Ausgabe 
24.8.1850
 
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Prinzipal eine Wohnung in ſeinem Hauſe; nach zwei Jah ren erhielt ich von ihm eine freiwillige Zulage von ein paar hundert Dollars, ſo daß ich auf meinem Lebenswege, den ich nicht zu verlaſſen entſchloſſen war, mit etwas mehr Hoffnung in die Zukunft blicken konnte. Bei jedem Be- ſuche, den ich bei Katharine machte, wurde ich mehr an ſie gefeſſelt und ſie ſchien mir ganz ergeben; an jedem Tage, wo ſie mich erwarten konnte, harrte ſie meiner und lief mir ſo weit ſie konnte, mit ausgebreiteten Armen ent egen.

. Später ſendete ich Katharina nach Troy am Hudſon, wo eine ſehr im Rufe ſtehende Schule war, mit der An weiſung, keine Koſten für ihre Ausbildung zu ſparen. Sie nahm ſich die Trennung ſo zu Herzen, daß, wären nicht alle Einrichtungen ſchon gemacht und das Geld im Voraus gezahlt geweſen, ich ihren Bitten nachgegeben haben wurde: meinen Nacken faſt krampfhaft umſchlingend, flehte ſie mich an, ſie hier zu laſſen, oder mit ihr zu gehen. Als ich ihr jedoch Alles auseinander geſetzt hatte, unterwarf ſie ſich ruhig, obwohl ihre bleiche Wange und ihre wogende Bruſt klar genug ihr inneres Gefühl zeigten.

Nach ihrer Abreiſe wandte ich Alles an, um ſichere Kunde über ihre Familie zu erlangen; ſchon bald nach dem Schiffbruche hatte ich einige Nachforſchungen ange⸗ ſtellt, aber mir fehlte die Erfahrung in ſolchen Dingen, und ſo waren ſie ohne Erfolg geblieben. Jetzt ſchrieb ich an meine Freunde in Europa, ließ Anzeigen in die Zei⸗ tungen ſetzen; aber auch jetzt gelangte ich nicht zum Ziel.

Sechs Jahre hatte ich nunmehr in demſelben Ge⸗ ſchäfte gearbeitet. Mein Prinzipal mußte mit mir zu⸗ frieden ſein; denn er behandelte mich mehr als einen Sohn, denn als einen Fremden und ſteigerte meine Beſoldung mehrere Male. Urſprünglich war mein Plan, in mein Vaterland zurückzukehren, nachdem ich mir einiges Ver⸗ mögen geſammelt; aber ich hatte zahlreiche Bekanntſchaften gemacht und meine Lage war mir ſo lieb geworden, daß ich New⸗York nicht mehr zu verlaſſen beſchloß. Nach kurzer Zeit trug mir mein Prinzipal einen Antheil an dem Ge ſchäfte an, worauf ich gern einging und mich nun voll⸗ kommen zufrieden fühlte.

Katharinens Bildung war jetzt vollendet, und ich brachte ſie, auf Empfehlung des Vorſtehers der Lehranſtalt

in das Haus einer geachteten Dame. Meine Lage in Hinſicht auf meine ſchoͤne Pflegbefohlene wurde jetzt etwas kritiſcher. Jeden Abend beſuchte ich das Haus, wo ſie wohnte; ſie ſpielte das Piano trefflich und ſang mit vor züglicher Anmuth: ein Hochgenuß für mich, den Freund der Muſik. Da auch noch zwei andere junge Mädchen in dem Hauſe waren, ſo fehlte es nicht an Beſuchen jun ger Männer; aber es erregte unbehagliche Gefühle in mir, wenn ich Andere in Katharinens Nähe ſah, von Anderen ihren Geſang und ihr Spiel rühmen hörte; und doch ver mochte ich ſelbſt nicht ein einziges angenehmes Wort für ſie über die Lippen zu bringen, wenn ich auch alles das, was die Anderen ihr ſagten, fühlte. Doch glänzten ihre Augen jedesmal, wenn ich in's Zimmer trat oder wenn ich ſie bat zu ſingen; auch übte ſie vorzüglich die Stücke, die ich gern hörte und kaufte die Noten, die ich empfahl; wenn ein Spaziergang am Abend gemacht wurde, nahm ſie jedesmal meinen Arm. Anfangs fand ich die jungen Männer, die in dem Hauſe Umgang hatten, recht ange nehm; ſpäter fühlte ich eine Abneigung gegen ſie und dieſe wuchs, je mehr ſie ſich geſprächig und witzig zeigten; dieſe Abneigung zu bekämpfen bemuͤhte ich mich vergeblich.

Eines Abends, wo ich unbeſchäftigt war, kam ich gleich nach dem Mittageſſen zum Beſuch bei Katharina. Der Diener ſagte mir, daß die Familie ausgegangen ſei, aber bald wieder nach Hauſe kommen werde. Oft hatte ich gewünſcht, mit ihr allein zu ſein, doch jetzt pochte mein Herz ſo heftig, daß ich kaum ein Wort hervorbringen konnte. Auch ſie war verlegen.

Bruder, ſagte ſie, nach einer kurzen Pauſe,ich freue mich, daß ich endlich einmal einen Augenblick mit Dir allein ſprechen kann: ich gedenke dieß Haus bald zu verlaſſen.

Bald zu verlaſſen, Katharina? rief ich und fuhr vor Schreck zurück.Um des Himmels willen, wohin willſt Du?

Nur zu lange habe ich ſchon von Deiner Gute ge lebt und... 5

Erwähne das nie wieder, Katharina, wenn Du mein Gefühl nicht ſchmerzlich verwunden willſt. Du biſt mein größtes, mein einziges Glück geweſen.

(Fortſetzung folgt.)

Bekanntmachungen von Be⸗ hörden.

N νι

Bekanntmachung. (969) Im Intereſſe des handelnden Publi⸗

kums wird hiermit zur öffentlichen Kenntniß ge⸗ bracht, daß der Stadt Friedberg von Großh. Miniſterium zu Darmſtadt die Abhaltung von weiteren vier Viehmärkten genehmigt wurde, von welchen in dieſem Jahre an folgenden Tagen abgehalten werden, als:

1) den letzten Mittwoch vor Michaeli, 25. Sept.,

2) den letzten Mittwoch vor Simon Juda, 23. Okt.

3) den erſten Mittwoch nach Martini, 13. Nobr.

Die Gr. Bürgermeiſter werden erſucht dieſes

in ihren Gemeinden bekannt machen zu laſſen. Friedberg den 19. Juni 1850.

Der Großh. Heſſ. Bürgermeiſter

Bender.

Edictalla dung.

(1273) Ueber das Vermögen des Oeconomen Chriſtian Carl zu Okarben iſt der formelle Con⸗ curs erkannt. Dieſes öffentlich bekannt machend ſetzt man zugleich Termin zur Anmeldung aller Anſprüche auf

Montag den 23. September d. I., Vormittags 9 Uhr an, wo Jeder, der Anſprüche an die Maſſe bilden will, ſolche bei Meidung ſtillſchweigends erfolgenden Ausſchluſſes anzuzeigen hat. In dieſem Termin ſoll zugleich wegen Beſtellung eines Curators der bereits interimiſtiſch hat be⸗ ſtellt werden müſſen ſowie Genehmigung der bis dahin ſtattgehabten Gutsverkäufe gehan delt werden. Großkarben am 13. Auguſt 1850. Großh. Heſſ. Landgericht Jäger. Schmidt. Güter Verpachtung. (127) Dienſtag den 27. Auguſt, Morgens um 9 Uhr, werden in hieſigem Rathhauſe nach ſtehende ſtädtiſche Grundſtücke auf ſechs Jahre meiſtbietend verpachtet: 1) 3 Morgen, die Lachenwieſen in 6 Abthei⸗ lungen, 2) 4 Morgen 2 Prtl. 29 Ruthen, der Schützen⸗ acker in 5 Abtheilungen, 3) 3 Morgen, 3 Vrtl. 38 Ruthen, die Mar⸗ burgerhohle in 4 Abtheilungen, 4) ½ Morgen am ſtumpfen Graben, 5) 73 Klafter an der Landſtraße,

6) 2 Prtl. 65 Klafter am ſog. Schmidt'ſchen Acker,

7) 39 Klafter an der Landſtraße,

8) 59 an der Galgenbrücke,

9) 1 Prtl. 91 Klafter am Daxpfad,

10) 2 13 Ruthen in der Lach,

110 234 Klafter, der flache Theil des Wild⸗

kautsgrabens, 12) 366 an der Töpferkaut, 13) 102 in den Liebfrauengärten, 14) 101 Grabſtück im Roſenthal,

15) ein Stück hinter Kuhes Garten. Friedberg am 14. Auguſt 1850.

Der Großh. Heſſ. Bürgermeiſter Bender.

Hofraithe-Verſteigerung.

(1280) In Auftrag der Konrad Gerſterſchen Eheleute dahier werden Dienſtag den 27. Auguft, Morgens um 11 Uhr, nachſtehende, denſelben eigenthümlich zuſtehenden Hofraithen in hieſigem Rathhauſe meiſtbietend verſteigert, als:

1) Hofraithe beſtehend in Wohnhaus und Stall, an Ferdinand Volp,

2) Hofraithe, in einem halben und ganzen Wohnhaus und halben Gärtchen, getheilt mit der Stadt und Burg Friedberg.

Friedberg am 14. Auguſt 1850.

Der Großh. Heſſ. Bürgermeiſter Bender.

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