ntelligenz-Blatt
fuͤr die
Provinz Oberheſſen
im Allgemeinen,
den Uegierungsbezirk Friedberg
im Beſonderen.
1850.
igen V. Juni. verrichtet: . adtklche: Stadtkirche: Surgkirche: Burgkirche: — 2 49. ie. ä. f N — Amtlicher Theil. J. Juni— dun] Du. Die Großherzoglich Heſſiſche 7 jerungscommiſſion des Regierungsbezirks ——+ Regierungscommiſſion des Regierungsbezir 5 5% n Friedberg 18— an die Gr. Bürgermeiſter des Bezirks und die Polizei— 20 kommiſſäre zu Arnsburg, Wickſtadt und Engelthal. e Betreffend: Die Einſendung der Viehſtandstabellen für 1850. ae Wir ſehen der Vorlage der Viehſtandstabellen binnen ud Butzbach 8 Tagen unfehlbar entgegen. Friedberg am 24. Juni 1850. Jum. i Ou prier * 0 Die beiden Vebenbuhler. 1 fl. k. N. Von J. A. Fröhlich. N Cortſetzung.) 2 114 Pierre mußte ſich ſagen: daß dieſe Scheelſucht auf 757052 ſeinen Freund eines edlen Gemuͤthes unwürdig ſei, daher 95 kämpfte er ſie männlich nieder, und behandelte Florian 42 40 noch herzlicher als ſonſt.„Ich will unſeres wackern 6, de Meiſters Rath folgen, ſagte er zu dieſem;„ich will mir U Mühe geben, meine gute Maſchinerie in ſchöne Formen 10 zu kleiden. Wir wollen Beide für Roſette eine Uhr an⸗ A fertigen zum Angebinde für ihren nächſten Geburtstag. 171 80— Vermuthlich wirſt Du mich wieder ausſtechen, denn Dir 71411 ſtanden ſchon bei der Geburt die Grazien an Deiner Wiege!“ 16„Bravo!“ rief Florian in die Hände klatſchend;„ich 1 merke, in Dir ſchlägt jetzt auch die Poeſie ihre hellen 9 2 Flammen auf; ſagt' ich Dir ja doch immer: Du würdeſt —— ein Poet ſein, wenn Du nur ausdrücken könnteſt, was in 47 Dir ſei!. 1 142„Dein Gemüth weiß ſich ſo zart, ſo leicht und fließend 11 05 4 auszudrücken!“ ſagte Pierre mit einem Seufzer. 8 27„Weil bei mir die Federn ſo nahe an der Oberfläche 5 1 liegen, welche bei Dir aus ſo großer Tiefe wirken!“ er— 4 widerte ſein Gefährte gutmüthig.. 2„Leider bricht mir aber ſo oft der Strick, bevor ich 10 2 noch meine ſchweren Schätze aus der Tiefe heraufziehen 16— kann!“ ſagte Pierre lächelnd. Ich kann leider Nichts da⸗ „ emelün für; wir werden in unſerem Innern ſtets eben ſo ver⸗ 4 1 ſchieden ſein, wie unſere Namen. Ich bin ein Felsſtück,
Mittwoch den 26. Juni
Du eine Blume. Ich könnte in ſchoͤne und harmoniſche Verhältniſſe gehauen und gemeißelt werden, Du aber wächſt in Schönheit!“ f 8
„So ſei denn ein Fels, aber ein mächtiger, koſtbarer, tief ſein Freund,„und laß die arme Blume zu Deinen Füßen wachſen!“ ö
„Das klingt hübſch und beſcheiden,“ ſagte Pierre; „aber ich möchte im Grunde doch lieber eine Blume ſein!“
„Und weßhalb?“ fragte Florian, obwohl er aus dem verlegenen Weſen ſeines Gefährten die Antwort beinahe exrieth. J
„Weil ich glaube, daß Roſetten die Blumen beſſer gefallen als die Steine!“ erwiderte Pierre ſo raſch, als ob ihn die Worte Mühe koſteten⸗ ö
Am Neujahrstage wurden Roſetten die beiden Ge⸗ ſchenke in einer Schachtel durch den Großvater überreicht. Das erſte war ein goldener Apfel, der ſich öffnen ließ und auf der einen Seite eine kleine goldene Uhr enthielt, deren Zifferblatt ſehr zierlich mit Stahl und Gold einge— legt war, auf der einen Seite ſtellten die Zierrathen einen ſchönen Blumenkranz, auf der anderen ein Gewinde von Roſen und Vergißmeinnicht dar, letzteres in der ſchonſten Moſaikarbeit. Drehte man den Stiel des Apfels, ſo er— tönte eine Lieblingsarie Roſettens aus der anderen Hälfte des Apfels.„Gewiß iſt das Florian's Arbeit,“ dachte Roſette und betrachtete das andere Geſchenk mit weniger Aufmerkſamkeit. Es war ein elegantes goldenes Uehrchen, auf deſſen Rückſeite eine perſiſche Landſchaft, eine Gazelle und ein Paradiesvogel trefflich gravirt waren. Berührte man eine Feder, ſo öffnete ſich die Uhr, ein rundes Gold— blättchen ſchlug ſich zurück, und eine ſchöne Roſe kam zum Vorſchein, um welche ein Bienchen von Juwelen hörbar ſummte; am Rande des goldenen Kreiſes las man das Wort Roſette in ultramarinblauer Emaille. Berührte man eine andere Feder, ſo ſchob ſich die Roſe zurück, und die ſelbe Melodie, welche auch aus dem goldenen Apfel tönte erklang, aber ſo leiſe und fein als ſpielten ſie Feen mit ſpringenden Thautropfen. Dann trat eine kurze Pauſe ein, worauf eine lebhafte Tanzweiſe ertönte; das runde Goldblättchen ſchob ſich wieder weg, und eine zollgroße Operntänzerin erſchien, mit emaillirter Schärpe und einem kleinen Diamanten auf der Bruſt, und tanzte und hüpfte auf einem kaum ſichtbaren Golddrahte, vollkommen Takt haltend mit der Muſik und anmuthig die Schärpe ſchwin— gend.— Roſette ſchopfte tief Athem, und eine hohe Röthe


