Ausgabe 
28.8.1850
 
Einzelbild herunterladen

5 Auguſ.

verrichtet:

10 9.

Stadtkirche:

5

7

1

1

*

Reer

1

1

1 Sl

*

*

kadtkirche:

Burgkirche:

Intelligenz-Vlatt

fuͤr die

Provinz

berheſſen

im Allgemeinen, den Regierungsbezirk Friedberg

im Beſonderen.

M67.

Mittwoch den 28. Auguſt

1830.

Der Schiffbruch. Eine Erzählung von H. J. Nott. (Jortſetzung.)

Ihre Augen füllten ſich mit Thränen, aber ſie nahm eine gewiſſe Feſtigkeit an, als ob ſie ihr Gemüth vorher dazu vorbereitet hatte.

Ich fühle die ganze Größe Deiner Gute, mein theurer Bruder; aber ich würde meiner ſelbſt und Deines Edelmuthes unwürdig ſein, wollte ich noch länger Dir zu Laſt fallen, nachdem Deine Freigebigkeit mich in die Lage verſetzt hat, mir ſelbſt fortzuhelfen. Es wird eine Lehrerin in der Muſik und im Zeichnen für eine weibliche Bildungs- anſtalt nicht weit von der Stadt geſucht, und mit der Empfehlung, die ich von Troy erhalten kann, bis ich ſicher, die Stelle zu bekommen; ich habe in den letzten zwei Jahren unermüdlich gearbeitet, mich für einen ſolchen Platz auszubilden, und ich hoffe, nicht ohne Erfolg. N

Ich hätte ſie unterbrochen, aber ſie ſprach mit einer Entſchloſſenheit, die mich davon zurückhielt. Ich näherte mich ihr, erfaßte ihre Hand und ſagte:Meine theure Katharina, ich hatte gehofft, wir würden uns nie mehr trennen. Sie ſenkte ihre Blicke, wie von ihren Gefühlen überwältigt.

Du wirſt mich jetzt nicht verlaſſen, fuhr ich fort. Es ſcheint, als ob der Himmel ſelbſt unſere Schickſale vereinigt hat, und mein Gemüth hat ſich ſo einzig nur mit Dir beſchäftigt, daß die Welt ohne Dich eine Einöde für mich ſein würde.

Katharina wendete ſich halb von mir ab, aber ließ mir ihre Hand, die zitternd den Druck der meinigen er⸗ widerte.

Ich brauche Dir nicht zu ſagen, daß ich Dich liebe. Willſt Du die Meinige werden?/

Nein, ſchluchzte ſie ſchmerzlich,ich kann nicht, ich will nicht. g

Mein Herz war jetzt zu voll, und gegen meinen Willen machte es ſich Luft.Katharina, ich fürchte, daß Du dem Herrn Selwyn geneigter biſt, als mir; aber ich liebe Dich zu innig, als daß ich es ertragen könnte, Dich als die Gattin eines Andern zu ſehen, und deßhalb muß ich Dich verlaſſen, wir müſſen uns trennen.

Katharina erſchrack heftig.Und liebſt Du mich denn wirklich? ſagte ſie.Iſt es nicht bloßes Mitleid, das Du für die Waiſe fühlſt?

Wollte Gott, es wäre ſo!, erwiderte ich.

Dann bin ich in der That gluͤcklich, rief ſie aus und fiel mir weinend um den Hals.

Der Wechſel meiner Gefühle war ſo plötzlich, daß ich für einen Augenblick kein Wort hervorbringen konnte. Doch bald kam es zu einer Erklärung. Katharina erzählte mir, daß ſelbſt in der Schule ihre Gedanken ſich nur mit

mir beſchäftigt, daß, als ſie älter geworden und mehr von

der Welt geſehen, ſie gefürchtet habe, ihre kindiſchen Ge fühle könnten zu einer tiefern Leidenſchaft werden, und daß dieß ſie in Betrübniß verſetzt habe; daß einſt während ihres Aufenthalts in der Schule ſie gehört, daß ich mich verheirathen wolle, und daß ihr dieß Anfälle von Ohn⸗ macht zugezogen habe, deren Grund die Lehrer nicht ent⸗ decken konnten. Seit ihrem Aufenthalt in New-Nork, ſagte ſie, habe ſie ſich oft geſchmeichelt, einen Eindruck auf mich gemacht zu haben, aber es habe ſich ihr die Be ſorgniß aufgedrängt, daß ich, der ich ſchon ſo viel für ſie gethan, aus bloßer Güte mein Pflichtgefühl noch weiter ausdehnen möchte, und das ſei der Grund, weßhalb, ob gleich ihr Herz bei'm erſten Geſtändniß meiner Liebe vor Entzücken geſchlagen, ſie gegen ihren Willen meinen An trag abgelehnt habe.(Schluß folgt.)

Einladung.

Auf Grund des am 14. September v. J. zu Witten berg gefaßten Beſchluſſes wird, ſo Gott will, der zweite Congreß für die innere Miſ⸗ ſion der deutſchen Evangeliſchen Kirche, im Anſchluß an die Verſammlung zur Gründung eines deut ſchen Evangeliſchen Kirchenbundes, am 12., 13. und 14. September d. J. in Stuttgart ſtattfinden.

Wir laden hierzu alle unſere Agenten, Correſpon denten, die Abgeordneten der Vereine, welche ſich uns an geſchloſſen haben, ſo wie endlich alle Freunde der inneren Miſſion ein.

Gegenſtände der Verhandlung werden ſein:

I. in der allgemeinen Verſammlung, uach Erſtattung eines Berichts über die Thätigkeit des Central-Ausſchuſſes und über die Fortſchritte der inneren Miſſion in dem letzt verfloſſenen Jahre,

1) Die innere Miſſion in der Familie, mit beſonderer

Beziehung auf den Hausgottesdienſt.

2) Wie ſind die noͤthigen Arbeiter für den Dienſt der inneren Miſſion zu gewinnen?

II. In den Sektionen ſollen folgende Gegenſtände