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Intelligenz-Dlatt
fuͤr die
Provinz Oberheſſen
im Allgemeinen,
den Regierungsbezirk Friedberg
im Beſonderen.
. 33.
Sonnabend den 27. April
1850.
Der corſiſche Dolch. 1.
Sie wünſchen die Geſchichte meines Dolches zu wiſ— ſen— dieſes Dolches mit dem wunderlich verzierten Griffe und der ſtarken, ſcharfgeſpitzten Klinge, die jedem, den ſie trifft, einen gewiſſen Tod bringen muß? Ich würde Ihnen denſelben ſchon längſt zum Geſchenke gemacht haben, hät— ten wir nicht bei uns zu Hauſe einen Aberglauben,(der ſich in dem Sprüchwort ausdrückt: Quando coltello, si da, amicizia se ne va!) und welcher verbietet, einem Freunde eine Waffe zu ſchenken. Er ſoll Ihnen jedoch
in meinem Teſtamente werden; denn ich bin der Ueber-
zeugung, daß kein Eiſen ſcharf genug iſt, um die Erin— nerung an einen geſchiedenen treuen Freund zu zerſchnei— den... Doch daran zu denken, iſt ſpäter wohl einmal noch Zeit,— jetzt die Geſchichte!
Wenn Sie unſere Felſeninſel kennten; wenn Sie Bekanntſchaft gemacht hätten mit unſern Vollblutcorſen, denen welche die Erziehung auf dem Feſtlande nicht um— gemodelt oder, wie unſere Alten ſagen, nicht verdorben hat; wenn ich ſie Ihnen zeigen konnte, dieſe Männer mit den bronzenen Geſichtern, den feinen und regelmäßigen Zügen, der wilden Miene, den pechſchwarzen, blitzenden Augen, dem gedrungenen, kräftigen und zugleich geſchmeidigen Gliederbau, mit den behenden Füßen, die ſich wie eiſerne Klammern an den ſteilſten Felſen feſthalten, mit ihren ſchön gebauten Händen, die unaufhörlich mit einer ver— borgenen Waffe ſpielen;— wenn Sie mit mir eintreten könnten in jene Familienkreiſe mit den ſtrengen Grundſätzen, die ſo ſtolz ſind in ihrer Armuth und ſo ſorgſame Wächter über die Ehre ihrer Frauen und Töchter;— wenn Sie das Geheimniß dieſer Herzen leſen könnten, wo das Ge— fühl der Rache die unbedingte Herrſchaft übt, wo die Liebe mehr grauſam als ſüß iſt, und wo die Eiferſucht gleich dem Pulver ohne vorhergehendes Glimmen aufblitzt: dann würden Sie ohne Zweifel einen größeren Genuß an dem kleinen Drama haben, welches ich jetzt, ſo gut ich's ver mag, vor Ihren Augen ſich aufrollen laſſen will.
Es ſind etwa fünzig Jahre ſeitdem verfloſſen. Cor— ſica war damals noch weit entfernt von der Stufe der Civiliſation, die es jetzt erreicht hat. Kaum befreit von dem Joche der Genueſen, fühlten ſeine Bewohner in ſich noch die Wuth über jene verhaßte Knechtſchaft kochen.
Alle ihre Zuſtände verriethen ihren trotzigen Sinn oder einen lange verhaltenen Grimm, und ihr Geiſt wie ihr Gemüth waren von jener ſcharfen und harten Art, wie ſie ſich dem Drucke und der Tyrannei gegenüber ausbildet. Die Gerechtigkeit, ſtets ſehr ſchwer zur Durchführung zu brin— gen in Corſika, war in dem Zeitpunkte, wo meine Geſchichte anhebt, beinahe gleich Null. Die barbariſche Sitte, die wir vendetta nennen, und von der Sie ohne Zweifel ge— hört haben, wurde aus den unbedeutendſten Gründen und um jede Kleinigkeit ausgeübt, und die Schuldigen flüchte— ten in's Gebirge, wo ſie ſich in unzugänglichen Schlupf— winkeln verbargen und das Land mit Raub und Mord erfüllten.
Unter dieſen Banditen war ein gewiſſer Pietro Santo aus Sartena, welcher fünf volle Jahre hindurch unbarm⸗ herzig unter ſeinen Mitbürgern mordete und brandſchatzte, um eine Rache zu vollziehen, die ſich von ſeinem Groß— vater auf ihn vererbt hatte. Unter den vorzugsweiſe von dieſem furchtbaren Menſchen verfolgten Familien war die Giuſeppe Roballini's diejenige, welche von ſeinem Haſſe am ſchwerſten heimgeſucht wurde. Der älteſte Sohn Roballini's hatte den Bruder Santo's getödtet, indem er ſein Leben gegen dieſen Verwandten des Banditen vertheidigte. Kurz darauf fand man den unglücklichen jungen Mann, getroffen von drei Kugeln und einem Dolch— ſtoß im Herzen, in einem Olivenwalde vor der Stadt. Seine vier Brüder folgten ihm auf dieſelbe ſchreckliche Weiſe, und von ſechs Kindern blieb dem alten Roballini nur eine Tochter von zwanzig Jahren, Namens Angeluccia übrig, deren Geburt ihrer Mukter das Leben gekoſtet hatte. Die Schönheit und Klugheit derſelben waren weit berühmt im Lande, und Jedermann pries Den glücklich, der ſolch eine Frau einſt beſitzen ſollte. Aber, obwohl ſich eine Menge annehmlicher Freier meldeten, wies Vater Roballini doch alle ab, und wunderbarer Weiſe verrieth Angeluccia nicht die geringſte Betrübniß darüber. Wenn ihr die Nach— barn von Heirath ſprachen, ſo zeigte ſie auf ihre Trauer— kleider und ſagte, daß ſie noch zu viel über ihre Bruder zu weinen und ihren Vater zu tröſten habe.
Man feierte ſo eben Mariä Verkündigung, und in allen Kirchſpielen wurde Meſſe geleſen. In dem großen Saale im Erdgeſchoſſe von Roballini's Haus war Ange— luccia mit Hülfe einer Magd beſchäftigt, für ihren Vater den Tiſch zum Mittagseſſen zu decken.
Es war ſonſt und iſt in einigen Gegenden noch jetzt Sitte in Corſika, daß die weiblichen Glieder der Familie


