Ausgabe 
24.7.1850
 
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230.

Homberg g. d. O., der L.⸗G. Aſſeſſor Eckſtein von Homberg nach Gladenbach, der L.⸗G⸗Aſſeſſor Dr. Irle von Butzbach nach Friedberg verſetzt und der Hofger.⸗Seer. Acceſſiſt Erdmann aus Darmſtadt zum Aſſeſſor m. St. an dem Landgericht zu Butzbach ernannt. Am 13. wurde der Hofg.⸗Secr.⸗Acceſſiſt br. Stammler aus Gießen zum Aſſeſſ. m. St. an dem Landg. Alsfeld und der Hofg.⸗Secr.⸗Acceſſiſt Korn⸗ meſſer von Höchſt zum Aſſeſſor m. St. an dem Landg. Büdingen ernannt. Am 14. wurde der Hofg.⸗Seer.-Acceſſiſt v. Preuſchen aus Darmſtadt zum Aſſeſſor m. St an dem Landg. Friedberg, am 15. der Hofg.⸗Secr⸗Acceſſiſt Bötticher aus Darmſtadt zum Aſſeſſor m. St. an dem Landg. Offenbach; am 16. der Hofg.⸗Seer.⸗Acceſſiſt

v. Bechtold zum Aſſeſſor m. St. an dem Stadtgerlcht daſelbſt und

der Hofg.⸗Seer.-Acceſſiſt v. Starck aus Darmſtadt zum 2. Subſti⸗ tuten des Staatsanwalts zu Gießen ernannt. Am 26 wurde der Hofger-Aſſeſſor Ur Seitz zu Gießen in gleicher Eigenſchaft an das Hofgericht zu Darmſtadt verſetzt, der Landg. ⸗Aſſeſſor Draudt zu Hungen zum Aſſeſſor bei dem Hofgerichte dahier und der Stadger. Aſſeſſor v. Hombergk dahier zum Aſſeſſor bei dem Hofgerichte zu Gießen ernannt. Am 1. Mai wurde der Landg.-Aſſeſſor Hahn zu Langen an das Stadtgericht Darmſtadt, der Landg.⸗Aſſeſſor Wirth von Höchſt nach Langen, der Landg⸗Aſſeſſor Schmitt von Lorſch nach Höchſt und der Landg⸗Aſſeſſor Weber von Schlitz nach Lorſch verſetzt, ſowie der Hofg.⸗Seer.⸗Acceſfiſt Eckſtorm aus Gedern zum Aſſeſſor m. St. an dem Landger. Schlitz, der Hofg.⸗Secr.⸗Ackeſſiſt Suppes aus Großkarben zum Aſſeſſor m. St. an dem Landg. zu Büdingen und der Hofg.⸗Secr.⸗Acceſſiſt Langsdorf aus Gießen zum Aſſeſſor m. St an dem Landg. Hungen ernannt⸗ 5) Erledigt find: die evang. Pfarrſtelle zu Battenberg, Reg.⸗Bez. Biedenkopf, mit jährl. 1015 fl., Solm'ſches Präſentationsrecht; die 1. evang. Schullehrerſtelle zu Biſchoffsheim, Reg.-Bez. Darmſtadt, mit jährl. 447 fl., einſchließlich der Vergütung fuͤr Heizung des Schullocals.

Erinuerungen eines Londoner Polizei-Beamten. (Jortſetzung.)

Von da ging ich in das Kaffeezimmer, wo Mr. Briſtowe noch immer, anſcheinend in tiefem Nachdenken ſaß, und ſchrieb einen Brief, mit welchem ich den Hausknecht des Gaſt hauſes wegſandte. Ich hatte nun Muße genug, mir den vermeintlichen Räuber und Mörder zu betrachten: es war ein blaſſer, ſchöner junger Mann von etwa 26 Jahren, verſtändigem Geſicht, ſchlankem ebenmäßigem Wuchs und trotz ſeiner etwas beſchmutzten und abgetragenen Kleidung, mit dem entſchiedenen Habitus eines Gentleman. Seine Miene hatte etwas Verlegenes, Sorgenſchweres, allein ich ſuchte darin vergebens nach jener zuſammenfahrenden nervöſen Unruhe nach jenem erregbaren Erbeben, das nach meiner Erfahrung ſogar im Verbrechen ergraute Burſchen an den Tag legen, wenn man ſie raſch auredet. Mehrere Perſonen waren haſtig in's Zimmer getreten, ohne daß er auch nur nach ihnen umſah. Ich entſchloß mich nun, ſeine Nerven auf eine Probe zu ſtellen, welche meiner Anſicht nach kein Mann, der kaum erſt einen Mord begangen und erſt den Tag vorher einen Theil des Ertrags dieſes Ver brechens auf der Bank von England in Gold umgewech felt, ohne Erbeben beſtehen konnte. Mir lag mehr daran, meine eigene Ueberzeugung über ſeine Schuld oder Nicht ſchuld feſtzuſtellen, als auf ſolche Weiſe Beweismittel für die Schlußverhandlung über ihn zu gewinnen, denn ich ahnte mehr und mehr, daß der junge Mann trotz allen Anſcheins an dem ihm aufgebuͤrdeten Verbrechen unſchuldig war, und vielleicht das Opfer irgend eines gegen ihn an gezettelten teufliſchen Complotts werden ſollte, unter deſſen Schutze die eigentlichen Urheber des Verbrechens entkom⸗ men wollten; mein Argwohn wollte mir nun einmal einreden, die eigentlichen Thäter ſeien den drei Bur ſchen nicht fremd, welche unſere Reiſegefährten werden ſollten. Meine Pflicht war ja ebenſo ſehr die Rechtfer tigung der Unſchuld, als die Entdeckung der Schuld, und wenn ich die Ueberzeugung gewinnen konnte, daß er un ſchuldig ſei, ſo gelobte ich mir, Nichts unverſucht zu laſ ſen, um ihn aus ſeiner gefährlichen und drohenden Lage zu retten. Ich verließ das Zimmer, blieb eine Weile draußen, kam dann mit ziemlichem Geräuſch herein, ging raſch und mit entſchloſſenem Weſen gerade auf den Ver⸗

ſchlag zu, worin er ſaß, faßte ihn raſch beß'm Arme und rief barſch:Hab' ich Sie endlich ausfindig gemacht? Er fuhr nicht zuſammen, gab nicht das mindeſte Zeichen von ſich von Schreck oder Furcht, ſondern war nur er ſtaunt und verlegen, als er zu mir aufblickte mit den Morten Was Teufels wollt Ihr damit ſagen?

Bitte ſehr um Vergebung, verſetzte ich;der Kell ner ſagte mir, ich werde hier einen alten Freund von mir, einen gewiſſen Bagſhawe treffen, den ich ſchon etliche Tage vergeblich aufſuche, und für dieſen hielt ich Sie!

Er nahm meine Entſchuldigung freundlich auf und bemerkte mir zu gleicher Zeit ruhig, er heiße zwar Briſtowe, habe aber ſeltſamerweiſe einen Onkel in der Provinz, wel cher den Namen der Perſon führe, für welche ich ihn ge halten. Dieſer Mann iſt gewiß unſchuldig! ſagte ich zu mir ſelbſt; und dennoch...? In dieſem Augenblick meldete mir der Hauskuecht die Ankunft des Herrn, nach welchem ich ihn geſchickt hatte. Ich ging hinaus, gab dem An⸗ kömmling die Weiſung, Mr. Briſtowe nicht aus den Augen zu laſſen, und eilte nach Hauſe, um mich zu meiner Reiſe

zu rüſten.

Nachdem ich mich mittels einer flächſenen Perücke, grüner Brille und einer Unzahl Weſten, Unterleibchen und Shawls, die ich über einander anzog, in einen dicken be höbigen und ältlichen Mann verwandelt hatte, begab ich mich wenige Minuten vor der Abfahrt des Wagens mit Joſiah Barnes, den ich zuvor gehörig belehrt hatte, wie er ſich gegen unſere Gefährten benehmen ſollte, in den Sarazenenkopf. Mr. Briſtowe hatte ſchon ſeinen Sitz eingenommen. Diedrei Freunde aber warteten noch, wie ich wohl bemerkte, ſehr neugierig ab, wer zu ihnen in den Fond des Wagens kommen ſollte, bevor ſie ihre Plätze in einem ſo engen Raume einnahmen, den man unter gewiſſen Umſtänden ſo ſchwer verlaſſen konnte. Mein Aeußeres und das von Barnes, der allerdings weit töl piſcher und einfaltiger erſchien, als er wirklich war, be ruhigte ſie vollkommen, mit vertrauensvoller Behendigkeit nahmen ſie ihre Plätze ein, und wenige Minuten ſpäter fuhren wir ab.

Eine ſtillere ungeſelligere Reiſegeſellſchaft hatte ich nie zuvor gehabt; nicht die mindeſte Unterhaltung war zwiſchen den ſechs Paſſagieren im Fond anzuknüpfen, gleich als habe Jeder ſeine eigenen Gründe, ſein Licht unter den Scheffel zu ſetzen. Nur ein oder zwei unbedeutende Vor⸗ fälle, die ich aber doch tief in's Gedächtniß einprägte, be⸗ gaben ſich während der langen langweiligen Reiſe, bis wir, noch etwa 30 Meilen von Kendal, anhielten um Mit⸗ tag zu machen; hier erfuhr ich, eine Unterredung belauſchend, die der Eine der drei Burſchen mit dem Kutſcher hielt, daß ſie in einer Schenke an der Straße, ungefähr ſechs Meilen dieſſeit Kendal abſteigen wollten.

Kennt Ihr das Haus, in welchem ſie anhalten wollten? fragte ich Barnes, ſobald ich ihn aus der Seh⸗ und Hörweite der Anderen hinter das Haus gelockt.

O, recht gut, verſetzte er;es liegt, ungefähr zwei Meilen von Five Oaks Houſe, war die Antwort.

Wohlan denn! dann müßt Ihr auch dort bleiben. Ich muß nothwendig mit Mr. Briſtowe nach Kendal gehen; Ihr aber könnt zurückbleiben und den Burſchen aufpaſſen, Allein unter was für einer Ausrede wollt Ihr zurückblei ben; nun dieſe ſauberen Vögel einmal wiſſen, daß Ihr bis Kendal eingeſchrieben ſeid? ö

Ei, dafür laſſen Sie nur mich ſorgen! Glauben Sie mir, ich will ihnen ſo viel Sand in die Augen ſtreuen, daß man ein Hundert von ihnen damit blind machen könnte!

Jenun, wir wollen ſehen. Und nun zu Tiſche!

(Fortſetzung folgt.)

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