Ausgabe 
23.11.1850
 
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heißem Danke gegen die beiden Ehrenmänner, er müſſe ſeiner kindlichen Pflicht treu bleiben, und dieſe wieſe ihn hin, den Ackerbau ſeiner alten Mutter fortzutreiben. Die beiden Männer erkannten die edle Geſinnung an, und verſprachen, ſeine Freunde zu bleiben und ihn mit guten Büchern zu ſeiner Weiterbildung zu verſehen. Das haben die edlen Männer treu gehalten. Superintendent Götz hat die Gedichte von Iſage Maus durchgeſehen, verbeſſert, ihn belehrt, und Schmerz hat dadurch, daß er ſie in öffent⸗ lichen Blättern drucken ließ, die Welt auf ihn aufmerk⸗ ſam gemacht. So kam's denn, daß Leute, welche an ſei nen Gedichten Vergnügen fanden, aus der Nähe und Ferne heranpilgerten, und ihn in ſeinem ſtillen Badenheim be ſuchten. Oft iſt es vorgekommen, daß recht vornehme und berühmte Leute im Acker, wo er pflügte, neben ſeinem Pfluge auf- und niedergingen, um ſich mit ihm unterreden zu koͤnnen. Als er 1796 zum erſten Male ſeine Gedichte in einer Sammlung drucken ließ, beſchrieb er ſelber ſein Leben. Dieß erwarb ihm noch mehr Freunde und Ver⸗ ehrer nah und fern. Mit vielen, ſelbſt ſehr angeſehenen Leuten wechſelte er Briefe, die meiſt in Verſen geſchrieben waren, und die er auch in einem Bande hat drucken laſſen. Das Alles machte den beſcheidenen Mann nicht ſtolz, nicht träge in ſeinen Ackerbaugeſchäften. Er blieb ein beſchei⸗ dener Bauersmann, und das achteten die Leute noch um ſo höher. An ihm bewies es ſich recht als wahr, was der Dichter Gellert ſagt, von dem ich Euch in der Spinn⸗ ſtube von 1849 erzählt habe:

Nie ſchenkt der Stand,

Nie ſchenken Güter

Dem Menſchen die Zufriedenheit;

Die wahre Ruhe der Gemüther

Iſt Tugend und Genügſamkeit.

Wie Maus von Leuten geehrt wurde, die in Nähe und Ferne wohnten, ſo ehrten ihn auch die Mitbürger in Badenheim ſelbſt. Anfangs konnten ſie gar nicht begrei⸗ fen, warum die vielen Leute zu Maus kämen. Als ſie es aber erkannten, freuten ſich die ehrlichen Leute darüber. Sie wählten ihn zu ihrem Ortsvorſtande, welche Stelle er fünfzehn Jahre lang begleitete. Er war durch ſeine gereifte Einſicht Allen ein wohlmeinender Rathgeber, und ſelbſt im Ackerbau diente er mit Rath und That, da er ihn mit Einſicht und Erfolg trieb. Sein Wohlſtand ſcheuchte die bittere Sorge von ihm, und ſeine Seele war allezeit heiter. Feſt ſtand in ſeinem Herzen der fromme Glaube und das Vertrauen auf Gott. Sein Wandel war unbeſcholten, ſein Familienleben ein ſtilles, chriſtliches. Er war glücklich verheirathet und Vater von neun Kin⸗ dern, die er alle gottesfürchtig im lieben Bauernſtande erzog. Manche Leiden und Drangſale ſuchten ihn heim, wie das ſo das Loos der Sohne des Staubes iſt. Im Jahre 1799 ſtarben ihm drei blühende, erwachſene Töchter in einem Monate. Das beugte ihn tief; aber im Glauben an Gottes gute Abſichten mit uns und in der Hoffnung des Wiederſehens im Himmel richtete er ſich wieder auf.

Die Drangſale der neunziger Jahre durch die Fran zoſen erfuhr er reichlich, und er mußte auch manches ſchwere Opfer bringen, trug es aber in chriſtlicher Geduld und Ergebung.

Viel Gutes hat er durch Wort und That geübt. Daher war ſein Lebensabend heiter, ſein Sterben voll Glauben und Hoffnung. Am 31. Dezember 1833 ſtarb er und am 2. Januar 1834 trugen ſie ihn zu dem ſtillen Bettlein im Schooß der Erde, das uns Alle erwartet. Fünf Kinder, acht und zwanzig Enkel und fünf Urenkel ſind in tiefem Leide ſeinem Sarge gefolgt und mit ihnen Viele, die ihm in Liebe angehörten.

Damit ihr aber auch den Mann aus ſeinen Gedich⸗

ten kennen lernet, liebe Leſer, will ich euch eins hier mit⸗ theilen. Es heißt: 12

Abendgebet einer Hausmutter.

Ein Tag vollbracht in Gottes Namen, Iſt mehr als Reichthum, mehr als Gold. Obſchon mitunter Sorgen kamen,

So war das Schickſal doch mir hold.

Ich blieb geſund bei Muth und Kräften, Du ſtandeſt, großer Gott, mir bei;

Ich weihte froh mich den Geſchäften, Blieb meiner Mutterpflicht getreu.

Nun naht des Schlafes ſüße Stunde, Und ſenkt die müde Welt zur Ruh'. Es ſtrömt dir, Gott, aus jedem Munde Der Dank für Huld und Segen zu.

Schon ſchlafen meine Hausgenoſſen, (Wie kummerlos im Schooß der Nacht!) Ich einzig ſitze unverdroſſen,

Die Letzte, die das Haus bewacht.

Auch mir, o Gott, gönn'ſt du die Ruhe, Du wacheſt ja, wenn Alles ruht. a Und was ich habe denk' und thue, Steht einzig unter deiner Hut.

Befrei' auch mich von Gram und Sorgen In dieſer Nacht, du Herr der Zeit,

Und ſchenke mir am frühen Morgen

Des Geiſtes inn're Heiterkeit.

Für jede Wohlthat laß mich danken, Dich preiſen und getreu dir ſein,

Im Glauben deiner Huld nicht wanken, Auf dich vertrauen ganz allein.

Nun ſchlaf' ich ein in deinem Namen,

Von dir geliebt, von dir bewacht.

Mein letztes Wort ſei frohes Amen,

Und allen Menſchen gute Nacht! (Spinnſtube 1850.)

Eine Auekdote.

Was ein ehrlicher Hunsrücker nicht Alles erlebt! Auf dem Dampfboote fuhr einmal Einer. Es war im Sommer, und in der Cajuͤte eine drückende Schwüle. Der Hunsrücker geht unter das Zelt, und als er dort einen Herrn ſein Schöpplein trinken ſieht, kriegt er auch nach einem halben Schöpplein Luſt. Fragt er darum den Trin⸗ ker: Wo kriegt man denn Wein?

Ihr müßt nur ſchellen, ſo kommt ein Aufwärter, ſagte dieſer. Der Hunsrücker ſieht ſich nach einer Schelle um, kann aber keine entdecken. Er geht vorne aufs Schiff, ob vielleicht dort eine ſei, aber er ſucht umſonſt. Endlich ſieht er die Schiffsglocke. Aha, find' ich dich endlich, ſagt er, ſpringt eilig dahin, und fängt aus Leibeskräften zu läuten an.

Da eilt der Capitän, der gerade mit einem guten Freunde ſpricht, ans Maſchinenthürchen, und ruft: Stoppet! weil er meint, ſie ſeien an einer Station. Das Schiff ſteht ſtill, aber nirgends iſt ein Ort, nirgends ein Kahn, und der Hunsrücker läutet noch immer. Jetzt eilen die Matroſen herbei, und rufen: Was macht Ihr denn da?

Ja, nicks vor ungut, antwortet der, der Herr da⸗ hinten ſagt, wemmer à halb Schöppche hon wollt', müßt' mer ſchelle. Gewwe ſe mer doch ä halb Schöppche!

(Spinnſtube 1850.)