anderer Ausſagen. Sodann ward von mehreren Perſonen ausgeſagt, die verſtorbene Sarah King habe ihnen erzählt, ihres Herrn Neffe ſei ganz beſtimmt in Five Oaks ange⸗ kommen. Einen Einwurf in Betreff der Annahme dieſer Ausſage, welcher mit Rückſicht auf ihre Unbeſtimmtheit, als vom Hörenſagen herrührend, gemacht wurde, ward in gleicher Weiſe verworfen. Mr. Briſtowe machte die Ein— wendung: Sarah King ſeie keine von den alten Dienſt— boten ſeines Oheims geweſen und ſeie ihm gar nicht be— kannt; es ſei daher auch ſehr möglich, daß er ihr perſönlich unbekannt geweſen.— Das Gericht erklärte: alle dieſe Bemerkungen ſeien wohl für eine Jury, nicht aber für das gegenwärtige Stadium des Prozeſſes geeignet, und für die jetzige Inſtanz nutzlos, da dieſe ſich nur darum zu bekümmern habe, ob ein hinreichender Verdachtsgrund ge— gen den Gefangenen erhoben werde, um ſeine Verſetzung in Anklageſtand zu rechtfertigen. Sofort bewies noch ein Conſtable, daß er in einer der Geſindeſtuben das vorge— legte Bruchſtück eines Briefes gefunden, und nun ward Mr. Bagſhawe vorgeladen. Als der Gefangene dieſen Befehl erlaſſen hörte, erfaßte ihn eine tiefe Gemüthsbe— wegung und er bat dringend, man möge doch ſeinem Oheim und ihm nach mehrjähriger Trennung das Zuſammentreffen unter ſolchen Umſtänden erſparen.
„Wir können in Ihrer Abweſenheit keine Ausſage gegen Sie annehmen, Mr. Briſtowe,“ verſetzte der Vor⸗ ſitzende mitleidig;„Ihres Oheims Ausſage iſt zwar unum⸗ gänglich nothwendig, wird aber nur wenige Minuten in Anſpruch nehmen!“
„Dann bitte ich Sie wenigſtens, Mr. Cowan, meine Schweſter zu erſuchen, ſie möge meinen Oheim nicht be— gleiten— ich könne dieſen Anblick nicht ertragen!“
Mr. Cowan verſicherte, ſie werde nicht anweſend ſein, denn ſie war in der That vor Angſt und Schrecken plötzlich heftig erkrankt, und die zahlreiche Verſammlung erwartete in peinlichem Schweigen das Erſcheinen des widerſtreben— den Anklägers. Jetzt erſchien er: ein ehrwürdiger Greis mit weißen Haaren, anſcheinend mindeſtens ſiebenzig Jahre alt, die hohe Geſtalt von Alter und Gram gebeugt, das Auge an den Boden geheftet, in ſeinem ganzen Weſen die Spur tiefen Kummers und Niedergeſchlagenheit.—„Oheim!“ rief der Gefangene und ſprang auf ihn zu; der Greis blickte auf, ſchien in dem freien klaren Antlitz des Neffen eine genügende Widerlegung des auf ihm laſtenden Ver- dachts zu leſen, ſtürzte dem Gefangenen entgegen, ſank an ſeine Bruſt und weinte, und rief in herzbrechendem Tone:„Vergib, vergib mir, Robert, daß ich jemals auf einen Augenblick an Dir zweifelte. Mary glaubte es,— keinen Moment, Robert.“
(Fortſetzung folgt.) Für Wölfersheim
ſind ferner eingegangen: b
Von Hrn. Pachter Scheuermann zu Hungen 3 fl. 30 kr.; von Hrn. Schneidermeiſter Frütig in Hungen 36 kr.; von den Bewohnern in Bauernheim 18 fl. 50 kr.; von der Redaction der Darmſtädter Zeitung 38 fl.; von J. H. K. 1 fl; von Hrn. Apotheker Leuchtweis in Hungen 2 fl.; von Abraham Löb in Münzenberg 2 fl.; von dem Hrn. Graf zu Solms-Laubach 10 fl.; der Ertrag eines Studentenconcerts in Salz⸗ hauſen 42 fl., welche durch Hrn. Stud. Ph. Fritzſch überſchickt worden find; von Hrn. Regierungs⸗Präſident Möller in Wiesbaden 10 fl. mit dem Motto:„den armen Brandbeſchädigten in meinem lieben Wölfers⸗ heim“. Ein Paquet Kleidungsſtücke, welches an den Hrn. Carl Chrift. Weis in Friedberg überſendet und von da hierher übermacht worden iſt.
Zuſammen find jetzt eingegangen 512 fl. 45 kr.
Wölfersheim den 23 Juli 1850.
Das Comité:
M. Münzner II. H. Berntheuſel. A. Hofmann J. A. Weller, Adminiſtrator.
ä
2888
3
— 2
li


